Bildungsmäuschen

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'FernUni'

Schlagwort-Archive: FernUni

August 2020
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Dankbarkeit für Bildungsangebote

Gefühlszustände sind so eine Sache. Manchmal lassen sie alles in einem finsteren Licht erscheinen und dann wieder wie heute sind sie gesättigt mit Positivem und verwandeln dabei die ganze Welt. Und weil meine Gefühle heute von Dankbarkeit schon fast übersättigt sind und ich strahlend in den Tag starte und es dabei um Bildung geht, so will ich mich an dieser Stelle bedanken.

Ich bin froh, dass es die Fernuni in Hagen gibt. Auch wenn manches besser sein könnte und eine Fernuni viele Tücken hat – ohne Fernuni könnte ich nicht studieren und vielen anderen geht es ähnlich. Vieles kann ein solches Studium nicht ermöglichen, aber das will ich in meiner momentanen emotionalen Verfassung nicht weiter beachten. Ich bin denen dankbar, die sie eingerichtet haben, die sie aufrecht halten und sich dafür einsetzen.

Ich habe gelernt meine Praxis anders wahrzunehmen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Ich habe Selbstbewusstsein gewonnen und fühle mich erwachsener geworden. Ich habe neue Lernwege kennengelernt, ich habe gelernt anders zu denken. Ich habe Zugang zu den vielfältigen Lernwege des Netzes gefunden, habe die MOOCs entdecken können und das Bloggen. Vieles war nicht von der Fernuni intendiert, doch es ist nebenbei geschehen. Ich bin zufriedener mit meinem Leben und ich fühle mich mehr in die Gesellschaft integriert. Ich beginne eine andere Zukunftsperspektive zu entwickeln, nicht nur für mich sondern für die Gesellschaft an sich.

Ich bin froh, dass es an der Vhs Kassel  Herrn Kido gibt, der seit Jahren unermüdlich sein Bestes tut um einem kleinen Kreis von Übriggebliebenen zu ermöglichen gemeinsam weiter Japanisch zu lernen. Ich bin froh, dass diese Gruppe von Berufstätigen, Rentnern und Ausgemusterten weiter existiert, dass wir uns gegenseitig motivieren und langsam, langsam voran schreiten können. Ohne das besondere Engagement von Herrn Kido gäbe es die Gruppe schon lange nicht mehr, denn für eine reguläre Vhs-Gruppe sind wir viel zu klein.

Ich bin froh über all die Menschen die im Netz ihr Wissen zur Verfügung stellen. Die Lernangebote kreieren zu denn ich Zugang habe. Ich bin froh, dass ich dadurch das Denken von Menschen an weit entfernten Orten kennenlernen kann. Ich bin froh, dass es viele frei verfügbare Ressourcen im Netz gibt, die mir sehr schnell den gezielten Zugriff auf hochwertige Informationen erlauben.

Ich bin froh, dass ich wissenschaftliches Arbeiten kennengelernt habe, und zum momentanen Zeitpunkt möchte ich auf keinen Fall mit dem Lernen in der momentanen Form aufhören. Nach und nach ergibt sich ein neues Bild vom Lernen, vom Wissenserwerb, von der Wissenskreation, das ich nie hätte kennenlernen können, hätte ich nicht diese Möglichkeit des Fernstudiums gehabt.

Diese Art des Fernstudiums ist für mich möglich, es ist zeitlich und finanziell für mich tragbar. All das Gute, das ich dadurch habe und das sonst für mich nicht zur Verfügung wäre oder nur unter Mühen, die ich kaum tragen würde, ändert meine eigene Haltung zur Menschheit und macht es mir möglich eine Zukunft des Wohlwollens vorzustellen.

So – und damit wende ich mich wieder dem Wissenserwerb zu, der Informationsverarbeitung und der Wissenskreation. Es wird andere Tage geben, an denen ich schimpfe und fluche und nur die Fehler im System sehe. Doch im Moment hat das einmal keine Bedeutung. Und das ist gut so, und es wird gut sein sich daran zu erinnern, wenn die Problem gerade mal wieder überhand nehmen werden.

Auch unzureichende Chancen können großartige Chancen sein, wenn es die einzigen Chancen sind die ein Mensch für sich sieht!

 

Präsenzveranstaltung zu verlosen!

Ja, das gibt es! An der FernUni Hagen im Bereich Psychologie. Und gibt man bei Google „Präsenzveranstaltung verlosen“ ein, dann beziehen sich die ersten Treffer alle auf die FernUni.

Davon sind auch die BiWi-Studierenden mit ihrem Pflichtmodul betroffen. 20 Anmeldungen wurden jetzt nach Zeitpunkt der Anmeldung ausgewählt und 20 dann noch durch Los bestimmt.

Kommentarbeispiele: „Ich habe verloren 😦 “ „Ich habe ne Niete gezogen.“ „Ich hab auch ein platz gewonnen. bin total überrascht. hab damit nicht wirklich gerechnet“  “ es kann ja nicht alles Perfekt sein…“ “ Ich hab den Platz nicht in der Lotterie gewonnen, war dafür aber schnell. Immerhin: eine Sekunde nach Anmeldebeginn das vierte! Ticket bekommen.“ “ wenn ihr alle abspringt – …… – dann habe ich eine Chance…..- …..“

Ist so etwas sinnvoll? Verlosung ist schon einmal fairer als Geschwindigkeit der Anmeldung.“ oh ne „greencard“ wow da warst du flott. Bei mir war die ganze Zeit der Server nicht erreichbar . Sicher ne halbe stunde lang.“

Aber eigentlich schmerzt mich das System. Es erinnert zu sehr daran, dass nicht jeder und jede den gleichen Zugang zu Bildung hat, dass die einen Bildung verwerten können, die anderen nicht. Und es gemahnt daran, dass der Anspruch besteht Benachteiligungen beim Zugang zu Bildung zu verringern.

