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Das FEASP-Modell und Fragen nach gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen

Manche Fundstücke kommen auf sehr eigenartigen Wegen zu mir. Sehr beglückt bin ich momentan von einem Studienbrief aus dem ersten Mastermodul der Fernuni zu Instructional Design von Gabi Reinmann. Wie es so geht, beim Blättern bleibe ich am ARCS-Modell hängen, mit dem hatte ich mich schon in Modul 3B näher beschäftigt und es als Grundlage für meine Praktikumsbearbeitung verwendet. Beim ARCS-Modell handelt es sich um ein Modell das darauf ausgerichtet ist, die Motivation von Lernenden zu fördern. Als Unterrichtende von Englisch für Vorschulkinder in einem Turnraum war es für mich von besonderer Wichtigkeit gewesen den Kindern eine Motivation zu bieten, die stärker war als die Attraktivität des Raum für freie Bewegung.

Der Studienbrief lässt mich nun aber nicht nur das ARCS-Modell noch einmal nachverfolgen, nein, im Anschluss daran finde ich ein Modell, das mir bisher nicht begegnet ist. Es handelt sich um das FEASP-Modell (Fear, Envy, Anger, Sympathy, Pleasure). Im ersten Schritt werden Emotionen erst einmal als bedeutsam für Lernprozesse postuliert. Im zweiten Schritt werden Lernstrategien empfohlen, durch die negative Emotionen reduziert und positive Emotionen gefördert werden können.

Ich bin vollkommen begeistert! Genau das ist die Haltung, die ich gesucht habe. Ich kann nicht einschätzen wie umfassend das Konzept ist und wie viel es abdeckt, es ist aber ein systematisches Konzept, das auf der Anerkennung der Bedeutung von Emotionen aufbaut. Und das so etwas existiert und im Studienbrief erwähnt wird, lässt mich die Welt als einen wohnlichen Ort wahrnehmen.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Angst: Eine Lernsituation wird als bedrohlich wahrgenommen.
  • Neid: Es besteht der Wunsch etwas zu bekommen, das einem nicht gehört. Oder, es entsteht das Gefühl etwas zu verlieren, das man besitzt.
  • Ärger: Man wird an einer Zielerreichung gehindert. Oder, man wird zu einer Handlung gezwungen.
  • Sympathie: Bezieht sich auf die Möglichkeit diese in Kontakt mit anderen Menschen zu erfahren.
  • Vergnügen: Entsteht durch das Beherrschen einer Situation oder die Hingabe an eine Tätigkeit.

Strategien:

Angstsenkung: 

  • Erfolge sicherstellen
  • Fehler als Chance zum Lernen akzeptieren
  • eine entspannte Situation erzeugen
  • kritisches Denken bei einer positiven Orientierung anregen

Neidreduzierung:

  • Vergleich durch individuelle und kriteriumsorientierte Bezugsnormen und nicht soziale erstellen
  • Echtheit und Offenheit zeigen
  • ungleich verteilte Privilegien vermeiden

Ärgerkontrolle:

  • eine flexible Sichtweise zeigen
  • einen konstruktiven Ausdruck von Ärger zulassen
  • keine Form von Gewalt zeigen oder zulassen

Sympathieerhöhung:

  • Beziehungen intensivieren
  • sensitive Interaktion einrichten
  • kooperative Lernstrukturen fördern
  • Hilfen anbieten

Steigerung von Vergnügen:

  • das allgemeine Wohlbefinden erhöhen
  • offene Lernumgebungen einrichten
  • humorvoll sein
  • spielähnliche Aktivitäten nutzen

Der Studienbrief geht auch darauf ein, wie weit von den drei großen Lerntheorien zentrale Dimensionen des Lernens berücksichtigt werden. Nur der Konstruktivismus bezieht Kognition, Motivation, Emotion und soziale Interaktion gleichermaßen ein.

Ich bin sehr zufrieden, dass Emotionen ausdrücklich und gleichberechtigt Erwähnung finden, dass ich so etwas wie eine Checkliste zusammenstellen kann und dass sich in dieser Liste sehr viele Elemente finden, denen ich erstmalig beim MOOC Teaching for Learning begegnet bin und die ich als für mein Wertesystem als wichtig eingestuft hatte.

