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Fortbildung für Betreuungskräfte an Grundschulen

Am Morgen nach einer Fortbildung über den Umgang mit Sexualität in der Grundschule für Betreuungskräfte kann ich für mich selbst eine Gesamtbewertung abgeben, die unterm Strich nicht allzu gut ausfällt.

Bereits am Ende der Veranstaltung dachte ich, was das war’s schon? An- und Abreise dauern in meinem Fall jeweils etwa 40 Minuten mit dem Auto und unterwegs bin ich an einem Ortsausgang dann auch noch von einer festen Station geblitzt worden, da dort in der Zwischenzeit die zulässige Geschwindigkeit reduziert wurde, ich durch eine Selbstgespräch über die Auswirkungen der Aufklärung abgelenkt war und alten Gewohnheiten entsprechend fuhr. Die Veranstaltung selbst dauerte einschließlich einer kurzen Pause etwa 3 1/2 Stunden. Für mich stellt sich dabei durchaus auch die Frage nach der Relation von Aufwand und Nutzen und dem Mehrwert, vor allem nach meinen Erfahrungen was es bedeutet hochwertige Lernmaterialien und Dozenten online ohne größeren Aufwand zeitunabhängig zur Verfügung zu haben.

Der Dozent des diakonischen Werkes, der sich bereit erklärt hatte die Veranstaltung für den staatlichen Arbeitgeber kostenfrei zu gestalten, erzählte zu Beginn, er wäre am liebsten wieder gegangen, da er ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass er eine Höchstzahl von 16 Personen wünsche und auch noch einen weiteren Termin hätte vereinbaren können. Er hielt bei diesem Thema betreute Kleingruppenarbeit für sinnvoll. Gekommen waren 28, auf der Liste standen 30. Drei Einträge wurden zu Beginn der Veranstaltung zugefügt.

Er baute daher die Veranstaltung um während sie lief. Aus einer auf Frontalunterricht ausgerichteten Sitzordnung wurde ein Stuhlkreis zusammengestellt, in dem sich allerdings alle nur mehr oder weniger gut sehen konnten, da der zur Verfügung stehende Platz sehr beschränkt war. Die Veranstaltung selbst bestand aus einem verbal frei gestalteten und einem vorgelesenen Teil, in den statt dreimaliges nur einmaliges Arbeiten in Kleingruppen nach vorgegebener Aufgabenstellung eingestreut war. Zusätzlich wurde die Großgruppe an verschiedenen Stellen des verlesenen Textes immer wieder dazu gefragt. Anmerkungen konnten gemacht und ergänzende Fragen gestellt werden. Statt Kleingruppenarbeit ging der Dozent nach einem ersten Versuch zu dieser Einbeziehung der Teilnehmerinnen über. Der vorgelesene Text selbst sowie Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des diakonischen Werkes standen in der Menge der erwarteten Teilnehmer +2 zum Schluss zur Mitnahme zur Verfügung, waren also nicht ausreichend für alle.

Ich kann nicht beurteilen als wie ergiebig und sinnvoll sich das ursprüngliche Konzept erwiesen hätte, bei der Umgestaltung ist mir aufgefallen, dass sich außer bei der Kleingruppenarbeit geschätzt weniger als die Hälfte der anwesenden Frauen verbal beteiligten. Die Verteilung der Menge der Beiträge konzentrierte sich dabei auf wenige Personen. Der Umgang derjenigen miteinander erschien mir locker und entspannt. Nicht teilnehmende wirkten auf mich zum Teil sehr verschlossen.

Ich hatte den Wunsch gehegt mehr von den Problemen der anderen in  Bezug auf den Umgang mit Sexualität zu erfahren und auf Themen zu stoßen, die sich im Alltag meiner Achtsamkeit entziehen. In Bezug auf im Alltag versteckte Vorgänge wurde ich enttäuscht, es trat allerdings ein Aspekt eines Thema stark hervor, das im Zusammenhang mit Differenz generell von Bedeutung ist, der Umgang mit unterschiedlichen Vorstellungen von Normalität. Dazu gehört auch die Auswirkung unterschiedlicher Macht- und Abhängigkeitspositionen. Schlussfolgerung aus der Veranstaltung war für mich, dass es ist in Grundschulbetreuungen sinnvoll ist Regeln für Erlaubtes und Verbotenes in Bezug auf den Umgang mit Sexualität zu finden und auf deren Einhaltung zu bestehen, die für möglichst wenige Personen zu Problemen führen. Allerdings stellt sich dabei für mich die Frage auf welchem Weg sich das herausfinden lässt und ob dann nicht letztlich Regeln auf Grund reiner Mutmaßungen aufgestellt werden. Eine Frage mit der ich erst einmal allein zurückbleibe.

Zu kurz kam bei der Veranstaltung außerdem der zwanglose Austausch untereinander zu Arbeitserfahrungen über das Thema der Fortbildung hinaus. Die kurze Pause zwischendurch betrug gerade einmal 10 Minuten und ließ wenig Raum für Gespräche miteinander. Es waren auch nur wenige Frauen früher da oder blieben länger. In der Vergangenheit war bei solchen Veranstaltungen von den organisierenden Frauen in der Regel Raum für solchen Austausch berücksichtigt worden, beispielsweise während eines gemeinsamen Frühstücks oder vor der eigentlichen Veranstaltung. Da viele Betreuungsfrauen sehr vereinzelt arbeiten, handelt es sich dabei um eine sehr wertvolle Ressource.

Unterm Strich bin ich mit der Fortbildung unzufrieden. Die Veranstaltung war vom Dozenten für bestimmte Bedingungen konzipiert, die dann aber nicht bestanden. Ohne vorherige Information waren mehr Personen zugelassen worden. Damit wurde in meinen Augen ignoriert, dass Fortbildungen zuvor didaktisch sinnvoll konzipiert werden, um den Lernerfolg zu fördern, den Aufwand zu rechtfertigen und Dozenten und Teilnehmer zufrieden zu stellen. So etwas wird nicht mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt oder kann im laufenden Prozess ohne Probleme sinnvoll abgeändert werden.

