Bildungsmäuschen

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Weihnachtliches Basteln

Dieser Beitrag beschreibt eines meiner diesjährigen kleinen Bastelangebote in der Grundschulbetreuung für Kinder der ersten und zweiten Klasse, da ich damit ausgesprochen zufrieden war.

DSCI0859Die Idee stammt aus einer Kita, wo entsprechende Figuren mit gehäkelter Mütze zur Unterstützung der Gruppenarbeit vor Weihnachten zum Verkauf angeboten wurden. Da sämtliches Material ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stand, entwickelte sich allerdings mit etwas Skepsis auf den Schwierigkeitsgrad bezogen die Idee, diese Figur möglichst selbstständig von den Erst- und Zweitklässlern nacharbeiten zu lassen.

Im Rahmen der Betreuung ist die Teilnahme im Gegensatz zu der Kita nicht für alle Kinder verpflichtend. Es war jedoch genug Material vorhanden, so dass alle Kinder hätten teilnehmen können. Die Teilnahme war allerdings nicht nur vom Interesse abhängig, sondern auch ob das jeweilige Kind während der Arbeitszeit der unterstützenden Betreuerin in der Betreuung anwesend war. Über das Material konnte nicht frei verfügt werden und seine Nutzung über das Bastelangebot hinaus wurde vermieden.

Erstaunlicherweise waren relativ viele Kinder interessiert und es entstand im ersten Anlauf unvorbereitet ein Gruppenangebot bei dem später hinzukommende Kinder auf die zweite Runde warten mussten. Für den Zusammenbau wurde kein Heißkleber sondern Bastelkleber verwendet, was zu Problemen bei einigen Kindern führte, da sie erwarteten, dass alles was sie anklebten sofort halten würde. Insgesamt waren die emotionalen Zustände von Gier, Neid und Frustration das Auffälligste bei dieser Aktivität. Kinder versuchten mehr Material als sie benötigten für sich allen zu sichern, begannen mit dem Zusammenbau bevor Erklärungen erfolgt waren, hörten nicht zu und äußerten sich frustriert, wenn sie nicht sofort Hilfe bekamen. Das Fertigstellen selbst zog sich dann etwas hin, da die Kinder einzeln angesprochen werden mussten und nicht alle Kinder immer anwesend waren.

Zum Erstaunen der Betreuenden dauerte es allerdings nicht sehr lange die Figuren herzustellen. Sie hatte mit Absicht vorher nicht selbst versucht die Figur nachzuarbeiten, weil sie wissen wollte wie weit diese Aktivität in ihrer reinen Arbeitszeit ohne vorherige Vorbereitung umsetzbar wäre. Daher fehlten an diesem Tag für die Figuren Gesichter und Mützen, da in der Betreuung weder ein geeigneter Stift für die Gesichter noch geeignetes Material für die Mützen vorhanden war. Bei weiteren Durchführungen war es dann möglich die Figuren im Rahmen einer halben Stunde so anzufertigen, dass sie nur noch einige Stunden Trockenzeit benötigten. Dafür wurde jede einzelne Figur auf eine stabile Papierunterlage mit Namen gestellt, um sie transportieren und später wieder zuordnen zu können.

Weihnachtsbasteln2Für die Figuren selbst war Watte auf einer Fensterbank ausgelegt worden. Die Kinder durften für ihre fertigen Figuren einen Platz darauf suchen und wurden informiert, dass die Figuren zwei Wochen als Weihnachtsdekoration dienen sollten, um dann im Verlauf der letzten Woche verpackt zu werden. Einigen Kindern fiel es schwer das zu akzeptieren, da sie ihre Figuren gerne sofort mitgenommen hätten. Auf diese Weise entstand allerdings am Fenster nebenher eine dekorative winterliche Landschaft. Die Hauptbetreuerin unterstütze die Idee, indem sie mit Kindern noch passende Sterne für das Fenster bastelte.

