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Sag bloß nicht dass es einfach ist

So, jetzt wurde ich kalt erwischt! Zu Beginn meiner Teilnahme an englischsprachigen Kursen mit der Aufgabe ein Essay anzufertigen war ich nur stolz, wenn ich das mit einer passablen Punktzahl geschafft hatte. Aber die Ansprüche steigen nun einmal mit dem eigenen Wachstum und der Ausweitung von Kenntnissen.

Mein erstes Essay beim Kurs Teaching for Learning 7 war ein Wagnis, weil ich dort im zweiten Teil der Fragestellung sehr soziologisch-bildungswissenschaftlich argumentiert hatte, was nicht der Argumentationsstruktur des Kurses entsprach. Von zwei der drei bewertenden Peers habe ich Feedback bekommen. In dem einen Fall wurde ohne weitere Begründung ein Text ohne Zwischenfragen bevorzugt, was für mich nicht weiter hilfreich war, da ich die von mir gewählte Form angemessen finde. Das zweite Feedback hatte es aber in sich. Meine beiden bildungswissenschaftlich-soziologischen Argumente wurden  ausdrücklich erwähnt und als wertvoll für eine Beachtung bewertet, dafür bekam ich nachgewiesen, dass ich den ersten Teil der Frage nicht wirklich beantwortet hatte.

Das war so unerwartet, dass es mich zu diesem Blogeintrag getrieben hat. Es ist nicht das erste Mal dass ich mit einem Essay sehr zufrieden war, die Peers das aber anders sahen und auch eine Begründung lieferten. Der umgekehrte Fall ist allerdings ebenfalls schon eingetreten. Essays, die ich selbst nicht mochte, bekamen eine gute Bewertung. Ich habe den Eindruck je internationaler Kurse sind, umso stärker differieren die Vorstellungen der Teilnehmenden.

Nun sitze ich also da und fühle mich sehr merkwürdig. Der Teil von dem ich dachte dass er genau dem Gewünschten entsprochen hat ist mangelhaft, und das ist mir noch nicht einmal aufgefallen. Und die Gedanken, die ich für mich selbst inspirierend waren bei denen ich aber Angst hatte dafür Ablehnung zu erfahren, waren von Interesse! Ich fühle mich relativ hilflos verwirrt.

Gut, ich habe genug Punkte: 20 von 30 möglichen. Aber darum geht es jetzt gar nicht. Es geht um den großen Anteil von Spekulativem auf dem meine Annahmen beruhen. Mit dem Feedback des einen Peers wird es mir bewusst. Annahmen was gewünscht ist und Annahmen was nicht gewünscht ist. Wie ich mein eigenes Werk in einen Vorstellungsrahmen eingeordnet habe und völlig daneben lag. Die Art wie der eine Peer formuliert hat, macht ihn für mich selbst glaubwürdig. Er hat einen Fehler entdeckt, der mir selbst nicht aufgefallen ist, und er konnte die Bedeutung der vorgebrachten Argumente erkennen. Und das geschieht in einem kostenfreien Online-Kurs auf einer international genutzten Plattform, aber nicht an meiner Uni.

Da sitze ich nun und frage, was das zu bedeuten hat. Irgendwie ist gerade etwas in meinem Weltbild durcheinander gerutscht. Hier bekomme ich ein hilfreiches Feedback. An meiner Uni wurschtele ich alleine, schreibe eine Hausarbeit, bekomme sie bewertet – und das war es dann mit dem Modul. Alles weitere liegt allein bei mir.

Irgendetwas stimmt dabei nicht. Erneut wünsche ich mir meine Unimodule mehr wie MOOCs. Oder vielleicht eine Mischung, denn intensiv an einer Hausarbeit zu schreiben hat sehr viele gute Aspekte. Eine gute Mischung aus Struktur und Offenheit, mit genug Gelegenheiten für einen Austausch mit anderen Studierenden, und mehr Wahrnehmungsmöglichkeiten von dem was sie tun, und zusätzliche kleinschrittige Aufgaben. So etwas wie auch bei den LdL-MOOCs geschieht. Der Rahmen eines Ablaufs, der aber asynchron zur Verfügung steht, mit begleitenden Aufgaben, die Vergleich und Austausch ermöglichen und zu Sammlungen und weitergehendem Nachforschen inspirieren, zur Kommunikation und zum Teilen. Zum Schluss stellt das Ganze dann meinetwegen die Basis für eine größere Abschlussaufgabe dar. So langsam formen sich für mich Bilder von Möglichkeiten, die für mich lernfördernd sind.