Obwohl, immer mehr wird für mich auch sichtbar, dass wir alle so unterschiedliche Leben leben, dass die Wahrnehmungen die wir dabei haben zu sehr unterschiedlichen Weltsichten führen. Vorstellungen von Fairness und Chancengerechtigkeit scheinen mir immer weniger Orientierung zu bieten. Die Vielfalt von Wegen benötigt andere Grundlagen, ein anderes Weltbild, ein anderes Menschenbild und letztlich auch andere materielle Absicherungen.

Es bleibt eine Ahnung. Die Orientierungen der Vergangenheit können nicht die Orientierungen der Zukunft sein. Der Mangel an Präsenzveranstaltungen oder die Nicht-passung von Angebot und Nachfrage können vielleicht noch ganz anders gelöst werden. Ausbau der Onlineangebote möglicherweise? Studierende die gelernt haben wie sie sich genau das was sie in der Präsenz nicht bekommen auch online beschaffen können? Oder ganz etwas anderes? Immer mehr Studierende, immer mehr Nachfrage nach Bildungsangeboten. Auch darin liegen die Wurzen für MOOCs oder Online-Lernen. Was für Formen des Zugangs zu Bildung können entwickelt werden, die vielen bei Bedarf zur Verfügung stehen und dabei ein sinnvolles, zufriedenstellendes Lernen  ermöglichen?

Lernblog in 3B

Als begleitendes Dokumentationstool zu unserem Praktikum steht mir seit gestern ein von FernUni-Seite eingerichteter Blog auf Basis der WordPress-Software zur Verfügung. Es war ein etwas eigenartiges Gefühl fast die gleiche Software in einem Unirahmen zu finden wie „in der freien Wildbahn“. Ein wenig musste ich mich neu orientieren, dann habe ich den Blog so schnell wie möglich individualisiert und einen eigenen Begrüßungstext geschrieben.

Und nun wartet dieser Blog. Worauf? Ich weiß es nicht wirklich. Es ist nicht „mein“ Blog. Es ist eine Aufgabe, deren Regeln mir bisher nicht wirklich klar gemacht werden konnten. Damit stehe ich nicht allein.

Ich möchte auf dem Blog nicht über den Blog selber schreiben.

Das Lehrgebiet hat in den letzten Wochen nicht gerade damit geglänzt einen lockeren Umgangston zu etablieren und den Kommunikationsstil empfinde ich als sehr formal. Das übertrage ich nun auf den Blog. Und als der erste Kommentar die Gestaltung meines Blogs lobte, sich aber nicht auf die Absicht bezog wofür der Blog eingerichtet ist, hat sich in diesem Kontext meine Abwehr gegen eine bestimmte Art der Blogbenutzung  gesteigert. Da vermischen sich Ebenen, die ich nicht vermischt haben möchte. Dazu fällt mir ein, dass ich den Unterschied manchmal sehr erstaunlich finde, der zwischen dem lockeren Stil besteht in dem sich Kommilitoninnen auf einer sozialen Plattform über eine Angelegenheit äußern, im Vergleich zu dem formalen Stil den sie dann im Unibereich verwenden. Manchmal wirkt es als hätte ich mit verschiedenen Personen zu tun.

Diese Trennung hat aber sehr wichtige Gründe.

Ich möchte bei einem recht formalen Umgangston des Lehrgebiets und einer wahrgenommenen Distanz gegenüber den Studierenden möglichst wenige emotionale Aspekte auf dem Blog einfließen lassen. Distanz bedeutet für mich auch emotionale Distanz. Im ersten Moment als der Blog zusätzliche verpflichtende Leistung wurde habe ich mich gefreut, hatte den Blog hier im Kopf und dachte vor allem daran jetzt mehr von den Aktivitäten der anderen zu erfahren als bisher in dem Modul möglich war und dass ich dort auch über Beweggründe und Probleme mit Modul und Praktikum schreiben könnte. Die dann auftretende Skepsis der anderen hat mich daher zuerst überrascht. Es wurden unterschiedliche Argumente vorgebracht, auch rechtliche Bedenken, dass ich aber selber in die Lage kommen würde bei diesem Blogschreiben Probleme zu sehe, damit habe ich nicht gerechnet. Vor allem nicht aus welchen Gründen.

Was jetzt genau geschehen wird, darüber kann ich nur spekulieren.

Ich habe hier in meinem Bildungsreise-Blog (Danke für den Begriff  an birkenkrahe!) einen guten Ort gefunden, um genau die Dinge zu reflektieren, die für mich immer im jeweiligen Moment eine besondere Bedeutung haben. Einen Blog, der mir während des Schreibprozesses zu Erkenntnissen verhilft, in dem ich die Themen aufgreifen, die aus den nächtlichen Verarbeitungsprozessen aufsteigen, sie dann in eine für den imaginierten Leser nachvollziehbare Form bringe, dabei durchdrungen von dem Gefühl dass eine solche Auseinandersetzung in ihrer Unbedeutsamkeit bedeutsam ist, weil genau dieser Prozess Erkenntnis und Klarheit fördert und damit eine Basis für ein ständiges Voranschreiten zur Verfügung stellt.

Ob der verpflichtende Blog diese Chance birgt, die sich bei mir mit Blogschreiben verbunden hat, weiß ich nicht. Wenn ich allerdings genau hinschaue, dann möchte ich das eigentlich auch gar nicht mehr. Ich möchte dort einen formalen, sachlichen, distanzierten Blog, der Praktikum und Lehrmaterialien in genau dieser Weise verbindet. Einen sehr konzentrierten Arbeits-Reflexions-Blog. Nicht mehr und nicht weniger.

Dieses Fazit überrascht mich momentan sehr. Vor allem weil ich so schnell bereit bin alle anderen Vorstellungen aufzugeben.

Möglicherweise wird sich aus der Situation noch etwas anderes ergeben, davor will ich mich nicht kategorisch verschließen, aber meine Entscheidung ist erst einmal gefallen. Ich werde eine andere Form von Blog gestalten als dieser hier ist.

Ist letztlich auch eine gute Gelegenheit und Übung.

