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Nachtrag zum Pythonkurs auf HPI

Heute bekam ich die Benachrichtigung, dass ich mein Zeugnis für die Teilnahme am Kurs herunterladen kann, und nehme das als Anlass noch letzte Bemerkungen nachzuschicken.

Es wurde in der Zwischenzeit eine unsortierte Sammlung von Links der Teilnehmer zu weitergehenden Informationen oder interessanten Seiten zur Verfügung gestellt. Eine sehr gute Sache, allerdings wäre es sinnvoll wenn jemand diese Liste sortieren könnte und auch sichtbar macht, welche Links sehr veraltete Materialien enthalten. Es könnte gerade Anfängern die Suche erleichtern, denn diese Liste ist ausgesprochen lang und weitgehend unkommentiert. Auch an einer solchen Stelle kann sich eine Gelegenheit für interessierte Freiwillige finden, die über einen Informationsvorsprung oder Wissensvorsprung verfügen. 🙂

Im Nachhinein bedauere ich meine Aufregung über den Kurs und meine kritischen Äußerungen nicht. Ich bin nach wie vor der Ansicht dass man gerade für Anfänger in diesem Bereich die Hürden klein halten sollte. Ohne auf Details eingehen zu können, kann ich rückblickend auf meine Programmierkurse sagen, dass ich in den englischsprachigen Kursen mehr Zusatzinformationen bekommen habe und die Aufgaben meist auch leichter nachvollziehen konnte. Allerdings waren diese Kurse auch alle länger. Ich habe im Vergleich auch entdeckt, dass einiger meiner Probleme nicht auf die Sprache zurückzuführen sind (Englisch statt Deutsch), sondern auf die Art der Vermittlung, bei der ich wiederum in allen Kursen Gemeinsamkeiten ausmachen konnte.

Sehr gut gefallen hat mir die Verwendung der Turtle-Grafik. Sie ähnelt sehr den Möglichkeiten sehr direkt sehen zu können was man tut, auch wenn man etwas ändert. Etwas das mich bei der grafischen Ausrichtung der Programmiersprache Processing schon begeistert hat.

Der Kurs steht inzwischen self-paced zur Verfügung, es ist keine Fortsetzung geplant, aber eine Neuauflage zum Ende des Jahres in der „ferienfreien“ Zeit, ein Begriff unter dem ich mir nichts konkretes vorstellen kann und der mich erneut an die Problematik der zum Teil nur schwer nachvollziehbaren Beschreibungen der Programmieraufgaben erinnert. Ich habe den Eindruck, dass es hier unter Fachleuten Sprachgepflogenheiten gibt, die Anfängern den Einstieg nicht erleichtern.

Selbstverständlich gebührt den Anbietenden großer Dank und Respekt für ihre Arbeitsleistung, aber Verbesserungen sind eben möglich. Wenn ich auf meine Erfahrungen zurückblicke, so gehe ich aber davon aus dass Anregungen aufgenommen werden und vielleicht werden auch diejenigen Erwähnung finden, die durch ihre Teilnahme Anregungen geliefert haben. Und vielleicht werde ich für die Zukunft einmal andere Möglichkeiten überlegen, als nur auf meinem Blog vor mich hin zu reflektieren. Das ist aber ein neues Thema.

Ich freue mich auf gute Programmierkurse für Einsteiger in der Zukunft!

Ende des Pythoneinführungskurses für Schüler bei HPI

Ich habe jetzt die letzte ausstehende Aufgabe gelöst und damit auf meiner Fortschrittsseite 100% bei allen Rubriken erreicht. Zum Schluss hatte ich noch ein für mich positives Erlebnis, da ich die letzte Aufgabe mit einer Methode lösen konnte, die in einem Kurs zur Spieleprogrammierung mit Python vorgeführt wurde. Es sollte ein einfaches Zahlenrateprogramm erstellt werden, in dem ich mich aber verrannt hatte. Die Lösung bestand darin in einer Mischung aus Pythonschreibweise, mathematischer Darstellung und ganz normalen Worten systematisch aufzuschreiben was ich tue, wenn ich selber auf ein Zahlenratespiel antworte. Dann musste ich die erkannte Struktur nur noch in Code umschreiben und das Programm funktionierte wie gewünscht. Einer der Punkte an denen ich gemerkt habe, was für interessante Dinge ich in meinen bisherigen Programmierkursen gelernt hatte!

