Bildungsmäuschen

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Schule und Führung

Seit Sonntag (heute ist Mittwoch) komme ich mit meinem Blog für 3B nicht mehr voran. Im Bereich Durchführung des Praktikums bin ich auf emotional sehr schmerzhafte Erfahrungen getroffen, mit dem Effekt dass die Kopfmühle zuerst sehr stark zu rattern begann, für mich Erstaunliches zum Vorschein brachte, um sich dann aber zurückzuziehen. Ich habe in der Zwischenzeit viel geschlafen, nachgedacht, Dinge gelesen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, weiß inzwischen wie Hangul, die koreanische Schrift, funktioniert, habe liegengebliebene alltägliche Verpflichtungen aufgearbeitet und mich erfolgreich davor gedrückt einen kürzlich erstellten Zettel weiter abzuarbeiten.

Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben was vor sich geht. In mir arbeitet es weiter, ich tue aber alles um nicht genauer hinzuschauen, weil es mich emotional überfordert. Daher komme ich mit 3B momentan nicht voran. Gleichzeitig habe ich aber das Bedürfnis weiter zu arbeiten und fühle den Druck das geplante Pensum zu erfüllen und das Praktikum für mich durchschaubarer zu machen. Jetzt verlagere ich diese Wünsche jedoch und sorge für Beschäftigung, ohne mich mit dem Eigentlichen zu beschäftigen. Es ist eine sehr unbefriedigende Situation, ich bin aber emotional einfach nicht in der Lage auf meinem Blog zu 3B das Praktikum weiter zu beschreiben oder mich mit der gesamten Thematik von 3B weiter zu beschäftigen. Daher werde ich jetzt zur Annäherung ein Thema aufgreifen, auf das ich vor etwa zwei Wochen gestoßen bin, das ich schon da aufschreiben wollte, wofür ich aber bisher keine Zeit gefunden hatte.

Bestandteil der Reihe Teaching for Learning sind Gespräche zwischen dem Organisator der Reihe, John MacBeath, und in der Regel den jeweiligen Akteuren der Kurse, die von den Studierenden dann beobachtet werden können. Es handelt sich dabei um Fachgespräche, durch die Themen der MOOCs noch einmal anders betrachtet werden können. Im allerletzten Beitrag des 7ten Kurses ging es um die Bedeutung der Schulleitung und Stephen Dinham und John MacBeath tauschten sich über an Schulen bestehende Strukturen aus.

Aus meinen Notizen:

  • Eine gute Schule ist nur mit einer guten Führung möglich.
  • Gruppierungen von Lehrern haben einen großen Einfluss auf die Leitung der Schule.
  • Unterschiedliche Führung in unterschiedlichen Fachbereichen kann zu unterschiedlicher Qualität von Bereichen an Schulen führen.
  • An Schulen können verschiedene Gruppen existieren, die in verschiedene Richtungen ziehen.
  • Es kommt häufig vor, dass die Gesamtführung nicht gut ist.

In dem ganzen Gespräch wurde sichtbar, dass beide über eine Reihe von Erfahrungen mit schlechter Führung an Schulen verfügen durch die Schulentwicklungen behindert werden und sehr bedauern, dass es so ist. Mich hat es verblüfft, das hier so klar formuliert zu finden. Ich bin Verschleierungen, Schuldzuweisungen und Ausflüchte gewohnt.

Kurz darauf stieß ich in einem zum Modul 3B gehörenden Studienbrief zu Qualitätssicherung und Evaluation auf Texte, die sich genau mit diesem Thema beschäftigten. In meinem Studium habe ich es vermieden die für Schule relevanten Bereiche zu wählen wenn ich eine Wahlmöglichkeit hatte, ich wollte lieber etwas über andere Bildungsbereiche erfahren, weiß von daher nicht was diejenigen für Informationen erhalten haben, die sich auf Schule konzentriert haben. Für mich war es sehr überraschend nach dem MOOC auch in meinem Studienbrief die Aussage zu finden: „Es ist inzwischen wohl unbestritten, dass ohne oder gar gegen die Schulleitung Schulentwicklung nicht funktionieren kann. Das Gleiche gilt aber auch für das Kollegium.“ [1]