Allerdings taucht schon bald die nächste Frage auf. Wie ist das Ganze in die gesellschaftliche Entwicklung eingebettet? Darauf geht der Studienbrief nicht im Besonderen ein. Zu bestimmten Zeiten waren bestimmte Lerntheorien dominierend, es ist ja nun aber nicht so, dass es nichts anderes gegeben hätte. Reformpädagogische Ansätze mit einem anderen Bild vom Lerner und der Einbeziehung von Emotionen hat es beispielsweise gegeben, und Menschen, die einen solchen Weg beschreiten wollten, wurden auch Raum dafür gelassen. Von Bedeutung ist aber anscheinend vor allem das, was von der Gesellschaft jeweils als Maßstab angesetzt wird. Und dieser Maßstab entspricht der jeweils dominierenden Haltung zum Lernen und zum Menschen. Und wenn die Emotionen in der gesellschaftlichen Vorstellung eine geringe Bedeutung für das Lernen habe, dann finden sie eben keine besondere Beachtung.

Schritt für Schritt konstruiere ich mir auf der Basis der verschiedensten Materialien, der Betrachtung meiner Erfahrungen und meinen Überlegungen dazu ein Bild, mit dem ich mir die Welt verständlicher zu machen versuche. Es bleibt zu erwähnen, dass das ARCS- und das FEASP-Modell im Studienbrief als Modelle zur Erweiterung des Instructional Design geführt werden. In meiner Einschätzung bleibt jedoch die Berücksichtigung von Emotionen grundlegend. Warum? Ich denke, weil ich selbst die Welt so erfahre. Für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung ist das aber leider etwas zu wenig!

Die Sache mit den Gefühlen

Der Titel nimmt den Titel der Graphic Novel auf, die ich jetzt endlich lesen will. Die Sache mit Sorge von Isabel Kreitz. Zur Zeit haben wir in der Betreuung eine ganze Reihe Kinder, die ausgesprochen gut zeichnen und gestalten können, was mich nach Jahren in denen es nicht so war vor allem glücklich macht (mit dem kleinen Wermutstropfen, dass ich das in diesem Alter nicht so gut konnte). Ich habe inzwischen auch einem Mädchen mit herausragenden Fähigkeiten die ersten Seiten meiner Heftchenerzählung gezeigt und mich unglaublich gefreut als ich das anerkennende und erkennende Leuchten in ihren Augen sah. Eine ganz kleine Kommunikation von zwei Begeisterten! Auch wenn das jetzt alles wegen des Studiums ein wenig zurückstehen muss, die Leidenschaft und Begeisterung für die gezeichneten Bilder bleibt!

Das war nun ein kleiner Ausflug zu den Nebenbeidings, die aus dem Hintergrund heraus immer ihren Einfluss bemerkbar machen. Und eine gute Einleitung zu dem worum es mir eigentlich geht. Das aufgetauchte Thema der Emotionen ist nicht verschwunden. Es begleitet mich im Hintergrund weiter und hat sich dabei stabilisiert. Ich weiß jetzt, dass es von Bedeutung ist Emotionen zu berücksichtigen und auch zu benennen, die Menschen begleiten während sie handeln, aufnehmen, verarbeiten, wahrnehmen. Es reicht zu erwähnen welche Emotionen mit im Spiel waren, welche ausgelöst wurden, welche emotionalen Zustände bestimmend waren. Eine kleine Information nebenbei, durch die eine Ebene Berücksichtigung finden kann, die sonst unerwähnt bleibt. Ich habe es gerade in dem Blogpost ausprobiert, den ich zu meinem Praktikumsmodul des BiWi-Studiums schreibe. Dort sieht es so aus:

Für Problematiken mit Eltern oder Mitarbeitern war die Kitaleitung zuständig, die Durchführende wurde damit nicht weiter belastet. In Erinnerung daran werden bei der Durchführenden Gefühle von Respekt und Dankbarkeit ausgelöst. (vom nicht öffentlich zugänglichen Praktikumsblog)

Der Kontext ist hier der Versuch sich freiwilliger Tätigkeit anzunähern und diese steht in einem starken Zusammenhang mit Emotionen als Basis für Motivation. Auch der Rahmen einer distanzierten Beschreibung ermöglicht es Emotionen einzubeziehen. Hier liefert es wichtige Informationen dafür, warum freiwillige Tätigkeiten über einen langen Zeitraum fortgeführt werden oder woran es letztlich scheitern kann. Aber auch in anderen Kontexten kann die Erwähnung von ausgelösten oder begleitenden Emotionen eine sinnvolle Ergänzung zum Verständnis sein.