LdL – Wochenaufgabe#3

Gut – Wochenaufgabe gemacht.  Leider mal wieder sehr leise. (Das wird noch.) Die Aufgabe lautete:

Mit der Stoffsammlung aus der Vorwoche würde ich euch bitten ein YouTube Video zu erstellen. In diesem Video soll eine LdL Unterrichtseinheit konzipiert werden, die einem Lehrer ermöglicht zusammen mit der Stoffsammlung aus Woche 2 eine LdL-Einheit zu unterrichten.

 

 

Ich habe das jetzt in Hinblick auf meine Möglichkeiten zugeschnitten und mit einer Ungewissheit über die Menge der Teilnehmer. Ich bin bei meinen Berechnungen von 8 möglichen Gruppen ausgegangen, das wären dann 5 Minuten pro Gruppe, was mir erst einmal zu wenig erscheint, wenn es mehr als eine Person ist, aber das ganze Konzept ist zeitlich flexibel gehalten, so dass Verschiebungen aufgefangen werden können. Mit dem Produkt bin ich grundsätzlich zufrieden.  Hier noch einmal die Stoffsammlung: Unterrichtseinheit zum Thema Comic inspiriert vom LdL Konzept.

 

Teilnahme am LdL-MOOC

Der von Marc Schakannis als Praktikum im BiWi-Studium privat durchgeführte und von Jean-Pol Marin, dem Entwickler der Methode, begleitete  LdL-MOOC  befindet sich jetzt in der dritten Woche. Es ist an der Zeit ein paar Reflexionen dazu aufzuschreiben, etwas das für mich bei Lernprozessen sehr wichtig ist.

Meine Herangehensweise an diesen MOOC ist für mich persönlich sehr eigenartig und mein Verhältnis zu dieser Methode soweit ich sie bereits verstehe ebenfalls. Ich gehe unsystematisch und ungeplant vor. Ich fühle mich nicht als Teilnehmerin und mache gefühlt alles nebenbei. Ich verfolge die Beiträge in der Facebookgruppe, da ich in den letzten Monaten primär Facebook als Kommunikationstool benutzt habe und das nebenbei gut geht, ich verfolge die Hangouts einschließlich Twitter- und Hangoutbeiträgen, ich mache die Wochenaufgaben und gebe meinen Senf zu Beiträgen, wenn ich meine dazu etwas zu sagen zu haben. Die Wochenaufgaben der anderen schaue ich mir alle an, ab und an eins von den primär durch Jean-Pol eingestellten Videos und Texten, und so ganz nebenbei entsteht eine Vorstellung, was sich hinter LdL verbirgt. Und ich äußere mich: nörgelnd genauso wie begeistert. In meinem Fall ein gutes Zeichen. Die Emotionen sind beteiligt und ich bin bereit sie zu zeigen.

Ich denke, die beste Methode um LdL kennen zu lernen ist es, an einem entsprechenden Unterricht teilnehmen zu können. Als Schülerin, als Beobachter oder als Assistentin, also im unmittelbaren Erleben, das bedeutet dass diejenigen die jetzt oder in der nächsten Zeit die Möglichkeit zur Anwendung haben, einen beträchtlichen Lernvorteil haben werden.