Da das Wetter sehr feucht war und es dadurch nur selten möglich war nach DSCI0863draußen zu gehen, wurde noch eine einfache Tannenschablone erstellt und es konnten damit Bäume ausgeschnitten werden, die von den Kindern eigenständig dekoriert werden konnten. Dabei wurde Glitzerkleber bevorzugt, was sich als sehr ungünstig herausstellte,

  • da er verhinderte dass andere Dekorationsformen ausprobiert wurden,
  • da es Probleme mit Kleber auf Tisch und Ärmeln gab,
  • da das Papier davon weich wurde und die Bäume umkippten,
  • da die Kinder damit überdekorierten,
  • da immer nur ein Kind eine Farbe benutzen konnte,
  • da die Bäume erst länger trocknen mussten,
  • da es Streit und Frustration gab.

DSCI0861Kurz: Glitzerkleber sollte im Kontext einer selbstständig arbeitenden Kindergruppe dieses Alters vermieden werden. Außerdem ist er vergleichsweise teuer. Als es keinen Glitzerkleber mehr gab, wurde der Dekorationsprozess wesentlich entspannter.

Zum Abschluss wurden in der letzten Woche die Figuren und auf Wunsch die Weihnachtsbäume verpackt. Es wurde versucht, dass die meisten Kinder das selbstständig taten. Sie hatten dazu eine weiße Pappe passend zuzuschneiden, mit ihrem Namen zu versehen, dünn mit Watte zu belegen, die Figur daraufzustellen und mit Hilfe der Betreuerin durchsichtige Folie mit einem Dekoband und Tesafilm darum herum zu befestigen. Die Figuren konnten dann zu einem beliebigen Zeitpunkt vor Weihnachten mitgenommen werden, was auch in allen Fällen klappte.

DSCI0849Als Fazit lässt sich sagen, dass hier mit sehr geringem Zeitaufwand eine Aktivität angeboten wurde, die vielfältigen Nutzen hatte und sich in der Form gerade für Betreuerinnen mit wenig Zeit und zur Verfügung stehendem Geld sehr gut eignet. Es war keine Vorbereitungszeit zwingend notwendig außer der Zusammenstellung der benötigten Materialien. Diese waren hier komplett vorhanden, ansonsten ist ihr Anschaffung günstig. Benötigt werden Tannenzapfen, Holzwäscheklammern, Styroporkugeln, Acrylfarbe für die Köpfe, ein schwarzer Fineliner, Krepppapier in Streifen, Wolle, eventuell Filzwolle für die Haare, Holzspieße, Chenilledraht, Bastelkleber.

Insgesamt wurden Bastelangebot, Dekoration, Weihnachtsgeschenk und das Üben von Verpacken kombiniert, gleichzeitig waren Arbeitsaufwand und Kosten gering, was zu einem Gefühl von Zufriedenheit und Effektivität sehr betrugt. Die verpackten Figuren selbst wurden als sehr attraktive Weihnachtsgeschenke empfunden und waren mindestens genauso interessant und ästhetisch wie das von einer Erwachsenen hergestellte Modell. Zur Nachahmung empfehlenswert.

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Veränderungstendenzen im frühkindlichen Bereich

Meine Blogbeiträge haben unter anderem die Funktion meinen Kopf zu entlasten. Da mein Studium der Bildungswissenschaft von seinem Konzept her relativ generell ist, ich selbst zwar gewisse Schwerpunkte habe, aber vor allem an allgemeinen Zusammenhängen im Bildungsbereich interessiert bin, wird mein Blog etwas bleiben, das innerhalb des Bereichs Bildung zwischen Themen springt.

Momentan beschäftigt mich das Vordringen systematischer Bildungsbemühungen in den frühkindliche Bereich. Ausgelöst wurde auch das durch die Beschäftigung mit dem bereits im Jahr 2010 beendeten Unterricht „English for Beginners“ für Vorschulkinder. Abgesehen davon, dass ich durch mein Studium jetzt über andere Möglichkeiten verfüge Unterricht systematisch zu gestalten, würde ich zum momentanen Zeitpunkt nicht mehr in der gleichen Weise vorgehen wie ich das damals getan habe.