Emotionen sind häufig der Grund dafür warum etwas getan oder nicht getan wird. Auch wenn dann ganz andere Gründe genannt werden. Begeisterung wird zu anderen Handlungen führen als Gleichgültigkeit oder Wut oder Verletzung. Das ganze Leben ist voller Emotionen, die Handlungsgründe liefern. JeanPolZitat

Da es nach Jean-Pol Martin bei Bildung um Handlungswissen geht, spielen Emotionen folglich eine entscheidende Rolle für Bildung. (Jean-Pol Martin auf Facebook, Screenshot vom 17.12.2014)

Aus diesen Gründen und wegen der Erfahrung, die ich gerade gemacht habe, werde ich in der nächsten Zeit versuchen wichtige Emotionen in den dazugehörigen Zusammenhängen zu erwähnen. Wahrscheinlich werde ich mich dabei zuerst einmal nur auf meine eigenen Emotionen stützen können, da ich diese am ehesten bestimmen kann. Wie weit ich die Emotionen anderer einbeziehen kann wird sich zeigen. In gewisser Weise betrete ich für mich Neuland. Die Benennung von Emotionen soll hier als gleichwertige Informationsquelle neben anderen stehen und Emotionen damit den Platz geben, den sie in meinen Augen im Leben haben. Emotionen sollten nicht als private Nebenbeizuständigkeit betrachtet werden, sondern als grundlegend für Handlungen, aber auch als entscheidend für Bewertungen. Es geht darum den Blick erst einmal anders als gewohnt auszurichten und dadurch möglicherweise einen anderen Zugang zur Welt zu gewinnen.

Ich denke in diesem Zusammenhang auch an das ARCS-Modell als Motivationsmodell, das in einem starken Zusammenhang mit Emotionen steht und eine Bewertung von Erfolg an der Zufriedenheit festmacht. Ich denke hier auch an das Bruttosozialglück (GNH) bzw. Bruttonationalglück (BNG), das sich auf einen letztlich nur emotional erfassbaren Zustand hin orientiert. Mir reicht das als Beleg dafür aus, dass Emotionen einzubeziehen nicht nur eine Marotte von mir ist, sondern dass es von weitreichender Bedeutung für jede Beschäftigung mit Menschen darstellt, die auf eine Verbesserung und Änderung hin zum Positiveren orientiert sind. Und diese Beschäftigung sollte in einer systematischen und bewussten Weise erfolgen und Emotionen aus der Position einer selbstverständlichen nicht weiter zu beachtende Nebenbeierscheinung herausheben. Ich habe den Eindruck, dass manches anderes beantwortet würde, wenn ein genauerer Blick auf die Emotionen geworfen würde, die dabei im Spiel sind. Im Fall freiwilliger Tätigkeit ist das auf jeden Fall so.

Lernen – Pflicht und Spaß

Im Zusammenhang mit der Praktikumsbearbeitung im Modul 3B des Fernstudiums stoße ich auf das ARCS-Modell von Keller. Gleichzeitig beschäftigen mich die Inhalte der ersten zwei Wochen des letzten Teils der Teaching for Learning Reihe und meine generelle Auseinandersetzung mit dem Thema Lernen wuselt sehr deutlich im Hintergrund. Das ARCS-Modell kann man sehr leicht nachlesen, die ersten Wochen des MOOCs drehen sich für mich vor allem um die Bedeutung einer positiven Beziehung zum Lernen. Die gelieferten Belege verweisen erneut darauf, dass Lernen als etwas Erfreuliches und Positives erfahren werden sollte, um nachhaltig sein zu können. Positive Einstellungen und Gefühle zu erzeugen gewinnt dadurch eine größere Bedeutung als Faktenwissen oder auch Konzepte zu vermitteln. Das geschieht hier auf einen schulischen Kontext bezogen.

Durch diese Komponenten inspiriert, stoße ich auf das Verhältnis zwischen der Vorstellung von verpflichtenden schulischen Lehrinhalten und Lehrinhalten, die freiwillig und zusätzlich gelernt werden. Zuerst erscheint es wie das Verhältnis zwischen Pflicht und Kür, doch das ändert sich sehr schnell, denn die Kür besitzt im Gegensatz zu dem worum es mir geht einen hohen Wert.

Durch die Beschäftigung mit meinem Angebot „English for Beginners“ bin ich jetzt mit dieser Thematik konfrontiert, da es als ausreichend betrachtet wurde wenn es Spaß macht und ein bisschen dabei gelernt wird. Ein Ausdruck für nicht allzu hohen Ansprüche. Etwas das Spaß macht ist nicht schwer, etwas das zusätzlich ist muss nicht effektiv sein und etwas das freiwillig mit Aufwandsentschädigung getan wird hat keinen hohen Wert. Es ist Freizeitbeschäftigung – für Teilnehmende wie auch Anbietende.