Ich will jetzt nicht im Detail auf weitere Inhalte von MOOC und SB eingehen, zu denen Beschreibungen guter Führung und zu vermeidender Fehler gehören, sondern den Schock beschreiben, der bei mir ausgelöst wurde. Das ist auch der Grund warum es mich noch immer beschäftigt. Persönlich habe ich über Jahre die Auswirkungen von unterschiedlichen Schulleitungen beobachten können und frage mich jetzt, wenn das so weitgehend bekannt ist, wenn ich es in meinem SB und in einem MOOC so klar formuliert finde, warum kommt das dann weiterhin vor? Warum müssen an Schule Beteiligte darunter leiden und sind gezwungen mit Führungsmängeln klarzukommen oder blockierender Gruppenbildung, die sie nicht verursacht haben und auf die sie nur begrenzten Einfluss haben? Ich und andere haben jahrelang unter Folgen von Missmanagement leiden müssen, das schon längst beschrieben wurde und womit sich Theoretiker bereits beschäftigt hatten.

Durch beide Formen des Studiums, die MOOCs und das Fernstudium, die sich hier hervorragend ergänzen, erhalte ich Informationen, die mir einen anderen Umgang ermöglichen. Ich zweifele meine eigene Wahrnehmung nicht mehr an und mir kann auch niemand mehr weiß machen, dass bestimmte Vorgänge korrekt sind. Ich kann ganz genau nachlesen, welche Bewertungskriterien andere für gute Führung aufgestellt haben. Was schlecht ist, ist eben schlecht. Ich bin nicht mehr die inkompetente Mitarbeiterin, der man unterstellen kann, dass sie nicht über eine ausreichende Qualifikation zur Beurteilung verfügt, sondern ich erhalte Rückendeckung und Orientierung.

Auch wenn ich diese Inhalte jetzt nicht für meine Praktikumsbearbeitung verwenden kann, sie helfen sie mir sehr in der Bewältigung vergangener Erfahrungen und in meinem beruflichen Alltag und damit steigt auch die Motivation mir die Texte noch einmal genauer vorzunehmen und die Inhalte so zu lernen, dass ich damit argumentieren kann, ohne vorher noch einmal Genaueres nachzuschlagen.

Referenz:

[1] Kempfert, G. & Rolff, H.-G. (1999). Qualität und Evaluation: Ein Leitfaden für pädagogisches Qualitätsmanagement. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

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Über die Unbewältigbarkeit eines Bachelorstudiengangs

Es ist wieder soweit. Während ich weiter ins Gebiet von Lernen und Lehren vordringe, stellt sich erneut Überforderung ein. Der Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft ist darauf ausgerichtet zuerst einen breiten Überblick über den Bereich Bildung zu verschaffen, dabei in wissenschaftliche Methoden einzuführen und zum Ende hin zu einer Konzentration auf einen bestimmten Bereich im großen Feld der Bildung zu führen, in dem dann eine Vertiefung erfolgen kann.

Dabei kann das meiste nur angekratzt werden. Darauf basieren letztlich aber auch die zu erbringenden Prüfungsleistungen, zuerst der Nachweis dass man von vielen Dingen etwas gehört hat und es zuordnen kann, dann der Nachweis dass man wissenschaftliche Methoden anwenden kann, weiterhin der Nachweis dass man sich in einem bestimmten Bereich vertieft auskennt und dann dass man Theorie und Praxis verbinden kann. Sinnvoll und nachvollziehbar, will ich aber ein breites Interesse vertiefen, will ich den Gesamtüberblick ausbauen, so sind mir schnell Grenzen gesetzt.

Immer fehlt etwas, immer gibt es unbeleuchtete Bereiche, immer gibt es irgendwo wichtige Punkte an denen es tiefer geht. Außerdem nimmt das gesammelte Wissen der Menschheit von Tag zu Tag zu. Zusätzlich dazu arbeite ich in meinem Fall Jahrzehnte von Erfahrungen auf. Und die bestehen aus den Bewegungen meines eigenen Lebens, verbunden mit den Bewegungen der Gesellschaft. Bin ich mit den Entstehungsdaten von Theorien konfrontiert, so setze ich sie in Verhältnis zu meiner eigenen Geschichte oder der meiner Vorfahren und wo ich oder sie sich in diesem Zeitraum im Feld alltäglicher Handlungen aufgehalten haben.

