Bildungsmäuschen

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Dem Ende der ersten Recherche entgegen

Langsam sehe ich ein Ende meiner ersten Recherchearbeit zum Thema Emotionen vor mir. Noch immer bin ich damit konfrontiert dass ich beobachten kann, wie sowohl der Inhalt meiner Gedanken als auch die Körperempfindungen, die ich zu Beginn des Tages habe, sich teilweise gravierend von denen des Vortags unterscheiden. Das betrifft sowohl die Wahrnehmungen im Körper als Gesamtheit, als auch die gedanklichen Verarbeitungsprozesse, die im Gehirn lokalisiert sind. Dabei geraten die Gemeinsamkeiten mehr als die Unterschiede in meine Aufmerksamkeit. In beiden Vorgangsbereichen geht es flüchtig, unbeständig und wechselhaft zu, und von daher sind sie in gleichem Ausmaß zuverlässig bzw. unzuverlässig. Ich habe es immer nur mit momentanen Zuständen zu tun, denen ich nachrätseln, die ich aber genauso gut vorbeiziehen lassen kann.

Passenderweise lese ich am Morgen nach diesen Überlegungen einen Beitrag aus Emotionen und Lernen, herausgegeben von Rolf Arnold und Günther Holzapfel, von Herbert Gerl (2008) mit dem Titel Selbstfindung und Dekonstruktion. Eine Zen-Perspektive für lebenslanges Lernen. Dieser Artikel basiert auf Erfahrungen mit einer sehr ähnlichen Technik der Meditation wie diejenige, auf der mein Beobachtungszugang beruht. Gerls Beitrag liegt eine andere Fragestellung zugrunde wie mir, die Gemeinsamkeiten im Betrachtungszugang sind allerdings sehr groß. Auch mein Zugang basiert auf einer aus den Lehren Buddhas hervorgegangenen Technik. Es geht in beiden Fällen um die Beobachtung dessen, was im Inneren vorgeht, ohne dabei einzugreifen.

Während dadurch ermöglicht wird Realität unmittelbar wahrzunehmen, können sowohl Denken als auch Emotionen als reine Interpretationsschemata dieser Realität wahrgenommen werden. Emotionen genauso wie Gedanken sind permanenter Veränderung unterworfen, wirken aufeinander, sind unbeständig und können nicht festgehalten, d.h. konserviert werden. Sie liefern eine fortdauernde Bewertungs- und Interpretationsfolie zwischen Subjekt und Objekt.

Es handelt sich um eine Art Realität zweiter Ordnung (Gerl, 2008).

Damit existieren parallel eine Realität, die wir unmittelbar mit unseren Sinnen aufnehmen können, die allerdings vom Wahrnehmungsspektrum dieser Sinne begrenzt ist, als auch eine Realitätsinterpretation, die sowohl auf der Ebene der Gedanken als auch der Empfindungen geschieht. Aus dieser Perspektive betrachtet ist jegliche Hierarchie zwischen Denken und Empfinden sinnlos. Beide können nützliche als auch problematische Verarbeitungsformen der Weltwahrnehmung sein.

Interessanterweise beschreibt Gerl den Vorgang der reinen Beobachtung als vollkommen zweckfrei. Es geht allein darum einen Blick auf offene Weite zu ermöglichen. Damit ist nichts verbunden, das in der Zukunft erreicht werden kann, denn die gewonnene und geübte Fähigkeit zum offenen, nicht-bewertenden, nicht-kontrollierenden Wahrnehmen von dem was ist führt nirgendwo hin. Sie erfüllt ihren Zweck allein durch sich selbst.

Allerdings ermöglicht sie das unmittelbare Wahrnehmen und Benennen von Konstruktionen und Konditionierungen, macht sie transparent und verringert dadurch ihre Kraft uns zu bestimmen und zu manipulieren. Eine reine Zweckfreiheit kann ich daher hier nicht ausmachen, was allerdings auch in einem Zusammenhang mit einem unterschiedlichen Verständnis von Zweckfreiheit stehen kann. Ich sehe allerdings einen starken Zusammenhang mit Vorstellungen, dass durch eine Bildung, die auf die Entfaltung des Individuums ausgerichtet ist, Zwänge reduziert und Freiheiten gewonnen werden können. In dem Bemühen von beiden, der beobachtenden Meditation als auch im Bildungsstreben, sind starke Anteile von etwas enthalten, das für die reine Über-Lebensführung nicht notwendig ist, sondern auf den Bereich der Lebensqualität verweist.

Wie dem auch sei. Mir geht es momentan um den Stellenwert von und den Umgang mit Gefühlen und Emotionen und um Wissen darüber, was sie eigentlich sind. Zunehmend wird für mich sichtbar, dass Denken und Emotionen weder unterschiedlich gewichtet, noch unterschiedlich behandelt werden sollten. Die Betrachtung von beiden sollte aus einer anderen Perspektive erfolgen als ich in der Vergangenheit wahrgenommen habe. Spätestens nach dem Text von Gerl muss ich Emotionen auf die gleiche Stufe wie Denken stellen und beide aufs engste verflochten begreifen. Dabei werden Emotionen aber nicht in die gleiche Position gebracht, die Denken einmal hatte, was meine ursprüngliche Vorstellung war, sondern das Denken verliert dabei die herausragende Bedeutung, die es im Verlauf abendländischer Geistesgeschichte häufig erhalten hat. Gleichzeitig ist es unmöglich eine Position zu vertreten, in der Emotionen eine größere Bedeutung als Denken zugesprochen wird.