Dritte Woche Wintersemester 2014/15

Das Wintersemester befindet sich offiziell noch nicht in seiner dritten Woche, für mich hat aber der Neustart mit dem Beginn dreier MOOCs begonnen, die alle ihre neuen Inhalte montags zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zur letzten Woche habe ich diese Woche aber nicht mit den MOOCs, sondern mit dem Modul 3B des BiWiStudiums begonnen. Einen SB habe ich bearbeitet, für meinen eigenen Wochenplan steht jetzt noch aus die Handbücher zu Modul und Praktikum und die Reflexionsfragen zu bearbeiten und um eine Praktikumsbescheinigung nachzufragen. Aber erst einmal werde ich mich den MOOCs zuwenden, da diese ihre Abgabetermine für diese Woche dann wieder am kommenden Montag verbindlich haben.

Ich warte immer noch auf eine Note aus dem letzten Semester. Habe ich dort bestanden, kann ich mich formal zur Bachelorarbeit anmelden. Diese Vorstellung rückt langsam näher und meine Gedanken beginnen verstärkt nach möglichen Themen zu tasten. Heute habe ich das erste Mal entdeckt, dass ich Zugang zum Moodle für die Bachelorarbeit habe und einen ersten Blick gewagt. Ich fand dort viele Namen von Studierenden vertreten, denen ich im Lauf meines Studiums begegnet bin. Außerdem eine Liste von denjenigen, die in der letzte Zeit den Bachelor bestanden haben, einschließlich der Dauer ihres Wartens auf das Ergebnis ihrer eingesandten Arbeit. Auf den ersten Blick drei Monate Wartezeit. Darüber hatte ich mir auch noch keine Gedanken gemacht. Dass man dann noch warten muss, wenn man eigentlich schon fertig ist. Was tun diejenigen in der Zeit? Mal etwas loslassen nach der langen Zeit des Studiums?

In mir wuselt momentan zu viel gleichzeitig als dass ich mir eine Ordnung für meine Vorgehensweise erstellen könnte. Ich will auch weiterhin zu viel gleichzeitig und kann keine Entscheidung treffen was ich loslassen sollte. Daher muss ich jetzt wieder auf breiter Front vorangehen, statt meine Energien konzentrieren zu können. Auch das Kunsthandwerk bzw. die Kunst fordert verstärkt ihren Ausdruck in aufsteigenden Ideen, während ich aber gleichzeitig ein relativ großes Ruhebedürfnis habe. Inzwischen kann ich mit einer solchen Situation alerdings gelassen umgehen. Ich tue was ich kann und werde nie fertig. Ich renne immer meinen eigenen Plänen hinterher. Mit der Gelassenheit der Erfahrung aber ein zu bewältigender Zustand.

Genauere Berichte werde ich allerdings zurückstellen müssen. Ich kann mich darüber freuen, dass ich die letzten Wochen über die MOOCs mehr schreiben konnte als der Ferunianteil noch nicht begonnen hatte. Der LdL MOOC ist bereits weitgehend auf der Strecke geblieben und ob ich weiter Zeit für den ExIf14 finden werde bezweifele ich ebenfalls. In gewisser Weise beginnt schon ein Schrumpfungsprozess wie ich es auch in der Vergangenheit erlebt habe. Nach und nach werden die unwichtigeren Interessengebiete liegen gelassen und eine Konzentration auf Weniges setzt ein. Nicht das gezielte Verzichten im Vornherein, sondern der Versuch alles zu tun und es der Realität zu überlassen zu den notwendigen Anpassungen zu führen ist die Methode mit der ich vorzugehen scheine.

Es wird also interessant sein nach einer Weile zu sehen, was ich aus welchen Gründen fortgeführt habe und was aus welchen Gründen auf der Strecke geblieben ist. Und was ich in diesem Semester abschließen werde.

BiWi – Modul 3B

Gestern startete das neue Semester an der FernUni und damit für die BiWi-Module ein neues Moodle (statt 1.9 jetzt 2.6). Wenn ich das Modul 3A im letzten Semester neben 3E ebenfalls bestanden habe (Bewertung der Hausarbeit steht noch aus), dann fehlt mir nur noch das verpflichtende Praxismodul 3B (abgesehen von der Bachelorarbeit). Und gerade dort gibt es gravierende Neuerungen. Zusätzlich zu den bisherigen Leistungen ist ein Lerntagebuch in Blogform zu erstellen.

Im Vorfeld hatte ich mich darauf gefreut, basierend auf meinem lernförderlichen Blogschreiben seit letztem Jahr und der Vorstellung von mehr Kommunikation untereinander, da die Lernblogs der anderen auch kommentiert werden sollen. Nun muss ich aber feststellen, dass hier zwar der Begriff Lerntagebuch verwendet wird, wenn ich die Anforderungen für das Bloggen aber durchlese, so geht es hier um eine weitgehend festgelegte, strukturierte Reflexionsaufgabe. Festgelegt wird eine verbindliche Dauer von 3 Wochen (unabhängig ob Vollzeit- oder Teilzeitstudierende), ein wöchentlicher Wechsel des Themas und eine genaue Angabe was reflektiert werden soll: die Praxis des Praktikums in Kombination mit dem Studienbrief „Qualitätssicherung & Evaluation“ .

Gut. Ich wollte ein Lerntagebuch führen, das sich mit den Problematiken beschäftigt denen ich in dem Modul begegne und habe gehofft, auch mit etwas ähnlichem von anderen konfrontiert zu sein. Die in Moodle beschriebene Form erlaubt das aber nicht. Der Blog dort ist Bestandteil der Prüfungsleistung und eine Nichtteilnahme wird mit negativen Auswirkungen sanktioniert. Kein Platz für Experimente. Will ich also mein Lernen im Modul 3B in einer mir entsprechenden Form durch einen Lernblog begleiten, muss ich den zusätzlich führen. Schade.

Momentan gibt es viel Aufregung von Seiten der Studierenden um dieses Modul, und ich finde zu Recht. Zu viel bleibt noch unklar, zweifelhaft ist auch der Wert einer zusätzlichen dreiwöchigen reflektierenden Arbeit, wenn bereits die zu erbringende schriftliche Arbeit eine Reflexion darstellt und das Modul ein mindestens 120 stündiges Praktikum beinhaltet in dem ein eigenständiges Projekt geplant, durchgeführt und evaluiert wird. Auch kein unbeträchtlicher Zeitaufwand. Momentan erscheint der Anteil „Lerntagebuch“ vielen nur als unnötige, zusätzliche Belastung.