Allerdings wurde es vom Bewertungssystem als falsch zurückgewiesen, da ich zwei Kennzahlen untereinander ausgetauscht hatte. Dieses Mal reagierte ich mit Gleichgültigkeit darauf, passte meinen Code an die geforderte Form an, kreuzte alle Zeile aus über den gemeckert werden würde und erhielt meine Punkte.

Ich weiß nicht wohin mich mein Weg der Programmiererfahrungen geführt hätte, hätte ich als erstes diesen Kurs belegt um Programmierung kennenzulernen.  Auf der Basis meines bisherigen Hintergrundes würde ich ihn nicht für einsame Selbstlerner ohne Vorkenntnisse empfehlen. Persönlich habe ich durch den Kurs das Bedürfnis nach einem gut gestalteten Lehrbuch mit Beispielen und Register zum Nachschlagen bei Bedarf entwickelt, aber für Einsteiger wünsche ich mir einfach bessere Kurse. Und damit meine ich umfassendere Erläuterungen, mehr Beispiele, mehr Erläuterung von Funktionsweisen, mehr Anpassung an die Vorstellungswelten von denjenigen, die vorher gar nichts wissen, mehr kleinschrittige Übungsaufgaben mit Lösungen, mehr Anregung zum Ausprobieren und Teilen, unterschiedliche Vermittlungsmethoden.

Gut finde ich, dass die für die Übungsaufgaben erstellten Programme als zip-Dateien heruntergeladen, gespeichert und und mit Python geöffnet werden können. Gut finde ich die Videos. Gut finde ich es auch die Turtle-Grafik kennen gelernt zu haben. Alles kann weiterhin genutzt werden, aber es bedeutet für den einsamen Selbstlerner vor allem sich selbst zu unterrichten. Während der Zeit des laufenden MOOCs teilzunehmen bedeutet eine Bescheinigung erhalten zu können und auf Fragen möglicherweise schneller eine Antwort zu bekommen. Aber auch Fragen muss man erst einmal richtig formulieren können. Ansonsten muss man eben sehen wie man selbst zurecht kommt.

Meine Motivation mich mit Programmiersprachen weiter zu beschäftigen wurde gestärkt, allerdings eher weil ich den Kurs unzureichend fand. Ich fühle mich mehr alleingelassen als zuvor und der entstandene Eindruck ist, dass es allein bei mir liegt durch intensive Beschäftigung herauszufinden was ich wissen will, als dass irgendjemand daran interessiert ist mir Programmierung zu vermitteln, weil das als wichtiges Kulturgut für alle begriffen wird.

Gespannt bin ich jetzt noch darauf, wie die erstellten Zeugnisse aussehen werden und ob ich mir die Zeit nehme weiter zu üben. Und da war doch auch noch meine Faszination für die Computersprache Processing und die beiden Bücher mit Beispielen zur Erstellung von Computergenerierter Kunst, die auf meinen Stapeln warten…

WS 14/15 – meine gefühlt vierte Woche

Ich wache voller Wut auf. Das ist das Ergebnis meiner nächtlichen Verarbeitungsprozesse zur wöchentlichen Halbzeit. Gestern habe ich wohlgemut mit den Lectures und Programmieraufgaben der letzten, der vierten Woche des HPI Kurses Spielend Programmieren Lernen begonnen und dabei es ist das erste Mal passiert, dass ich eine Aufgabe erst einmal abgebrochen habe, weil ich nicht in der Lage bin sie allein auf der Basis der Lectures zu lösen. Dabei geht es um ein Konzept, das ich noch nicht aus vorherigen Pythonkursen kenne und das ich einfach nicht nachvollziehen kann, weil es dafür nirgendwo Erklärungen gibt. Wie soll ich aber eine Funktion eigenständig verwenden, wenn ich nicht verstehe wie sie arbeitet?