Es ist gut wenn es für isoliert arbeitende und häufig in Schulen schlecht eingebundene Betreuerinnen, die zu einem beträchtlichen Teil nicht über eine spezifische pädagogische Ausbildung verfügen, überhaupt Weiterbildungen gibt, diese sollten aber auch in einem Rahmen stattfinden, der eine hohe Qualität gewährleisten kann.

Immer wieder habe ich es erlebt, dass Dozenten bei der Konfrontation mit der Arbeitswelt von Betreuerinnen erstaunt waren in Bezug auf die Komplexität der Anforderungen bei einer durchaus geringen Beachtung und Unterstützung, die dieser Bereich häufig erfährt. Auch deshalb sollten in meinen Augen die wenigen angebotenen spezifischen Fortbildung hervorragend sein. Diese können den Selbstwert erhöhen, neue Kenntnisse und Einsichten vermitteln und durch den Austausch mit anderen helfen die eigene Situation besser zu verstehen und  zu bewältigen. Eine Verbesserung der Arbeit und Arbeitsmotivation kann dadurch erreicht werden

In der Vergangenheit hatte ich einmal Überlegungen zu einem Ort im Netz, an dem Materialien und Nützliches speziell für Grundschulbetreuerinnen unserer Region hinterlegt werden könnten und ein Austausch möglich wäre. Inzwischen hat sich für mich vieles verändert. Einerseits die Betreuungsarbeit an Bedeutung verloren, andererseits haben die Möglichkeiten im Netz generell zugenommen. Es gibt beispielsweise aktuell spezifische Facebookgruppen für den pädagogischen Bereich, in denen unterstützende Diskussionen gestartet werden können, es gibt sehr viele, auch fremdsprachige Angebote gerade für Spielideen, Bastelarbeiten oder andere Hilfsmaterialien. Für die Klärung struktureller Problematiken oder generelle Weiterbildung existieren inzwischen Studienmöglichkeiten über das Netz.

Fortbildungen vor Ort erübrigen sich dadurch allerdings noch lange nicht. Für sie gilt allerdings was generell für Präsenzangebote in Zeiten des Internets gilt, sie sollten das ermöglichen wofür die unmittelbare Präsenz sinnvoll ist, den direkten Kontakt und unmittelbaren Austausch von Personen, die sich dabei in ihrer Gesamtheit wahrnehmen können, so dass es zum gemeinsamen Entdecken von Fragestellungen und deren Klärung kommen kann. Das schien der Dozent beabsichtigt zu haben, konnte es aber bei den veränderten Bedingungen weniger gut umsetzen.

Sehr schade!

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Emotionen und Schulbetreuung – und vorher ein kurzer Exkurs in die japanische Sprache

Eigentlich wollte ich endlich einmal etwas über Schulbetreuungen schreiben, doch das neue Windowsupdate hat mich ausgebremst. Nach einer Stunde Warten auf den Abschluss der Installation, genutzt für ein wenig Japanischlernen, habe ich das Ganze abgebrochen und den Rechner ausgeschaltet und bin nach einigem Hin und Her endlich ins Netz gekommen. Auf Twitter werde ich unter Windowsupdate dann mit japanischen Meldungen überschüttet und zum ersten Mal wird mir bewusst, dass Japaner auf Twitter sehr viel mehr als wir schreiben können. Unsere Wörter werden mit einzelnen Buchstaben geschrieben, japanische Wörter aber durch Silben, gemischt mit Zeichen, die Silben noch einmal zusammenfassen können.

Da wir im Japanischunterricht seit gestern Texte ohne Furigana bearbeiten, habe ich inzwischen doch noch die Hoffnung zukünftig normale japanische Texte lesen zu können (z.B. auf Twitter 🙂 ) und nicht nur diejenigen auf Kinderniveau. Vom momentanen Text im Unterricht bin ich dabei sehr angetan, da er in einer sehr poetischen Sprache in einem sehr ästhetischen Design geschrieben ist und wunderbare Vorstellungsbilder erzeugt. Das motiviert. Es ist für mich auch unglaublich faszinierend so etwas unmittelbar in einer Sprache verstehen zu können, die so sehr viel anders als meine Muttersprache ist. Auch das motiviert.

Dieser Exkurs hat mich jetzt noch weiter weg von der Schulbetreuung geführt als ich bereits war, dabei befinde ich mich allerdings immer noch ganz dicht am Thema Emotionen. Das sitzt inzwischen so fest, dass ich manche Texte nur mit Blick darauf lese und mir in anderen ganz besonders das ins Auge sticht, das mit Emotionen zu tun hat. Es ist ein sehr interessanter Zustand, der die Welt aus einer sehr speziellen Perspektive erfahrbar macht und mich in einer vereinnahmenden Weise fokussiert.

Ein Artikel, den in der Zwischenzeit über Facebook gelesen habe, bringt mich zwischendurch dazu, dass ich bei seinen letzten Zeilen zuerst einmal denke, ja, das was da gesucht wird ist durchaus Emotionskompetenz. Kenntlich durch die Frage, wie geht man im Beruf des Lehrers nicht kaputt?

Und das führt mich dann doch wieder zurück zur Schulbetreuung.

Bei der letzten Fortbildung waren wir weit über 40 Frauen aus dem Landkreis (kein einziger Mann!) und sollten etwas über schwierige Elterngespräche erfahren. Die Anbieterin hatte uns Wünsche aufschreiben lassen, und was auffällig gehäuft auftrat, war der Wunsch nach Gelassenheit.

Dass das Thema Emotionen für mich so bedeutungsvoll ist, hat ja nun seine Gründe. Und dass ich es nicht nur einfach so generell betrachte, sondern sehr konkret, bezogen auf die Emotionen in Bildungsprozessen und Bildungsinstitutionen, hat zwar nicht nur, aber sehr viel mit der Grundschulbetreuung zu tun.