Erneut geht es um das was Damasio Descartes‘ Irrtum nennt. „Ich denke, also bin ich.“ Denken in seinen verschiedenen Facetten ist nur eine Funktion und Aufgabe des Organismus. Genauso verhält es sich mit Emotionen. Da beide auf unterschiedlichen Bühnen stattfinden, scheint es möglich sie voneinander zu trennen. Bei genauerem Hinsehen ist das aber unhaltbar.

Ich selbst liebe beide Funktionen. Ich liebe es zu empfinden und ich liebe es zu denken. Ich mag beides und ich mag es auch, wenn es schwierig ist oder schmerzhaft. Ich will auch nicht davor entkommen. Gleichzeitig mag ich die Momente unmittelbarer Wahrnehmung, bevorzuge sie aber nicht.

Noch vorgestern hatte ich den Bedarf eines Kategoriensystems für die Vielfalt der Themen im Bereich Emotionen gesehen, da ich mich überfordert fühlte, gestern erschien mir das nicht mehr notwendig, da ich den Eindruck habe, dass mein Gesamtüberblick gewachsen ist. Vorgestern hatte ich sehr unangenehme Körperempfindungen, während ich mich gestern ausgesprochen entspannt und ausgeruht fühlte. Heute Morgen waren meine Empfindungen dagegen gemischt, und während meine Gedanken zum Thema Emotionen wesentliche Ergänzungen vornahmen und sich an einer Formulierung meiner Forschungsfragen zu meiner Bachelorarbeit versuchten, musst ich einen Teil meiner Energie darauf verwenden einzuschätzen, wie lange ich einen fälligen Zahnarztbesuch noch aufschieben kann und warum ich das überhaupt will.  (In diesem Kontext taucht die Frage auf, ob ein identifizierbares Ich überhaupt existiert, die ich aus Gründen der Komplexitätsreduktion aber ignoriere.)

Denken und Empfindungen stehen nicht getrennt. Emotionen ergeben sich als eine Durchmischung von Wahrnehmung, Interpretation, Bewertung, Denken, Gefühlen und Empfindungen. Das ist beobachtbar. Beide Bereiche liefern die Grundlage für Handeln, das dann wieder über die Wahrnehmung der Auswirkung auf das Denken und damit verbundene Gefühle wirkt, bzw. Empfindungen auslöst, die sich mit Denkvorgängen zu Emotionen verbinden, die wiederum Denk- und Empfindungsprozesse in Gang setzen.

Was mir jetzt noch fehlt, ist die ganz spezifische Bedeutung für den Bereich der Bildung, zu der ich inzwischen schon Überlegungen entwickelt habe, die momentan allerdings noch nicht so ganz auf der Ebene des schriftlich Formulierbaren angekommen zu sein scheinen.

Referenz

Gerl, H.(2008). Selbsterfindung und Dekonstruktion. Eine Zen-Perspektive für lebenslanges Lernen. In Arnold, R.& Holzapfel, G. (Hrsg.). Emotionen und Lernen. Die vergesessenen Gefühle in der (Erwachsenen-) Pädagogik. Hohengehren: Schneider.

Selbstbeobachtung von Emotionen und das Verhältnis von Emotionen zum Denken

Im Zusammenhang mit meiner Selbstbeobachtung von Emotionen ist mir etwas sehr Interessantes aufgefallen. Da ich momentan ein ausgesprochen regelmäßiges Leben führe, kann ich sehr gut verschiedene Tage miteinander vergleichen. Ich beobachte vor allem am Abend und vor dem Aufstehen Empfindungen und Gedanken und es ist mir schon vor einer Weile aufgefallen, dass ich meistens am nächsten Tag etwas ganz anderes denke als am vorhergehenden. Ich verarbeite vor allem während des Schlafs die Einflüsse des Tages, d.h. zur Zeit neben den alltäglichen Erlebnissen das was ich jeweils gelesen habe. Die Perspektive oder der Themenbereich, der dann am Morgen in meinem Kopf aktiv ist, unterscheidet sich vom vorhergehenden Tag in der Regel gravierend, da ich immer noch eine große Breite von auf Emotionen bezogene Aspekten lesend aufnehme.

Parallel dazu ist jetzt zunehmend deutlich geworden, dass sich auch meine Körperempfindungen von Tag zu Tag gravierend unterscheiden. Das geht von Zuständen entspannten Wohlfühlens bis zu unangenehmer Aufgeregtheit. Die Gründe für diese Zustände kann ich nicht bestimmen, es ist auch erst einmal nicht wichtig. Bedeutsam ist die Auswirkung auf mein Denken. Ich habe nicht den Eindruck, dass die wahrgenommenen Körperempfindungen durch Denken ausgelöst werden. Sie sind bereits vorhanden, haben möglicherweise mit Körperfunktionen zu tun, und ich kann auf sie bewusst, oder es den Gewohnheiten überlassend, verstärkend oder abschwächend einwirken. Grundlegend ändern kann ich sie auf diesem Weg allerdings nicht, d.h. ich benötige weiterhin die Befähigung sie hinzunehmen wie sie sind, wissend, dass sie irgendwo hergekommen sind und irgendwann auch wieder anders sein werden.