Gefühlt versinkt dieses Modul für mich momentan im Chaos und bietet mir erst einmal wenig Orientierung. Zwei Vormittage habe ich jetzt vor allem damit verbracht ohne eine Strategie, eine Struktur und einen Plan dafür entwickeln zu können und das Gefühl von Uneffektivität stellt sich ein. Ich werde mich daher darauf konzentrieren in Moodle alles ganz sorgfältig durchzulesen, aufzuschreiben was mir unklar ist, dazu dann Fragen stellen, meine Studienbriefe bearbeiten, mein Lernen an einem anderen Ort begleiten und hoffen, dass ich bald in Bezug auf das Praktikum selbst zu einer Entscheidung kommen kann. Und mein kreatives Köfferchen unausgepackt stehen lassen. Denn alles schreit hier nach Vorgabenerfüllung, die dann hoffentlich im Verlauf der nächsten zeit klarer werden. Sei’s drum. Auch damit kann ich leben.

Bildungswissenschaftliche Perspektive

Die bildungswissenschaftliche Perspektive spielt in den Hausarbeiten und Ausarbeitungen der Studierenden der Bildungswissenschaft an der FernUni Hagen eine wichtige Rolle und immer wieder tauchen Fragen danach auf, was das eigentlich ist. Ich habe auf diesem Blog schon einmal dazu geschrieben, bei meiner kürzlichen mündlichen Prüfung habe ich nun noch einmal Neues dazu erfahren. Und dieses Mal kann ich mir endlich vorstellen worum es sich dabei genau handeln soll.

Nach Auskunft von Prof. Jansen dürfen Soziologen, und wenn ich mich richtig erinnere Philosophen, einen Zustand feststellen und seine Unveränderbarkeit beklagen. Bildungswissenschaftler/innen dürfen das nicht. Die bildungswissenschaftliche Perspektive bedeutet Lösungsvorschläge zu entwickeln. Das bedeutet eine Problematik muss gesehen werden, gezielte Fragen gestellt werden, und es muss dann zu einer Antwort führen, die Veränderungsmöglichkeiten aufzeigt. Beispielsweise Vorschläge wodurch Missstände zu beheben sind. Oder wie etwas Gewünschtes durch Bildungsmaßnahmen gefördert werden kann. Oder wie Lernprozesse gefördert werden können.

Es wäre schön gewesen, wenn mir das noch vor meinen letzten Arbeiten klar gewesen wäre, dann hätte ich daran viel gezielter arbeiten können. Allerdings habe ich es nun in einem Zusammenhang erfahren, der sich sehr stark ins Gedächtnis eingebrannt hat und mir noch einmal klar vor Augen geführt hat, wozu wir unsere Materialien studieren, unsere Ideen entwickeln und unsere Untersuchungen anstellen. Allerdings sollte das auch einschließen, dass es Problematiken gibt, für die Bildungswissenschaft dann doch keine tatsächliche Lösung, sondern nur ein sinnvolleres Umgehen vorschlagen kann.

Prüfung bei Modul 3E

Gestern konnte ich erleben wie eine mündliche Prüfung im Bereich Bildungswissenschaft an der FernUni Hagen vor sich geht. Es war zwar wegen der Anfahrt eine aufwändige Angelegenheit, aber ansonsten eine sehr interessante Erfahrung. Rückblickend bin ich damit zufrieden dieses Modul im Wahlpflichtbereich gewählt zu haben. Das was ich dann innerhalb des Gesamtthemas gewählt hatte, hat mich emotional zwar so belastet, dass ich zwei statt einem Semester bis zur Prüfung benötigt habe und dabei mit dem Thema letztlich noch lange nicht fertig geworden bin, und ich denke, das ist auch der Grund weshalb ich mich nach bestandener Prüfung wie eine Betrügerin gefühlt habe. Ich habe jedoch durchaus eine Menge gelernt und die Informationen, die ich während der Prüfung von den Prüfenden erhielt, haben mir klare Hinweise darauf gegeben womit ich mich noch weiter beschäftigen sollte.

Als Nächstes steht daher das Thema Institutionen an. Ich habe bei meinem Thema zwar zu Erscheinungen innerhalb von Institutionen geschrieben, bin aber überhaupt nicht auf die Idee gekommen mich damit zu beschäftigen, was eigentlich eine Institution ist. So funktioniert es. Es gibt Dinge, die scheinen so selbstverständlich, dass ich übersehe, dass ich eigentlich keine genaueren Kenntnisse dazu habe. Also Danke an das Lehrgebiet für den Hinweis!

Außerdem sollte ich mehr auf unterschiedliche Analyseebenen achten. Geht es um Macht oder geht es um sozio-ökonomische Einflüsse. Klar trennen und nicht verwuseln!

Weiterhin muss ich Präsentieren lernen. Ich kann zwar schreiben und in einem längeren persönlichen Gespräch oder in einer Gesprächsrunde meine Vorstellungen erläutern. Ich kann aber nicht präsentieren. Und das hat etwas mit dem zu tun was ich in der Anwendung geübt habe. Schreiben und anderen etwas erläutern habe ich geübt, aber etwas kurz, knapp und präzise zu präsentieren nicht. Und rückblickend erinnere ich mich jetzt auch noch an andere missglückte Versuche. Ich hätte es schon vorher erkennen können!

Außerdem war es gut noch einmal auf die Denkfreiheit beim Studium hingewiesen zu werden. Ich darf meine eigenen Überlegungen ernst nehmen. Studium bedeutet Theorien und Wissen anderer zu kennen, aber es muss nicht dabei bleiben sie herunterbeten zu können. Eine auch kreative Anwendung, um dadurch Erscheinungen zu erklären und verständlich zu machen, ist legitim und wahrscheinlich sogar gewünscht. ich darf immer weiter denken und immer tiefer schaufeln! An dem Punkt merke ich, wie sehr ich von einem Alltag geprägt bin in dem abweichende Meinungen mit Mangel assoziiert werden. Ein Alltag, in dem es richtig und falsch gibt, und in dem diejenigen mit den falschen Ansichten einen geringeren Wert haben und in dem denjenigen mit einem geringeren Wert wiederum weniger Rechte zugestanden werden und ihre Weltinterpretation daher auch weniger zählt. Und das wirkt sich dann auf Selbstwertgefühl und Selbstverständnis aus und kann zu Rückzug oder Schweigen führen. Ein Teufelskreis!