Gelassenheit, wenn Eltern sich beschweren, dass ihre Kinder nicht von ausgebildeten Erziehern betreut werden, wofür die Betreuenden selbst letztlich nicht verantwortlich gemacht werden können, Gelassenheit wenn sich innerhalb einer Stunde die Gruppenzusammensetzung dreimal ändert. Gelassenheit wenn zeitweise weit über 30 Kinder von einer einzigen Person betreut werden müssen, Gelassenheit, wenn es dann auch noch regnet und alle zusammengepfercht in einem kleinen Raum bleiben müssen, da es zwar für Nutztiere eine Angabe der Mindestraumgröße für die artgerechte Haltung gibt, aber nicht für Kinder.

Gelassenheit wenn es plötzlich rundgeht und die Aggressionen steigen, Gelassenheit wenn ein Kind seinen dollen Tag hat und andere ansteckt, Gelassenheit bei schrillen Kinderstimmen und einem extremen Geräuschpegel, Gelassenheit beim Hilf-mir-mal von vier verschiedenen Seiten gleichzeitig, bei den Forderungen jetzt sofort und auf der Stelle das bekommen zu können was man möchte – wofür alle anderen selbstverständlich warten sollen. Gelassenheit bei gegenseitigen Anschuldigungen der Kinder darüber wer angefangen hat und wer Schläge und Bestrafung verdient hätte. Gelassenheit wenn ein Spiel fortwährend unterbrochen werden muss und am Ende kaum gespielt wurde, weil Kinder abgeholt werden oder anderen Verpflichtungen nachgehen müssen. Gelassenheit bei Organisationsmängeln, Informationsdefiziten und dem Durchsetzen schwer nachvollziehbarer Schulregeln, Gelassenheit bei Vorwürfen und Anklagen von Seiten der Kinder, beim Rumnörgeln wegen Langeweile, und Gelassenheit wenn mal wieder deutlich zu spüren ist wie gering die Arbeit der Betreuungsfrauen in der Institution bewertet wird.

Ich habe mich einmal blauäugig an einem MOOC zur Schultransformation beteiligt, in dem mir nach einer Weile klar wurde, dass er eigentlich von Lehrern für Lehrer veranstaltet wurde. Wenn von Schulen die Rede ist, dann wird von den Kindern geredet, sehr viel von den Lehrern, etwas von den Eltern, aber kaum einmal von allen anderen. Dabei gibt es gerade in Ganztagsschulen sehr viele davon.

Manchmal merke ich sehr deutlich, dass wir gerade eben nur der Dreck unter den Fingernägeln sind, die Handlanger, an die die Kinder weitergereicht werden wenn es nichts anderes für sie zu tun gibt. Wie oft fragt jemand danach wie es uns damit ergeht? Wie oft fragt jemand nach der Verbesserung der Qualität der Betreuung? Wie unsere Möglichkeiten dafür verbessert werden könnten? Ich habe im Lauf der Jahre mit vielen Grundschulbetreuerinnen reden können. Frauen mit pädagogischer Ausbildung und ohne. Wir teilen viele Erfahrungen, wir übernehmen für die Schule, die Eltern und die Kinder wichtige Aufgaben. Und auch weil wir sehr viel mit sozialem Lernen zu tun haben, haben wir ausgesprochen viel mit Emotionen zu tun. Das umfasst wie wir mit den Emotionen der Kinder umgehen, wie wir mit unseren eigenen umgehen, wie wir den Emotionen der Eltern begegnen. Wie wir emotional mit unserem Status zurechtkommen, wie wir unsere vielfältigen Probleme am besten effektiv und unaufgeregt lösen.

In gewisser Weise gehören wir zum sozialpädagogischen Bereich, aber so betrachtet werden wir eher selten. Wir sollen entlasten, auffangen, Lücken füllen, klaglos zur Verfügung stehen, wenn man uns braucht, und möglichst wenig zusätzliche Arbeit machen.

Es ist kein Wunder wenn sich Betreuungsfrauen vor allem Gelassenheit wünschen.

Ich bewege mich zur Zeit primär im Rahmen der Psychologie, daher bin ich stark auf innere Vorgänge und weniger auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen ausgerichtet. Zurückgreifend auf die Coping-Strategien versuche ich mich momentan vor allem am emotionsorientierten Coping.  Auch mein Wunsch lautete bei der Fortbildung Gelassenheit. Und genau die von Frenzel, Götz und Pekrun (2015, S.221) für den schulischen Bereich vorgeschlagenen Strategien sind für mich dabei ausgesprochen hilfreich und wirkungsvoll. Daher fasse ich sie noch einmal in einer für die Betreuung verwendbaren abgewandelten Form zusammen.

  • Es ist notwendig das Bewusstsein dafür zu fördern oder zu erhalten, dass Emotionen eine bedeutsame Rolle im sozialen Miteinander und beim sozialen Lernen spielen und dass diese Form des Lernens eine große Bedeutung für den einzelnen Menschen sowie die menschliche Gesellschaft hat.
  • Dafür ist es wichtig immer besser zu verstehen was Emotionen sind und wie sie funktionieren. Daran können Einzelne auch allein arbeiten. Wenn möglich ist es allerdings sinnvoll mit anderen darüber in Austausch zu treten und die gewonnenen Erkenntnisse zu diskutieren und zu vermitteln. 
  • Gleichfalls bedeutend ist es sichtbar zu machen, dass emotionales Erleben verändert werden kann, so dass für den Einzelnen andere Arten des Sich-selbst-Erlebens und Handelns ermöglicht werden.
  • Zu diesem Zweck ist es sinnvoll konkrete Emotionsregulations- und Coping-Strategien zu erlernen, zu üben und weiter zu vermitteln.

Ich denke, damit ist meine eigene momentane Strategie ganz gut erfasst. Ganz einfach ist sie nicht, ich verfalle immer wieder in Automatismen, habe für vieles keine Vorbilder und die gesellschaftliche Bedingungen, die bestimmte Problematiken erst verursachen, werden dadurch auch nicht geändert. Es lässt sich dabei allerdings Leiden verringern sowie Wohlgefühl erhöhen. Und das stellt schon eine große Entlastung dar.

