Bildungsmäuschen

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Neustart?

Es gibt Blogschreibende, die kündigen zuvor an, dass sie eine Pause machen. Bei mir hat sich die Pause aus der Situation heraus ergeben. Zwei Monate, die mir wesentlich länger erscheinen.

Ich war völlig erschöpft. Jahrelang kein wirklicher Urlaub. Arbeiten in einer problematischen, belastenden Situation, Studium, Moocs, aufgeschobene Arbeiten zuhause, zu wenig körperliche Bewegung, zu viel Berührung mit gesellschaftlichen Problematiken. Es kommt schleichend. Zu Beginn der Ferien hatte ich mich ins Bett gelegt  und erst einmal geschlafen.

Danach habe ich begonnen Pokémon Go zu spielen. Die deutsche Version war kurz zuvor erschienen, es war die Zeit des Hypes und für mich wurde es ein wunderbarer Pokémon-Sommer. Der Rechner blieb aus, das Smartphone wurde endlich einmal mobil ausgereizt. Weite, tägliche Spaziergänge, Orte, die ich lange nicht besucht hatte, wunderschöne Landschaften, Pflanzen, Tiere, viele Eindrücke von Menschen, zufällige Treffen mit Bekannten, die ich lange nicht gesehen hatte, Architektur, materialisierte Sozialstruktur, und dabei die simplen, überschaubaren Anforderungen des Spiels als Zielsetzung und Rahmen.

Pokémon Go, um aus etwas heraus zu kommen und Abstand zu gewinnen. Dazu Herumhängen, Reduzierung von Verpflichtungen auf das Notwendigste, Kochen leckerer Gerichte und eine tägliche Dosis Star Trek als Eintauchen in eine spannende, aber unproblematische Welt der Fantasie.

Es ist vorbei. Drei Wochen Schule, beginnender Herbst und graues Wetter und es ist vorbei. Drei Wochen konnte ich mich noch daran klammern, wollte das Sommergefühl, die tiefe Entspannung nicht loslassen, doch ein Alltag voller Problematiken schleicht sich an allen Ecken und Enden wieder ein. Ich kann das was war nicht bewahren. Der Traum einer besseren Welt voller Glück beginnt zu verblassen.

Bei der Rückkehr von der morgendlichen Pokémonjagd begegnen mir Schülerzombies. Schüler auf dem Weg zur Schule, viel zu früh auf die Straße gerissen, in ihre Jacken versunken, noch nicht ansprechbar. Schritt vor Schritt setzend, um voran zu kommen, mit Gesichtern voller Unglück. Auf dem Schulhof erklärt mir eine Erstklässlerin (!) stolz, dass sie ihre Hausaufgaben gut macht und daher nicht auf die X-Schule (Förderstufe, Hauptschule, Realschlule) gehen muss, sondern gleich aufs Gymnasium gehen kann. Vor Ort gibt es neben einer reinen Förderschule nur diese Alternativen.

In Zeitlupe zersplittert die Illusion wie das Glas eines Spiegels und dahinter tritt eine Realität wieder klar hervor, vor deren Anforderungen ich Ruhe brauchte. Vor Tagen schon ging mir Adornos Satz durch den Kopf, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Aber so richtig trifft dies das Problem nicht. Es geht nicht um das richtige Leben, sondern um das Verstehen, die Aufdeckung, die Erkenntnis, dass alles ganz anders ist als die Interpretationen oder in anderen Worten, gängigen Konstruktionen von Wirklichkeit, die allerdings zu Manifestationen führen, die diese konstruierte Wirklichkeit zu bestätigen scheinen. So wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen bzw. der Pygmalioneffekt.

Mit einem Sprung, allerdings deutlichen Spuren von Erholung, bin ich damit auch wieder bei meinem Thema, wie das Ganze, die Vorstellungen davon wie die Wirklichkeit aussieht, auch durch Emotionen untermauert wird und wie wichtig es daher ist die Ebene der Emotionen im Augen zu behalten. Denn wenn man nicht bedenkt, dass die Emotionen, die mit etwas verbunden sind, durchaus erlernt werden, wenn man die Informationen aus Emotionen so nimmt wie sie auf den ersten Blick erscheinen, wenn man daran glaubt, dass das was sich richtig anfühlt zwangsläufig auch richtig sein muss und wenn man solches Wissen in Situationen noch nicht unmittelbar anwenden kann, dann ist noch viel Raum für eine auf Emotionen bezogene Bildung.

Es ist nicht einfach sich mit Emotionen zu beschäftigen, vor allem dann nicht, wenn es sich um unangenehme handelt. Es ist anstrengend. Es hat etwas von Ungreifbarkeit. Es birgt viele Gefahren. Es kann einfacher erscheinen Emotionen zu vermeiden.

Eine Auseinandersetzung mit Bildung sollte eine bewusste Auseinandersetzung mit Emotionen jedoch nicht vermeiden. Emotionen sind ein untrennbarer Teil des menschlichen Erlebens. Bildung bezieht sich auf Menschen. Menschen bilden sich und werden gebildet. Ganze, komplette Menschen.

Ich kehre zurück zur Erstklässlerin, die gelernt hat, dass es verschiedene Arten von Schulen gibt. Eine für die guten, eine für die nicht so guten Schüler. Sie hat auch bereits Maßstäbe für gut und schlecht gelernt. Wer seine Hausaufgaben gut macht (wobei sie selbstverständlich auch noch lernt was genau gut in diesem Rahmen eigentlich bedeutet), ist ein guter Schüler.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das, womit ich mich kurz vor meiner Sommerpause beschäftigt habe. Die Zunahme von depressiven Erschöpfungszuständen (Burn-out) bei vor allem weiblichen Kindern und Jugendlichen [1], die alles gut und zur Zufriedenheit der Erwachsenen machen wollen. Nett, geduldig, fügsam – und zu ihrem eigenen Schaden, wenn eine wachstumsorientierte Leistungsgesellschaft ihnen nicht gleichzeitig vermittelt zu erkennen, dass es Grenzen gibt und wo sich ihre eigenen Grenzen befinden. Und diese Befähigung hat viel mit der Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung und Eigenverständnis zu tun. Und diese sehr viel mit der Wahrnehmung und dem Verständnis eigener und fremder Emotionen.