Den Ausschlag für meinen Unmut gibt dann allerdings eine Aufgabe die ich lösen kann, deren Einsendung aber wegen der Zeichensetzung in den Antworteingaben als fehlerhaft markiert wird. Alles nur weil da steht: „Verwende als mögliche Antworten Deines Programms…“ und dann folgen die möglichen Antworten. Ich denke mir, mögliche Antworten bedeutet, dass sie auch anders formuliert sein können, es stellt sich aber heraus, dass hier die einzig möglichen Antworten gemeint sind. Die automatisch generierte Antwort auf mein funktionierendes Programm lautet dann:

Dein Programm ist leider falsch: Wenn 1 geraten wurde, soll die Ausgabe „Zu klein“ lauten. Dein Programm schreibt aber Zu klein.

Ich schaue mit großen Augen darauf und verstehe zuerst nichts. Die Anführungszeichen sind nicht gemeint und erst nach einer Weile wird mir klar, dass ich meinen Satz „Zu klein“ ordentlich mit einem Punkt beendet habe. Das wird von der Software nicht akzeptiert. Ich nutze meinen Telefonjoker um mich darüber aufzuregen und bekomme die Sachlage vernünftig erklärt.

Inzwischen bin ich aber empfindlich geworden. Es gibt didaktisch hervorragend gestaltete Kurse. So etwas geht. Den parallel belegten MOOC Teaching for Learning 7 empfinde ich so und darin wurde diese Woche dann auch noch zeitgleich vermittelt, dass Schüler gut lernen können, wenn sie sorgfältig und nachvollziehbar erklärt bekommen, was sie eigentlich tun sollen. Und auch der Studienbrief aus dem Modul 3B des BiWi-Studiums der FernUni, den ich ebenfalls parallel bearbeite, ist entsprechend aufgebaut. Er erläutert ganz genau was er tut, wie er aufgebaut ist, was er thematisiert, wo seine Grenzen liegen und wo weitere Informationen zu erhalten sind. Der Studienbrief ist ein zum Selbststudium geeignetes Lehrbuch. Und ich sitze jetzt hier in diesem Programmierdesaster und muss auch noch den Dank eines 62jährigen für den hervorragend gestalteten Kurs lesen. Zum Glück finde ich aber auch Stimmen mit denen ich mich weit besser identifizieren kann und die mir nicht als Hohn erscheinen.

Ich habe den Ehrgeiz alle Aufgaben fristgerecht zu lösen und das werde ich auch versuchen. Dazu werden aber die im Kurs zur Verfügung stehenden Materialien nicht ausreichen. Inzwischen stehen für die ersten zwei Wochen Musterlösungen zur Verfügung und darin  finden sich ohne Erläuterung die Kürzel „&lt;“ und „&gt; „. Ich bin ihnen bisher nur in den Foren hier begegnet, erläutert wurden sie mir noch nirgends und erst in einem Hilfeforum irgendwo im Netz finde ich eine Beschreibung dafür. Sie stehen für die Symbole <(less than) und >(greater than). Ist es selbstverständlich so etwas zu wissen? Muss ich so etwas bereits wissen? Muss ich wegen so etwas nachfragen? Dieses Beispiel ist für mich symptomatisch für mein Erleben dieses Kurses. Es werden Dinge vorausgesetzt, die in meinen Augen nicht einfach vorausgesetzt werden können, die das Verständnis nicht fördern und zusätzliche Recherchen notwendig machen, wodurch sich der Zeitaufwand erhöht.

Immer auf die harte Tour. Warum? Schülerstimmen, die ich lese, scheinen es zu akzeptieren, dass sie sich irgendwie durch Trial and Error und Nachfragen durchwurschteln müssen. Warum? Nur die Harten kommen in den Garten? Je größer die Herausforderung desto größer der Lohn? Erkundendes Lernen? Ich bleibe dabei, erst einmal mit Wut weiter zu machen. Ich habe mein ganzes BiWi-Studium auf Grund von Wut begonnen. Hier ist für mich etwas ganz und gar nicht in Ordnung und ich finde nicht, dass ich Schuld daran trage. Ich bin nicht zu blöd, ich habe genug Voraussetzungen, ich habe mich genug bemüht – warum also bleibt der Stoff in einigen Teilen so unverständlich, so wenig nachvollziehbar?