Referenz:

Frenzel, A.C., Götz, T. & Pekrun, R. (2015). Emotionen. In: Wild, E. & Möller, J.(Hrsg.) Pädagogische Psychologie, 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer.

Weihnachtliches Basteln

Dieser Beitrag beschreibt eines meiner diesjährigen kleinen Bastelangebote in der Grundschulbetreuung für Kinder der ersten und zweiten Klasse, da ich damit ausgesprochen zufrieden war.

DSCI0859Die Idee stammt aus einer Kita, wo entsprechende Figuren mit gehäkelter Mütze zur Unterstützung der Gruppenarbeit vor Weihnachten zum Verkauf angeboten wurden. Da sämtliches Material ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stand, entwickelte sich allerdings mit etwas Skepsis auf den Schwierigkeitsgrad bezogen die Idee, diese Figur möglichst selbstständig von den Erst- und Zweitklässlern nacharbeiten zu lassen.

Im Rahmen der Betreuung ist die Teilnahme im Gegensatz zu der Kita nicht für alle Kinder verpflichtend. Es war jedoch genug Material vorhanden, so dass alle Kinder hätten teilnehmen können. Die Teilnahme war allerdings nicht nur vom Interesse abhängig, sondern auch ob das jeweilige Kind während der Arbeitszeit der unterstützenden Betreuerin in der Betreuung anwesend war. Über das Material konnte nicht frei verfügt werden und seine Nutzung über das Bastelangebot hinaus wurde vermieden.

Erstaunlicherweise waren relativ viele Kinder interessiert und es entstand im ersten Anlauf unvorbereitet ein Gruppenangebot bei dem später hinzukommende Kinder auf die zweite Runde warten mussten. Für den Zusammenbau wurde kein Heißkleber sondern Bastelkleber verwendet, was zu Problemen bei einigen Kindern führte, da sie erwarteten, dass alles was sie anklebten sofort halten würde. Insgesamt waren die emotionalen Zustände von Gier, Neid und Frustration das Auffälligste bei dieser Aktivität. Kinder versuchten mehr Material als sie benötigten für sich allen zu sichern, begannen mit dem Zusammenbau bevor Erklärungen erfolgt waren, hörten nicht zu und äußerten sich frustriert, wenn sie nicht sofort Hilfe bekamen. Das Fertigstellen selbst zog sich dann etwas hin, da die Kinder einzeln angesprochen werden mussten und nicht alle Kinder immer anwesend waren.

Zum Erstaunen der Betreuenden dauerte es allerdings nicht sehr lange die Figuren herzustellen. Sie hatte mit Absicht vorher nicht selbst versucht die Figur nachzuarbeiten, weil sie wissen wollte wie weit diese Aktivität in ihrer reinen Arbeitszeit ohne vorherige Vorbereitung umsetzbar wäre. Daher fehlten an diesem Tag für die Figuren Gesichter und Mützen, da in der Betreuung weder ein geeigneter Stift für die Gesichter noch geeignetes Material für die Mützen vorhanden war. Bei weiteren Durchführungen war es dann möglich die Figuren im Rahmen einer halben Stunde so anzufertigen, dass sie nur noch einige Stunden Trockenzeit benötigten. Dafür wurde jede einzelne Figur auf eine stabile Papierunterlage mit Namen gestellt, um sie transportieren und später wieder zuordnen zu können.

Weihnachtsbasteln2Für die Figuren selbst war Watte auf einer Fensterbank ausgelegt worden. Die Kinder durften für ihre fertigen Figuren einen Platz darauf suchen und wurden informiert, dass die Figuren zwei Wochen als Weihnachtsdekoration dienen sollten, um dann im Verlauf der letzten Woche verpackt zu werden. Einigen Kindern fiel es schwer das zu akzeptieren, da sie ihre Figuren gerne sofort mitgenommen hätten. Auf diese Weise entstand allerdings am Fenster nebenher eine dekorative winterliche Landschaft. Die Hauptbetreuerin unterstütze die Idee, indem sie mit Kindern noch passende Sterne für das Fenster bastelte.

Da das Wetter sehr feucht war und es dadurch nur selten möglich war nach DSCI0863draußen zu gehen, wurde noch eine einfache Tannenschablone erstellt und es konnten damit Bäume ausgeschnitten werden, die von den Kindern eigenständig dekoriert werden konnten. Dabei wurde Glitzerkleber bevorzugt, was sich als sehr ungünstig herausstellte,

  • da er verhinderte dass andere Dekorationsformen ausprobiert wurden,
  • da es Probleme mit Kleber auf Tisch und Ärmeln gab,
  • da das Papier davon weich wurde und die Bäume umkippten,
  • da die Kinder damit überdekorierten,
  • da immer nur ein Kind eine Farbe benutzen konnte,
  • da die Bäume erst länger trocknen mussten,
  • da es Streit und Frustration gab.

DSCI0861Kurz: Glitzerkleber sollte im Kontext einer selbstständig arbeitenden Kindergruppe dieses Alters vermieden werden. Außerdem ist er vergleichsweise teuer. Als es keinen Glitzerkleber mehr gab, wurde der Dekorationsprozess wesentlich entspannter.

Zum Abschluss wurden in der letzten Woche die Figuren und auf Wunsch die Weihnachtsbäume verpackt. Es wurde versucht, dass die meisten Kinder das selbstständig taten. Sie hatten dazu eine weiße Pappe passend zuzuschneiden, mit ihrem Namen zu versehen, dünn mit Watte zu belegen, die Figur daraufzustellen und mit Hilfe der Betreuerin durchsichtige Folie mit einem Dekoband und Tesafilm darum herum zu befestigen. Die Figuren konnten dann zu einem beliebigen Zeitpunkt vor Weihnachten mitgenommen werden, was auch in allen Fällen klappte.