Parallel zur Einschätzung von Hausaufgaben und dem Zusammenhang mit eigenen Chancen wurde bereits gelernt ganze Schulformen und deren Schüler abzuwerten. In meinen Augen ist das Diskriminierung. Besonders fatal in Zeiten, in denen von Seiten des Handwerks großflächige, gut gemachte Werbeaktionen gestartet wurden, um mehr Schüler für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich zu gewinnen, während die Hochschulen zunehmend voller geworden sind. Diese Lerninhalte werden dabei mit Emotionen verbunden dauerhaft abgespeichert und von den Kindern, wenn sie selbst Eltern sind, erneut reproduziert. So setzt sich eine Kette ohne erkennbares Ende fort. Auf diese Art und Weise reproduzieren sich gesellschaftliche Strukturen. Im Guten wie im Schlechten.

Meine Sommerpause ist offensichtlich zu Ende. Die Probleme, denen ich mich eine Weile in sommerlichen Parks und Kleinstädten entziehen konnte, haben ihre Häupter wieder erhoben. Und mit ihnen die Problematik der emotionalen Absicherung von angenommener Wirklichkeit, die ohne eine bewusste Bearbeitung wirkt und wirkt und wirkt.

Denn das, was sich richtig anfühlt, das muss dann doch auch richtig sein. Oder?

 

Referenz:

[1] Schulte-Markworth, M. (2015). Burnout-Kids. München: Pattloch.

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Erneute Positionsbestimmung

Meine letzten beiden Blogeinträge haben bei mir viel in Bewegung gebracht. Ich habe sie allerdings nicht öffentlich machen können, da sie während des Schreibens selbst zu einem sehr persönlichen Erkundungsmittel wurden, das für Fremde leicht misszuverstehen ist.

Sich auf den Schwerpunkt Emotionen einzulassen eröffnet ein sehr weites Feld. Nicht nur an Literatur aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und einer Vielfalt von Ansätzen und Problematiken, sondern ebenso an alltäglichen Beobachtungsmöglichkeiten mit und ohne Bildungsbezug. Nachdem ich zuerst monatelang gelesen hatte und zwischendurch von der Komplexität der Thematik überfordert war, konzentriere ich mich seit einer Weile auf zufällige Beobachtungen in meinem Alltag und Reflexionen darüber auf der Basis meines bisherigen Wissensstandes. Auf diesem Weg suche ich auch nach der Bedeutung von Emotionen für die Bildungspraxis. Gelesen habe ich in der letzten Zeit sehr wenig zum Thema Emotionen und fühle mich noch immer sehr von Theorien überfüllt und habe eine gewisse Abneigung gegen Texte, die schwer nachvollziehbar sind.

Die letzten Tage war ich mit dem Aspekt der Entfremdung von den eigenen Emotionen beschäftigt, dem Vor-sich-selbst-verbergen, der Verheimlichung von Emotionen und der sofortigen Manipulation von Emotionen bei ihrem Auftreten. Gefunden durch Selbstbeobachtung, die durch das Schreiben über ein Thema ausgelöst wurde. Die Identifizierung, worum es sich genau handelt, erfolgte durch Erinnerung an Gelesenes.

Der Effekt auf der persönlichen Ebene war dabei erstaunlich. Ich wusste nicht wie viel ich vor mir verberge, um mit meinem Leben besser zurecht zu kommen. Teile davon zuzulassen hatte zur Folge, dass ich meine Umwelt vorübergehend wesentlich anders wahrgenommen habe als sonst, einschließlich des Körpergefühls in dem ich mich bewegt habe. Es war ein Zustand größerer Klarheit durchzogen von gefasster Trauer aber auch Würde. Etwas vor sich selbst zu verbergen ist legitim, wenn es dazu dient unveränderliche Zustände besser ertragen zu können. Es aufzudecken kann wiederum hilfreich sein, um nicht zu ignorieren dass es existiert. Ich tue es auch!

Der Auslöser waren Überlegungen dazu wie weit Emotionen einem Menschen Informationen zu seinen Vorstellungen und Einstellungen liefern können. Nachdem ich zuerst davon überzeugt war, dass das möglich ist, hat mich meine Erfahrung mit dem Verheimlichen, Verbergen und sofortigen Manipulieren bei mir selbst eines besseren belehrt. Deutlich zutage getreten ist für mich dabei die untrennbare Verbindung von Denken und Emotionen. Denken und Emotionen stellen eine Einheit dar, in der beide Bereiche unmittelbar aufeinander einwirkt. Die Geschwindigkeit, in der das geschehen kann, kann dabei allerdings den Eindruck einer Nichtverbundenheit erzeugen.

Inzwischen ist die mögliche Verlängerungsdauer der zum Thema Emotionen in der UniBib ausgeliehenen Bücher bei den ersten überschritten. Das bedeutet, ich habe sie seit fast einem Jahr. Bei dem ersten Buch traten noch Verlustängste auf, jetzt gehen ich entspannter damit um. Die großen Zusammenhänge sind für mich aus dem Mittelpunkt des Interesses gerückt, da ich mich meistens nicht mehr von der generellen Bedeutung von Emotionen überzeugen muss. Um überhaupt etwas sinnvolles im Rahmen einer Bachelorarbeit schreiben zu können, scheint es mir inzwischen immer erfolgsversprechender mich auf einen kleinen, gut einzugrenzenden Bereich zu beschränken. Das Hauptproblem sehe ich momentan darin einen Bereich auszuwählen, der meine Art des Interesses an Emotionen gut widerspiegelt. Ich wünsche mir bei der Arbeit durchaus einen für meinen Alltag verwertbaren Gewinn.

Beim Herumspielen bin ich gestern auf eine Theorie gestoßen, die noch recht neu ist und sich zuerst einmal interessant anhört, das Emotions as Social Information (EASI) Modell von Van Kleef. Ein erster Blick darauf vermittelt den Eindruck, dass es für die Art meines Interesses an Emotionen in Bildungskontexten von Interesse sein könnte. Die letzte Zeit habe ich mich stark mit der Beobachtung der Emotionen beschäftigt, die in Gruppen innerhalb von Bildungsinstitutionen auftreten, der Informationen, die sie dabei liefern, der Handlungskonsequenzen, die sie haben, der Geschichten, die sie dabei erzählen. Verbergen, verheimlichen und manipulieren sind hier eingeschlossen. Interessant ist in diesem Kontext auch ein Blogbeitrag von Richard Gutjahr zu Entwicklungen im digitalen Bereich.