Dazu passt letztlich auch der gestrige Artikel zur AfD. Ich bin über die AfD nicht glücklich, sie wird hier aber in einer Weise dargestellt, dass sie letztlich auch zur Interessenvertreterin von Interessen wird, die zu wenig berücksichtigt wurden. In diesem Fall geschieht allerdings nicht der Rückzug, sondern die Offensive. Und das ist das Interessante daran. Einer allein ist ein in bestimmten Kontexten ein Abweichler. Viele gemeinsam sind eine ernstzunehmende Macht!

Insgesamt merke ich wie mir das Studium Raum gibt Problematiken zu behandeln, die für mich wichtig sind. Letztlich umfasst das auch die Motivation überhaupt mit dem Studium zu beginnen. Ich finde mein eigenes Handeln, meine eigene Situation plötzlich eingebettet in größere Zusammenhänge. Die eigenen Erfahrungen sind persönlich, sie stehen aber nicht losgelöst im Raum. Letztlich gilt wieder der alte Spruch, dass das Persönliche politisch ist oder im Fall meines spezifischen Interesses bildungswissenschaftlich relevant. Ich studiere Bildungswissenschaft nicht ohne persönliche Involviertheit. Meine eigenen Erfahrungen, meine eigene Situation sind beispielhaft für zusammenhängende Prozesse. Erst jetzt im Nachhinein ist es mir bewusst geworden, dass ich bei der Wahl des Themas von 3E zwei Bereiche kombiniert habe, die für mich in meinem Leben zu Problemen geführt haben aus denen sich Fragen ergeben von denen auch noch so einige weitergehend zu klären sind.

Insgesamt fasziniert es mich immer wieder, dass meine eigenes Leben und meine Erfahrungen mit gesellschaftlichen Theorien verbunden werden können und dadurch das Individuelle in einen größeren Kontext gestellt werden kann. Und so wandelt sich auch das Verständnis meiner Motivation BiWi zu studieren und wird immer differenzierter und zeigt Aspekte auf, die für mich vorher nicht sichtbar waren. Das wiederum fördert die Motivation weiter nachzuforschen, weiter nachzudenken und das auch ganz allein zu tun. Die Inhalte haben ihre eigene Bedeutung erlangt. Und der angestrebte Abschluss bekommt mehr die Bedeutung eines Lohns für die Mühe der Bearbeitung wichtiger Fragen als den eines Mittels um anderen die eigene Kompetenz belegen zu können, womit meine ursprüngliche Motivation wohl eher beschrieben werden könnte.

Modul 3B und der Lernblog

Es ist nicht das erste Mal während meines Studiums, dass mich das Verhalten meiner Peers frustriert. Dieses Mal geht es um das Modul 3B und die ab dem nächsten Semester bestehende Verpflichtung zusätzlich zu den bisherigen Anforderungen eine Art Lerntagebuch mit gemeinsamem Austausch zu führen. Erst hat diese Information für mich Fragen aufgeworfen, dann hat sie mich begeistert und jetzt bin ich davon deprimiert. Die Art der von den Studierenden geäußerten Bedenken und die Art der Darstellung davon in Moodle erwecken bei mir einerseits nicht den Eindruck von Begeisterung für Lernen an sich, andererseits verbreitet sich eine verkrampfte Haltung des Nur-keine-Informationen-preisgeben. Einerseits aus Angst etwas weggenommen zu bekommen, andererseits aus Angst Datenschutzauflagen der Praktikumsstellen zu verletzten. 

Das Ganze erinnert mich an einschränkende, begrenzende, beklemmende Praktiken, die ich seit einer Weile auch aus meinem Umfeld kenne, und die ich dort allein als Blockaden und Barrieren erfahre, die vor allem den Effekt haben, dass sie Zusammenarbeit, Austausch und Problemlösungen verhindern. Sie verschleiern was tatsächlich vor sich geht, sie schließen aus, sie schaffen einen Haufen Probleme und vor allem sorgen sie dafür, dass Sachen keinen Spaß mehr machen. Wenn ich mit genau diesen Gefühlen die Diskussionen betrachte, vor allem nachdem die Formulierungen nach Beteiligung einer Vertreterin des Lehrgebiets einen offizielleren, distanzierteren Tonus angenommen haben, verlässt mich jegliche Motivation zur Teilnahme. Sowohl an der Diskussion als auch am Schreiben eines in diesen Zusammenhang eingebetteten Lerntagebuchs. Vor gut einem Jahr war ich durch die Lernpraxis von Peers schon einmal in einer ähnlichen Situation. Irgendwo auf diesem Blog ist das dokumentiert, beispielsweise hier.

Und jetzt ist es wieder da. Und sogar das Lehrgebiet benutzt zur Argumentation die Nützlichkeit für die berufliche Praxis, allerdings nur ganz wenig und die Argumentation bleibt schon in den Lerngedanken eingebettet. Ich allerdings bin inzwischen ausreichend abgeschreckt. Mit euch will ich nicht spielen, sagen meine Gefühle, und dass die sehr wichtig für Lernen sind, hat mir meine jüngste Beschäftigung vor allem mit nachhaltigem Lernen gezeigt. Ich kann es nicht verstehen, warum es so verbreitet ist, Lernen zu einer für mich furchtbaren Sache zu machen. Ich hatte mir nach etlichen frustrierenden Erfahrungen andere Möglichkeiten gesucht, und so werde ich es weiter halten. 