In diesem Augenblick verbinden sich meine BiWi-Inhalte erneut mit dem was ich selber erfahre und meine Motivation für das Verstehen des E-learning Anteils des Studiums steigt. Eine seltsame Art die eigene Motivation zu erhöhen…

Nachtrag: Inzwischen gibt es ein von Teilnehmern erstelltes Glossar als piratepad mit Befehlen und anderen nützlichen Informationen zum Nachschlagen, mir fehlen noch vier Aufgaben, davon drei der letzten Schwierigkeitsstufe der letzten Woche und inzwischen kann ich meine Aufgaben nicht mehr testen, da möglicherweise die Server nach 7.30Uhr überlastet sind.  Dafür ist meine Wut aber weniger geworden und irgendwo tauchte die Bemerkung auf, dass wir möglicherweise doch die Beta-Tester sind. Es ist immer schön sich nicht allein zu fühlen und Überschriften lesen zu können wie: „Aufgabe 4.4.3 seit 10 Stunden und immer noch keine Lösung in Sicht // Verzweiflung“. Geteiltes Leid ist eben doch immer wieder halbes Leid!

Und jetzt habe ich auch noch eine Aufgabe, die nicht richtig funktioniert als richtig markiert bekommen… Verzweiflung nimm mich in die Arme!

Und irgendwie macht es dann doch wieder Spaß…

Einführung in die Programmierung mit Python bei HPI, Ende der dritten Woche

Mein gesamter Arbeitsaufwand für den Kurs betrug diese Woche etwa 12 Stunden und ich habe am Ende auf der Fortschrittsanzeige überall 100% erreicht. Ich bin allerdings frustriert.

Einerseits ist mir zu viel unklar geblieben, zu häufig musste ich bei der Lösung der Aufgaben auf Ausprobieren und Unterstützung der Foren setzen, bei der letzten Aufgabe sogar meinen Telefonjoker einsetzen, um meinem Fehler auf die Spur zu kommen, statt dass ich zu einer ausreichenden Grundlage von Einsicht und Verständnis gekommen war. Vor allem aber bin ich vom Kursdesign enttäuscht. Für mich selbst ist es jetzt klar, dass die Verständnisprobleme nichts mit der verwendeten natürlichen Sprache zu tun haben. Gleich ob Englisch oder Deutsch, die Probleme auf die ich in Programmierkursen getroffen bin sind zu ähnlich.

Bei den Foreneinträgen fand sich der Beitrag einer Person, die sich als Schüler der achten Klasse bezeichnete und genau das was ich auch dachte formulierte. Der Schwierigkeitsgrad des Kurses steigt von der zweiten Woche zur dritten und dort von der ersten Übungsaufgabe zur zweiten zu schnell an. Das Material der Lectures reicht für einen sanften Anschluss nicht aus und Anfängern wird der Weg nicht leicht gemacht. Dieser Schüler äußerte, dass ihn der Kurs bei hoher Anfangsmotivation demotiviert hat. Er hat Programmieren nicht als eine erfreuliche Tätigkeit erfahren, die er gerne fortsetzen möchte.

Und das ist der Punkt an dem mich der Kurs vor allem frustriert. Ich möchte für Programmieren keine Kurse, die Anfänger nachhaltig abschrecken, ich möchte Kurse, die Anfänger motivieren und ihnen den Weg erleichtern.

Ich vermute die Problematik dahinter, dass sich die Unterrichtenden nicht in die Lage der Anfänger hineinversetzen können. Was für sie klar erkennbar ist, bleibt Anfängern ein Rätsel. Hätte ich kein Vorwissen gehabt, ich hätte die Gesamtheit der Übungsaufgaben nicht in einem vertretbaren Zeitrahmen lösen könne. Auch wenn die Lösungen, einmal gefunden, dann letztlich sehr simpel wirkten. Gut, für ein Bestehen des Kurses ist es nicht notwendig alle Aufgaben zu machen. Einen bestimmten Anteil zu schaffen reicht. Eine Quelle für Frustration kann das dennoch sein.

Ich kann mir den Kurs in Zusammenhang mit Präsenzunterricht vorstellen. Begleitet von einem Lehrer oder Tutor, aufgepolstert mit zusätzlichen Informationen und Übungen die Zwischenschritte darstellen, mit der Möglichkeit sich Aufgabenstellungen anders erläutern zu lassen, just-in-time Informationen, wenn sie benötigt werden. Möglichkeiten, die auch an Präsenzunis zu finden sind. Die Personen, die allein online lernen, bleiben benachteiligt. Ich muss an den Matthäus-Effekt denken. Ja, wir können teilhaben, besser als gar nichts, aber diejenigen, die bereits mit der wenigsten Unterstützung im Rücken starten, bleiben diejenigen, die bei ihren Problemen auch die wenigste Unterstützung haben.