„Die wohl erstaunlichste Entwicklung dürfte aber sein, dass die Maschinen Empathie entwickeln. Mit jeder neuen Interaktion lernen sie, sich besser auf die Persönlichkeit ihrer Nutzer einzustellen. So erscheinen uns die Maschinen immer nahbarer, menschlicher. Es werden Studien zitiert, wonach Probanden sogar dazu übergingen, sich lieber mit einem Roboter zu unterhalten, als mit Gesprächspartnern aus Fleisch und Blut. Erklärung der Experten: Die Maschine sei unvoreingenommen, sie wertet nicht.“

(Richard Gutjahr, 18.3.2016, verfügbar unter http://meedia.de/2016/03/18/richard-gutjahrs-sxsw-bilanz-mobile-video-und-datamining-der-neue-wilde-westen-der-digitalen/)

Das stößt bei mir durchaus auch sehr viele Fragen zur Zukunft des Lernens an und wie weit digitale Möglichkeiten genutzt werden, um beispielsweise emotional belastenden sozialen Konflikten in Bildungskontexten zu entgehen und wie weit das dann generell Auswirkung auf Konflikt- und Konsensfähigkeit, aber auch Empathie hat.

Zuerst einmal werde ich mich jetzt aber mit den EASI-Modell beschäftigen.

Wechselhafte Emotionen

Die letzten Tage waren in Bezug auf die Veränderung von Emotionen extrem rätselhaft. Da sich die äußeren Grundbedingungen im Verlauf des Wochenendes kaum geändert haben, war meine Aufmerksamkeit vor allem auf meine Einschätzung gerichtet wie ich vorgegebene Aufgaben bewältigen kann, die ich mir als Selbstverpflichtung auferlegt habe. Die Einschätzung erfolgte über die begleitenden Emotionen. Diese förderten oder erschwerten dabei das Vorwärtskommen und die Motivation für die Arbeit.

Seit zwei Wochenenden versuche ich „Nägel mit Köpfen“ bei diesen Aufgaben zu machen. Bisher mit recht wenig Erfolg. Ich bleibe immer wieder in neuen Recherchen und Fragen stecken oder bin mit anderen Schwierigkeiten konfrontiert. Auffällig waren an diesem Wochenende Wechsel in meinen Einschätzungen, für die ich keinen Auslöser gefunden habe, und dann wieder Wechsel, die ich auf ganz konkrete Auslöser zurückführen konnte. Gestartet habe ich mit Frustration darüber, dass ich nach so langer Zeit des Bemühen immer noch keine Zusammenfassungen auf die Beine gestellt bekomme.

Täglich habe ich einen Zeitraum für das Lesen aktueller interessierender Feeds reserviert. Darunter befand sich gestern der Link zu einem Magazin des Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, das an Eltern und Lehrer gerichtet ist und kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Titel: Warum Freude am Lernen wichtig ist.

Inzwischen bereitet es mir sehr viel Freude solche und ähnliche Texte auf die darin sichtbar werdenden Einschätzungen von und Haltungen zu Emotionen zu untersuchen. Es ist eine konkrete und überschaubare Anwendungsübung. Ich will diesen speziellen Text jetzt nicht analysieren, nur soviel, ich kenne für solche Zeitschriften den Begriff „Blümchenzeitschrift“ wegen ihrer Ausrichtung auf die Erzeugung des Eindrucks einer heilen Welt, in der alle Konflikte, wenn sie denn überhaupt sichtbar gemacht werden, ein positives Ende finden.

Die Artikel lassen durchaus eine Menge Erkenntnisse zu Emotionen sichtbar werden, wegen ihrer Ausrichtung auf eine heile Welt kitzeln sie aber den Widerspruch und die Suche nach dem was fehlt bei mir massiv heraus. Von den im Magazin verbreiteten Informationen kann angenommen werden, dass sie viele Personen im schulischen Bereich erreichen. Dabei werden Vorstellungen weitergetragen, die ich in einer problematischen Weise als unvollständig einschätze. Vielleicht sind es solche Konfrontationen, die mich stetig vorwärts treiben und an diesem Wochenende dann doch wieder etwas an meinem anfänglichen emotionalen Zustand geändert haben. Der Wert und die Bedeutsamkeit meiner Bemühungen wurden gesteigert. Höherer Wert und höhere Bedeutsamkeit bedeuten in diesem Fall angenehmere Emotionen und daraus hervorgehend mehr Motivation. Eine eigenartige Erscheinung ist dabei, dass ich mich immer stärker auf ein einsames Vor-mich-hin-arbeiten einrichte und mich damit zufrieden gebe. Etwas, das ich in seiner Bedeutung noch nicht so ganz analysieren kann.

Eine weitere Veränderung zu angenehmeren Emotionen konnte ich unmittelbar beobachten. Die kleinste meiner Aufgaben ist die Teilnahme mit Abschluss an einem zweiwöchigen MOOC, der für jede Woche ein Essay als Hausaufgabe beinhaltet. Diese Aufgaben haben mir durch ihre unklare Aufgabenstellung bisher unerwartet viele Probleme bereitet, die mit unangenehmen Emotionen begleitet waren. Bei der ersten Aufgabe habe ich das Problem damit gelöst, dass ich sie für mich bedeutungsvoll gemacht habe, indem ich das untersucht habe, was für mich in dem Themenfeld ein Problem darstellt. Das Ergebnis war Zufriedenheit und Motivation für eine weitere Beschäftigung mit den Inhalten.