DSCI0849Als Fazit lässt sich sagen, dass hier mit sehr geringem Zeitaufwand eine Aktivität angeboten wurde, die vielfältigen Nutzen hatte und sich in der Form gerade für Betreuerinnen mit wenig Zeit und zur Verfügung stehendem Geld sehr gut eignet. Es war keine Vorbereitungszeit zwingend notwendig außer der Zusammenstellung der benötigten Materialien. Diese waren hier komplett vorhanden, ansonsten ist ihr Anschaffung günstig. Benötigt werden Tannenzapfen, Holzwäscheklammern, Styroporkugeln, Acrylfarbe für die Köpfe, ein schwarzer Fineliner, Krepppapier in Streifen, Wolle, eventuell Filzwolle für die Haare, Holzspieße, Chenilledraht, Bastelkleber.

Insgesamt wurden Bastelangebot, Dekoration, Weihnachtsgeschenk und das Üben von Verpacken kombiniert, gleichzeitig waren Arbeitsaufwand und Kosten gering, was zu einem Gefühl von Zufriedenheit und Effektivität sehr betrugt. Die verpackten Figuren selbst wurden als sehr attraktive Weihnachtsgeschenke empfunden und waren mindestens genauso interessant und ästhetisch wie das von einer Erwachsenen hergestellte Modell. Zur Nachahmung empfehlenswert.

Start in die sechste Woche WS2014/15 – Lerncommunities

Bevor ich mich dem Pensum der kommenden Woche zuwende, drängt es mich eine Blick zurückzuwerfen. Am Wochenende haben sich die Themen von zwei Aktivitäten, dem Wochenthema des Teaching for Learning 7 – Moocs und die aktuell bearbeitete Stelle im Studienbrief von Modul 3B, unbeabsichtigt getroffen. Und haben dabei die Achtsamkeit auf die Theorie von Communities gerichtet, was mich momentan sehr anspricht und womit ich in meinem Alltag unmittelbar zu tun bzw. leider nicht zu tun habe. Dabei fällt der Blick auch erneut auf den LdLMOOC2, wenn auch weniger auf den MOOC an sich als auf das von Jean-Pol Martin im Netz gegründete LdL-Online-Institut, mit folgenden Aufgaben für die Zielsetzung:

1. der Festigung und dem weiteren Ausbau des theoretischen Rahmens (Grundlagen-Corpus),
2. der Fortsetzung der LdL-Forschung auf empirischer Basis (Durchführung von Moocs und Reflexion darüber)
3. der Ausbildung und Schulung von Personen, die LdL anwenden und diffundieren wollen.

(aus der Gruppenbeschreibung)

Dabei handelt es sich um eine Community, die ich aber keiner der in meinem Studienbrief angegebenen Taxonomien zuordnen möchte. Diese Taxonomien sind sowieso nur Vorschläge, für das LdL-Online-Institut wäre es sinnvoller aufzuschlüsseln welche Aufgaben von dieser Community genau umfasst werden.

Das sehe ich momentan allerdings nicht als Aufgabe für mich, ich muss meine Aktivitäten beschränken und fühle mich durch meine Studien vor allem durch Themen hindurch getrieben, was ich allerdings begrüße, da ich immer noch einen großen Bedarf für einen generellen Überblick habe. Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich mich für den Rest meiner Studienzeit für BiWi an der FernUni jetzt nur noch auf das Thema Lernen und Lehren konzentrieren könnte, sogar wenn ich die Hausarbeit für das Modul 3A nicht bestanden haben sollte. Und das freut mich sehr. Volle Konzentration ermöglicht ein tiefes Eindringen! Und das bei einem Thema, das mich sehr anspricht, bei dem ich viele Fragen habe und so gerne eine brauchbare kognitive Karte hätte. Einfach ideal!

Die Lehrerkursreihe Teaching for Learning neigt sich ebenfalls ihrem Ende zu. Diese Woche werde ich den 7ten und vorletzten Teil beendet haben. Dort bin ich im letzten Jahr beim dritten Teil, dem Thema Lernen und Lernende, eingestiegen, und habe danach nun  fast die ganze Reihe mit beachtlichem Gewinn für mich abgeschlossen.

Gerade eben trudelt von Marc Schakinnis sein Blogbeitrag zur 9. eLearning Didaktik Fachtagung in Linz/Österreich ein und verschafft mir Zugang zu den für mich interessanten Vortragsunterlagen. Ein erster schneller Blick, Informationen vom Stand eines anderen, ein Like und weiter mit meinem eigenen Thema. Community-Effekte.

Ich werde das Thema Communities zum momentanen Zeitpunkt nicht vertiefen, alle Einzelinformationen zusammen geben mir jetzt jedoch eine Basis um ein wenig anders hinzuschauen und der Selbstverständlichkeit, die Communities für mich haben, eine Zuordnung im Feld von Lehren und Lernen zu verschaffen. Bleibt genug Zeit, könnte ich zu Communities eine Visualisierung erstellen. Sinnvoll wäre das.

Interessant ist dabei, dass im Teaching-for-Learning-MOOC Communities ausschließlich im Rahmen von Schule betrachtet werden und dort keine Ausdifferenzierung der verschiedenen Formen nach Präsenz und E-Learning erfolgt. In meinem Studienbrief ist das anders. Communities als Interessensgemeinschaften werden genereller beschrieben und beide Formen finden Beachtung, Präsenz und Online. Auch Dewey und der Konstruktivismus tauchen erneut auf und damit mein Bedauern Deweys Demokratie und Erziehung immer noch nicht durchgearbeitet zu haben. Die Erstellung von Communities an Schulen wie im  Teaching-for-Learning- MOOC verwendet, wird allerdings nicht explizit thematisiert, auch wenn sie für den schulischen Bereich von hohem Interesse scheint.