Momentan nervt mich die Lerntaktung, während ich sie gleichzeitig begrüße. In den MOOCs, aber auch im Studium bin ich einerseits über den äußeren Rahmen zu erbringender Leistungen froh, weil sie mir einen Rahmen liefern der mich voran führt, andererseits hetze ich nach wie vor viel zu schnell durch Themen und lasse überall Fäden zurück um die ich mich kümmern möchte wenn mehr Zeit ist. Etwas das nie eintritt. Denn wenn etwas mehr Zeit da ist, dann nutze ich sie für die notwendige Entspannung.

So bleibt es mir nur mich erneut auf diese Situation einzustellen. Es wird so weiter gehen. Tag für Tag. Bis zum Ende. Bescheinigungen für erbrachte Leistungen sind dabei eine Stütze. Sie markieren Punkte an denen Konzentration nachlassen kann, während der Fluss des Interesses aber weiterspült. Es sind nicht die Bescheinigungen, es ist nicht der Abschluss der nicht zu bewältigen ist, es sind die Inhalte. Ich werde mich immer nur begrenzt auskennen. Ich werde immer nur begrenzt verstehen. Vielleicht werde ich in dem einen oder anderen Bereich einen tieferen Einblick haben, umfassendes Wissen werde ich nicht erwerben können. Ich werde im Gefühl verbleiben müssen die Inhalte des Bachelorstudiengangs nicht tatsächlich bewältigt zu haben.

Es fühlt sich unbefriedigend an, ist aber eine hilfreiche Orientierung um mich in einer wenig zufriedenstellenden Lernsituation weiter zu bewegen. Ich werde immer lose Fäden und Unordnung auf meinem Weg zurücklassen, anders kann ich die Sache gar nicht bewältigen. Ich werde froh über das sein was ich verstehe, in das ich tiefer eindringen kann, das tiefer zu mir vordringt, das mich beeinflusst und wandelt. Ich werde aber immer diesen Haufen der unbearbeiteten Dinge haben, des Missverstehens, des oberflächlichen Wissens und der Wissenslücken. Ich kann mein Bestes tun und werde dennoch darin versagen alles bewältigen zu können was ich gerne verstehen und wissen würde.

Ich kann auf dieser Basis weitermachen.

Lernblog in 3B

Als begleitendes Dokumentationstool zu unserem Praktikum steht mir seit gestern ein von FernUni-Seite eingerichteter Blog auf Basis der WordPress-Software zur Verfügung. Es war ein etwas eigenartiges Gefühl fast die gleiche Software in einem Unirahmen zu finden wie „in der freien Wildbahn“. Ein wenig musste ich mich neu orientieren, dann habe ich den Blog so schnell wie möglich individualisiert und einen eigenen Begrüßungstext geschrieben.

Und nun wartet dieser Blog. Worauf? Ich weiß es nicht wirklich. Es ist nicht „mein“ Blog. Es ist eine Aufgabe, deren Regeln mir bisher nicht wirklich klar gemacht werden konnten. Damit stehe ich nicht allein.

Ich möchte auf dem Blog nicht über den Blog selber schreiben.

Das Lehrgebiet hat in den letzten Wochen nicht gerade damit geglänzt einen lockeren Umgangston zu etablieren und den Kommunikationsstil empfinde ich als sehr formal. Das übertrage ich nun auf den Blog. Und als der erste Kommentar die Gestaltung meines Blogs lobte, sich aber nicht auf die Absicht bezog wofür der Blog eingerichtet ist, hat sich in diesem Kontext meine Abwehr gegen eine bestimmte Art der Blogbenutzung  gesteigert. Da vermischen sich Ebenen, die ich nicht vermischt haben möchte. Dazu fällt mir ein, dass ich den Unterschied manchmal sehr erstaunlich finde, der zwischen dem lockeren Stil besteht in dem sich Kommilitoninnen auf einer sozialen Plattform über eine Angelegenheit äußern, im Vergleich zu dem formalen Stil den sie dann im Unibereich verwenden. Manchmal wirkt es als hätte ich mit verschiedenen Personen zu tun.