Was steckt dahinter? Kürzlich konnte ich beim Zappen in der Nacht auf meinem regionalen Fernsehsender eine Vorlesungsaufzeichnung aus dem Jahr 2011 zum Early Excellence Modell hören. Etwas Entsprechendes hatte ich einerseits noch nie über ein Fernsehprogramm gesehen, andererseits entsprach es genau dem, das mir im Rahmen meines Studiums durchaus mit Absicht anschaue. Bei der verwendeten Fachsprache und dem deutlich werdenden Kontext fühlte ich mich gleich heimisch. Parallel dazu war diese Sendung über ein einerseits alt vertrautes Medium (Fernsehen) und andererseits vergleichsweise neue Verwendungsform (lokaler Sender) nur das letzte Element das mir bestätigte: der frühkindliche Bereich ist in heftiger Veränderung begriffen. Bildung geschieht nicht mehr als Nebeneffekt der Erziehung, sondern es wird versucht sie systematisch schon bei den Kleinsten zu fördern. Dazu soll die Qualität der pädagogischen Arbeit verbessert werden.

In der letzten Zeit bin ich an sehr unterschiedlichen Orten mit den Auswirkungen konfrontiert. Dabei deutet sich eine zunehmende Professionalisierung der frühkindlichen Bildung an, die sehr schnell zu beträchtlichen gesellschaftlichen Auswirkungen führen könnte. Einerseits können sich Kinder durch gezielte Maßnahmen schnell verändern, andererseits ändern sich die Vorstellungen der Qualität der Arbeit, der Art der Kindereinrichtungen, der Inhalte der Arbeit als auch ihrer Präsentation oder Ausrichtung. Dabei wird auch ein Feld vielfältiger Problematiken sichtbar wie im Verlauf von Veränderungsprozessen üblich.

Es findet dabei auch eine Verzahnung zwischen Grundschule und Kindertagesstätte statt, bei der in meinen Augen noch aussteht, wie sich das Verhältnis von Schulpädagogik zu Sozialpädagogik entwickeln wird.

Für mich selbst bedeutet das, sollte ich jemals wieder Unterricht im vorschulischen Bereich anbieten, so wird die Tendenz, die ich schon vor Beginn meines Studiums 2011 wahrgenommen habe, für mich leitend sein. Auch vorschulische Angebote haben sich an Kriterien für inhaltlich hochwertigen Unterricht zu orientieren. Darauf wurde in der Vergangenheit noch verzichtet (was allerdings nicht bedeutet, dass Unterricht schlecht gestaltet war), da es als ausreichend betrachtet wurde, dass dieser Aspekt im Verlauf der Schulzeit bedient wird. Für den Bereich vor der Schule stand lange Zeit eine Ausrichtung auf das Wohlergehen der Kinder im Vordergrund.

Das bedeutet jedoch nicht das eine für das andere zu vernachlässigen, wie es manchmal auf ältere Kinder und Jugendliche bezogen erscheint, denen dann zugemutet wird Freude der Lernleistung unterzuordnen, sondern es bedeutet beide Bereiche in einem ausgeglichenen Maße zu verbinden. Wohlergehen soll genauso vorhanden sein wie Effektivität und Leistung. Wir wollen uns nicht an Beschämung zur Leistungsmotivation ausrichten wie das für chinesische Pädagogen anscheinend ohne Problem machbar ist, was aus einem Bericht meiner Nichte zu einem kürzlich erfolgten Schüleraustausch in Shanghai herauszuhören war und auch im Film Alphabet anschaulich thematisiert wird. Es gibt ausreichende Belege dafür, dass ein Lernen mit Freude effektiver ist als ein Lernen unter Stress [1] [2]. Und zufrieden und glücklich lässt sich dabei ganz nebenher auch noch werden. Und wenn wir dann nebenbei noch ein paar gesellschaftlich drängende Probleme in den Griff bekämen, könnten wir vielleicht doch einmal zu einer Gesellschaft mit einem hohen BNG werden. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben. 😉

Referenzen:

[1] Assessment#1-T8

[2] http://dasgehirn.info/handeln/lernen/neurodidaktik-lernen-muss-spass-machen-7537/

Kochen in der Kita

Zur Zeit benutze ich ein Angebot „English for Beginners“ in einer Kita  als zu bearbeitendes Praktikum im Praktikumsmodul meines Studiums, das ich über einen Zeitraum von drei Jahren angeboten und im Frühjahr 2010 beendet hatte, also noch vor Beginn des Studiums. Etwas zu benutzen, das so weit zurückliegt und keinerlei im Studium erworbene Kenntnisse einbeziehen konnte, war für mich eine zeitlich begründete Notlösung. Ich wollte aber unbedingt praktisch noch etwas Neues machen. Daher habe ich mich sofort gemeldet, als ich in dieser Kita las, dass sie Personen suchen, die im Rahmen einer Erkundung von Essen aus verschiedenen Ländern mit den Kindern kochen.