Die Verwendung im Bereich Schule ist für mich allerdings eine gute Ergänzung, vor allem die  aufgezeigte Möglichkeit durch lernende Gemeinschaften Verbesserungen an Schulen zu erreichen. Automatisch verbinde ich die Informationen mit den Erfahrungen und Wahrnehmungen in meinem Umfeld. Dabei stoße ich erneut auf die Problematik der vernachlässigten Position in der sich die Betreuungen an den betreuten Grundschulen unseres Landkreise in der Regel befinden. Zusammenarbeit findet unter Lehrern statt, auch über Schulen hinweg, Betreuungen sind in der Regel nicht gleichberechtigt in die Gestaltung des Nachmittags eingebunden, und die Kommunikation unter den Betreuungen selbst ist schwierig und häufig auf die ein bis zwei jährlichen Fortbildungstermine beschränkt. Betreuungskräfte arbeiten oft voneinander als auch von der Schule isoliert. Partizipation an Schulangelegenheiten ist häufig nicht gegeben.

Als ich in diesem Jahr am MOOC „Meine Schule transformieren-ein Reiseführer“ teilnahm, wurde mir im Verlauf der ersten Wochen klar, dass ich als Betreuende an einer als offene Ganztagsgrundschule sich entwickelnde Schule gar nicht zur Zielgruppe gehöre, sondern die Zielgruppe letztlich Lehrer sind. Von den im MOOC Teaching for Learning dargestellten positiven Auswirkungen von Zusammenarbeit, Austausch, gegenseitiger Hilfe und gemeinsamem Lernen profitieren wir nicht. Wir bleiben unberücksichtigt außen vor, auch wenn wir tägliche Bezugspersonen für die Kinder an der Schule sind. Ich bin mit dieser Situation seit Jahren konfrontiert und weiß, dass wir wenig daran ändern können, wenn nicht von Seiten der Schulleitung und der Lehrer die Betreuung als gleichberechtigter Bestandteil der Schule eingestuft wird. Ansonsten bleiben wir im schulischen Gefüge Hilfskräfte, Handlanger und die Aufbewahrstätte der Kinder als Wartesaal auf dem Weg zwischen den bedeutungsvolleren Aktivitäten.

Soweit mein aktueller persönlicher Bezug und meine Problematik mit lernenden Gemeinschaften in der physischen Welt.

Im Netz präsentiert sich die Situation ganz anders und ich entdecke durch die Einflüsse dieser Woche die Existenz virtuelle Gemeinschaften in verschiedenster Form als Unterstützung von Lernen, die ich bereits gerne und ausgiebig nutze und sehr schätze. Damit haben die Inhalte der letzten Woche eine neue Achtsamkeit erweckt und es ist mir das erste Mal aufgefallen, dass sich Prof. de Witt von der FernUni im besonderen mit der Betreuung von Online-Communities of Inquiry beschäftigt hat. Das im Studienbrief erwähnte Paper lade ich mir in einen neuen Ordner Communities herunter und damit habe ich mir erneut zusätzliche Arbeit verschafft, aber auch die Möglichkeit mein Wissen wiederum auszudehnen. Ich hoffe es hilft auch dabei, meine kognitive Karte zum Lernen und Lehren zu entwickeln.

Das phasenverschobene Kind

Phasenverschiebung ist ein Begriff, der in der Serie Stargate-Kommando-SG-1 für einen Zustand Verwendung findet, in dem sich Menschen physisch nicht auf der normalen Existenzebene befinden und daher beispielsweise durch Wände gehen können. Sie sind dann phasenverschoben. Eigentlich stammt der Begriff aus dem Bereich Physik und Technik und so richtige Fans der Serie können ziemlich viel dazu spekulieren. Mir fiel er zu einem Kind ein, mit dem ich momentan bei meinen Betreuungsaufgaben zu tun habe.

Ich habe dieses Kind noch nicht Deutsch sprechen hören und es scheint diese Sprache auch nur begrenzt zu verstehen. Das ist nichts Neues, hatte wir schon, aber die Erfahrungen, die ich mit diesem Kind mache, sind anders als zuvor. Ich kann dem Kind nur begrenzt Anweisungen oder Erklärungen oder Kommentare zukommen lassen. In der Vergangenheit habe ich es bei Kindern in einer solchen Situation eher erlebt, dass sie dann erst einmal vorsichtig beobachten wie sich die anderen verhalten und dann mehr oder weniger daran anpassen. So ist das bei diesem Kind aber nicht.

Wir können regenbogenfarbige Gymnastikbänder zum freien Spielen zur Verfügung stellen und während bei uns bisher kein Kind die übliche Funktion dieser Bänder kannte, treffe ich hier auf ein Kind, das sie genau so einsetzen kann wie sie bei rhythmischer Sportgymnastik oder im Zirkus verwendet werden. Auf dem Balancierbalken des Schulhofs absolviert das Kind eine Kür. Für sich allein und sehr zufrieden wirkend. Ich glaube außer mir hat niemand gesehen was sie getan hat. Ich war fasziniert.

Das mit der „Phasenverschiebung“ kam aber erst später. Dieses Mal hatten wir mit Serviettentechnik Käseschachteln beklebt. Normalerweise führe ich vor, erkläre, unterstütze – alles verbal basiert. Tipps, Tricks, Hinweise, Lenkung – alles verbal. Dieses Kind machte auch mit. Erklären funktionierte allerdings nicht – also Vorführen und Eingreifen. Der Tisch saß aber voll. Und dieses Kind war auch kein Stück unsicher und hilfesuchend. Es beklebte seine Schachtel – nach seinen eigenen Vorstellungen wie so etwas wohl geht.

Und jetzt kommt die Sache mit der Phase. Seine Strategien waren ganz anders als bei den anderen Kindern und anders als ich sie gewohnt bin. Irgendwann habe ich aufgehört zu versuchen Tipps oder Unterstützung zu geben, die von den anderen Kindern gewünscht und nachgefragt werden, einschließlich des immer wiederkehrenden „ich kann das nicht, mach du das“ (mache ich meistens nicht). Das Produkt war interessant. Es entsprach nicht der optimalen Verwendung der Technik, ein Teil der Lösung des Kindes hatte einen weniger guten Effekt als der übliche Weg, ein anderer Teil war aber eine interessante, faszinierende Neuerung. Ich hatte den Eindruck es war gerade dadurch möglich, dass ich diese Kind nicht verbal erreichen und dadurch lenken oder verunsichern konnte.