Diese Trennung hat aber sehr wichtige Gründe.

Ich möchte bei einem recht formalen Umgangston des Lehrgebiets und einer wahrgenommenen Distanz gegenüber den Studierenden möglichst wenige emotionale Aspekte auf dem Blog einfließen lassen. Distanz bedeutet für mich auch emotionale Distanz. Im ersten Moment als der Blog zusätzliche verpflichtende Leistung wurde habe ich mich gefreut, hatte den Blog hier im Kopf und dachte vor allem daran jetzt mehr von den Aktivitäten der anderen zu erfahren als bisher in dem Modul möglich war und dass ich dort auch über Beweggründe und Probleme mit Modul und Praktikum schreiben könnte. Die dann auftretende Skepsis der anderen hat mich daher zuerst überrascht. Es wurden unterschiedliche Argumente vorgebracht, auch rechtliche Bedenken, dass ich aber selber in die Lage kommen würde bei diesem Blogschreiben Probleme zu sehe, damit habe ich nicht gerechnet. Vor allem nicht aus welchen Gründen.

Was jetzt genau geschehen wird, darüber kann ich nur spekulieren.

Ich habe hier in meinem Bildungsreise-Blog (Danke für den Begriff  an birkenkrahe!) einen guten Ort gefunden, um genau die Dinge zu reflektieren, die für mich immer im jeweiligen Moment eine besondere Bedeutung haben. Einen Blog, der mir während des Schreibprozesses zu Erkenntnissen verhilft, in dem ich die Themen aufgreifen, die aus den nächtlichen Verarbeitungsprozessen aufsteigen, sie dann in eine für den imaginierten Leser nachvollziehbare Form bringe, dabei durchdrungen von dem Gefühl dass eine solche Auseinandersetzung in ihrer Unbedeutsamkeit bedeutsam ist, weil genau dieser Prozess Erkenntnis und Klarheit fördert und damit eine Basis für ein ständiges Voranschreiten zur Verfügung stellt.

Ob der verpflichtende Blog diese Chance birgt, die sich bei mir mit Blogschreiben verbunden hat, weiß ich nicht. Wenn ich allerdings genau hinschaue, dann möchte ich das eigentlich auch gar nicht mehr. Ich möchte dort einen formalen, sachlichen, distanzierten Blog, der Praktikum und Lehrmaterialien in genau dieser Weise verbindet. Einen sehr konzentrierten Arbeits-Reflexions-Blog. Nicht mehr und nicht weniger.

Dieses Fazit überrascht mich momentan sehr. Vor allem weil ich so schnell bereit bin alle anderen Vorstellungen aufzugeben.

Möglicherweise wird sich aus der Situation noch etwas anderes ergeben, davor will ich mich nicht kategorisch verschließen, aber meine Entscheidung ist erst einmal gefallen. Ich werde eine andere Form von Blog gestalten als dieser hier ist.

Ist letztlich auch eine gute Gelegenheit und Übung.

Antwort an eine Kommilitonin

Dass Wenige das Modul 3E belegen, liegt in meinen Augen vor allem an der mündlichen Prüfung und dem Zusatzaufwand, etwas auch an der Thematik, die nicht für alle von besonderem Interesse ist. Ich hatte 3A parallel belegt, habe dort aber keine wirklich andere Situation vorgefunden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dort im Verlauf eines Jahres mit irgendjemanden in besonderen Austausch getreten wäre oder irgendeine Thematik hätte vertiefen können. Die 3er Module empfinde ich inzwischen vor allem als eine selbstständige Vertiefung und Anwendung von Vorausgegangenem und als Vorbereitung für die Bachelorarbeit.