Wenn diese Lernkiste der Fernuni sich so gestaltet wie jetzt während der Diskussionen oder wie ich es ein paar Mal während des Studiums erlebt habe, wo Lernen nur Pflichtübung zu sein scheint, die Arbeit anderer genutzt wird ohne selbst etwas zu geben, Ängste bestehen etwas weggenommen zu bekommen, nur das gemacht wird was unbedingt notwendig ist und Auseinandersetzungen nur beschränkt gewünscht werden, dann will ich das nicht mehr. So etwas möchte ich mir nicht mehr antun. Ich möchte ein Lernen das Freude macht, dass Verbindungen zu alltäglichen Erfahrungen schafft, das positiven soziale Austausch einbezieht, in dem Zusammenarbeit als Gewinn für alle erfahren werden kann, das zum Weiternachforschen anregt. Ich hatte das Glück inzwischen andere Erfahrungen machen zu können, ich weiß wie es für mich besser geht, und in welchem Rahmen ich zufriedenstellend lernen kann. Und genau daran werde ich mich orientieren. 

Und die lerntheoretische Begründung dafür werde ich auch noch so lernen, dass ich damit besser argumentieren kann! 

Modul 3E und die bildungswissenschaftliche Perspektive

In lauer sommerlicher Nacht wispern unter meinem Fenster die jungen Leute als sie sich verabschieden und veranlassen mich mein Bett in der ersten Morgendämmerung umhüllt von ausgiebigem Vogelgezwitscher zu verlassen. Noch immer ist Pfingsten und als ich meinen Rechner hochgefahren habe, landet ein Feed von Aaron Paquette in meinem Postkasten, der sich mit der verrinnenden Zeit beschäftigt. Er erinnert mich an eine anderen Beitrag von Dunkelmunkel der gestern Abend in der Post landete zum Thema Tod und ich bin etwas verwundert ausgerechnet zu Pfingsten mit solchen Themen konfrontiert zu sein. Aber Dunkelmunkel hat den Post in der Rubrik Leben veröffentlicht und auch Aaron Paquette geht es letztlich um das Leben: das Leben in der Auseinandersetzung mit seinem Ende bestimmen und erfahren.

Ich habe dagegen als meine Pfingsterleuchtung bloß die bildungswissenschaftliche Perspektive im Kopf. Es gibt Studierende an der FernUni Hagen, die Probleme mit dem Fernstudium haben, und es gibt dabei wiederum Studierende der Bildungswissenschaft, denen das Modul 3E, Soziale Konstruktion von Differenz, Probleme bereitet. Es gibt nun verschiedene Arten darauf zu reagieren, z.B.

  • Anderes Modul wählen
  • Sich beschweren und eine bessere Betreuung einfordern
  • In sozialen Netzwerken darüber schimpfen und diskutieren
  • Darüber bloggen
  • Die Schuld auf sich nehmen und verzweifeln
  • Die Zähne zusammenbeißen und versuchen irgendwie durchzukommen
  • Versuchen Moodle durch Beiträge und gemeinsame Diskussionen zu beleben
  • Erst einmal was anderes tun
  • Darin stecken bleiben und länger als gedacht für die Bearbeitung brauchen
  • Studium aufgeben

Einer der Versuche besteht aus der gemeinsamen Bearbeitung der Frage, was eine bildungswissenschaftliche Perspektive eigentlich ist und zwar in Moodle vom Modul. Immer wieder werden wir im Zusammenhang mit unseren Hausarbeiten und Ausarbeitungen darauf verwiesen die Untersuchungsgegenstände aus diesem Blickwinkel zu betrachten und immer wieder fragen sich Studierende was sich dahinter verbirgt, denn der Begriff scheint schwammig und schlecht festlegbar und auch im Netz lässt sich nicht einfach eine Definition von bildungswissenschaftlicher Perspektive finden.

Im Verlauf der Auseinandersetzung in Moodle und auf sozialen Netzwerken hat sich für mich allerdings recht schnell ein Ergebnis gezeigt, das mich momentan zufrieden stellt. Den Ausschlag gab letztlich ein Link einer Kommilitonin zu einem Video mit Prof. Jansen von der Fernuni in Hagen.

 

Zuerst einmal das was schon vor Anschauen des Videos klar und vom Lehrgebiet bestätigt wurde: Bildungswissenschaftliche Perspektiven können auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen entwickelt werden (Makro-, Meso- und Mikroebene).

Dann: Der Forschungsgegenstand von Bildungswissenschaft sind menschliche Lern- und Entwicklungsprozesse und deren bestmögliche Unterstützung.

Die bildungswissenschaftlich Perspektive ist ein Blick auf menschliche Gesellschaft und setzt sich dabei aus zwei Elementen zusammen, die in einem dialektischen Verhältnis zueinander stehen und zusammen gedacht werden müssen.

  1. Konzepte und Methoden, die Lern- und Entwicklungsprozesse von Menschen unterstützen können.
  2. Wahrnehmung und/oder Beschreibung der Wirklichkeit

 

Während mir der erste Punkt gut abgrenzbar und bestimmbar erscheint, ist es der zweite Punkt auf den die Schwammigkeit zurückzugehen scheint.

Wirklichkeit ist als eine Konstruktion zu denken, daher müssen wir als Hintergrundtheorie unserer Betrachtung die theoretische Erklärung finden, die für uns als spezifische Person am plausibelsten erscheint. Dabei besteht eine Abhängigkeit von

  • unserer eigenen Lebenswirklichkeit,
  • unserem Erfahrungshintergrund,
  • der Zeit in der wir leben
  • und unseren Überzeugungen.

BildungswissPerspektiveAußerdem kommen jeweils spezifische Theorien zur Verwendung, die für einen bestimmten Untersuchungsgegenstand am besten geeignet erscheinen. Diese Theorien können dabei aus allen wissenschaftlichen Bereichen stammen, die für den Untersuchungsgegenstand von Interesse sind. So ergibt sich  ein individuell gestaltbarer sowie bedarfsorientierter Theorieraum, der mit dem Forschungsgegenstand von Bildungswissenschaft, den menschlichen Lern- und Entwicklungsprozessen, verbunden wird.

