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Rassismus

Diese Seite entstand ursprünglich durch einen Fehler beim Erstellen eines Blogbeitrags und trug den Titel des hier weiterhin aufgeführten Blogposts vom 6.1.2014. Es wäre passend hier alle meine Beiträge zum Thema Rassismus zu verlinken, da ich momentan aber andere Prioritäten habe als meinen Blog besser zu ordnen, belasse ich es dabei diese neue Einleitung für die Seite zu schreiben. Ich kann bei bestehendem Interesse aber auf die Suchfunktion verweisen: Stichworte Rassismus und impliziter Rassismus, und auf die links aufgeführten Links in der Rubrik Rassismus.

Im Verlauf meines Studiums der Bildungswissenschaft an der FernUni in Hagen gewann für mich unerwartet eine bestimmte Form der Diskriminierung  bereits im ersten Semester an sehr großer Bedeutung, vor allem durch die Rassismusdefinition von Albert Memmi und die Untersuchung zur Etablierten/Außenseiter-Figuration von Norbert Elias gemeinsam mit John L. Scotson. Daher war es naheliegend in der Profilphase meines Studiums das Modul 3E „Soziale Konstruktion von Differenz“ zu wählen.

Dieses Modul bereitete mir extreme Schwierigkeiten, einerseits durch seine Struktur, andererseits aber dadurch, dass ich das Thema Rassismus als von tiefgehender Bedeutung für mich entdeckte. Ich hätte es wissen können, wenn ich andere Informationen über Rassismus gehabt hätte, so kam es sehr überraschend als ich begann meine eigene Verstrickung und ihre Art zu erkennen. Diese Auseinandersetzung mobilisierte zuerst massive Ängste und führte danach durch Phasen extremer emotionaler Aufgewühltheit und Tränen. Ich kam mehrmals an den Punkt das Thema als Bestandteil meiner Hausarbeit aufzugeben, pausierte für einige Wochen aus emotionaler Überlastung mit meiner Auseinandersetzung und konzentrierte mich auf andere Dinge. Damit konnte aber nichts an der Wichtigkeit des Themas für mich ändern. Weglaufen oder Ablenken stellten keine Lösung dar und die begonnene Auseinandersetzung, die in mir weiter lief, ließ sich nicht ignorieren. Es wurde klar, dass ich mich diesem Thema so lange stellen und es für mich bis zu einem Punkt bearbeiten muss, an dem ich irgendeine Art von Lösung durch Verstehen erreicht habe.

Während der Auseinandersetzung habe ich verschiedene Erkenntnisphasen durchlaufen und dachte mehrmals, ich hätte jetzt einen Punkt erreicht an dem ich mit meinen Kenntnissen stehen bleiben kann, wurde aber immer wieder eines Besseren belehrt. Es geht noch immer weiter und andere Dimensionen und Zusammenhänge zeigen sich. Momentan bin ich allerdings so weit dass ich hoffe, meine Ausarbeitung für eine mündliche Prüfung bis zum Ende des Semesters fertig zu haben. Ich gehe davon aus, dass das Thema Rassismus damit für mich nicht erledigt sein wird, sondern dass es sich zu einem integrierten Bestandteil meiner Weltsicht und Auseinandersetzung entwickelt. Allerdings hoffe ich, dass ich einen Punkt erreichen kann, an dem es weniger dominierend ist als in den Phasen in denen ich intensiv damit gearbeitet habe, da ich mich sehr gerne auch mit anderen Themen wieder intensiver beschäftigen möchte ohne das Gefühle etwas ganz Wichtiges zuerst klären zu müssen, bevor meine Energie für anderes zur Verfügung steht.

11.6.2014

 

Peers und impliziter Rassismus 6.1.2014

Wenn mich ein Thema gepackt hat, dann hat es mich gepackt und da ich momentan die meisten Tätigkeiten noch gut verschieben kann, bleibt auch viel Raum zum Nachhacken. Zum impliziten Rassismus habe ich inzwischen ein Buch gestartet, das erstaunlich nah an meinen Gedankengängen und meinem Informationshintergrund bleibt und in dem Teil, mit dem ich begonnen habe, sehr umfangreich recherchiert und in einer angenehmen Sprache geschrieben ist. Die Autorin klärt den Bezug zu Theorien ab, die während des Studiums der Bildungswissenschaft an der Fernuni Hagen klausurr9783531179766elevant sind und untersucht sie auf Verwendungsmöglichkeit für ihr Thema. Dabei ist ihre  Fragestellung allerdings eine andere als meine, so dass ich das Buch momentan als Stütze benutzen kann, während genug Raum bleibt mich meiner eigenen Fragestellung mehr und mehr anzunähern. Das Buch ist die zweite Auflage von Anja Weiß: Rassismus wider Willen. Ein anderer Blick auf die Struktur sozialer Ungleichheit. (Für weitere Informationen auf das Bild klicken.) Damit habe ich zumindest beim Thema impliziter Rassismus den Eindruck voran zu kommen. Inzwischen sind auch meine eigenen Problematiken so weit bearbeitet, dass ich beim Kontakt mit dem Thema nicht fortwährend losheulen muss. Auch das ein Fortschritt.