Es ist ein freiwilliger MOOC, also soll er für mich als Lernerin einen Erkenntnisgewinn bringen und muss nicht die Suche nach der gewünschten, aber für mich wenig bedeutungsvollen Lösung sein. Wie einer meiner Peer bemängelte, ist mein Herangehen nicht ganz das was die Aufgabe nahe gelegt hat, ich habe aber zu meinem Erstaunen trotzdem die maximale Punktzahl, einen Bonus für korrekte Selbsteinschätzung und einen Vorschlag für die Best-of-Galerie bekommen. Scheinbar wegen der verwendeten sprachlichen Darstellung. Und das für einen englischen Text! *errötendes Staunen*

Die zweite Wochenaufgabe bestand in der Fortführung, Verbesserung und Anwendung der ersten Aufgabe und ich habe Stunden darüber gesessen ohne voran zu kommen. Und das an einem Wochenende an dem ich auch mit anderem nicht voran gekommen bin. Ergebnis: sehr unangenehme Emotionen. Das Interesse am MOOC und den Inhalten sank, vor allem meine Selbstverpflichtung und die Kürze des MOOCs ließen mich nicht aufgeben. Von Seiten der Betreuenden gab es in den Foren den Hinweis, dass man das Feedback der anderen zur Verbesserung nutzen könne. Daher habe ich auf diese Ergebnisse gewartet, und weil ich endlich fertig werden wollte, habe ich wegen der unexakten Zeitangaben zum Schluss halbstündig nachgeschaut.

Seitdem ich das Ergebnis meiner Peer-Bewertung kenne, fühle ich mich aufgewertet, bin motiviert eine gute Arbeit abzuliefern, habe ein wenig Angst das nicht zu schaffen, bin dafür offen das Peer-Feedback zu nutzen und die gewünschten Vorgaben zu erfüllen.

Emotionen. Es ist kompliziert mit ihnen, wie sie auftreten, wie sie wirken und wie sie sich verändern. Wie sie Arbeiten und Lernen begleiten, beeinflussen, erleichtern und erschweren. Wie auf sie eingewirkt wird, durch Situationen, durch Gegenstände, durch andere Menschen, durch andere Lebewesen, durch die eigene Person. Welche Informationen sie liefern und wie mit diesen verfahren wird. Emotionen können als eigenständige Beobachtungsebene behandelt werden.

Durch die Flüchtlingsdebatte ausgelöst lässt sich Ausdruck und Umgang mit Emotionen augenblicklich in einer sehr spezifischen Weise beobachten. Immer wieder wird für mich dabei ein Mangel an Reflexion über Emotionen sichtbar. Dagegen Aufputschen von Emotionen und Vertrauen darauf, dass Emotionen verlässlich sind und korrekte Aussagen liefern.

Genau das was der Nationalsozialismus gefördert hat…

So einfach ist das aber nicht. Aber wie ist es?

Es gäbe in Bezug auf Emotionen gerade momentan viel zu analysieren…

Elternratgeber und die Einbeziehung von Emotionen

In der letzten Zeit habe ich mich zweimal intensiver mit Ratgebern beschäftigt, die vor allem an Eltern von Schulkindern gerichtet sind, und sie auf die Darstellung von Emotionen hin untersucht.

Der erste war von Jeanette Stark-Städele aus dem Jahr 2015 mit dem Titel Kinder wollen lernen – Kinder im Schulalltag unterstützen und begleiten. Es handelt sich dabei um die aktualisiert Neuauflage eines Buches, das bereits 2008, damals allerdings unter dem Titel Spaß am Lernen – erfolgreich in der Schule: wie Sie die Lernfähigkeit Ihres Kindes fördern und stärken können, erschienen ist. Ich hatte dazu einen Blogpost begonnen, aber nicht fertiggestellt. Das Folgende ist ein bearbeiteter Auszug daraus.

Für die Zeit der Ersterscheinung des Buches lässt sich anhand der damals erschienenen Literatur zum Themenbereich Emotionen eine starke Beschäftigung mit Vorstellungen feststellen, bei der positive Gefühle als grundlegend für erfolgreiches Lernen propagiert wurden. Sehr stark vereinfacht: Positive Gefühle fördern das Lernen, negative blockieren es, woraus sich die Schlussfolgerung ergibt, wenn man sich auf die Erzeugung positiver Gefühle ausrichtet, kann man erfolgreiches Lernen müheloser initiieren.

Explizit werden Emotionen allerdings nur in geringem Umfang thematisiert. Wie sie insgesamt einbezogen und betrachtet werden, entspricht dabei nicht ihrer expliziten Darstellung. Für mich ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Autorin nicht über ein klares und eindeutiges Gesamtkonzept für Emotionen verfügt.

Sie ist Praktikerin und als Praktikerin kennt sie sich mit dem Umgang mit Emotionen und ihrer Vielschichtigkeit aus. Die Theorie, die sie für Emotionen verwendet, kann dieses Wissen in seiner Vielschichtigkeit jedoch nicht abbilden. Im Gegensatz zu ihren Ausführungen zur Theorie der Emotionen wird in den praktischen Ratschlägen allerdings sichtbar, dass sie sehr wohl weiß, dass beispielsweise auch negative Emotionen zu Motivatoren für Lernen werden können. In den auf die praktische Anwendung hin ausgerichteten Teilen des Buches geht sie zwar kaum noch explizit auf Emotionen oder Emotionstheorie ein, sie wendet allerdings, möglicherweise unreflektiertes Alltagswissen zu Emotionen sinnvoll an.

Etwas anders sieht es bei Besser lernen mit positiver Pädagogik mit dem Untertitel Der Ratgeber für Lehrer, Eltern und Schüler aus. Das Original ist im Jahr 2014 in französischer Sprache erschienen. Die Autorinnen arbeiten als Familientherapeutinnen und zertifizierte Trainerinnen für Mindmapping und mentale Gesten. Entsprechend ist ihr Buch ausgerichtet. Sie haben den Vorteil, dass sie mit einzelnen Personen und kleinen Personengruppen an der Lösung konkreter Probleme arbeiten können. Sie propagieren ein Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ und gehen im Vergleich zu Stark-Städele umfangreich auf das Thema Emotionen ein.

Dafür benutzen sie die Definition der Wikipedia für Emotionen, außerdem Listen für Basisemotionen und Kategorien für positive, negative und toxische Emotionen nach Paul Ekman. Ihre Ausführungen zu Auswirkungen der verschiedenen Emotionen im Bereich des Lernens sind differenziert, Untersuchungen der Neurowissenschaft werden berücksichtigt. Im Gegensatz zu dem Buch von Stark-Städele wird mehr Bewusstheit über die Wirkung von Emotionen und eine umfangreichere Kenntnis und Berücksichtigung von Emotionstheorien erkennbar. Das Buch von Stark-Städele wirkt dagegen eher wie die Darstellung praktischer Erfahrungen, denen eine spezifische Theorie künstlich beigefügt wurde.