Insgesamt sehe ich das Fernstudium inzwischen skeptisch und weiß momentan nicht so recht was ich davon halten soll. Gut, es ermöglicht einen gewissen Einblick in Theorien, die für den Bereich Bildung relevant sind und gibt Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten, es ermöglicht einen gewissen Austausch und nebenbei entstehen manchmal Eindrücke von dem womit sich andere wie beschäftigen. Und man kann einen anerkannten Abschluss erwerben, wenn man die Anforderungen der Lehrgebiete erfüllt.

Ich habe gerade die letzte Zeit viel über mein Lernen vor dem Studium nachgedacht und über Lernen an sich. Vor dem Studium war es angenehm, da rein selbst gesteuert, aber es hat ein gewisser Kontext gefehlt. Zu dem habe ich jetzt Zugang. Was ich nun gerne machen würde, wäre so zu lernen wie vorher unter Einbindung des erworbenen Kontextes, um den dabei anzuwenden, zu erweitern und zu vertiefen. Und dabei hätte ich gerne das Gefühl jegliche Gestaltungsfreiheit zu besitzen und Nachweise von erworbenem Wissen und Fähigkeiten in vielfältigster Form darstellen und auf dieser Basis auch eine Bewertung erhalten zu können.

Ich empfinde das Studium inzwischen viel zu sehr als eine Einschränkung. Zu Beginn war es faszinierend so viel intellektuellen Input zu bekommen, es war auch in Ordnung erworbenes Wissen in Klausuren unter Beweis zu stellen. Was sich im Rahmen der Uni damit aber machen lässt, ist nicht vielfältig. Dadurch geht mir etwas verloren, dass ich nicht adäquat ersetzen kann. Im WS habe ich viele unterschiedliche MOOCs mit sehr unterschiedlichen Aufgaben gemacht. Das war eine gute Ergänzung und stellte für mich eine kurzzeitige Lösung dar. Dieses Semester habe ich das aber reduziert, um meine Arbeiten schreiben zu können, und wurde dabei selber reduziert.

Damit komme ich jetzt zu dem Schluss, dass für mich das Problem nicht in einem Mangel an Betreuung besteht, sondern in so etwas wie einem Mangel an Vielfalt bei Verwendung oder Anwendung. Als Produkt eine Hausarbeit oder Ausarbeitung oder Bachelorarbeit ist mir zu einseitig. Sich auf etwas Spezielles zu konzentrieren, das sonst keiner macht, und mich da einsam durchzukämpfen, damit komme ich inzwischen allerdings ganz gut klar. Ich würde aber gerne andere Produkte als Lernbeleg erstellen. Auch für Zwischenschritte.

Ich werde da noch ein bisschen drüber nachdenken. Denn eine Problematik klar zu bestimmen, kann die Lösung ja bereits in sich tragen.

Positionsbestimmung in der Mitte des Semesters

Dieser Blog macht keinen Spass! Nein, das macht er nicht. Er schreit nur nach Arbeit und die benötigt Zeit und die habe ich momentan kaum übrig. Nicht wegen Weihnachten, nein, denn dafür habe ich auch keine Zeit. Auch nicht wegen den Anforderungen des Studiums an der Fernuni, denn mit den zu erbringenden Anforderungen beschäftige ich mich momentan wenig. Seit Tagen überfliege ich die Moodlemeldungen auch nur, ohne die Fernuniseite überhaupt zu besuchen, sehe dabei die Hausarbeitsthemen der anderen und bin nicht dabei. Und dennoch bin ich eifrig am Lernen und Studieren und es fühlt sich auch alles sehr nach Bildungswissenschaft an.

Was ist los mit mir? Ich lese von Stefan Grünewald: Die erschöpfte Gesellschaft, Untertitel: Warum Deutschland neu träumen muss, irgendwo noch so zwischendurch und merke, dass er das betont was eine meiner wichtigsten Techniken ist. Wenn ich erschöpft bin gehe ich ins Bett und schlafe und im Morgengrauen, im Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, fügen sich Teile zu einem neuen Ganzen zusammen. 