Steht also noch das Thema Peers aus. Das bleibt für mich jedoch nach wie vor rätselhaft. Mehrere Erfahrungen des letzten Tages schwirren durch meinen Kopf. Eine davon ist der rege Austausch über das Schließen der MyOpera Seite bei den Communitymitgliedern, bei dem eine große Bandbreite von Erfahrungen, Meinungen, Gefühlen, Emoticons, Links oder Bildern geteilt wird und dabei ein sehr vielfältiges Bild der Reaktionen entsteht. Dann ein Beitrag von Christian Spannagel im  Mathe-MOOC zur Quantität der Diskussionen mit der Aufforderung dazu etwas zu posten, wo im Lauf eines Tages gerade einmal zwei Antworten eingegangen sind. Dann wiederum das Mitlesen von Threads im Fernunimoodle bei Themen, zu denen ich mich im Rahmen der dort laufenden Diskussionen nicht äußern möchte.

All das und noch viel mehr hat mit dem Thema Peers zu tun. Wie war das noch gleich: gleicher oder ähnlicher formaler Status, arbeiten zusammen in Organisationen oder Institutionen und sind dem gleichen “power agent” untergeordnet, haben ein gemeinsames Interesse oder ähnliche physische Stärke, haben einen starken Einfluss aufeinander.

Wer sind eigentlich meine Peers bei einem Fernstudium? Ich befinde mich inzwischen in der letzten Phase des Studiums, also den letzten drei relevanten Modulen, und dort arbeitet jeder und jede für sich allein (nehme ich jedenfalls so wahr) an jeweils unterschiedlichen Themen und in unterschiedlichen Praktikumszusammenhängen. Damit verschwindet das Peer-sein mehr und mehr, weil wichtige Kriterien nicht mehr erfüllt sind. Es ist eine ähnliche Erfahrung wie nach dem Abschluss eines MOOCs. Mit der verschwindenden Notwendigkeit Beiträge zu erstellen, erlöscht die soziale Präsenz. Wer nicht mehr schreibt, ist nicht mehr vorhanden. Der einzige MOOC bei dem ich etwas anderes erlebt habe, war derjenige zur Spieleprogrammierung. Dort haben viele nach Abschluss und mit Absegnung der Uni einfach weiterhin die Plattform zum Austausch, zur gegenseitigen Unterstützung und zum Verlinken eigener Projekte genutzt, weil die Leute einfach auf der Basis des Erlernten selbstständig weiter gemacht haben. Gerade in diesem MOOC war aber schon vorher extrem viel gegenseitige Unterstützung notwendig gewesen und war auch von vielen gerne gegeben worden.

Sehr viel weiter bin ich jetzt immer noch nicht, kann aber schon einmal sagen, dass bei einem Studium im Netz oder der Teilnahme an MOOCs Peers kommen und gehen. Es gibt Leute, die versuchen in MOOCs als Gruppe zusammen zu bleiben, gerade wenn sie schon vorher die Erfahrung guter Zusammenarbeit gemacht haben (war in den Programmierkursen so!), aber wenn die Interessen oder von außen kommenden Anforderungen nicht mehr übereinstimmen, sind Peers keine tatsächlichen Peers mehr sondern werden etwas anderes. Menschen, die man später noch einmal trifft und dann vielleicht fragt: Na, wie ist es dir ergangen? So betrachtet habe ich momentan gar keine Peers in der virtuellen Welt, da ich in keinerlei Zusammenhängen mit anderen gemeinsam an etwas arbeite.

Das ist eine eigenartige Erkenntnis. Für Fernunimoodle gilt zusätzlich: Wer nur noch mit dem Lehrgebiet zu kommunizieren hat, verschwindet als Ansprechpartner. Und all die nebeneinanderher studierenden Kommilitonen werden zu Fremden und sind in der Wahrnehmung immer weniger die Mitglieder einer Gemeinschaft, die etwas gemeinsam hat. Und die Motivation sich an einer Gemeinschaft zu beteiligen mit der man wenig Berührungspunkte sieht, ist gerade bei den Arten zeitaufwändiger und umständlicher Kommunikation wie beispielsweise in Foren gering.

Ich muss mich also nicht wundern, wenn ich Probleme mit dem Thema Peers habe. Daran sind die Peers oder gewesenen Peers aber nicht schuld und es gibt keinen Grund ihnen gegenüber verstimmt zu sein. Wie in Klassenräumen gibt es auch bei gemeinsamen Lehrveranstaltungen im Netz die unterschiedlichsten Problematiken untereinander. Das ist aber noch ein ganz anderes Thema als das was mich gerade zu beschäftigen scheint. Dieses erinnert mich an die Problematiken des flexiblen Kapitalismus, an Arbeitsplätzen mit ständig wechselnden Kollegen in ständig sich verändernden Arbeitsstrukturen und dem Druck immer wieder neu befristete Formen der Zusammenarbeit zu finden. Gruppen, Beziehungen, Austausch entstehen für eine kurze Zeit, dann sind sie wieder beendet und neue Zusammenhänge entstehen, neue Menschen tauchen auf, andere Anforderungen. Und kaum hat sich etwas eingespielt ist es wieder zu Ende.