Zum Schluss konnte ich dann doch noch helfen, da das Kind den Deckel sofort auf die Schachtel gesetzt hatte, wodurch sich das aufgeklebte Papier verschiebt. Ich zeigte dem Kind das Problem, es verstand sofort und wusste auch gleich wie es das Ganze geschickt korrigieren konnte.

Noch einmal: warum kam mir der Begriff Phasenverschiebung in den Sinn und was war daran für mich faszinierend und wichtig genug später noch länger darüber nachzudenken?

Es war die Selbstverständlichkeit und der Erfolg des anderen Wegs, der anderen Strategie, und die Bereicherung dadurch. Da war ein anderes Leben innerhalb des Üblichen, Gewohnten. Ein Mensch mit einem offensichtlich anderen Hintergrund, anderem Wissen und anderer Befähigung. Dadurch fiel mir auch auf, wie sehr die anderen Kinder von den gleichen Hintergründen, dem gleichen Erfahrungsraum, den gleichen Erziehungseinrichtungen geprägt sind.

Inzwischen haben sich die Kinder, die in die Grundschulbetreuung kommen, bei uns zu früher gewandelt. Sie waren alle in Kindertagesstätten, die bis in den Nachmittag hinein geöffnet sind. Die Kinder sind lange Tage und ständigen Aufenthalt in Kindergruppen an einem weitgehend festen Ort gewohnt. Sie werden gemeinsam sozialisiert. Wenn sie aus ähnlichen Institutionen kommen, haben sie Umgangsformen und Herangehensweisen, die sehr ähnlich sind. Und diese Art wie die Kinder sind erscheint dann auch als normal. Der Unterschied war aber nicht nur, dass das neue Kind die gemeinsame Sprache nicht spricht. Der Unterschied besteht auch darin, dass dieses Kind eine andere, gelungene Sozialisation erfahren hat, die ihm einen anderen Möglichkeitenraum eröffnet.

Ich muss dabei auch an das Video über Ándre Stern denken. Ich halte sein Beispiel für nur begrenzt geeignet, um Homeschooling oder keine Beschulung zu begründen, da seine Eltern auf Grund ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit über Kenntnisse verfügt haben, die sich für diese Form der Kinderbegleitung als Erziehungskonzept geeignet haben. (Vater hat das Malspiel entwickelt, Mutter war ausgebildete Lehrerin). Gemeinsam ist beiden aber, dass sie zeigen, dass andere Konzepte für Erziehung und Bildung zu anderen Menschen mit anderen Befähigungen und Selbstverständlichkeiten führen.

Das Kind in unserer Betreuungsgruppe hat mir das eindringlich vor Augen geführt. Weil es über andere Konzepte verfügt, weil es mit Dingen anders umgehen kann und weil es auf einem anderen Weg genauso erfolgreich wie andere sein kann oder sogar noch erfolgreicher. Wäre der Erfolg und die Schönheit des Weges nicht gewesen und das Kind nur störend anders, niemals wäre mir bewusst geworden, dass die Kinder mit denen ich zu tun habe sich im Rahmen von Normalitätsvorstellungen bewegen, die durch Erziehung erzeugt wurden. Das phasenverschobene Kind, das einfach sein gewohntes Leben vergnügt in unserer Phase weiter geführt hat, hat mich eine Menge gelehrt.

Gut, dass ich es nicht durch meine verbalen Kommentare verunsichern konnte.

Erstellung und Durchführung eines kreativen jahreszeitlichen Angebots im Rahmen der Grundschulbetreuung

Anforderungssituation: Grundschulbetreuung, Kinder des ersten und zweiten Schuljahrs, Grundausstattung an Bastelmaterial vorhanden, Anzahl der möglichen teilnehmenden Kinder unbekannt, Ausrichtung an Interesse (Kinder dürfen, aber müssen nicht teilnehmen), die Arbeit muss jederzeit unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden können (Kinder werden von Eltern abgeholt, müssen zum Essen, zu den Hausaufgaben oder zu AGs), es sollen keine Kosten entstehen, die Arbeit soll die Kreativität und die individuelle Entfaltung fördern, die entstehenden Produkte sollen Unterschiedlichkeit ermöglichen, um Vergleich und Konkurrenz zu erschweren.

Idee: Blätterkunst, weitere Fotos stehen online zur Verfügung, es werden aber einige eigene Beispiele erstellt, die einerseits für die Kinder unmittelbar greif- und sichtbar sind, andererseits um auf auftauchende Probleme bei dem benötigtem Material oder der Verarbeitung vorbereitet zu sein. BlätterkunstDer Test schließt einen Versuch zum Laminieren ein, was aber nicht von vornherein angeboten, sondern nur bei besonderer Nachfrage an einem anderen Tag nach Trocknung der Blätter durchgeführt werden kann.

Vorbereitung: Alle benötigten Materialien wie Kleber, farbiges Papier, Stifte, Scheren, Papier, um darauf die Blätter mit Kleber zu bestreichen, werden zusammengestellt. Dann erfolgt ein Rundgang mit interessierten Kindern in der Umgebung um verschiedene Blätter zu sammeln. Dabei kann ergänzend ein Pflanzenbestimmbuch mitgeführt werden.

Durchführung: Alle Materialien sind nun auf einem Tisch mit Stühlen verfügbar. Die Kinder werden aber nicht zur Teilnahme aufgefordert, sondern die Betreuerin wartet bis Kinder von selbst Interesse zeigen. Ggf. beginnt sie selbst ein Bild zu erstellen. Erst bei erkennbarem Interesse werden sie zur Teilnahme eingeladen. Der Einstieg ist jederzeit möglich und abhängig vom verfügbaren Platzangebot.