Ich habe einen Bezug zu Indien und indischer Küche. Also schlug ich das vor. Es fand sehr schnell Interesse und nach einigen Hin und Her wurde ein Termin festgelegt, das Notwendigste besprochen und ich erklärte, dass ich den Kindern zusätzlich ein wenig über Indien erzählen wollte und warum indisches Esse so ist wie es ist.

Zum vereinbarten Zeitpunkt war mir der zeitliche Aufwand eigentlich zu groß und ich hätte am liebsten einen Rückzieher gemacht, versprochen ist nun aber einmal versprochen usw., daher habe ich versuchte die geplanten Vorbereitungen auf einen Nachmittag zu begrenzen. Geklappt hat alles hervorragend, das Essen außer dem Dessert hätte für zwei Kindergruppen gereicht (ich war erstaunt wie wenig eine 25köpfige Kindergruppe eigentlich isst!), aber ob ich das nun als Bildungsmaßnahme bezeichnen könnte, daran rätsele ich herum.

Ich hatte einen Zeitrahmen zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr, das ist die verbindliche Kernzeit der Kita, in der alle anwesend zu sein haben, die an diesem Tag kommen wollen. Bis etwa 9:20 Uhr hatte ich Zeit auszupacken, die Küche zu erkunden und Materialien zurecht zu legen Das Essen selbst sollte bis etwa 11:30 Uhr fertig sein, damit alle gemeinsam essen konnten. Die ersten Kinder werden um 12:00 Uhr abgeholt.

Ich hatte geplant vier verschiedene Essensbestandteile zu machen, Reis, Daal, und Gemüsecurry für die Hauptspeise und als Nachtisch Lassi, alles sehr einfach herstellbare Gerichte, und dafür sollten die Kinder von den Erzieherinnen in Gruppen eingeteilt werden, so dass jede Gruppe aus etwa sechs Kindern bestand. Das war vorher abgesprochen worden und klappte hervorragend. Eine der beiden Erzieherinnen ging mit in die Küche und unterstütze mich, indem sie darauf achtete wo die Kinder oder ich Hilfe benötigten. Auch das klappte sehr gut.

„Theorie“

Ich begann im Gruppenraum mit einem Globus und habe mir darauf zeigen lassen wo Deutschland liegt. Die Gruppe selbst war eine Gruppe der ältesten Kinder, ein Teil davon sind Vorschulkinder. Deutschland war bekannt, aber Indien wurde in Sibirien vermutet. Ich hatte insgesamt mehrere Fragen vorbereitet, die ich zusammen mit den Kindern beantworten wollte.

  • Land: Wo liegt das Land? Es ist dort wärmer als in Deutschland, weil dichter am Äquator.
  • Pflanzen: Was wächst da? Reis, der bei uns nicht wächst, weil es zu kalt ist.
  • Entwicklung von Rezepten: Wie war das früher? Die Menschen haben eher gegessen was in ihrer Nähe gewachsen ist. In Indien wachsen sehr viele Gewürze.
  • Religion: In Indien sind Kühe wichtige Tiere, daher gelten Produkte von der Kuh als wertvoll. Aber viele Inder essen kein Fleisch, also auch keine Kühe, daher verwenden sie die Milch und deren Produkte.
  • Gesundheit: Volkornreis und Linsen zusammen sind für Vegetarier eine sehr gute Grundlage der Ernährung, beide können getrocknet und lange gelagert werden. Gemüse wird nach Jahreszeiten verwendet und je nachdem wie es für die Menschen erhältlich ist. Essen wurde in der Vergangenheit immer frisch gekocht und die Reste wegen des Klimas meistens direkt an Tiere oder Bettler weiter gegeben.
  • Tischsitten: In Indien wird mit den Händen gegessen. Dafür gelten aber Regeln. Die linke Hand dürfen auch Linkshänder nicht benutzen. Heute wird es aber oft auch anders gemacht (Tische, Besteck, importierte Nahrungsmittel und Rezepte)
  • Erfahrungen: Ward ihr schon einmal in einem indischen Restaurant? Habt ihr schon einmal indisch gegessen? Kennt ihr jemanden aus Indien?