Diese Körperempfindungen bleiben allerdings nicht ohne Einfluss auf mein Denken. Befinde ich mich in einem entspannten Zustand des Wohlgefühls, werden meine Gedanken optimistischer und zuversichtlicher. Nehme ich Empfindungen der Anspannung und Unruhe wahr, so greife ich eher auf ängstigende Gedankenketten zurück. Es gibt dadurch so etwas wie ein Tagesformat, das dann Auswirkungen auf Wahrnehmung, Denken und Handeln hat. Allerdings kann ich auch durch die Art meines Denkens direkt Einfluss auf meine Emotionen nehmen.

Inzwischen konnte ich auch beobachten, wie sich im Alltag bei Themen und Erfahrungen, die für mich vorbelastet sind, die Körperempfindungen in Richtung Anspannung bewegten und dies eine Auswirkung auf meine Art zu reden, zu agieren und zu denken hatte. Es war mir durch die Achtsamkeit dafür möglich, anderen gegenüber darzustellen, dass ich bei diesem Thema durch Erfahrungen vorbelastet bin, um dadurch eine zusätzliche Option der Erklärung zu liefern und mich selbst zu bremsen.

Eine überblickende Ordnung herzustellen gelingt mir allerdings immer noch nicht. Es sind einfach zu viele Aspekte, die alle in den Bereich Empfindungen, Gefühle, Emotionen und Stimmungen und ihre Auswirkungen und Zusammenhänge fallen. Darin sehe ich momentan mein Hauptproblem bei der Beschäftigung damit. Ich habe inzwischen auch in Erwägung gezogen doch noch einen abgetrennten Blog zum Thema, ähnlich dem Blog für Modul 3B einzurichten, auf dem ich einzelne Artikel zu einzelnen Aspekten abfassen kann. Da ich von der Nützlichkeit allerdings nicht so ganz überzeugt bin, werde ich erst einmal hier weiter versuchen das Thema zu bearbeiten.

Eine interessante Einteilung habe ich sowohl im Soziologiemagazin (2014, S. 55), als auch bei Scherke (2009) gefunden. Beide beziehen sich dabei auf Barbalet (2001). In der Betrachtung von Emotionen werden dabei drei Ansätze unterschieden.

  • Konventioneller Ansatz: Emotionen sind hinderlich für die Rationalität der Akteure. Emotionen stehen außerhalb der Rationalität, lenken ab und wirken sich störend aus.
  • Kritischer Ansatz: Emotionen sind der Rationalität vorgelagerte Prozesse.
  • Radikaler Ansatz: Jedes Handeln der Akteure ist immer schon durch Emotionen begleitet. Nur das Vertrauen in handlungsrelevante Emotionen kann zur Überwindung von Unsicherheit bei Entscheidungen führen.

Mich überzeugt kein Ansatz vollkommen, weiter hilft mir allerdings, dass es so eine Systematik gibt. Mein eigener Eindruck ist inzwischen, dass Emotionen und Denken untrennbar zusammenspielen. Wie sie das genau machen und was das für Konsequenzen hat, ist mir allerdings noch lange nicht klar. Es bedeutet für mich jedoch einen großen Schritt vorwärts. Es ist nicht mehr möglich eine Hierarchie zwischen Emotionen und Denkfunktionen herzustellen, Emotionen nicht zu berücksichtigen oder sie nur als Nebenerscheinungen einzuordnen. Allerdings kann ich sie auch nicht als authentischer oder verlässlicher als Kognition, Denken oder Rationalität einstufen.

Ich habe den Eindruck, Descartes‘ Irrtum, die Trennung von Geist und Körper (Damasio, 2004, S.330) könnte letztlich dafür verantwortlich sein, dass es schwierig ist übersichtliche Informationen über das Zusammenspiel der lange als getrennt eingestuften Bereiche menschlicher Möglichkeiten zu bekommen. Mir fehlt ein Gesamtbild. Bei genauerem Hinsehen lässt sich sehr viel zu Emotionen finden, gerade auch in pädagogischen Werken, allerdings sehr häufig nicht explizit und vor allem nicht eingepasst in ein ausgearbeitetes Verständnis der gegenseitigen Wirkung wischen Emotionen und Denken.

Wichtig ist der Bereich aber besonders wenn es um Erscheinungen wie dem heimlichen Lehrplan, der schwarzen Pädagogik oder Rassismus geht. Diskriminierung und Manipulation von Menschen wirken auf der Ebene der Emotionen. Emotionen werden durch das Soziale geprägt (Scherke, 2009, S. 81). Der „ja aber…“-Satz des Alltagrassismus bezieht sich auf die emotionale Überzeugung, die der rationalen Anforderung nach Gleichbehandlung entgegengesetzt wird. Emotionen, die naturalisiert werden, während sie aber nur abgekoppelt wurden und dadurch nicht mehr im Verbund mit dem Ganzen wahrgenommen werden können, werden als ursprünglich, authentisch und daher zutreffend eingestuft. Gleichzeitig werden sie aber als die minderwertigere Form des Ausdrucks menschlicher Existenz begriffen. Das ist in meinen Augen eine fatale Kombination, die Möglichkeiten des Eingreifens und der Steuerung zuwider läuft.