Da Akoun und Pailleau (2015) ein Buch für die praktische Anwendung geschrieben haben, werden den Lesenden Vorschläge für verwendbare Techniken gemacht. Das Buch erklärt sich darauf ausgerichtet eine positive Haltung zum Lernen zu erzeugen, eine Absicht, die bei mir am Ende der Lektüre in vollem Umfang erreicht ist. Ich befinde mich in einem Zustand optimistischer Gedanken und angenehmer Emotionen.

Im Buch taucht im Nebenher allerdings auch immer wieder Kritik an den Ursachen für das auf, was den Arbeitsplatz der Therapeutinnen mit absichern hilft. In ihre Praxis werden Kinder gebracht, die im schulischen System Probleme bekommen haben. Diese Probleme lassen die Autorinnen durchaus als zu einem beträchtlichen Teil systemisch bedingt erkennbar werden. In Bezug auf Emotionen bedeutet es, dass lernbehindernde Emotionen im schulischen System selbst oder durch die Auswirkungen des schulischen Systems als gesellschaftlichem Teilsystem verursacht werden. Probleme entstehen daher auch durch emotionsauslösende Auswirkungen auf die Familien, die wiederum auf die Schüler zurückwirken. Zum Teil können diese behindernden Emotionen dauerhaft durch verschiedene Techniken ausgeglichen oder abgemildert werden, zum Teil sind die Lernaufgaben darauf ausgerichtet mit den behindernden Emotionen, die das gesellschaftliche Teilsystem Schule fortdauernd auslöst, besser zurecht zu kommen.

Kaum Einfluss haben die Therapeutinnen auf das System Schule an sich oder das gesellschaftliche System, aus denen die Ursachen für etliche der lernbehindernden Emotionen stammen, auch wenn sie mit den Eltern zusammenarbeiten, Kurse für Lehrer anbieten und Lehrer anführen, die für die Erzeugung und den Erhalt lernförderlicher Emotionen sinnvolle Techniken und Methoden einsetzen. Das System Schule an sich ist nicht auf den Aufbau eines emotional förderlichen Zustands für das Lernen seiner Schüler ausgerichtet. Zu bedenken ist dabei, dass das Teilsystem Schule nicht losgelöst dasteht, sondern dass sich darin die in der Gesellschaft verbreiteten Haltung zu Emotionen widerspiegeln. Die Herstellung eines emotional förderlichen Zustandes kann von den darin arbeitenden Menschen angestrebt werden, als wesentlicher Bestandteil vorgesehen ist er nach meinem Eindruck jedoch nicht.

Die im Buch angeführten Techniken erscheinen hilfreich und sinnvoll. Es wird der Eindruck vermittelt, dass den Schülern und ihren Familien Schritt für Schritt auf therapeutischem Weg geholfen werden kann.

Bedenken kommen mir einerseits wegen der vermutlich ungleichen Zugänglichkeit (es wird sichtbar dass die Familien selbst ohne Ausgleich für die Dienstleistung zahlen), andererseits daran, dass zumindest zu Teilen versucht wird Probleme auszugleichen, die ihre Ursachen nicht in den Kindern an sich haben, sondern durch die Gestaltung des schulischen Systems in einer auf Konkurrenz und Leistung orientierten Gesellschaft verursacht werden. Die sich ergebende Konsequenz der therapeutischen Bemühung ist die Erstellung individualisierter Programme, durch die Schüler, Eltern und Lehrer eine das System unterstützende Alternative aufbauen können, für die allerdings Zeit, Befähigung zum Verständnis, Geduld, Bemühen und bei einer individuellen Begleitung auch Geld zusätzlich vorhanden sein müssen. Es lässt sich vermuten, dass es hier durchaus zu einem ungleichen Zugang zu Bildungserfolgen kommt, die nicht mit den eigentlichen Befähigungen der Schüler in einem Zusammenhang stehen.

Als sinnvoller erscheint es mir die durch und im schulischen System ausgelösten Emotionen gleich vor Ort explizit zu berücksichtigen und Wissen über Emotionen in einer Weise zu integrieren, die das Lernen, das soziale Miteinander und die Entwicklung zu einem mündigen Menschen fördern und nicht zu behindernden Problemen durch und mit Emotionen führen. Auch deshalb, da sich aus dem Buch, aber auch aus anderen Quellen, ableiten lässt, dass der zusätzliche Bedarf in Form von Lerntherapien und der Bewältigung lernbehindernder Emotionen neben dem fachlichen Bedarf an Nachhilfe in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist.

Referenzen:

Akoun, A. & Pailleau, I. (2015) Besser lernen mit positiver Pädagogik. Der Ratgeber für Lehrer, Eltern und Schüler. München: mgv.

Stark-Städele, J. (2008). Spaß am Lernen – erfolgreich in der Schule : wie Sie die Lernfähigkeit Ihres Kindes fördern und stärken können. Freiburg im Breisgau: Urania.

Stark-Städele, J. (2015). Kinder wollen lernen – Kinder im Schulalltag unterstützen und begleiten. Freiburg im Breisgau: Urania.

Mal wieder was von den MOOCs

Nachdem ich eine Zeit lang sehr viele MOOCs belegt (und auch abgeschlossen) hatte, kam der Zeitpunkt an dem das weniger wurde und dann ganz aufhörte, da ich vor allem Zeit für mein eigenes Thema benötigte und außerdem meine wöchentliche Lernzeit zugunsten von mehr Freizeit verkürzen musste. Es gab Zeiten, da habe ich mir weit über 60 wöchentliche Lernstunden aufgeschrieben. Inzwischen weiß ich, dass diese Menge für mich nicht dauerhaft aufrecht zu erhalten ist. Ich benötige für mein Wohlergehen einfach eine gewisse Menge an Zeit, in der ich einfach nur abhängen und rumtrödeln kann.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, der mir jetzt wieder bewusster wird, nachdem ich mich mal wieder in einen MOOC eingeschrieben habe, den ich auch abschließen möchte. Mache ich, weil er nur ganz kurz ist.