Bei meinen ersten Kursen hat die Begeisterung darüber überhaupt Zugang zu Unterricht und Informationen zu haben überwogen. Inzwischen stelle ich aber andere Fragen. Die Forenbeiträge waren ähnlich schwer verständlich wie bei englischsprachigen Kursen. Manche Teilnehmer können gut erläutern, viele aber eben nicht. Viele Beiträge beziehen sich auch auf andere Probleme als bei einem selbst auftreten, Lösungsansätze sind sehr unterschiedlich und können häufig kaum verglichen werden. Bei den englischsprachigen Kursen wurde funktionierender Code sehr schnell gelöscht, bei diesem Kurs sind die Regeln entweder weniger streng oder die Foren geringer überwacht. Aber auch eingestellter funktionierender Code muss nicht bei den eigenen Überlegungen weiterhelfen und erfordert häufig schon beträchtliches Vorwissen.

Kurz, der Verweis bei Unklarheiten die Foren zu nutzen greift in meinen Augen zu kurz, auch wenn ich diese Woche froh war das Material erst am Ende des Zeitraums bearbeitet zu haben, als sich schon viele Beiträge zum Nachlesen in den Foren fanden. Die Ansätze und Probleme der anderen haben mir geholfen in die richtige Richtung zu denken. Aber letztlich ergibt sich diese Notwendigkeit erst aus der Art des Kursdesigns.

Ich hätte mir mehr überleitende Übungsaufgaben gewünscht. Bei einem Spieleprogrammierkurs an dem ich teilgenommen habe, gab es dafür beispielsweise einen optionalen Bereich. Oder ein Wiki zum erweiternden Nachlesen, abgestimmt auf den Kurs. Und diese Woche eine Ausdehnung des Materials über einen längeren Zeitraum. Der Arbeitsaufwand ist von Woche zu Woche gestiegen. Für jeden, der den Kurs in einen schon vollen Zeitplan packen will, ein Problem. Also auch für vielbeschäftigte Schüler. Ich persönlich hatte diese Woche nicht mit dem Zeitaufwand gerechnet, der dann notwendig wurde, und letztlich habe ich meinen ganzen Sonntag mit dem Kurs verbracht. Bei meiner Lebensführung konnte ich anderes dafür zwar liegen lassen, so flexibel ist aber nicht jeder und jede. Die Aufgaben sind in der Zeit zwischen Montag 8.00 Uhr und dem nächsten Montag 22.00 Uhr zu lösen, also ein relativ enger Rahmen. Wird es in einer Woche eng mit der frei verfügbaren Zeit, kann eine fristgerechte Einsendung zum Problem werden. Auch wenn es nicht notwendig ist alle Aufgaben einzusenden, bleibt dennoch das Gefühl es nicht geschafft zu haben, nicht genug gelernt zu haben.

Es gibt Schwierigkeiten, die helfen beim Lernen. Hier finden sich Schwierigkeiten, die es erschweren, und das Potential von Demotivation haben. So sollte E-Learning nicht sein. Das ist weder für das Format noch für den Inhalt förderlich. Und es ist auch nicht förderlich für eine Demokratisierung des Zugangs zu Wissen.

Für mich persönlich ist es das zweite Mal, dass ich Personen mit geringen Kenntnissen von MOOCs einen Kurs empfohlen habe und diese Empfehlung im Nachhinein bedauere. Ich befürchte sie sind jetzt so abgeschreckt, dass sie dieses Format nicht so schnell wieder testen werden. Dadurch wiederum werde ich vorsichtiger mit meinen Empfehlungen. Außerdem werde ich erneut erinnert, in einer welch einer benachteiligten Situation sich Personen befinden, die sich ihre Bildungsmöglichkeiten selbst zusammenstückeln müssen. Am Ende dieser Woche bleibe ich mit einem schalen Gefühl zurück.