Dazu hatte ich eine weiße Pappe von 50X70cm und Wachsmaler mitgebracht. Zu jedem der Punkte sollte ein freiwilliges Kind ein kleines Bild als Gedächtnisstütze malen. Zusätzliches Material war ein älterer Bildband von Indien, um einen Eindruck zu vermitteln wie die traditionelle Welt Indiens ausgesehen hat und auch immer noch ähnlich aussieht. Eine Bildershow auf dem Laptop zusammenzustellen erschien im Zeitrahmen zu aufwändig.

Der Verlauf war anders als die Planung. Die Menge der Kinder ließ es nicht zu dass alle Kinder direkt involviert wurden. Nicht alle konnten alles gut sehen (wir saßen in einer großen Masse auf dem Boden). Die Fragestellungen erreichten die Kinder nur zum Teil. Einige Fragestellungen schienen für sie bedeutungsvoll, andere erzeugten kaum Reaktionen. Obwohl ein Zettel mit den Fragen zur Verfügung stand, mussten die Fragen noch an die Kindern und die Situation angepasst umformuliert werden. Das Aufmalen der einzelnen Bilder nach den Fragen wurde zuerst vergessen und dann in eine Wiederholung der Kerngedanken  an den Schluss verschoben.

Da aus zeitlichen Gründen bald mit dem Kochen begonnen werden musste und von den Erzieherinnen der „theoretische“ Teil nicht Bestandteil ihrer eigenen Planung zu sein schien und auch nicht erwartet wurde (der genaue Inhalt war kurz zuvor allerdings abgesprochen worden und hatte dort Zustimmung erfahren), sondern sie vor allem am praktischen Teil interessiert zu sein schienen, wurden Buch, Globus und Pappe mit Wachsmalern im Gruppenraum mit der Möglichkeit zurückgelassen diese noch weiter zu benutzen. Am Schluss war auf der Pappe ein Bild entstanden, das die Erzieherinnen in Beziehung zu den während der Veranstaltung gemachten Fotos bringen wollten.

„Praxis“:

Es war eine Reihenfolge der Herstellung der Essensbestandteile nach Zeitaufwand und Lagerfähigkeit der Produkte festgelegt wurden. Daraus ergab sich

  1. Lassi (Joghurtgetränk in drei Geschmacksrichtungen)
  2. Daal (Soße aus roten Linsen)
  3. Gemüsecurry (aus Weißkohl)
  4. Reis

Die Rezeptsammlung, die für die Veranstaltung angefertigt und an die Kita weitergereicht wurde um später in ein Buch aufgenommen zu werden, steht hier für alle zur Verfügung: Indische Küche .

Es würde jetzt zu weit führen die einzelnen Abläufe zu beschreiben. Daher nur eine Zusammenfassung. Die Kinder konnten um die zentrale Arbeitsfläche herum auf ausziehbaren Podesten stehen und selbst aktiv werden. Da in der Einrichtung regelmäßig mit den Kindern gekocht wird, gibt es dafür eingeübte Gepflogenheiten. Arbeitsmaterialien für die Kinder besorgte weitgehend die Erzieherin und überwachte sie auch. Alle Abläufe der Vorführung und des Einbeziehens ergaben sich dabei aus einer Kombination aus Erfahrungen mit dem Kochen selbst, der Vorbereitung auf den Ablauf und dem Rückgriff auf die Gepflogenheiten der Einrichtung. Der genaue Prozessverlauf entstand zum Zeitpunkt des Geschehens.