Jetzt quäle ich mich von Lecture zu Lecture. Es sind Powerpoint-Präsentationen, die Inhalte sind mir in weiten Teilen bekannt, ich hoffe auf einen besseren Überblick und Ergänzungen. Der Quiz nach jeder Lecture ist einfach, man hat beliebige Versuche und bekommt Fehler angegeben. Früher habe ich die Wocheninhalte in der Regel an einem Tag bearbeitet, bei diesem MOOC geht es nicht, da ich spätestens nach dem dritten Vortrag kaum noch Konzentration aufbringen kann. Ich bin genervt und auch gelangweilt. Es liegt nicht am Auftreten der Vortragenden an sich und auch nicht an der Qualität der Inhalte. Ich würde nur lieber ein Buch lesen, da ich das meinem eigenen Bedarf besser anpassen könnte.

Ich habe die letzten Monate viele Bücher gelesen. Virtuell und auf Papier. Ich komme mit Büchern sehr gut zurecht. Um über Inhalte zu schreiben, die mich dabei beschäftigen, nutze ich meinen Blog. Für unmittelbare Diskussionen lässt sich gelegentlich ein „williges Opfer“ im Kreis meiner Bekannten finden. Inzwischen habe ich eine für mich passende Lernkultur entwickelt, durch die ich das MOOC-Angebot anders wahrnehme. Auch in mein selbst gesteuertes Lernen baue ich Videos und Angebote im Netz ein, wenn ich sie finden kann. Zusätzlich habe ich den Vorteil, dass sich das Thema meines Interesses mit vielen Begebenheiten meines alltäglichen Lebens in Verbindung bringen und dort nebenher beobachten lässt.

Einen Diskussionsbedarf hatte ich in dem MOOC bisher nicht, da das Thema für mich keine Fragen aufgeworfen hat. Es bleibt also vor allem das Anhören und anschließende Überprüfen auf Verständnis einzelner Aspekte. Das Interessanteste an dem MOOC ist für mich momentan, dass ich das erste Mal ausprobieren kann wie es ist nur mit einem Smartphone an einem MOOC teilzunehmen. Es geht beeindruckend gut. Wenn ich da an früher denke… Trotzdem ist es kein Fortschritt. Für mich stellt es nur die Erweiterung von Zugriffsmöglichkeiten dar, aber keine Verbesserung des Lernens und Lehrens an sich. Als problematisch erweist es sich außerdem, dass ich nicht sitzend, sondern bequem liegend dem Vortrag folge und dabei müder und müder werde… Liegend bietet es sich an mal zwischendurch die Augen zu schließen… Auf einem Stuhl sitzend ist die Selbstdisziplinierung einfacher.

Mein momentanes Fazit: Bei geeigneten Vorkenntnissen können selbst gesteuertes Zusammenstellen von Inhalten und selbst gesteuertes Lernen wesentlich interessanter als ein MOOC sein. Den meisten Nutzen sehe ich für mich momentan darin Kenntnisse über das Lernen an, über die sinnvolle Zusammenstellung von Lerninhalten sowie die sinnvolle Nutzung des Netzes zu haben. Dazu kommen (in meinem Fall) Kenntnisse über Funktion und Auswirkung von Emotionen, sowie Strategien für einen sinnvollen Umgang mit ihnen. Das betrifft sowohl meine eigenen Emotionen als die anderer. Weder selbst gesteuertes Lernen noch Netznutzung geschehen in emotionsfreien Räume…

Auf der Suche nach einer Systematik

Gut, jetzt ist es passiert und ich habe den Eindruck, ich muss mich noch einmal ganz neu und anders dem Thema Emotionen im Kontext von Bildung nähern. In der Einführung zu Hauptwerke der Emotionssoziologie steht:

„Unserem Vorhaben, die Hauptwerke der Emotionssoziologie zusammen zu tragen und zu beleuchten, liegt die grundsätzliche Einschätzung zugrunde, dass Emotionen und Gefühle einen fundamentalen Platz in allen Aspekten des sozialen Lebens zukommen und damit einen elementaren theoretischen Ort innerhalb der Soziologie verlangen.“ (Senge & Schützeichel, 2013, S.10)

Ich hatte nie eine solche Situation geplant wie die in der ich jetzt bin, kann aber nicht mehr zur Vergangenheit zurückkehren und muss daher jetzt mit den Dimensionen zurecht kommen, die mein Thema angenommen hat. Es gibt auch kein Entkommen davor, dass es in letzter Konsequenz um ein anderes Menschenbild und damit eine andere Perspektive der Beobachtung geht. Das war so nicht von mir beabsichtigt und letztlich überfordert es mich. Dabei war ich nur wissbegierig, weil ich mit Ungereimtheiten konfrontiert war, die mich emotional belastet haben. (Ich war sauer, das war mein Motivator, bin es jetzt aber nicht mehr, sondern habe sehr viel gelernt und mein Denken dabei verändert.)

Nach all meinen bisherigen Recherchen und Reflexionen teile ich die Einschätzung des Zitats auch in Bezug auf die Bildungswissenschaft. Ergibt sich sowieso, wenn man die Einschätzung annimmt. Da Bildungsprozesse sozial eingebettete Prozesse sind, sind Emotionen und Gefühlen auch dort grundlegende Erscheinungen, die zu berücksichtigen und zu untersuchen nicht vernachlässigt werden sollte, um ein vollständigeres Bild von Einflussfaktoren und ihren Auswirkungen zu bekommen.

Das Problem, das für mich daraus entsteht ist nun, wie eine Argumentation in Bezug auf die Bildungswissenschaft gestaltet werden kann und wie dann die bildungswissenschaftliche Perspektive aussieht, also die Konsequenzen, die sich für Bildungskontexte ergeben. Denn wir arbeiten nicht nur Problem beschreibend, so habe ich gelernt, sondern immer auch auf Vorschläge für eine Problemlösung hin orientiert.