Und damit hört es noch lange nicht auf. Einbeziehung von Emotionen nimmt häufig die Form von Funktionalisierung an. Nach Arlie Hochschild (2006) besitzt Gefühlsarbeit einen, allerdings in der Regel gering bewerteten, Tauschwertcharakter. Ökonomie beeinflusst und formt Emotionen im Sinne des Marktinteresses. Die Beeinflussung von Emotionen wird in vielen Bereichen benutzt, um unterschiedliche Ziele zu erreichen oder ihre Erreichung zu erleichtern. Es ist daher im Interesse von Bildung zu wissen, was tatsächlich auf der Ebene der Emotionen vor sich geht und wie es vor sich geht. Bildung kann immer noch darauf ausgerichtet verstanden werden den einzelnen Menschen in der Entfaltung seiner Möglichkeiten zu unterstützen. Es geht also nicht nur darum herauszufinden wie Emotionen in Bildungsprozessen förderlich betrachtet, behandelt und eingesetzt werden, sondern auch darum was im Kontext von Bildungsprozessen zu Emotionen selbst gelehrt und gelernt wird. Es geht also nicht nur um Methoden, sondern auch um Inhalte.

 

Referenzen:

  • Barbalet, J. (2001). Emotion, Social Theory, and Social Structure. Cambridge: Cambridge Press.
  • Damasio, A. R. (2004). Descartes‘ Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. Berlin: List.
  • Hochschild, A.  (2006). Das gekaufte Herz. Die Kommerzialisierung der Gefühle. Frankfurt/Main: Campus.
  • Scherke, K. (2009). Emotionen als Forschungsgegenstand der deutschsprachigen Soziologie. Wiesbaden: VS.
  • Soziologiemagazin, 10. Ausg. (2014). Emotionen – Wie sozial sind unsere Gefühle? URL: http://soziologieblog.hypotheses.org/emotionen

Theorie in der Praxis suchend

Jeder Tag ist anders als der vorhergehende. Eine banale Aussage, aber etwas das mich immer wieder neu fasziniert. Ich lebe ein Leben, in dem sich Abläufe und Orte regelmäßig wiederholen, und genau dadurch fällt dieser Wechsel so stark auf. Ich habe keine Ahnung was dafür verantwortlich ist und kann es daher nur beobachten und zur Kenntnis nehmen. Schlafen wir drüber und morgen sieht alles anders aus, ist eine zutreffende Anwendung davon.

Gestern habe ich das Lesen zum Thema Emotionen, das mich viele Tage beschäftigt gehalten hat, nicht fortgesetzt, sondern meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet die Inhalte im Alltag zu finden. Das war kein beabsichtigtes Verhalten, sondern hat sich aus den Begegnungen des Tages auf der Basis des wochenlang Gelesenen so ergeben.

Das Gegenteil von Vernunft ist Unvernunft, nicht Emotionen oder Emotionalität. Emotionen an sich sind nicht unvernünftig. Das ist die Art wie sie manchmal verwendet werden. Aber auch den Verstand und Rationalität kann man sehr unvernünftig einsetzen. (eigener Kommentar in einem Thread auf Facebook)

Das war so eine Gelegenheit der Anwendung. Außerdem die häufige Beobachtung während des Tages was die eigenen Empfindungen so betreiben, wie ich mich fühle, wann Emotionen auftreten, wie sie sich auf das Handeln auswirken, mit was für Gedankenbildern sie verbunden sind. Eine Schülerin, die mir mitteilt, dass sie schon den ganzen Tag in einer guten Stimmung ist, ein Film, der ein Abel/Kain-Motiv auf sehr interessante Weise thematisiert und bei dem ich mich in den Gefühlszustand der Charaktere versetze, der von den Schauspielern sehr anschaulich dargestellt wird. Der beabsichtigte Ausdruck von Emotion bei anderen im zwischenmenschlichen Kontakt während der Arbeit und ihre Nützlichkeit für die gemeinsame Arbeit, aber auch die Anpassung der Äußerung an das was im gemeinsamen Kontext üblich ist. Die Überlegung, was von einem Vortrag über die Neue Frankfurter Schule an vermittelten Informationen in einigen Wochen noch vorhanden sein wird, durch Vergleich mit den Vorerfahrungen ähnlicher Vorträge, und wie eine stärkere Ansprache von Emotionen die Erinnerung fördern könnte. Die Erinnerungen aus der Vergangenheit an Arbeitsgruppen, die nach Vorträgen stattfanden, und der Vergleich mit dem Nutzen emotionaler Involvierung bei Diskussionsforen im Internet.

Was ich momentan betreibe, erinnert mich an Deweys Methode aus der Praxis in die Theorie, wieder zurück in die Praxis und erneut in die Theorie zurück. Das Thema Emotionen, generell untersucht und nicht auf einen eingegrenzten Bereich, ist dabei etwas sehr spezielles. Emotionen sind fortwährend in den unterschiedlichsten Kontexten und Zusammenhängen vorhanden und können ganz nebenbei untersucht beziehungsweise beobachtet werden. Alles eignet sich, sämtliche Äußerungen des Lebens, gleichzeitig passiert nichts ungewöhnliches.