Programmieren mit Python bei HPI, 2.Woche

Für die zweite Woche muss ich meine Meinung zum Kurs abändern bzw. erweitern. Einige Aufgaben haben mich inzwischen vor Probleme gestellt. Dafür scheint aber ein Phänomen verantwortlich, das mir schon bei vorigen Onlinekursen bzw. MOOCs zu dem Thema Programmieren aufgefallen ist. Nicht selten werden einfache Dinge ausführlich erklärt, dann aber darauf aufbauend komplizierte Aufgaben gestellt (oder vielleicht auch nur komplizierte Verbalisierungen gewählt). In zwei von 12 Fällen bin ich auf solche Aufgaben gestoßen, die ich nach deren Angaben und nur auf der Basis des vermittelten Stoffes auf den geforderten Lösungswegen nicht bewältigen konnte. In diesen beiden Fällen hat mir auch die bereits in den Foren vorhandene Kommunikation nicht weiter geholfen.

Die Erläuterungen und Vorführungen von Prof. Martin von Löwis in den Videos sind übersichtlich und gut nachvollziehbar, allerdings erscheinen sie mir sehr darauf konzentriert vorzuführen wie Programme geschrieben werden, ohne allzu sehr auf grundlegende Prinzipien und Hintergründe einzugehen. Ich meine mich aus meinen vorherigen Kursen an mehr Grundlagenwissen zu erinnern. Allerdings kann ich mich da auch täuschen und das Gesamtwissen das ich mir insgesamt inzwischen erworben habe mit dem Unterricht einzelner Kurse verwechseln.

Es gibt also für mich zwei Auffälligkeiten. Einerseits der Brückenschlag zwischen unterrichtetem Stoff und Aufgabenanforderungen, andererseits ein Mangel an Kontext bei einer starke Ausrichtung auf Vorführung von Anwendung. Beides steht in einem Zusammenhang. Wenn ich nach für mich geeigneten Verbesserungsmöglichkeiten frage denke ich, ein besseres Verstehen der Prinzipien der Programmierung könnte helfen oder aber noch mehr Beispielaufgaben. Also entweder mehr Theorie oder mehr Praxis. Ich selbst würde ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Denkweise bevorzugen, um auf dieser Basis an Aufgaben herangehen zu können, statt über Beispiele einen Überblick über Lösungsstrategien zu gewinnen. Die hier beschriebene Problematik könnte auch dafür in Frage kommen, warum es manchen Personen sehr schwer zu fallen scheint Programmieren erlernen zu können.

Zu den Teilnehmern lässt sich am Rand sagen, dass es Schülerstimmen gibt die davon berichten zu dem Kurs gezwungen zu sein oder den Kurs empfohlen bekommen zu haben. In einem Fall sollte eine Klasse freiwillig teilnehmen und ein einzelner Schüler hatte den Eindruck, er sei der Einzigen aus der Klasse der das auch tat. Bei den Älteren scheinen solche Anmerkungen nicht vorzukommen. Hier ist vor allem Interesse und Freiwilligkeit auszumachen. Das könnte allerdings durchaus anders aussehen, wenn auch Erwachsene in der Situation wären zu dem Kurs trotz nicht oder gering vorhandenem Interesse verdonnert zu werden. MOOCs sind letztlich ein weites Feld von Erscheinungen und Problematiken und nur manches wird gelegentlich sichtbar.

Mein Zeitaufwand lag dieses Mal bei dreieinhalb gemütlichen Stunden, allerdings wäre es sehr empfehlenswert weiter zu üben und auch noch die geforderten Lösungswege zu den beiden Aufgaben finden. Ich habe sie zwar gelöst, aber in einem Fall nur unter Zuhilfenahme von Kenntnissen, die noch nicht Unterrichtsstoff waren, in dem anderen Fall konnte ich nur einen der beiden angegebenen Lösungswege nachvollziehen.

Python, HPI und Einführung in Computerprogrammierung

Dieser Blog hat sich als Dokumentations- und Reflexionsinstrument zu meinen Lernaktivitäten bewährt. Daraus hat sich meine momentane Motivation entwickelt über aktuelle Aktivitäten zu berichten.