Richard Sennett hat sich mit den Auswirkungen auf das Individuum in dem Buch Der flexible Mensch beschäftigt und die Gedanken in Die neue Kultur des Kapitalismus fortgeführt. In seinem letzten erschienen Buch (deutscher Titel Zusammenarbeit) sammelt er selbst nur noch Schnipsel und fügt sie dialogisch zusammen, stellt dem Lesern damit nur noch Informationen zur Seite ohne eine Lösung anzubieten. Die Gesamtbedeutung muss individuell oder im befristeten Austausch für den Moment konstruiert werden, um nach kurzer Zeit wieder zu verschwinden und Neuem Platz zu machen.

Ich wurde nicht auf ein solches Leben vorbereitet und dennoch muss ich es leben. Ich muss lernen für eine befristete Zeit mein Möglichstes zu tun, damit sich Zusammenarbeit mit anderen positiv gestaltet und zu einem interessanten Erlebnis wird, um danach loszulassen und dem Gewesenen nicht zu lange nachzutrauern oder Erwartungen abzuleiten, die in den vorhandenen Strukturen nicht angelegt sind.

Erneut hat mich das Blogschreiben in unerwartete Bereiche geführt und ich will an dieser Stelle stoppen. Das Thema Peers, aber auch Beteiligung, Zusammenarbeit und Kommunikation im Netz generell werden bleiben.


2 Kommentare

  1. Marina sagt:

    Liebe Angelika, vielen Dank für Deinen Beitrag, den ich schon vor einiger Zeit gelesen habe. Da ich jetzt das Modul belegt habe, habe ich mich nochmal an Deinen Text erinnert und eben das Buch „Rassismus wider Willen“ herunter geladen (Dank sei Springerlink). Und lese jetzt schon in der Einleitung von all dem, was mich seit fast Lebensbeginn:) beschäftigt.
    Bin immer wieder gespannt Deine Beiträge.
    LG Marina

  2. amirabai sagt:

    Hallo Marina!
    Das mit dem „was seit Lebensbeginn beschäftigt“ geht mir ähnlich. Ich habe es aber erst in dem Modul 3E in Zusammenhang mit Rassismus gebracht und denke inzwischen, das liegt an der speziellen Form, in der sich Rassismus in Deutschland entwickelt hat. Ich habe leider keinen Überblick mehr darüber was ich auf meinem Blog schon zu dem Thema geschrieben habe und was nicht, daher kann es sein, dass ich mich wiederhole. Nationalsozialismus war auf seine spezifische Art rassistisch. Das ist aber nicht so sehr an die Hautfarbe gekoppelt, wie heute oft das Verständnis von Rassismus ist, sondern an das Blut, also die Abstammung. Und diese Abstammung ist minderwertig oder hochwertig je nach der Nähe oder Ferne zum definierten Volkskörpers. Und diese Vorstellungsbilder wurden nach dem Krieg nicht bearbeitet. Inzwischen gibt es nicht mehr all zu viele die noch direkt in dieser Zeit gelebt haben, aber noch jede Menge die von ihnen geprägt und erzogen wurden. Und die unbearbeiteten Vorstellungsbilder wurde weitergegeben und sind noch immer selbstverständlicher Bestandteil der Menschenbetrachtung von sehr vielen. Auch ich habe das in mir. Ich weiß wie Rassisten denken und wie sie mich und andere betrachten können und ich bin selbst Teil von diesem Geflecht, ich beherrsche es selbst, daher bleibt es wirksam.
    Ich sehe auch einen Zusammenhang damit wie vor allem momentan zunehmend Menschen betrachtet werden, die nur über geringe Ressourcen verfügen. Es wird ein Mangel konstruiert, der unveränderlich in denjenigen liegen soll, die letztlich ohne ihr eigentliches Zutun zu Opfern in einem Spiel von Auf- und Abwertung zur Ressourcensicherung gemacht werden. Und dieses Spiel hat viele verletzende Varianten.
    Mir zerfasert das Thema regelmäßig unter den Händen. Manchmal ist alles ganz klar und dann denke ich wieder, ich spinne komplett und alles ist nur aus dem Hirn gezogen. Es ist diese unglaubliche alltägliche Selbstverständlichkeit gegen die ich manchmal ankomme und dann wieder nicht. Zuletzt habe ich sehr beeindruckt von Birgit Rommelspacher Dominanzkultur gelesen und mir überlegt was es mir genutzt hätte, wenn ich das Buch schon in seinem Erscheinungsjahr 1995 in die Hände bekommen hätte, außerdem habe ich mir unseren hervorragend zusammengestellten SB noch einmal vorgenommen. Rassismus wider Willen habe ich dagegen immer noch nicht komplett durch, der steht aber in der Warteschlange. Dieses Semester möchte ich zu dem Thema wenigstens die HA schreiben, auch wenn meine Auseinandersetzung voraussichtlich noch weitergehen wird.
    Es ist schön dass du hier einen Kommentar hinterlassen hast. Kommentare sind hier kleine Kostbarkeiten. 🙂

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