Der Reader zur Emotionssoziologie löst das Problem des Nachweises über die Bedeutsamkeit von Emotionen durch eine Zusammenstellung von möglichst vielen Beiträgen, der für das Fachgebiet relevanten Autoren, nach der Methode: lest und bildet euch selbst eine Meinung. Ich bin in meinen Recherchen bisher ähnlich vorgegangen und habe Texte zu Emotionen aus unterschiedlichen für die Bildungswissenschaft relevanten Disziplinen gelesen, um mich zu überzeugen, dass auch andere Emotionen als bedeutsam betrachten, und um zu erfahren, was über das was Emotionen sind in den relevanten Wissenschaften bekannt ist. Die Beweisführung funktioniert dabei nach der Methode, wenn genug Wissenschaftler Emotionen für bedeutsam einstufen, dann müssen sie es auch sein. Unterstützt wird es durch ein Vorgehen, bei dem erst einmal alles in den Kopf hinein geschaufelt wird was sich finden lässt. Nach dem Motto: viel hilft viel.

Der Reader versammelt 51(!) Beiträge ohne erkennbare Ordnung und demonstriert damit auf greifbare Weise das bestehende Problem: eine Fülle von Hinweisen auf Aspekte, aber keine Systematik. Der Reader zur Philosophie der Gefühle versammelt dagegen nur 17 Beiträge, vorsortiert in sieben Kapiteln, jedes davon neben der allgemeinen Einleitung noch einmal eigenständig eingeleitet:

  • Emotionen und ihre Objekte
  • Emotionen als Kognitionen
  • Theorie „der“ Emotionen?
  • Philosophie der Emotionen und empirische Wissenschaft
  • Phänomenologie der Emotionen
  • Emotionen und Werte
  • Emotionen und Akteure

Das ist zumindest schon eine gewisse Vorsortierung, die sich allerdings genauso wie der Inhalt der Texte selbst am Bedarf der Philosophie orientiert und nicht an dem der Bildungswissenschaft.

Keine Systematik oder eine unzureichende oder eine ungeeignete bedeutet Probleme für die Verwendbarkeit. Eines kann ich aber auf jeden Fall bereits ableiten, die inzwischen berühmten feuernde Neuronen im Gehirn sind nur ein sehr kleiner Aspekt des Ganzen.

Diese Aussage ist wichtig, denn Emotionen zu funktionalisieren und sich darauf zu konzentrieren sie zu manipulieren, so dass sie möglichst wenig Probleme verursachen, auch wenn das mit legitimen Mitteln und den besten Absichten geschieht, ändert nichts an der Einschätzung, dass Emotionen nur Begleiterscheinungen im menschlichen Erleben sind. Diese kann man dann berücksichtigen, man kann es aber genauso gut sein lassen. Wie in dem obenstehenden Zitat ausgeführt, geht es aber um eine grundlegende Position, die Emotionen in der Wahrnehmung, Einschätzung und Beurteilung der Welt einnehmen. Und das geht nicht ohne einen Einfluss auf das Bild vom Menschen.

Damit muss die Systematik möglichst umfassend das beinhalten, was den Bereich der Emotionen des Menschen, die dann als untrennbar und gleichberechtigt eingebettet und nicht als Begleiterscheinungen verstanden werden, mit den gesellschaftlichen Vorstellungen von Bildung verbindet.

Erneut bin ich zum Anwendungsinstrument zurückgekehrt das mir bisher fehlt. In verschiedenen Schriften zu Emotionen wird auf das Problem der Messbarkeit von Emotionen hingewiesen. Um dieses Problem handelt es sich bei meiner Problematik aber glücklicherweise nicht. Ich bin darüber sehr erleichtert, denn als Einzelperson sehe ich mich außer Stande eine Lösung dafür zu finden, wie ich Emotionen messen sollte. Ich kann mich auf Texte und die Systematisierung und Verbindung von Texten konzentrieren. Und das ist für mich auf einer praktischen Ebene grundsätzlich durchführbar.

Ich habe zwar noch immer nicht die richtige Idee wie ich vorgehen soll, kenne jetzt aber zumindest die Richtung.

Referenzen:

Döhring, S.A. (2009) (Hrsg.). Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Senge, K. & Schützeichel, R. (2013) (Hrsg.). Hauptwerke der Emotionssoziologie. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Die Bedeutung von Emotionen für die Bildungswissenschaft

Meine Freundin sagt, es scheint ihr als suche ich der Weisheit letzten Schluss und ein guter alter Freund meint, eines morgens wachst du auf und dann weißt du genau was du schreiben willst und schreibst das dann in einem Rutsch runter. Und ein Verwandter mit Erfahrung meint, du hast doch schon längst alles zusammen was du für so eine doch recht kleine Arbeit wie eine Bachelorarbeit brauchst. Du musst nur endlich anfangen. Und aus dem Netz kommt die Aufmunterung, an die Insel der Forschung zu denken.

Es ist gut so etwas zu erleben, weil es die Sorge um einen anderen Menschen ausdrückt, weil Menschen so etwas benötigen und weil es ein wichtiger Bestandteil von Beziehungen ist. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so fühle ich mich geborgen. Keiner der Hinweise trifft meine Probleme dabei so richtig, allerdings liefern mir alle etwas dem gegenüber ich meine eigene Position besser bestimmen kann.

Der Weisheit letzten Schluss gibt es in Bezug auf Emotionen nicht und auf die spontan entstehende Ordnung hoffe ich nicht mehr. Bei den anderen Ratschlägen wird es schon schwieriger. Nein, das was ich für meine Arbeit benötige habe ich noch nicht ganz zusammen. Momentan stecke ich in den Fragen nach den Schlussfolgerungen, die sich in Bezug auf die Bildungswissenschaft aus meinen Recherchen ergeben. Lokalisiere ich mich auf der Insel der Forschung, so befinde ich mich zur Zeit im Wo-bin-ich-Nebel. Gerade eben ist alles am zerfallen und sich auflösen. Konfrontiert mit permanenter Ungewissheit und der Überforderung meiner Denkfähigkeiten bekomme ich allerdings keine Panik mehr. Beides gehört zum Prozess dazu.