Ursprünglich wollte ich mein Studium so richtig Bachelor-mäßig nach Vorgabe durchziehen, einerseits als Erfahrung wie das so ist, andererseits als Beweis dass ich es bringe *grins*, denn das war ja die Absicht die hinter dem Studium steckte: zertifiziert zu beweisen, dass ich Ahnung habe.

Alles vorbei, alles nicht mehr notwendig. Und die Türe geht auf und ein riesiges Feld liegt vor mir. So groß und gewaltig, dass ich es mehr und mehr bedauere, dass mir in meinem Leben nicht mehr so viel Zeit bleibt. Ich habe immer noch die Worte eines Kommilitonen im Ohr, der so etwas sagte wie: „Jetzt kann ich mich mit all den Dingen die mich interessieren nicht beschäftigen, jetzt muss ich für die Prüfungen lernen. Die anderen Sachen kommen dann später.“

Mich hat das entsetzt. Es war zu der Zeit nicht das einzige, das mich entsetzt hat. Auch Studierende, die sich für die gute Arbeit von denen bedankt haben, die am Lesekurs teilgenommen haben und mit deren Vorarbeit sie für gut für die Klausur lernen konnten, eine Studierende, die ganz klar äußerte, dass sie vom Austausch der Studierenden nichts hält, sondern nur das (schweigende) Lehrgebiet für maßgeblich einstuft (warum also Beiträge der Peers beachten), Studierende ohne Zeit für Auseinandersetzung, konzentriert nur darauf Stoff auswendig zu lernen, usw. 

Ich muss nicht so studieren. Für mich gibt es kein: später wird alles besser. Ich habe in meinem Leben gelernt, wenn eine Chance da ist, dann nutze sie, sie wird so in dieser Form nicht wieder kommen. Zu schnell wandelt sich alles in unserer Gesellschaft. Ich bin nicht von Bafög abhängig, ich habe eine minimale finanzielle Absicherung, ich bin hinreichend gesund, ich muss niemand anderem mehr etwas beweisen, nur noch mir selber. Genau diese Aspekte werde ich jetzt für mich als Chance nutzen auf eine etwas altertümliche Art zu studieren. Auf eine privilegierte Art und auf eine selbstbestimmte Art. 

Ich lese endlich John Dewey: Demokratie und Gesellschaft, erschienen 1916 und so unglaublich modern wirkend. Ich lerne immer noch programmieren, etwas das mich schon so lange interessiert und das so weit außerhalb meiner Reichweite lag und gewinne mehr und mehr Interesse daran. Ich stelle fest, dass ich mit meinen belegten Coursera-Kursen großes Glück hatte und meine Achtung vor Lehrern und guter Didaktik ist unglaublich gestiegen. Aber auch mein Respekt vor allen, die diese virtuellen Klassenzimmer mit Leben und Unterstützung füllen, mit Hilfe, Tipps und Austausch, mit vielen Stunden des Lernens und Ausprobierens, so viel Arbeit wird da von so vielen Menschen zum Nutzen anderer und sich selbst geleistet. Ich lerne englischsprachige Essay zu bildungswissenschaftlichen Themen zu schreiben in einem Kurs, der mir durch seine Ausrichtung auf die Praxis so viel Hintergrund für meine Arbeit als Kinderbetreuerin an einer Grundschule liefert wie ich zuvor nie hatte. Ich bin nicht mehr das hilflose Opfer das wiederum zum Täter wird sondern gewinne Handlungsmacht. 