Was also zuerst schwammig erschien, wird in der Reduktion klarer. Wir können die Wirklichkeit, da sie eine Konstruktion ist, nicht ohne Berücksichtigung unsrer eigenen Person betrachten. Wir sollten auch keinen Theoretiker verwenden ohne einen Blick auf seine spezifische Einbettung zu werfen. Erst durch die Betrachtung von Zusammenhängen werden Positionen verstehbar.

Meine Strategie ist es rumzunörgeln, mir die Verantwortung zuzuweisen eine Lösung für mich zu finden, meinen Blog zu nutzen an Dinge heran zu kommen und dabei offen für einen Austausch mit anderen zu sein. Diese Mal war die Strategie erfolgreich. Ich habe dank der Mithilfe der anderen eine Vorstellung von der bildungswissenschaftlichen Perspektive entwickelt.  Es wird sich zeigen, ob dies bei der Bewältigung des Moduls hilfreich ist.

Nachtrag am 2.12.2014:

Bevor es in Vergessenheit gerät und weil es an dieser Stelle als Ergänzung passt: Bei meiner mündlichen Prüfung wurde mir vermittelt, dass ich als Bildungswissenschaftlerin Perspektiven für eine Veränderung aufzuzeigen habe. Im Bereich der Soziologie oder Philosophie darf ich etwas nur beschreiben und rumnörgeln wie schrecklich alles sei. Als Bildungswissenschaftlerin darf ich dabei nicht stehenbleiben. Die bildungswissenschaftliche Perspektive ist die Perspektive der Veränderung. Sie ist auch die Perspektive des Lernens und Lehrens und wenn es dann nur das Bemühen um Aufklärung ist. Bildungswissenschaftler sind Handelnde. Rolf Arnold bezeichnet „Pädagogik als eine Lebenslauf- und Veränderungswissenschaft“  [1]. Und in genau dieser Formulierung deutet sich die bildungswissenschaftliche Perspektive an.  Beschreibung, Analyse, Untersuchung oder was auch immer, aber danach ein Aufzeigen wohin die Reise gehen kann.

Und das ist es was mich daran glücklich macht. Ich habe die Erlaubnis fundierte Visionen zu entwickeln und Vorschläge zur Veränderung zu machen. Dafür untersuche ich, dafür beschäftige ich mich. Nicht um einen Ist-Zustand festzuschreiben, sondern um immer darüber hinausgehen zu können.

Referenz:

Arnold, R. (o.A.). Überlegungen zu Emotionen und Narration im Kontext des Lernens mit „Neuen Medien“. In Giessen, H.W.(2009). Emotionale Intelligenz in der Schule. Unterrichten mit Geschichten. Weinheim: Beltz. Seite 27.

Semesterbeginn

Am 1. April hat das neue Semester an der FernUni Hagen begonnen und wie geplant habe ich jetzt alle sechs Ende Januar bei Coursera begonnen MOOCs erfolgreich beendet. Geplant war danach die Konzentration auf mein Studium, doch das fällt mir schwer. Einerseits habe ich im Lauf der letzten Monate weiter MOOCs dazugenommen, die sehr interessant und hilfreich sind und die ich eigentlich gerne weiter machen möchte, andererseits sieht alles was ich momentan von der FernUni wahrnehme nicht nach Spaß, sondern nach Stress und harter Arbeit aus.

Harte Arbeit – Max Webers Untersuchung „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ gehört zu denjenigen Büchern, die meinen Geist beträchtlich erweitert haben. Ich habe die letzten Wochen hart gearbeitet, habe 40 bis 60 Stunden pro Woche in Tätigkeiten gesteckt, die ich klar als relevant für Lernen einstufen kann und dabei die Nebenbeidings, die auch Lernen bedeuten nicht mit einbezogen. Aber ich habe es nicht als harte Arbeit empfunden, denn es hat Spaß gemacht. Das was Spaß macht ist aber nicht die gottgefällige Arbeit, die der protestantische Geist als Gnadenbeweis gelten lässt. Oder habe ich da etwa etwas falsch verstanden?

Der Spaß und die Arbeit – Ich habe mich mit Gamification beschäftigt und dabei entdeckt, dass ich schon als junge Frau am Fabrikband oder auf dem Kartoffelacker meine Arbeit gamifiziert habe. Ich habe versucht herauszufinden wie ich möglichst viele Teile gleichzeitig aufs Band bekomme und immer schneller werden kann, wie ich meinen Korb so stelle, dass ich ihn möglichst wenig umstellen muss, habe Kartoffeln gezählt und bei einer bestimmten Zahl durfte ich dann einmal um den Korb laufen und ähnliche Spielchen. Spielelemente machen gerade das Eintönige spannend.

Die Eintönigkeit ist aber nicht das Problem mit dem mangelnden Spaß an der Arbeit für die FU und dem Spaß mit den MOOCs, wobei ich in dieser Formulierung schon das Problem durch die Wortwahl formuliert habe. Für die FU und mit den MOOCs. Ich nutze die MOOCs für meine Zwecke, werde dabei begeistert und das motiviert meinen Lern- und Arbeitswillen. Für die FU habe ich Leistungen zu erbringen, damit ich im Tausch etwas bekomme.

Das sind Empfindungen und über Empfindungen kann man nicht diskutieren. Empfindungen kann man nur beobachten und dazu Fragen stellen. Und denen muss ich mich jetzt stellen. Ich habe noch einen kleinen zeitlichen Puffer, es muss nicht heute sein und nicht an diesem Wochenende, noch habe ich Zeit mich meinen MOOCs zu widmen und Ideen für die anstehenden, spannenden Projekte zu entwickeln, sie zu planen und umzusetzen.

Warum gelingt mir das nicht bei der FernUni? Warum denke ich letztlich mit Widerständen an das kommende Semester? Warum denke ich in Kategorien von Verzicht und Entbehrung? Warum fühle ich mich in einen Zwangsapparat gepresst? Warum kann ich damit nicht locker umgehen?