Hilfreich ist für mich dabei die Unterteilung des emotionalen Bereichs nach Empfindungen, Gefühlen, Emotionen und Stimmungen in Anlehnung an Küpers und Weibler (2005), die allerdings im Bezug auf die Empfindungen von meinen abweichen, außerdem die Vorstellung des untrennbaren Zusammenhangs von Körper, Emotionen, Denken und Handeln, den ich bisher am vehementesten betont bei Gieseke (2007) gefunden habe. Ein weiteres Element ist die Vorstellung von Hintergrundempfindungen, die fortwährend vorhanden sind, bei denen ich jetzt nicht genau weiß, auf wen sie zurückgehen. Diese Form der Empfindungen spielt für mein Thema auch keine Rolle. Es ist allerdings interessant zu wissen, dass Empfindungen als Wahrnehmung der Funktionen des Körpers so lange vorhanden sind wie Leben existiert und dass wir uns in einem gefühls- bzw. emotionsneutralem Zustand befinden können.

Wo ich momentan noch Lernbedarf sehe, sind die von den Neurowissenschaftlern festgestellten Aktivitäten in verschiedenen Bereichen des Gehirns. Ich würde mir das gerne am lebenden Körper vorstellen können, das erfordert aber zuvor eine gezieltes Visualisieren der vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisse, da bisher alle Darstellungen, die ich dazu gelesen habe, mir kein unmittelbares Nachvollziehen ermöglichten.

Es ist etwas schwierig zu beschreiben, aber ich konzentriere mich momentan nicht auf eine Systematisierung dessen, was im Kopf geschieht, ob dort Bilder oder Sprache oder komplexe Vorstellungen auftauchen, nicht auf Inhaltsarten und Formen, sondern nur darauf dass dort etwas geschieht und wie es in Bezug zu Empfindungen steht. Wie aus Kommunikation zwischen verschiedenen Teilen ein Komplex entsteht, der sich als Emotion beschreiben lässt. Und wie der dann auf mich wirkt, bestimmte Verhaltensweise abruft und andere zuerst einmal unmöglich erscheinen lässt. Ich beobachte allerdings auch die Strategien und Ausdrucksformen, die von anderen Menschen angewendet werden.

Ohne Auswirkungen ist das nicht, auch wenn diese sehr subtil sind. Es bleibt nicht beim reinen Beobachten, sondern führt dazu, dass ich Verhalten und Denken in Situationen unterbreche, abändere oder mir andere mögliche Strategien überlege. Ich unterbreche die für mich irrelevanten Ausführungen einer mit mir Telefonierenden, die bei mir negative Emotionen auslösen, da ich die Art der Darstellung als verbunden mit einer inhumane Haltung wahrnehme von der ich mich unnötig belastet fühle. (Es ist die Art der Darstellung und Bewertung durch die Person, auf die ich mich zuerst abwehrend einlasse, da ich sie aber nicht ändern kann, versuche ich das Thema gezielt zu wechseln. Allerdings kam die Person später wieder darauf zurück und erwischte mich weniger achtsam, so dass ich dann doch mit einem Haufen negativer Emotionen zurecht kommen musste. Das ist übrigens ein sehr interessantes Thema, wie sich die in der Kommunikation vermittelten Haltungen auf die Wahrnehmung von Gesellschaft an sich und die individuellen Möglichkeiten darin über in der Kommunikation entstandene Emotionen auswirken.)

Ich beobachte und experimentiere zur gleichen Zeit. Allerdings nicht fortwährend. Es ist eher so, dass ich bei Anlässen wie dem Facebookthread an das Thema erinnert werde und dann das was ich bereits an Wissen habe anwende. Zwischendurch verliere ich wieder den Faden und versinke in meinem gewohnheitsmäßigen Tun. Zum Teil reflektiere ich Ereignisse auch erst nachträglich auf Vorkommen und Bedeutung von Emotionen dabei. Ausgerichtet bin ich in den Reflexionen vor allem auf Bildungskontexte, da ich ja immer noch nach dem genauen Thema für meine Bachelorarbeit suche und daher alles auf mögliche Kenntnislücken absuche.

Referenzen:

Gieseke, W. (2007). Lebenslanges Lernen und Emotionen. Wirkungen von Emotionen auf Bildungsprozesse aus beziehungstheoretischer Sicht. Bielefeld: Bertelsmann.

Küpers, W. & Weibler, J. (2005). Emotionen in Organisationen. Stuttgart: Kohlhammer.

Puzzleteile zum Thema Emotionen

Ich würde gerne das was ich zur Zeit tue für andere nachvollziehbar und für mich später rekonstruierbar dokumentieren, bin dazu aber nicht in der Lage. Ich denke, das ist vor allem ein zeitliches Problem. Seit Beginn des Jahres versuche ich täglich kurz zusammenzufassen was bei meiner beruflichen Tätigkeit für Vorkommnisse waren und was ich gemacht habe, und schon das gelingt mir für den jeweils sehr kurzen Zeitraum an den einzelnen Wochentagen kaum. Was das Studium und die damit in Verbindung stehenden Aktivitäten betrifft ist es unmöglich. Ich arbeite an dem was mich beschäftigt so lange ich kann und benötige dann noch Zeit für Entspannung und Reflexion. Für eine systematische Dokumentation bleibt kein zeitlicher Rahmen. Da ich aber gedanklich versuche einen Überblick zu behalten und Zusammenhänge zu sehen, entsteht das Bedürfnis das auch festzuhalten. Es scheint aber ein unerfüllbarer Wunsch bleiben zu müssen. Ich werde mit Fetzen von gelegentlicher Dokumentation Vorlieb nehmen und meine Frustration darüber bewältigen müssen. Zumindest wird mir jetzt klarer, dass hinter allem was ich von anderen Menschen erfahre und das sie mitteilen noch so viel mehr steht, das nie zum Vorschein kommen wird.