Doch im Hintergrund schwingen immer die Themen meiner laufenden Module der Fernuni und meine eigene daraus abgeleitete Betonung mit: impliziter Rassismus und Bildungsbehinderung sowie das Lernen in MOOCs. Ich war noch nicht dazu in der Lage dazu Hausarbeiten zu schreiben, ich konnte mich noch nicht auf darauf bezogene wissenschaftliche Texte konzentrieren. Erst einmal musste ich Erfahrungen sammeln und ausprobieren. Wie ist das Leben wenn ich mir meinen eigenen impliziten Rassismus klar mache, wenn ich im Alltag darauf achte? Wie verändert sich mein Bewusstsein, wie verändert sich mein Verhalten. Rassismus funktioniert wenn die Opfer die Haltung akzeptieren, die ihnen entgegen gebracht wird, wenn sie von ihnen verinnerlicht wird. Wie Norbert Elias bei seiner Studie über Etablierte und Außenseiter beschreibt: die Kinder, die nie etwas anderes erlebt haben, werden zu dem was von ihnen erwartet wird, nicht die Eltern, die noch anderes kennen. Der Glaube an die Wahrheit des Rassisten verankert den Rassismus im Opfer und es betrachtet die Welt mit den Augen des Rassisten und beginnt an seine eigene Unterlegenheit zu glauben und daran, dass eine solche Haltung im sozialen Raum normal ist. Und das Opfer wird selber zum Täter, an sich selbst und an anderen. Ich spiele mit der Veränderung der Sichtweise und merke, wie sich Probleme auflösen, denn indem ich das Spiel in mir selbst nicht mehr mitspiele, weil ich jetzt die Strukturen erkennen kann, mache ich mich selber nicht mehr zur Unterlegenen, die das aber nicht akzeptieren kann und daher fortwährend kämpfen muss. Das Leben ist viel entspannter geworden. 

Das ist das Thema der einen Arbeit, das Thema der anderen Arbeit erfahre ich während ich Tag für Tag versuche in meinen MOOCs zeitlich mitzukommen und dabei fortwährend neue Erfahrungen mache. Innen drin fühlt es sich anders an als von außen betrachtet und über einen längeren Zeitraum praktiziert verändern sich Bedeutungen. Doch das ist jetzt ein anderes Thema.

Insgesamt studiere ich weiter Bildungswissenschaft, vielleicht sogar mit mehr Begeisterung, Motivation und Überblick als zuvor, ohne aber im Sinne der Studienordnung zu studieren. Das fühlt sich seltsam aber durchaus richtig an. Die wissenschaftliche Arbeit wird bis nächstes Jahr warten müssen. Jetzt ist es Zeit für die Praxis. Denn das wurde mir sehr klar als es an die Hausarbeiten ging. Ich kann nicht über etwas schreiben bei dem ich keine Erfahrungen habe und ich kann mich nicht ohne Heulen mit implizitem Rassismus auseinander setzen, wenn ich nichts in der Hand habe, das ich dem entgegen stellen kann. Theorie ist hilfreich, doch ich benötige die Verbindung der Theorie mit Erfahrungen aus der Praxis. 

Mal sehen was Dewey dazu schreibt. Und mal sehen wie sich das mit der Wahrnehmung einer stärkeren Betonung praktischer Übungen bei den MOOCs nordamerikanischer Unis verbinden lässt. Und letztlich beschäftige ich mich eigentlich mit dem Lernen und da ist es logisch, dass sich daraus auch eine erst einmal überraschende Beschäftigung mit dem Lehren oder der Didaktik ergibt. Schade nur, dass mir nicht mehr so viel Zeit im Leben bleibt, sehr, sehr schade. Und schade, dass ich meinen alten Blog nicht mehr habe! Hier zu schreiben fühlt sich fortwährend falsch an! Sachen verschwinden, verändern sich unerwartet, Ordnung zu halten ist ein Fass ohne Boden, eine hilfreiche Struktur zu etablieren etwas für viel freie Zeit. GRRRHHHH.

Scherbenhaufen

Mein ganzes Leben fühlt sich an wie zwischen Umzugskartons. Auch auf diesem Blog bin ich nur provisorisch eingerichtet und ich kann mich weder mit der Plattform anfreunden noch kann ich meinen alten Blog weiter benutzen während ich weiß, dass er bald verschwinden wird. Diese Situation behindert meine Schreiben. Zusätzlich ist das Fernstudium der Bildungswissenschaft in die letzte Phase eingetreten und dort, so habe ich inzwischen gemerkt, ist es sehr einsam. Bevor ich meinen Blog aufgerufen habe, landete ich bei Luci (http://kristinalucius.wordpress.com/2013/12/01/pv-experteninterview-und-qualitative-inhaltsanalyse/), die ich jetzt nicht direkt verlinkt bekomme, was mich auch nervt, Umzugskartons eben. Ich landete also bei Luci und ihrem Bericht über eine Präsenzveranstaltung der Fernuni und ihrem Kommentator Oliver, der ihr zu ihren Erfahrungen Glückwünsche schickt und schreibt, dass sein Fernstudium momentan in der Luft hängt, und da bin ich doch schon mittendrin in meinem momentanen Thema.