Dadurch bin ich nun zum ARCS-Modell gekommen. Ich kann nicht im schulischen Sinn verpflichten. Ich muss zur Teilnahme motivieren. Ich muss Interesse wecken, muss Teilnahme und Inhalte bedeutsam machen, darf nicht über- oder unterfordern um die positiven Erfolgserwartungen zu erhalten und ich muss die Teilnehmer zufriedenstellen, damit sie das Gefühl bekommen die Sache war es Wert ihre Zeit dafür zu opfern, da sie ein positives Erlebnis hatten. Währenddessen ist aber alles ganz selbstverständlich und Lernen geschieht quasi nebenher.

Ganz anders Vorstellungen die mit verpflichtendem Lernen einhergehen. Das darf nach wie vor schwer und hart und anstrengend und unerfreulich sein. Dazu habe ich kürzlich einen interessanten Beitrag gelesen. Darin steht tatsächlich: „Das schulische Lernen bewegt sich also in einem Spannungsfeld zwischen Spaß und Pflicht.“[1] Damit ist die Problematik sehr genau erfasst. Pflicht ist kein Spaß. Pflicht steht noch immer in der Tradition protestantischer Ethik [2]. Arbeit und Fleiß sind kaum mit Spaß und Freude verbunden, sie sind die harte auferlegte Buße, und je älter die Kinder werden, um so mehr kann ihnen auf dem Weg ins Leben die freudlose Pflicht der Erwachsenen zugemutet werden. Die Zeit der Schonung und des Spiels sind vorüber. Jetzt kommt der Ernst des Lebens. Wenn es wehtut müssen nicht die Bedingungen geändert werden, sondern du musst deine Leidensfähigkeit erhöhen.

So stehen sich Ansprüche getrennt gegenüber. Das was Spaß macht muss nicht wertvoll sein, das was wertvoll ist muss keinen Spaß machen. Wenn nun aber am besten gelernt wird wenn positive Gefühle vorhanden sind, wenn die Einstellung zum Lernen positiv ist, wenn etwas bedeutungsvoll ist und Spaß macht [3], warum kann man nicht beide Teile zusammenbringen?

In meiner Praktikumsbearbeitung bin ich gezwungen einen Bereich freiwilliger Tätigkeit mit Projektmanagement, Evaluation und Qualitätssicherung in Verbindung zu setzen. Das was für mich zuerst etwas schwierig und befremdlich erschien, führt mich jetzt zu einem anderen Betrachtungswinkel. Und da taucht auch die Frage auf, warum sollen die beiden Bereiche nicht etwas aneinander abgeben? Wenn Projektmanagement, Evaluation und Qualitätssicherung nützlich und hilfreich sind, warum sollten sie dann nicht auch zur Verbesserung und zur Hebung der Reputation des freiwilligen Bereichs genutzt werden können? Und warum sollte im Gegenzug Pflicht nicht mit Vorstellungen von Spaß, Freude und intrinsischer Motivation verbunden werden, wenn diese mindestens genauso nützlich sind wie Projektmanagement, Evaluation und Qualitätssicherung?

Und warum dann nicht das gesamte Vorstellungsbild ändern und Lernen als eine Gesamtheit sehen, ganz gleich wo es geschieht?

Die Wirkung der Beschäftigung mit dieser Thematik ist für mich eine gedankliche Annäherung zuvor getrennter Bereiche. So wie auf der einen Seite eine Verbesserung der Wahrnehmung von Qualität und Planung geschieht, sinkt auf der anderen Seite die Bereitschaft Lernen als harte, freudlose Arbeit als eine höhere, wertvollere Form zu akzeptieren als das Lernen mit Spaß, Freude, Freiwilligkeit und intrinsischer Motivation. Es gilt nicht mehr: das eine ist das richtige Lernen und das andere kann man nicht so ganz ernst nehmen, daher ist es auch nicht wichtig es zu verbessern oder sein Ansehen zu erhöhen.

Als Schlussfolgerung möchte ich meine Vorstellungen vom Lernen ändern. Lernen ist überall wertvoll und die Vorstellungen vom Lernen sollten überall mit Spaß und Freude zu verbinden sein.

Nachtrag: „Insofern liegt ein Ziel schulischen Handelns … darin, Spaß daran zu vermitteln, etwas lernen und leisten zu wollen.“ [4] Seite 9

 

Referenzen:

[1] http://www-de.scoyo.com/eltern/schule/spass-am-lernen-experten-fordern-mehr-freude-am-lernen

[2] Weber, M. (1934). Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Tübingen: J.C.B. Mohr.

[3] https://www-de.scoyo.com/studie_lernenmitspass/experten_michael_fritz.html

[4] Schlag, B. (2012). Lern- und Leistungsmotivation. Wiesbaden: Springer.