Für auftretende Probleme wie die fehlenden Tomaten oder den zu langsam warm werdenden Herd mussten spontane Lösungen gefunden werden. Ich vergaß zwischendurch immer wieder dass ich Möglichkeiten finden musste die Kinder einzubeziehen, wurde daran aber glücklicherweise auch dadurch daran erinnert, dass ich beobachten konnte wie die Erzieherin genau das mit den Kindern tat.

Geplant war es auch zu den einzelnen Nahrungsmittel und der Zubereitungsart und ihren Gründen etwas zu erzählen. Das ist für Erwachsene interessant und stieß auch gerade bei einer Erzieherin auf Interesse, das Interesse der Kinder war für mich dagegen sehr viel schwerer zu erfassen. Einerseits kenne ich die einzelnen Kinder kaum, andrerseits befand ich mich in einer für mich neuen Situation in der ich noch keine Erfahrungen damit hatte wofür sich Kinder im Zusammenhang mit Essen aus verschiedenen Ländern interessieren könnten. Ich tat also mein Möglichstes die Abläufe vorzuführen, die Kinder geeignete Teile selbst machen zu lassen und dabei zu erklären was ich warum tue.

Ich hatte dabei den Eindruck, dass ihre Tätigkeiten selbst für einige Kinder sehr losgelöst von allem anderen waren. Beim Herstellen des Lassis wurden die angewiesenen Abläufe befolgt, die Kinder waren auf das konzentriert was sie aktuell zu tun hatten. Woran es mir fehlte war es die Verbindung zu einem größeren Ganzen aufrecht erhalten zu können. Insgesamt hatte ich den Eindruck das sehr selten erreicht zu haben. Am ehesten ging es noch zu Beginn bei der Verwendung des Globus, aber im Verlauf des Kochens selbst musste der Bezug vor allem durch die Markierung, „das ist indisch“ aufrecht erhalten werden. Indisch wurde es dadurch aber nicht, es blieb eine Teilnahme am Kochen.

Am meisten schienen sich die Kinder wohlzufühlen als sie im Bereich Gemüsecurry selbst aktiv waren während sie den Weißkraut zerschnipselten. Das Essen selbst im Gruppenraum war ebenfalls ein ganz normaler Essensvorgang.

Fazit: 

Ich rätsele daran herum. Die Durchführung war interessant, die Planung ist etwas zu kurz gekommen, betrachte ich aber das was tatsächlich möglich war, so war sie zeitlich angemessen. Um einen Bezug zu einer Andersartigkeit von Kultur und Essen herzustellen, der tiefer geht, braucht es gerade für Kinder aber mehr sichtbare und erfahrbare Begegnungsmöglichkeiten. Dafür ist der gegebene Rahmen jedoch nur begrenzt geeignet. Raum und Gepflogenheiten der Kita bestimmen die Struktur, erleichtern dabei aber wiederum die Durchführung selbst.

Die Veranstaltung selbst ist auch nur der kleine Bestandteil einer ganzen Reihe wahrscheinlich ähnlicher Vormittage, die sich über ein ganzes Jahr verteilen. Welche Zusammenhänge die Erzieherinnen dabei in der Gesamtheit der einzelnen Elemente herstellen können entzieht sich meiner Kenntnis, da ich an diesem Prozess nicht beteiligt bin. Grundsätzlich kann ich mir allerdings eine sinnvolle, der Altersgruppe entsprechende Verbindung von „Theorie“ und „Praxis“ vorstellen, auch unter dem Gesamtthema „Essen aus unterschiedlichen Ländern“. Als einmalig von außen Hinzukommender bleibt mir hier aber ein weiterer Einblick verwehrt.

Vorlesepatin in Kindertagesstätten

Zum momentanen Zeitpunkt befinde ich mich in dem Modul meines Studiums, in dem versucht wird Theorie und Praxis zu verbinden. Das hat die Wirkung auf mich, dass ich auch einen neuen Blick auf meine langjährige Tätigkeit als Vorlesepatin in zwei Kindertagesstätten werfe. Was tue ich da eigentlich und wie bin ich zu dem gekommen was ich da regelmäßig und zuverlässig mache?