Was mache ich jetzt mit diesem Studium? Ich habe noch zwei Hausarbeiten zu schreiben, ein Praktikum zu absolvieren und schriftlich aufzuarbeiten und eine Bachelorarbeit anzufertigen. Und in keinem der verbleibenden Module gibt es einen nennenswerten Austausch mit anderen Studierenden, alles ist auf die Betreuung der anzufertigenden Arbeiten durch das Lehrgebiet ausgerichtet. Einsam, einsam. Außerdem muss ich die Themen selber wählen. Das ist gut, erfordert aber intensive Auseinandersetzung damit, welche Themen mich denn nun interessieren. Inzwischen habe ich diese Themen aber gedanklich schon längst bearbeitet während ich mich mit den Studienbriefen auseinandergesetzt habe. Will ich darüber überhaupt noch schreiben?

Ich suche nach praktisch anwendbaren Dingen und nach Kommunikation. Seit Februar diesen Jahres habe ich fast fortlaufend MOOCs belegt und auch etliche inzwischen abgeschlossen. Es waren interessante Erfahrungen und ich habe viel gelernt, doch wenn die MOOCs vorbei sind bleibt nur ein totes Archiv zurück, ganz gleich wie viel Lernen und Anwendung vorher dort möglich war.

Ich will dieses Studium schon noch zu Ende bringen, nur wie schaffe ich das? Ich kann nicht meine Tage allein in meinem Wohnzimmer sitzend nur lesend und schreibend verbringen. Das funktioniert so überhaupt nicht. Bisher haben mir die MOOCs einen Ausgleich verschafft, doch je mehr Zeit ich mit MOOCs verbringe umso weniger Zeit bleibt fürs Studium. Und meine MOOCs, auch wenn sie thematisch passen, nutzen mir für das Studium nur indirekt, und dabei kann ich mir ein Studium basierend auf MOOCs inzwischen sehr gut vorstellen.

Überall Umzugskartons. Ich benötige eine andere Strategie. Ich kann mir zwar Gedanken dazu machen wie ein Fernstudium viel, viel interessanter, motivierender und weniger einsam angeboten werden könnte, aber das nutzt ja nichts. Das einzige was nützlich erscheint ist, dass ich selbst eine für mich passende, funktionierende Strategie entwickele. Ganz allein (heul!).

Profilphase. Wo will ich jetzt hin mit diesem Studium nach zwei Jahren, die sich anfühlen wie mindestens vier und nach denen ich nicht mehr diejenige bin wie zuvor und nicht mehr die gleichen Dinge im Kopf habe. In der Praxis hat sich ja nicht wirklich etwas geändert. Wie eine Kinderbetreuerin an einer Grundschule bei einer PV sagte: “ Bei der Erziehung meiner Kinder habe ich mehr für meine Arbeit gelernt als durch das Studium.“

Ich bleibe als Fernstudierende selbstbestimmt (allein!) zurück. Niemand ist für mich verantwortlich. Für niemanden ist es von Interesse was ich tue. Fühlt sich an wie Freiheit pur mit allen Freuden und allen Risiken. Gut dass ich jetzt einen soziologisch fundierten Hintergrund habe, der mir Ursachen und Wirkungen davon erklärt. Was ich dann noch brauche sind Anwendungstipps für die Praxis. Doch wozu gibt es das Netz. Unter dem richtigen Suchbegriff lässt sich bestimmt auch dazu eine Anleitung finden. (Und jetzt hätte ich gerne diesen kleinen gemein guckenden roten Teufel als Emoticon, den ich auf MyOpera mit einem Klick einfügen konnte!)

P.S. Die Luci konnte ich jetzt direkt verlinken. Wieder ein Stück aus dem Umzugskarton ausgepackt!

Lernen lernen

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