Mein Selbstbild als Schülerin ist durchaus positiv. Ich bin meistens gerne zur Schule gegangen und habe meistens gerne gelernt. Hier sind die Wurzeln in meinen Augen nicht zu suchen. Und auch an der FU habe ich die ersten beiden Semester gerne gelernt. Was ist passiert? Es sind nicht die Themen an sich. Es ist auch nicht die Form des Fernstudiums an sich. Ich habe noch keine Antwort darauf was eigentlich los ist, aber zumindest ist mir jetzt klar, dass da etwas los ist und ahne, dass es im Zusammenhang mit Bildung von großer Bedeutung ist.

Ich fahre die Straße entlang und sehe auf die Menschen und Gegenstände und Gebäude und frage was das alles mit Bildung zu tun hat und entdecke, es ist ganz viel. Die Art der Bildung, der Zugang zu Bildung, der Ausschluss von Bildung, die Verwertbarkeit von Bildung. Ich schaue auf die einzelnen Menschen und versuche sie im Zusammenhang mit ihrer gemutmaßten jeweiligen Bildung zu sehen. Die FernUni ist Bestandteil eines Systems, das über sich reflektieren, sich aber nicht verlassen kann.

Das Potential das schon Kinder entfalten sollen, wofür eigentlich? Für was für eine Art von Gesellschaft? In ihrem eigenen Interesse oder im Interesse ihrer besseren Verwertbarkeit? Und wofür verwertbar? Die Stadt ist voller Häuser in denen Menschen leben. Leben sie das Leben, das sie haben wollen? Oder leben sie das Leben wovon sie gelernt haben, dass es die angemessene Art des Lebens ist und wer hat das bestimmt? Sie selbst oder andere? Und wer? In welchem Interesse?

Fragen helfen eine andere Perspektive einzunehmen. Ich lerne mehr darüber was andere über das Funktionieren von Dingen herausgefunden haben und wie es in verständliche belegte Worte gefasst werden kann, doch ich lerne nichts darüber wie Dinge geändert werden können.

Seit den Übungen zur kreativen Problemlösung (speziell DSD5) wird mir immer klarer wie sehr meine Wahrnehmung von meiner Weltkonstruktion bestimmt ist. Nicht theoretisch nachvollzogen, sondern im Leben erfahren. Spätestens seit ich mich einen Tag in die Rolle meines Schwagers versetzt habe, weiß ich, dass ich jemand ganz anderes sein könnte, wenn ich aus irgendwelchen Gründen anderen Einflüssen ausgesetzt worden wäre. Und mit dieser anderen Sicht auf die Welt würde ich anders handeln.

Ein bisschen näher bin ich meinen Schwierigkeiten schon gekommen, doch es fehlt noch etwas. Ich bin enttäuscht. Am Anfang habe ich von dem Studium nichts anderes erwartet als ein Zertifikat, das meine Chancen verbessert. Dann hat mir das Studium Hoffnung gegeben, da seine Inhalte so viele Dinge klar benennen und die Augen so weit öffnen für den Bedarf an Potentialen, Verbesserungen und Veränderungen. Doch dort bleibt es stehen und kehrt zurück zu dem was schon vorher da war. Die Erfüllung der Anforderungen für ein Zertifikat, das von einer spezifischen Gesellschaft akzeptiert ist. An den Anfang der Reise zurückgekehrt und nichts mitgebracht als den Spielzeugtand von Muggelsteinen, statt aus dem Wissen Werkzeuge zu schmieden, die nicht unter den Belastungen des Alltags zerbrechen.

Ich werde eine Entscheidung treffen oder sie wird für mich getroffen werden. Ich habe Hoffnung gewonnen und Hoffnung verloren. Was ist also wirklich geschehen? Ich habe nichts verloren, aber Wissen gewonnen. Es liegt bei mir was ich daraus mache. Ganz allein bei mir. Leider.

Doch was ist diese Gesellschaft eigentlich? Lauter Einzelwesen, die in Zusammenhängen aufeinander einwirken und sich gegenseitig zuordnen nach Kriterien, die in den Köpfen der einzelnen erzeugt werden. Und auch wenn es nur Konstruktionen sind, die auch ganz anders aussehen könnten, werden sie unentwegt für Realität gehalten, weil Menschen daran glauben.

Doch unter solchen Voraussetzungen gibt es keinen zwingenden Grund diese Kopfkonstruktion aufrecht zu erhalten, und damit gäbe es eigentlich Platz die Welt mit ganz anderen Augen wahrzunehmen, wenn es denn im Alltag gelingen würde! Wie hat Kant formuliert:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. “ [1]

Und ein anderer, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe sagte, dass die Aufklärung nie vollkommen umgesetzt wurde. Schon die Pariser Commune wurde zerschlagen und ihre Träume in Blut ertränkt. Der Wohlfahrtskapitalsmus erklärte die Welt unter seiner Herrschaft für gut und schön und jeden Zweifel daran als unrealistische Einschätzung der menschlichen Natur. Und während wir im globalisierten Hamsterrad unsere Runden drehen und mit der Hoffnung auf kommendes Glück unsere Leben und unseren Planeten verschleißen, wird die Welt unter wenigen Mächtigen verteilt und nach Vorstellungen gestaltet, deren weltweite Gültigkeit nicht unbedingt einer Mehrheitsentscheidung entspricht.

Ich weiß nicht was dieses Semester geschehen wird. Und vielleicht ist genau das die Haltung, die am meisten Sinn ergibt. Ich ahne, dass es mir möglich ist meine Weltsicht grundlegend zu ändern und alte Gewohnheiten zu verlassen. Im religiösen Bereich existiert dafür die Vorstellung vom Menschen, der im neuen Geist wiedergeboren wird.  Aber eigentlich bin ich dafür zu müde, denn das hört sich wieder sehr anstrengend an. Eigentlich möchte ich nur in einem ewigen Fluss der Sinnhaftigkeit leben, in einer Geschichte mit offenem Anfang und offenem Ende, gefüllt mit Begeisterung und Leidenschaft. Aber nicht in eine Legebatterie gepfercht, und wenn meine Federn zerschlissen sind und ich keine Eier mehr lege, komme ich in den Suppentopf und werde auf kleiner Flamme mit reichlich Gemüse einige Stunden leicht sprudelnd gekocht.

Guten Appetit!

 

Referenzen:

[1]  Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift 4 (1784), S. 481-494.