Habe ich nicht und strebe ich auch in der nächsten Zeit nicht an, für mich bleibt es erst einmal etwas aus der Kategorie „Was es alles gibt und was den Horizont erweitern kann“. Das betrifft allerdings nicht nur die Methode LdL, sondern auch die Durchführung eines privaten MOOCs. Und das funktioniert grundsätzlich. Jean-Pol Martin ist sehr präsent und verfügt über große Mengen an Material, das er bei Bedarf nach seiner Einschätzung des Bedarfs zur Verfügung stellt, und nimmt auch im MOOC die Rolle des begleitenden Lehrers ein. In den Hangouts waren Gäste mit praktischen Erfahrungen eingeladen, die kompetent Fragen beantworten konnten. Marc Schakannis verfügt über Vorerfahrungen mit MOOCs auf praktischer und theoretischer Ebene. Die Hangouts wurden von erfahrenen Begleiterinnen unterstützt. Diese Faktoren muss man dabei berücksichtigen. Hinter der Nutzung technischer Möglichkeiten von Hard- und Software steht fachliche Kompetenz. Die technischen Möglichkeiten allein tun noch nichts und sind nicht das Erfolgsrezept, bleiben die Hilfsmittel, um eine Veranstaltung im virtuellen Raum durchführen zu können. Entscheidend sind in meinen Augen die fachlichen Kompetenzen der teilnehmenden Menschen.

Fachliche Kompetenz. Persönlich bin ich während der Erstellung meiner zweiten Wochenaufgabe darauf gestoßen, dass ich mir im Lauf der Jahre nebenbei sehr viel Wissen über den Bereich Comic erworben habe. Es erschien mir so, als könne ich dazu inzwischen einen aufbauenden oder ergänzenden Studiengang konzipieren. Beim Zusammenstellen von Material für einen Unterrichtsblock wurde mir klar, wie weit gespannt ich mein Interesse in diesem Gebiet ausgelebt habe. Ich denke, ich verfüge inzwischen über beträchtliche fachliche Kompetenz, d.h. ich kann in größeren Zusammenhängen denken und einen Bereich in seiner Vielfalt erfassen (für die Details muss ich allerdings recherchieren, ich weiß aber in etwa wo ich hinschauen und suchen muss!). Diese Erkenntnis gibt mir sehr zu denken. Ich habe für diese Kompetenz keinen offiziellen Nachweis, daher existiert sie beruflich relevant genauso wenig wie ausländische berufliche Abschlüsse, die in der BRD nicht anerkannt werden…Die Kompetenzen sind allerdings vorhanden…

Gut, das führt jetzt stärker in ein anderes Thema, daher wieder zurück zu LdL und MOOCs. Als Betreuerin an einer Grundschule bin ich Begleiterin, Ideengeberin und -förderin, Lenkende und Eingreifende, manchmal auch Lehrende, und da wir den Freizeitbereich verkörpern vor allem dafür zuständig, dass alle zufrieden und vielleicht sogar glücklich sind. Ich denke daher kommt meine Affinität zu LdL. In guten Rahmenbedingungen bin ich sehr gerne Kinderbetreuerin. Gemeinsamkeit mit LdL sehe ich in der Ausrichtung auf das Glück oder Wohlgefühl der Kinder, der lenkenden Begleitung und der Selbstbestimmtheit ihrer Handlungen und des verfolgten Interesses im vorgegebenen Rahmen. Meine Vorstellungen von Lernen gehen daher auch dahin dass es Freude bereiten und stark selbstbestimmt sein soll, dass die Freude an dem gewonnen Wissen, den Erkenntnissen und Fähigkeiten wichtiger ist als eine Benotung, dass mit Freude Gelerntes gerne geteilt wird und dieses Teilen auch wichtig ist und dass das Weitergeben von Gelerntem die Motivation zum Weiterlernen stärkt und das Wissen darüber erweitert, verbessert und festigt. Und auch diese Motive kann ich wiederum dahinter sehen, dass ich diesen öffentlich zugänglichen Blog führe.

Der LdL-MOOC führt nicht nur eine spezifischen Methode vor, sondern er verbindet dabei auch mit der Frage was Lernen und Lehren eigentlich ist und wie es am effektivsten gestaltet werden kann. Denn das ist es was Lehrer eigentlich wollen: eine Optimierung von Lernen und Lehren. (Aussage geht zurück auf Associate Professor Gavin Brown; Director, Faculty of Education Quantitative Data Analysis and Research Unit; University of Auckland, New Zealand).

An dieser Stelle will ich meine Überlegungen abbrechen. An den Schluss stelle ich meine Wochenaufgabe und einen Comic, der sehr gut zum Thema passt.