In Bezug auf die Emotionen trage ich also weiterhin Puzzelteile zusammen. Die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu richten führt dabei zur Sammlung von Informationen aus sehr unterschiedlichen Quellen. Hilfreich für mein persönliches Verständnis war in den letzten Tagen die Vorstellung von Emotionen als energetische Phänomene in einem YouTubeVideo. Zu Problemen kommt es, wenn diese Energie an einem freien Fluss gehindert wird und Strategien gefunden werden müssen, um mit dieser Situation umzugehen.

Interessant war weiterhin das Webinar „Faszination E-Learning“ mit dem Thema „Emotionen beim E-Learning nutzen“, mit Zusatzinfos durch Markus Jung verlinkt. Danke an ihn. In diesem Webinar stellt Sylvan Becchio seine Masterthesis vor. Er verbindet dabei Erkenntnisse aus der Psychologie mit Erkenntnissen aus dem Gamedesign um besseres E-Learning zu gestalten. Das ist nicht mein Thema, hilft mir aber mein eigenes Thema besser einzukreisen. Er sieht Emotionen als ständige Begleiter beim Lernen, als fortwährende Bewertung von Situationen und als Wegweiser für Handlungsentscheidungen. Sowohl positive Emotionen als auch negative Emotionen eignen sich zum Lernen, führen allerdings zu unterschiedlichen Strategien, das heißt, sie beeinflussen die Art und Weise wie gelernt wird. Er führt dabei auch den emotionslosen Zustand als eine Option an, in dem gelernt werden kann. Wie Jean-Pol Martin bei LdL verwendet er Grundbedürfnisse im Rahmen von Lernen, allerdings nur die psychologischen, deren Befriedigung in einer Lernsituation zu Wohlbefinden führt.

Nicht ganz klar ist mir geworden warum er eigentlich die positiven Emotionen beim Lernen fördern will. Er entwickelt verschiedene Vorschläge für Strategien auf der Basis des Gamedesigns, es gibt dafür auch ein Plakat, das zu erstellen an seiner Fernfachhochschule eine Verpflichtung ist, doch wenn Lernen auch in einem emotionslosen Zustand oder mit negativen Emotionen möglich ist, was ist dann an dem Weg positiver Emotionen von Vorteil? Eine Antwort darauf habe ich während des Webinars nicht wirklich bekommen. Ich könnte noch einmal gezielt in der Aufzeichnung oder in seiner Masterthesis danach suchen. Da das momentan für meine Fragestellung aber nicht bedeutsam ist, verfolge ich es erst einmal nicht weiter.

Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls erwähnenswert. Wie auch während der Beschäftigung mit dem Rassismus wende ich das was ich lese, überlege und feststelle direkt an. Das führt einerseits dazu, dass ich stärker darauf achte was in mir selbst zu dem Thema vor sich geht, als auch was ich bei anderen wahrnehme. Dabei wurde auffällig, dass ich dazu neige Empfindungen zu verstärken. Inzwischen unterbreche ich diese Gewohnheit durch die Achtsamkeit darauf häufiger, was dazu geführt hat, dass ich mich insgesamt in einem entspannteren Zustand befinde. Außerdem registriere ich stärker den Ausdruck von Emotionen bei anderen, die für mich sichtbar sind, aber im Alltag nicht thematisiert werden. Auch die wahrnehmbare Bevorzugung unterschiedlicher Strategien mit Emotionen umzugehen bei unterschiedlichen Menschen, ist dabei in mein Bewusstsein gerückt.

Weiterhin ist mir klar geworden, wenn umgangssprachlich formuliert wird, dass Gefühle verletzt wurden, dann ist damit eine Beeinträchtigung von Vorstellungen, Werten, Einstellungen oder Erwartungen gemeint. Damit sind Empfindungen verbunden, die als Emotionen verstanden werden, wobei dann Empfindungen als Altlasten wiederum auf Vorstellungen, Werte, Einstellungen oder Erwartungen einwirken. Auffällig ist dabei die starke Einbettung des Themas in Selbstverständlichkeiten, die wegen ihrer Selbstverständlichkeit einerseits wenig hinterfragt werden als auch schwierig zu hinterfragen sind.

So wie die Förderung positiver Emotionen beim Lernen. Erst einmal: was ist denn eigentlich positiv und was negativ? Sind wir uns darüber überhaupt einig? Und was sind Emotionen? Welche Empfindungen sind wie mit Emotionen verknüpft und was ist einfach etwas ganz anderes. Haben wir da die gleichen Vorstellungen? Die Emotionspsychologie [1] hat mich bereits eines Besseren belehrt. Und Damasio [2] (Seite 207f.) bestimmt klar Erscheinungen, die als Hintergrundempfindungen übersetzt wurden und nicht emotionale Empfindungen sind, die weder als positiv noch als negativ erlebt werden und von denen er schreibt, dass wir in unserem Leben wahrscheinlich überwiegend solche Empfindungen haben. Das deckt sich sehr mit der Beobachtung meiner eigenen Empfindungen auf der körperlichen Ebene, wo häufig gar nichts passiert, das als Emotionen bezeichnet werden kann. Empfindungen selbst sind allerdings fortwährend vorhanden. Und auf dieser Basis allein lässt sich durchaus hervorragend lernen.