Von Texten ausgehend, die sich mit den emotionalen Aspekten des Nationalsozialismus beschäftigen und für mich sowohl Vergangenheitsbewältigung als auch Suche nach den bis heute andauernden Auswirkungen auf emotional gestützte Weltkonstruktionen und Bewertungssysteme darstellen, habe ich in den letzten Tagen mit Byung-Chul Han einen großen Sprung in die Gegenwart gemacht. „Die neoliberale Psychopolitik bemächtigt sich der Emotionen, um Handlungen auf dieser präreflexiven Ebene zu beeinflussen. Über Emotionen greift sie tief in die Person ein. So stellt sie ein sehr effizientes Medium der psychopolitischen Steuerung der Person dar.“ (Han, 2015, S.67)

In der Entwicklung der Ausprägung von Macht sieht er eine Bewegung von der Souveränitätsmacht als Macht des Schwertes über die Disziplinarmacht als Normierungsmacht mit einem Regelwerk von Normen, Geboten und Verboten und der Beseitigung von Abweichungen und Anomalien (Han, 2015, S.34) zu einer Machtform, einer Psychomacht, bei der die Psyche des Menschen vereinnahmt wird und er im Sinne des perfekten Funktionieren im System zu permanenter Selbstoptimierung aufgefordert wird, bei der Blockierungen, Schwächen und Fehler wegtherapiert werden sollen, um Effizienz und Leistung zu steigern (Han, 2015, S.43).

Noch kaum mit Verarbeitung und Einbau der neuen Perspektive in meine Gesamtvorstellung fertig, liegt ein vor einer Weile in der UniBib bestelltes Buch zur Abholung bereit. Vorbestellte Bücher kommen nicht unbedingt dann wenn sie passen, und für dieses Buch habe ich momentan eigentlich gar keinen Platz in meinem Kopf. Klein und unscheinbar liegt es im Abholregal und ist dabei unglaublich gewichtig. Philosophie der Gefühle, ein Reader von 2009 und schon ziemlich abgegriffen. Texte von Philosophen, und wer noch glaubt Philosophie oder Emotionen seien Nebenbei-Spielkram, sollte einen Blick in dieses Buch werfen. Das ist komplexes Denken pur.

Ich sehe mich außerstande dieses Buch jetzt auch noch zu bearbeiten. Die wenigen Seiten, die ich lese, sind so voll von Gedankengängen zu Gefühlen und Emotionen, mir bereits bekannten aber auch sehr vielen neuen Überlegungen, noch dazu in einer mir zum Teil nicht vertrauten Sprache, dass ich vor allem den Schluss daraus ziehe, dass ernst zu nehmendes, komplexes Wissen und umfangreiches Denken zu Emotionen existieren. Es mag keine Einigkeit geben, zu viele offene Fragestelllungen und Unklarheiten und keine mal einfach so anwendbare Systematik, die Art der Beschäftigung mit dem Thema Gefühle, die ich hier finde, belegt mir, dass Emotionen ein der genaueren Untersuchung würdiges Thema sind. Genau das scheine ich mir immer wieder bestätigen zu müssen.

Und damit komme ich zum Wo-bin-ich-Nebel. Emotionen sind ein wichtiges Thema für unterschiedliche Wissenschaften, davon habe ich mich inzwischen überzeugt, aber wie sieht es nun konkret für die Bildungswissenschaft aus? Als interdisziplinäre Wissenschaft muss sie selbst nicht daran forschen was Emotionen sind. Sie hat aber mit Menschen zu tun und zu Menschen gehören Emotionen. Aber welches Emotionswissen und welche Theorien braucht sie, in welchem Umfang, in welcher Systematik, woher nimmt sie es und wofür kann sie es benutzen?

Ich bin der Ansicht, dass sich die Bildungswissenschaft, so wie ich sie erlebt habe, einerseits zu wenig mit Emotionen befasst, andererseits zu wenig über ihren Umgang mit Emotionen reflektiert. Der durch neuere neurowissenschaftliche Erkenntnisse ausgelöste Hype der Beschäftigung mit Emotionen scheint vorübergegangen. So vereinfacht wie es in den Jahren nach 2000 eine Zeit lang im Bildungsbereich verbreitet wurde – fördert positive Emotionen und alles wird gut – ist es eben nicht. Eine Konzentration auf das Lernen und die damit verbundenen Emotionen, wie von der pädagogischen Psychologie praktiziert, ist ebenfalls unvollständig. An anderer Stelle habe ich mich bereits damit auseinandergesetzt, dass ich dabei die Auswirkungen von Differenzerfahrungen als nicht ausreichend berücksichtigt betrachte.

Ebenfalls als zu wenig beachtet finde ich die Auswirkungen von Normalitätsvorstellungen auf Emotionen. Auch die von Byung-Chul Han, aber bereits von Arlie Hochschild  in der Studie Das gekaufte Herz thematisierte ökonomisch orientierte Verwendung von Emotionen halte ich inzwischen für bedeutende Aspekte, die im Bereich der Bildungswissenschaft in Überlegungen einbezogen werden sollten.

Insgesamt, neben der Anerkennung von Emotionen als Einflussfaktoren, fehlt mir ein überall anwendbares Konzept für Emotionen zur Überprüfung der Auswirkungen emotionaler Aspekte auf Bildung. Es geht dabei nicht allein um die Förderung von Lernerfolgen, sondern um die Auswirkungen von Differenzerfahrungen, die Gründe unterschiedlicher Bildungsvorstellungen und Bildungskonzepte, die Erfüllung der Ansprüche auf einen gleichberechtigten Bildungszugang, die ungleiche Bewertung von Bildungsabschlüssen oder auch um Normalitätsvorstellungen und deren Auswirkungen. Und dann noch, was lehren wir überhaupt über Emotionen? Die Aufzählung kann noch weiter fortgesetzt werden.

Der erste Schritt ist es jedenfalls Emotionen als Einflussfaktoren als bedeutungsvoll einzustufen. Der zweite wäre eine geeignete Systematik zur Untersuchung zu entwickeln. Der dritte diese anzuwenden und zu sehen welche Schlüsse sich daraus ergeben und ob diese tatsächlich zu einem interessierenden Erkenntnisgewinn führen.

Etwas hat sich jetzt mein Wo-bin-ich-Nebel gelichtet.

 

Referenzen:

Döhring, S.A. (2009) (Hrsg.). Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Han, B.-C. (2015). Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. Frankfurt am Main: S.Fischer.

Neckel, S. (2013). Arlie Russell Hochschild: Das gekaufte Herz. Zur Kommerzialisierung der Gefühle. In: Senge, K. & Schützeichel, R. (Hrsg.). Hauptwerke der Emotionssoziologie. Wiesbaden: Springer Fachmedien.