Am Montag, dem 22.Sept. startete auf der HPI-Plattform ein Kurs für Programmieranfänger, gedacht vor allem für Kinder und Jugendliche, aber so gestaltet, dass er auch für ältere Anfänger geeignet ist. Kennt man sich auf der HPI-Plattform noch nicht aus, kann es etwas Zeit erfordern sich zu orientieren. Dann findet man aber einen systematischen Aufbau vor. Zwei Videos zur Einführung erklären ruhig und sachlich Aufbau und Absicht, nach ein wenig Suchen und ggf. der Hilfe der Foren findet man dann das Material zur ersten Woche. Der Kurs ist kurz, vier Wochen, eine reine Einführung eben, und vom zeitlichen Aufwand her so gestaltet, dass er auch von vielbeschäftigten Schüler nebenher absolviert werden kann. Den Arbeitsaufwand möchte ich dabei nicht schätzen, da er auch von Vorkenntnissen Und Intensivierungsinteressen abhängig ist.

Mathematische Grundkenntnisse sind notwendig, genauso wie ein mathematisches Verständnis. Die ganze Informatik hat sich als ein Teilbereich der Mathematik entwickelt. Und Programmierung wiederum gehört zum Bereich der Informatik. Programmierung ist aber auch eine Kunstform, erfordert es systematische Sprachen zu erlernen mit deren Hilfe mit dem Computer kommuniziert werden kann, sie erfordert Kreativität in der Verwendung, stellt intellektuelle Anforderungen und kann ganz einfach Spaß machen. Ich bin begeistert davon, dass englische Kinder nun die Möglichkeit haben von ihrem fünften Lebensjahr an in der Schule dort hinein zu wachsen. Als weitere Ergänzung noch ein kurzer Zeitungsartikel.

Die erste Woche bei HPI besteht aus vier Blöcken, die sich gut trennen und einzeln bearbeiten lassen (wenn man nicht so viel Zeit an einem Stück hat). Zuerst steht immer ein Lehrvideo zur Verfügung, in dem erklärt und vorgeführt wird. Dauer in der ersten Wochen zwischen etwa 4 und etwa 12 Minuten je nach behandelten Thematiken. Die Videos stehen auf der Plattform zur Verfügung, können aber auch in zwei Qualitäten heruntergeladen werden. Direkt unterhalb der Videos findet sich der Bereich Fragen und Diskussion. Die Videos selbst sind in zwei Bereiche eingeteilt. Links oben in der Ecke klein das Bild des erläuternden Professors Martin von Löwis, der Hauptbildschirm stellt die Präsentationsfläche für PPP, Python im Webbrowser und anderes dar. Alles wirkt sehr weiß und freundlich.

Die Videos behandeln in Blöcken wichtige Bereiche der Programmiersprache Python. In der ersten Woche u.a. Variablen, Module und Strings. Da ich bisher nur Unterricht zum Programmieren in englischer Sprache hatte, finde ich es sehr interessant einmal einen deutschen Sprachgebrauch zu hören. Nach jedem Video gibt es vier Verständnisfragen zum Inhalt, die nicht in die Endbewertung einfließen, für die es aber ein unmittelbares Feedback gibt. Anschließend müssen jeweils drei Programmieraufgaben gelöst werden. Diese waren in der ersten Woche vor allem Rechenaufgaben, aber auch Aufgaben zur Darstellung von Text. Möglich ist das direkt im Browser. Die Aufgaben müssen für eine Endbewertung im Verlauf der Woche bearbeitet und eingesandt werden.

Der Kurs basiert auf Python 3.4, Python selbst muss aber nicht auf dem eigenen Rechner installiert werden. Bei der angebotenen Webanwendung von Python steht der Bereich der Eingabekonsole als auch das Ausgabefeld zur Verfügung. Das geschriebene Programm kann also ganz normal auf Funktionsfähigkeit überprüft werden, bevor es eingesandt wird.

Dabei stellt sich jedoch heraus, dass ein funktionierendes Programm mit dem richtigen mathematischen Ergebnis noch lange nicht als richtig akzeptiert wird. Wie es mir schon bei anderem Unterricht in Programmierung ergangen ist, Anweisungen müssen genau gelesen werden, die Darstellungsform des Programms muss exakt den Angaben entsprechen. Mathematische Berechnungen erhalten eine andere Darstellungsform als gewohnt. Geht es darum zu üben Variablen zu verwenden, wird als richtige Lösung nur akzeptiert, wenn diese auch Verwendung gefunden haben. Andere Lösungswege bekommen ein Feedback als fehlerhaft. In den Foren finden sich Belege, dass auch andere dabei auf Probleme getroffen sind.