Dazu passt dann auch das Flow-Gefühl im Flow-Kanal zwischen Langeweile bei Unterforderung der eigenen Fähigkeiten durch zu niedrige Herausforderungen und der Angst bei Überforderung der eigenen Fähigkeiten bei unpassend hohen Anforderungen [3]. Ist Flow überhaupt ein emotionaler Zustand? Oder ist er einfach ein energetisch optimaler Zustand? Emotionen, die sehr stark werden, können, sowohl wenn sie als positiv wahrgenommen werden als auch wenn sie als negativ wahrgenommen werden, zu Ablenkung oder Überforderung führen. Ich denke, ich kenne mich da ganz gut aus.

An diesem Punkt will ich abbrechen. Es ist mir gelungen mehr zu dokumentieren als erhofft. Die Fragen, die ich habe, müssen nicht heute und nicht morgen beantwortet werden. Es reicht wenn ich ihnen Schritt für Schritt näher komme.

Referenz:

[1] Schmidt-Atzert, L., Peper, M., Stemmler, G. (2014). Emotionspsychologie. Ein Lehrbuch.Stuttgart: Kohlhammer.

[2] Damasio, A.R.(1994). Descartes’ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. München: List.

[3] Csikszentmihalyi, M. (2004). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

Weiter mit dem Thema Emotionen

Das Bild das ich zu meiner momentanen Tätigkeit im Kopf habe, ist es auf einem Boot stehend auf einem Fluss durch die Unterwelt zu staken. Dabei ist diese Unterwelt in ihrem Aussehen eine Mischung aus Hades und Hölle, an manchen Stellen dunkel und kalt, an anderen Stellen heiß und hell.

Die großen Weiten des Internets helfen mir mein eigenes Interesse auch in einem größeren Kontext ernst zu nehmen und nicht nur als individuelle Marotte zu begreifen. Es erfordert nur wenige Schlagworte und Seitenaufrufe, um zu wissenschaftlich relevanter Lektüre zum Thema Emotionen zu gelangen. Und das ist für mich eine der großartigsten Großartigkeiten des Netzes. Wo ich in der Vergangenheit auf Zufallsfunde schriftlicher Art angewiesen war und zum Austausch nur die Menschen in erreichbarer Umgebung zur Verfügung standen, die mit meinen für sie befremdlichen Interessen häufig so gar nichts anfangen konnten, stehen mir jetzt Gedanken von anderen zur Verfügung, die sich mit meinen Interessen zu decken scheinen. Das macht vieles so sehr viel leichter, denn es fällt mir noch immer schwer die jahrelangen Ablagerungen und Krusten von meiner Haut zu schütteln, die mich in einem engen Panzer gehalten haben, und die Welt als einen Raum der Möglichkeiten zu betrachten, nicht der Unmöglichkeiten, wo für mich nur Nischen zum reinen Überleben zu finden sind.

Ein wichtiger Schritt ist jetzt die Beschäftigung mit den Emotionen. Erneut scheine ich auf ein Thema gestoßen zu sein, bei dem nicht nur für mich noch Klärungsbedarf besteht. Der kleine verlinkte Artikel verweist neben anderem auch gleich auf zwei Gedankengänge, auf die ich bereits beim Nachdenken schon gestoßen bin. Das ist einerseits eine Tradition den Verstand über die Gefühle zu stellen, wobei unterlegenen Bevölkerungsteilen, wie beispielsweise Frauen :-), dann mehr Bezug zum Gefühl statt zum Verstand zugeordnet wurde. Das andere ist die Frage danach, wie weit die reinen Empfindungen, die wir alle haben, von Menschen unterschiedlicher kultureller oder sozioökonomischer Herkunft unterschiedlich interpretiert werden.

Ich verwende zur Zeit die Methoden, dass ich mich selbst beobachte, dass ich andere beobachte, dass ich versuche mich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuvollziehen, und dass ich beobachte wie das was ich bei anderen wahrnehme auf meine Gefühle einwirkt. Dann noch Nachdenken, also Reflexion und Assoziationen. Ich bin noch nicht an dem Punkt dass ich andere befragen könnte, dazu benötige ich erst einmal Kenntnisse dazu wonach ich eigentlich fragen will.

Aufgegriffen habe ich auch erneut eine aus dem Buddhismus stammende Technik der systematischen Beobachtung von Körperempfindungen, allerdings mache ich das dieses Mal etwas anders als ich es in der Vergangenheit gelernt hatte. Dieses Mal ist meine Zielsetzung nicht gleichmütig zu bleiben, sondern ich versuche zu verstehen was da eigentlich vor sich geht. Es ist für mich einfach einzelne Körperempfindungen auszumachen, auch den Gesamtüberblick über die Kombination aus Empfindungen zu so etwas wie der Gesamtempfindung zu behalten, das was im Alltag ohne spezielle Konzentration am ehesten aufrecht erhalten werden kann. Der Bereich in dem ich kein Wissen habe, ist wie das Ganze mit meiner Wahrnehmungszentrale im Kopf verbunden ist. Emotionen sind nicht einfach diese Empfindungen im Körper. „…dass der mimische Ausdruck der Grundemotionen universal ist, aber Gefühle kulturell unterschiedlich bewertet und wahrgenommen werden.“[1], dieser kleine Satz weist auf etwas hin, was bei meinen Selbstbeobachtungen ebenfalls als Frage aufgetaucht ist.