Auftauchende Problematiken: Kinder versuchen die Beispiele so genau wie möglich zu kopieren und wünschen sich Vorzeichnungen. Der Hinweis auf Bleistiftvorzeichnungen, die radiert werden können, kann dabei helfen. Ebenso dass die Betreuerin selbst Abwandlungen der Bilder vor den Augen der Kinder anfertigt. Die Kinder können mit Kopien, gerade von den einfachen Formen beginnen, um nach den ersten Erfahrungen die Methode eigenständig für eigene Ideen zu benutzen.

Verwendung der Produkte: Die Kinder können die Bilder mit nach Hause nehmen, aber eigentlich sollen sie dazu animiert werden freiwillig Bilder zur Wanddekoration zur Verfügung zu stellen. Um das zu unterstützen, verwendet die Betreuerin eigene Bilder als Vorbild zur Dekoration.

Zielerreichung:  Das Ziel der Aktion ist erreicht, wenn die Kinder selbstständig Bilder erstellen und neue Formen und Ideen dabei entwickeln, oder auch eigenständig weitere Blätter sammeln wollen. Dabei sollten sehr unterschiedliche Bilder, Hintergrundfarben, Formate, Motive entstehen, die die einzelnen Kinder begeistern, motivieren und auch bei bisherig nicht interessierte Kinder Interesse wecken.

Hüter des Lichts, rassistisches Wissen und kulturelle Dominanz

„Hüter des Lichts“ oder im Original „Rise of the Guardians“ ist der Titel eines Animationsfilmes, den ich am letzten Schultag mit Kindern der Grundschulbetreuung angeschaut habe. Ich hatte den Film zuvor gesehen und ihn inhaltlich als angemessen empfunden, da er einerseits sehr schöne Bilder enthält, andererseits eine durchgehend positive Botschaft vermittelt. Kathegorie: modernes Märchen. Mit Emotionen, Bedrohung, Kampf, Gemeinschaft und dem Sieg des Guten. Etwas bedenklich fand ich im schulischen Begleitrahmen die Kampfszenen, das ist mir allerdings erst in der konkreten Situation mit den Kindern aufgefallen. Als ich allein mit dem Film konfrontiert war, ergaben sie sich logisch aus der Handlung.  Bei Recherchen fand ich im Nachhinein wiederum heraus, dass der Film von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat wertvoll erhalten hat, und ich denke inzwischen, im schulischen Begleitrahmen Betreuung ist ein solcher Film vertretbar.

Im Zusammenhang mit meiner Beschäftigung mit der Produktion rassistischen Wissens wache ich allerdings am nächsten Morgen mit neuen Erkenntnissen auf. Auch dieser Film ist daran beteiligt rassistisches Wissen zu reproduzieren und zu unterstützen. Wie er das macht? Zwei Sachen sind mir aufgefallen.

  • Der Film erzeugt die Vorstellung, dass die aus dem europäisch-nordamerikanischen Kulturraum stammenden Vorstellungen von Weihnachtsmann, Osterhase und Zahnfee global vorhanden und wichtig sind. Im Film agieren diese Figuren anscheinend in gleichem Maß weltweit. Damit wird die Dominanz einer spezifischen Kultur über den gesamten Globus behauptet.
  • Der Film verteilt dabei zwar die verschiedenen Rollen auf verschiedene Typen, die u.a. an bestimmte Länder erinnern. Der Weihnachtsmann hat einen russischen Akzent, der Osterhase legt durch den Kontrast zum Weihnachtsmann und durch sein Auftreten einen Bezug zur USA nahe, die Zahnfee übernimmt den Part die weibliche Seite zu repräsentieren. Der schwarze Mann ist zum Glück, zumindest für mich, nicht in besonderer Weise ethnisch markiert, sondern symbolisiert vor allem die Bedrohung durch die Finsternis. Aber die Hauptfigur Jack Frost (ein Wintergeist) hat einen eindeutig Bezug zu: nordamerikanisch, weiß und männlich. Genauso die Hauptfigur auf der Seite der Menschen, Jamie: nordamerikanisch, weiß und männlich. Beide sind je auf ihrer Seite die Retter. Jamie wird zu dem letzten Kind, das noch glaubt, und Jack Frost ist derjenige, der diesen Glauben am Leben erhält als er zu erlöschen droht. Die Kindergruppe um Jamie ist zwar leicht gemischt, es gibt ein ganz dickes Mädchen, es gibt einen schwarzen Jungen, aber durch die Wahl von Jamie als Hauptfigur wird in Kombination mit Jack Frost eine eindeutige Dominanz betont. Jamie und Jack Frost sind die Figuren mit denen primär eine Identifikation erfolgen soll.

Es gibt viele weitere Themen, die in diesem Film untersucht werden können. Das was mir mit meinem durch das Thema Rassismus beeinflussten Blick aufgefallen ist, sticht auch nur dann hervor wenn man darauf achtet. Dennoch wird diese Information zusammen mit allen anderen an die Betrachter weitergegeben, aufgenommen und dem Gesamtvorstellungsbild von der Welt zugefügt. Aus solchen Quellen werden die bereits vorhandenen Vorstellung einer bestimmten Weltordnung unterstützt. Und in dieser Weltvorstellung sind die Hauptfiguren eben weiß, männlich und nordamerikanisch.

Gerade in diesem Film hatte ich das allerdings nicht vermutet, da seine Figuren insgesamt auf den ersten Blick sehr vielfältig wirken. Erst der Blick auf die Rolle, die sie im Ganzen jeweils spielen, gibt Auskunft über die versteckte Wertung. Und das sogar dann wenn beide, Jamie als auch Jack Frost, eigentlich Figuren darstellen die schwach (Jamie) oder Außenseiter (Jack Frost) sind. Es liegt im Detail ihrer Zugehörigkeit zu der größeren Gruppe. Weiße Dominanz wertet hier ihre Schwachen und Außenseiter auf!

Und nein, es ist keine Haarspalterei. Es ist genau der Weg auf dem Weltvorstellungen unter die Menschen kommen und auch in modernisierten Formen weiterwirken.

Daher: Augen auf! Wer bleibt letztlich dominierend?