Ich bin inzwischen eine routinierte Vorlesepatin und kann mich sehr flexibel auf entstehende Situationen einstellen. Im Lauf der Zeit habe ich für mich ein System entwickelt, bei dem ich immer mindestens drei Bilderbücher besorge, die ich selbst gut finde, etwa acht Kinder mit mir zusammen in einen Kreis setze, und dann beginne die Bilder des Buchs zu zeigen und dabei den Inhalt des Textes nach einem Blick darauf weitgehend frei zu erzählen. Dazu muss ich den Inhalt vorher allerdings bereits kennen.  Die jüngsten Kinder in den altersgemischten Gruppen sind dabei zwei Jahre, was der Grund dafür ist, dass sich diese Methode entwickelt hat.

Ich setze dabei auf den Informationsgehalt der Bilder, beziehe die Kinder durch Fragen mit ein, benutze die vielfältigen Möglichkeiten des Erzählens wie Schreien, Flüstern, Stimme verändern, Verlangsamen, Beschleunigen, Geräusche einzufügen. Die Intention ist dabei die Geschichte für alle Kinder interessant, aber auch verständlich zu machen. Durch Beobachtung der Reaktionen merke ich, ob ich die Kinder fesseln kann oder eben nicht. Manchmal muss ein Buch etwas beschleunigt werden, manchmal kann es noch erweitert werden. Für mich ist das weiterhin Vorlesen, aber es ist ein Vorlesen in der Tradition der alten Geschichtenerzähler, die ihr Publikum miteinbeziehen und die Geschichte an sie anpassen.

Zu Anfang habe ich noch nicht so gearbeitet, ich habe allerdings sehr viel ausprobiert. Und ich hatte in den Anfangsjahren zwei Fortbildungen, einmal bei einer Frau von der Stiftung Lesen und einmal bei einer Schauspielerin. Beide waren sehr nützlich, aber am meisten hat mir die Fortbildung der Stiftung Lesen geholfen. Auch nach vielen Jahren kann ich mich noch gut daran erinnern. Nach einer allgemeineren Einführung bekamen wir viele Beispiele und Tipps präsentiert, die alle auf die Hauptaussage hinausliefen, dass jede/r dabei finden muss, was am besten zu ihr oder ihm passt. Ich würde heute noch dazusetzen, dass es auch zu der jeweiligen Situation passen muss, mit der man konfrontiert ist.

Genau diese Mischung aus Informationen in einem Rahmen, der auch Theorien beinhaltet, praktischen Beispielen und Tipps, bei der Schauspielerin auch praktischen Übungen, aber dem auch Hinweis darauf dass jede Form begrüßenswert ist, die man als sinnvoll selbst entwickeln kann, haben mir damals die Richtung gewiesen in die ich mich bewegt habe und die dazu geführt hat, dass ich nach vielen Jahren immer noch vorlese, und dass ich zu einer Kita im Lauf der Zeit noch eine weitere dazu genommen habe.

Beide Kitas sind dabei sehr verschieden. Während ich in der einen nur für die Kinder einer einzigen Gruppe in der Zeit wo die anderen Gruppenkinder auf dem Flur spielen im Gruppenraum vorlese, kommen in der anderen Kita Kinder aus allen Gruppen zu mir. Jede Gruppe wählt drei bis vier Kinder aus, so dass ich wie in der ersten Kita für zwei Gruppen hintereinander vorlese. In der zweiten Kita ist es dabei normal, dass fortwährend Kinder ihre Gruppen für andere Aktivitäten verlassen.

In der zweiten Kita war es immer schwieriger, da es viel weniger einen festen Rahmen gibt. Einerseits musste ich immer wieder den Raum wechseln, war in Räumen, die eine ganz andere Funktion hatten, was die Kinder sehr ablenkte, andererseits kamen jedes Mal andere Kinder. Inzwischen wurde eine kleine Leseecke in der Kita eingerichtet, in der ich meinen Stuhlkreis aufbauen kann und aus der ich alles entferne was keine Bücher sind. Dieser Rahmen hilft dabei, dass die Kinder allein auf Bücher konzentriert sind.