Ein weiterer Hinweis findet sich bei Trepp (2002, S.87) wo eine der klassischen Theorien der Psychologie erwähnt wird, die Schacht-Singer-Theorie, die besagt, dass Emotionen durch die „Interpretationen unserer physiologischen Zustände und durch die gleichzeitige Verarbeitung der jeweils erlebten Situation“ entstehen“ (ebenda). Ebenfalls Erwähnung findet die James-Lange-Theorie, nach der „Emotionen […] durch kognitive Interpretationen unseres Verhaltens entstehen.“(ebenda) Diese Variante scheint aber nicht zu dem zu gehören, was im Bereich meines Beobachtungsrahmens lag, genauso wenig wie der integrative Ansatz von Luc Ciompi, nachdem Emotionen als kausaler Zusammenhang und „Wechselwirkungen zwischen Denken, Fühlen und Handeln“ (ebenda) zu betrachten sind, denn bei meiner Selbstbeobachtung waren Verhaltens-und Handlungsaspekt nicht vorhanden. Es sei denn man betrachtet Änderungen im Denken oder der Einstellung als Verhalten oder Handeln.

In dem Text von Trepp findet sich noch ein weiterer Aspekt. „Denn von der fehlenden Verbalisierung läßt sich nicht ohne weiteres auf die Nichtexistenz von Emotionen schließen.“ (Trepp 2002, S.88) Es handelt sich hier um einen den Kulturwissenschaften zuzuordnenden Text, der gleichzeitig darauf verweist, dass die Artikulation und explizite Benennung von Gefühlen zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und in unterschiedlichen Textarten verschieden gehandhabt wurde. Von der fortwährenden Existenz von Gefühlen und ihrem Einfluss ist allerdings auszugehen, auch wenn niemand darüber schreiben oder sprechen würde.

Ein weiterer Aspekt meiner Selbstbeobachtung wird ebenfalls thematisiert. Gefühle werden in Sprache übersetzt, um sie zu benennen. Das bedeutet es wird kulturell vermittelt gelernt bestimmte Empfindungen mit bestimmten Begriffen zu verbinden. „Sprache formt und prägt Emotionen, ja bildet sie sogar bis zu einem gewissen Grad erst aus. Ethnologische Beobachtungen lassen vermuten, daß Gefühle, für die es keinen sprachlichen Ausdruck gibt, offenbar gar nicht existieren.“ (ebenda, S.89) Bei meinen Selbstbeobachtungen hatte es mich auch interessiert welche Auswirkungen es hat, wenn ich statt auf Deutsch auf Englisch denke. Da diese Überlegungen an dieser Stelle aber zu weit führen, lasse ich sie erst einmal ruhen. Sie erscheinen aber im Zusammenhang mit Lernen von großer Bedeutung.

Als weitere Funde im Text ergeben sich für mich noch, dass die Bedeutung von Emotionen im 18. Jhdt. im Bürgertum sehr hoch war, während im 19. Jhdt. die Rationalität diesen Platz übernahm, also erst da die unterschiedliche Zuordnung zu den Geschlechtern einsetzte, und dass je höher die Bedeutung der Vermittlung von Emotionen in einer Gesellschaft ist, desto mehr Emotionen identifiziert und benannt werden (ebenda, S.97).

Zum Schluss ist noch eine Begriffsklärung vorzunehmen. In ihrem Vortrag [2] unterscheidet Kasten (ab 11.47) zwischen Gefühl und Emotion, wobei sich Gefühl auf das subjektive Erleben bezieht und Emotion der übergeordnete Begriff ist. Persönlich neige ich dazu Gefühl und Empfindung als Begriffe für das subjektive Erleben zu benutzen, wobei die Empfindung das Geschehen auf der körperlichen Ebene der Erscheinungen bezeichnet, das Gefühl die Zusammenfassung von verschiedenen Empfindungen zu einem größeren Ganzen, das dann eine Gesamtinformation liefert. Der Begriff Emotionen bezeichnet für mich den Gesamtbereich, also auch die Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse von Empfindungen und Gefühlen, die mir bisher allerdings noch unklar sind.

Als nächster Schritt steht jetzt aus die Unibib nach Literatur zu durchsuchen (125 Treffer für Emotionen) und zwischendurch möglichst auch die Weihnachtsvorbereitungen voranzutreiben. 🙂

 

Referenzen:

[1] http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/160625/index.html

[2] http://www.uni-giessen.de/videoblog-gcsc/?p=1276

Trepp, A.C.(2002). Gefühl oder kulturelle Konstruktion? Überlegungen zur Geschichte der Emotionen. In Kasten et. al. Querelles Jahrbuch – Neuerscheinung. Band 7. Kulturen der Gefühle in Mittelalter und Früher Neuzeit. URL: http://www.zefg.fu-berlin.de/media/pdf/querelles_jahrbuchaufsatz4.pdf (abgerufen 21.12.2014)

Was noch interessant ist:

Damasio, A.R.(1994). Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. München: List.

Müller, A.W. & Reisenzein, R.(2013). Emotionen – Natur und Funktion. In Hubig, C. & Jüttemann, G. (Hrsg.). Philosophie und Psychologie im Dialog  Band 12. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG.

Schwarzer-Petruck, M. (2014). Emotionen und pädagogische Professionalität. Zur Bedeutung von Emotionen in Conceptual-Change-Prozessen in der Lehrerbildung. Wiesbaden: Springer.