Meine bisherigen Kenntnisse lassen die ersten Videos und Aufgaben langweilig erscheinen, aber schon beim dritten Video hat es mich wieder gepackt und die Begeisterung fürs Programmieren ist erneut spürbar. Ich kann für alle Aufgaben die Lösungen finden, werde wie in der Vergangeheit damit konfrontiert, dass Schreibfehler und mathematische Denkfehler nicht akzeptiert werden, also Disziplin angesagt ist, und ich auch einer etwas anderen Logik folgen muss als gewohnt. Den letzten Teil der Woche, die Präsentation und Erläuterung der verwendeten Turtle-Grafik, hebe ich mir für den nächsten Tag auf. Damit kenne ich mich noch nicht aus und rechne mit einem größeren Zeitbedarf.

Neben dem Bereich Kursinhalte, in dem sich die Videos, Tests und Aufgaben befinden, gibt es die Rubriken Diskussion, Fortschritt, Neuigkeiten, Lerngruppen, Kursdetails. Die Diskussionsforen sind nach vier Tagen bei inzwischen 6036 Teilnehmern (schicker Zähler, der sich fortdauernd aktualisiert, bei den Kursdetails zu finden) übervoll. Allerdings wird hier alles aufgelistet, auch das was sich in übersichtlicherer Form unterhalb der Videos an Beiträgen und Anfragen befindet. Die Rubrik Fortschritt liefert statistische Angaben zu den eigenen Leistungen. Sehr übersichtlich, nicht gamifiziert, für mich in dieser Form ansprechend und motivierend. Auf mich hat es die Wirkung, die eine direkte Gamifizierung anstrebt, die ich aber häufig als deplatziert empfinde: Ich möchte meine Anzeigeleisten voll bekommen und alle orangenen Felder in grüne verwandeln.

Die Rubrik Neuigkeiten ist gegen die Diskussionsseite sehr leer, interessant wird es wieder bei den Lerngruppen mit den zum Teil kryptischen Namen. Auf den ersten Blick scheint die Mehrzahl geschlossen. Es finden sich aber genug offene und eine Neugründung scheint auch unproblematisch. Ich habe keine Lerngruppe, würde aber gerne mit Menschen, mit denen ich auch sonst zu tun habe, eine gründen. Diejenigen scheinen aber momentan keine Zeit für einen solchen Kurs zu haben. Wahllos klicke ich mich durch die Teilnehmerangaben der offenen Gruppen, ohne jedoch irgendeinen Hinweis zu haben, welcher Gruppe ich mich denn anschließen könnte.

Meine ersten Eindrücke des Kurses sind durchaus positiv, er scheint einen schnellen, kompakten Einstieg in die Programmierung bieten zu können. Allerdings kann ich nicht einschätzen, wie diese Einführung auf reine Anfänger wirkt. Ich habe in meinem Rücken drei abgeschlossene Courserakurse, die ich intensiv bearbeitet habe, und einige Erfahrungen mit Kursen bei Codeacademy, habe meine erworbenen Kenntnisse allerdings in der Zwischenzeit kaum angewendet und bin daher nicht sonderlich geübt. Allerdings merke ich immer wieder, dass ich inzwischen über ein anschlussfähiges Grundwissen verfügen, das auch durch diesen Kurs ergänzt wird. Momentan vor allem dadurch, dass ich deutsche Bezeichnungen erlerne.

Fazit: Wer Interesse an Programmierung hat und die deutsche Sprache spricht, scheint hier gut aufgehoben, um einen ersten Einblick zu bekommen. Er eignet sich auch, um einen Eindruck davon zu erhalten, warum Computerprogrammierung ein Teil des allgemeinen Unterrichts sein sollte. Das Alter der Teilnehmer scheint mir dabei unerheblich. Gewissermaßen ist der Kurs altersneutral gehalten und entspricht damit seiner Ankündigung auch für andere Anfänger als Schüler geeignet zu sein. Eine Verwendung im Zusammenhang mit Unterricht an Schulen oder an anderen Orten ist ebenfalls möglich. Über die Zeitdauer des MOOC hinaus wird er auch selfpaced seine Aufgabe erfüllen können.

Daher an dieser Stelle also schon einmal ein Dank für die Zurverfügungstellung, auch wenn der Kurs gerade erst gestartet ist!