In beiden Kitas habe ich die Regel, dass die Kinder ein Buch „durchhalten“ müssen. Danach können sie entscheiden für ein weiteres Buch zu bleiben oder sie können wieder zu ihrer Gruppe gehen. Das hat sich über die Jahre als sinnvoll bewährt. Dadurch wird die Gruppe zum Ende hin häufig kleiner und es können dann auch längere Texte direkt vorgelesen werden.

In der zweiten Kita hat es sich inzwischen entwickelt, dass die Kinder häufig nach dem ersten Buch kein weiteres vorgelesen bekommen möchten, sondern sie wollen die Bücher der Bücherecke erkunden. Ganz zu Beginn war ich davon noch irritiert, inzwischen baue ich das ein. Beim letzten Vorlesetermin habe ich dann drei zusätzliche Bücher aus dem Kitabestand kleineren Gruppen vorgelesen, während sich die anderen Kinder einzelne Bücher anschauten. Ein Buch hatte dabei einen viel zu langen Text, war aber in seiner Struktur schnell zu erkennen und verwendbar. Es mussten immer versteckte Buchstaben auf den Seiten gefunden werden. Etwas was den Kindern, die sich dafür interessierten, sehr viel Spaß machte (hier handelte es sich um das Vorschulalter).

Rückblickend merke ich jetzt wie viele Erfahrungen sich im Lauf der Jahre angesammelt haben, wie viel ich ausprobiert habe und wie es sich immer noch weiter verändert. Es würde den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen das jetzt noch weiter auszuführen. Auch mein eigener Hintergrund hat sich im Lauf der Zeit verändert. War es in der Vergangenheit mehr die Gestaltung eines kollektiven Events das mich interessierte, so tritt jetzt die Lernbegleiterin mehr zum Vorschein. Dadurch kann ich auch ein Büchererkunden nahtlos in eine Vorlesestunde einbeziehen. Es gibt viele Arten die Freude am Buch zu fördern. Und das Kind, das selbst ein Buch erkundet, das einem anderen Kind ein Buch erläutert, das ein Buch auswählt und vorgelesen bekommen möchte, ist genau das was gefördert werden soll: Bücher als interessante Medien zu entdecken, etwas in dem sich ganze Welten verbergen können, etwas das allein oder im Miteinander mit einem Griff danach zum Leben erweckt werden kann.

Küken in der Kita

KükenzimmerHier sind mit den Küken nicht die Kinder gemeint, sondern echte Küken. Schon zum zweiten Mal sollten vorgebrütete Küken in der Kita ausschlüpfen und dort für einige Tage bleiben.DSCI0585 Beim ersten Mal war das Timing ein voller Erfolg, dieses Mal waren die Küken bereits ausgeschlüpft. So konnten die Kinder leider nicht mehr erleben wie sich Eier in kleine Federbausche verwandelten.

Doch von der Praktikantin deutlich beschriftet, lud der Gruppenraum zum Besuch und Kükenbetrachten ein. So einige Erwachsene hatten genauso wie Kinder noch keine lebenden Küken gesehen oder zumindest noch keine Küken mitten in einem Gruppenraum, daneben die Küken(2)Kinder auf einer Decke sitzend und dicht bei den Küken frühstückend.

Genutzt wurde die Aktion natürlich auch um über Hühner und Küken zu sprechen, auch ein Schaubild hatte seinen Weg in den Gruppenraum gefunden, und am Mittwoch, als die Küken wieder abgeholt wurden, konnten die Kinder schon viele Auskünfte über Küken und Hühner geben.Hühnerplakat

Bei den Kindern handelte es sich übrigens nicht um die Vorschulkinder, sondern die Gruppe der zwei- bis vierjährigen. Ermöglicht wurde die Erfahrung den Kindern durch das Engagement ihrer Erzieherinnen und die Beteiligung eines Hühnerzüchters, der einen großen Teil der Arbeit übernahm und das Material und die angebrüteten Eier zur Verfügung stellte. Gerade vor Ostern ein gelungenes Angebot und durchaus empfehlenswert wenn entsprechende Ressourcen vorhanden sind.

Nachtrag: Und wie ich inzwischen entdeckt habe nicht nur in dieser Kita verwendet. Ein einfaches googeln nach Kita + Küken ergibt eine große Anzahl von Treffern für ähnliche Aktivitäten an anderen Orten der BRD.