Bildungsmäuschen

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Kurzer Blick auf Auswirkungen des LdL MOOC

Auf der Facebookseite des LdL-MOOC ist es recht ruhig geworden seitdem sich Jean-Pol Martin mit Beiträgen zurückhält und es weitgehend den Teilnehmern überlässt Beiträge zu erstellen. Ein paar Rückmeldungen zu Anwendungen oder Anwendungsabsichten für LdL sind gekommen und ich bedauere es in meinem Fall, dass ich momentan keine Pläne zur Anwendung verfolgen kann. Ein wenig fühle ich mich auch am falschen Platz, da ich den Eindruck habe, dass sich primär Lehrende mit beneidenswerten Anwendungsmöglichkeiten zu Wort melden. Ich habe dagegen als momentan ausgelastete Studierende der Bildungswissenschaft sowie Kinderbetreuerin in einer Grundschule mit geringem Zeitumfang nur sehr begrenzte zeitnahe Verwendungsmöglichkeiten. Weiterhin knabbere ich noch immer an meiner Rassismusauseinandersetzung herum, die mich häufig blockiert. Insgesamt fühle ich mich dadurch ein wenig randständig und von bestimmten Aktivitäten ausgeschlossen.

Allerdings hat auch bei mir der MOOC Spuren hinterlassen. Verstärkt sehe ich weiterhin meine betreuten Schüler als Lernende und nicht nur Betreute und erweitere zusätzlich das was ich bereits aus Zeit- oder Verfügbarkeitsgründen getan habe. Ich habe bereits versucht die Schüler verstärkt zu animieren sich interessierende Materialien eigenständig und mit anderen gemeinsam zu erarbeiten und versuche nun stärker darauf hinzuwirken, dass sie ihr erworbenes Wissen danach auch an andere weitergeben. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass es im Freizeitrahmen der Betreuung Kinder gibt, die andere Kinder als Lehrer ablehnen. Es gibt dabei Fällen in denen bestimmte Kinder als Vermittelnde nicht gewünscht werden auch wenn die sich mit Freude anbieten (die ist blöd, den mag ich nicht), in anderen Fällen möchten Kinder Erwachsene als Vermittler (du kannst das viel besser).

Dabei habe ich gerade gestern einen Grundschüler beobachten können der sonst häufig auffällt, da er mit nervenden Aktivitäten Kontakt zu anderen Kindern sucht. Dieser führte ausgesprochen kompetent, fürsorglich und freundlich sowohl anderen Kindern als auch mir eine Falttechnik für einen Schnappi (Origamiarbeit) vor, an die sich niemand sonst erinnern konnte und die auch in keinem Buch aufgezeichnet war (Internet steht uns nicht bei spontanem Bedarf zur Verfügung). Und nicht nur das. Nach der Vorführung ging er herum und griff sehr gekonnt an Stellen ein, an denen wir anderen Probleme hatten. Genau dieser Junge schien beim Unterrichten anderer aufzublühen und etwas zu finden, das ihn sehr zufrieden wirken ließ.

Waren meine Vorstellungen in der Vergangenheit durch meine Vorgängerinnen stark davon geprägt, dass ich Angebote zu machen habe, die von den Kindern nachgearbeitet werden und an diesem Punkt wird es dann belassen, so merke ich inzwischen immer häufiger, dass die Tätigkeit einer Betreuerin bereits viele Elemente enthält, die eine Förderung eigenständigen Lernens anregen können und dass sich die Betreuungssituation gerade in altersgemischten Gruppen sehr gut dafür eignet auch das gegenseitige Lehren im Bereich von Freizeitaktivitäten zu fördern. Dadurch können auch mehr Interessen berücksichtigt und eingebracht werden als für mich allein möglich ist.

Auch bei meinen Vorleseaktivitäten habe ich inzwischen überlegt wie ich die Kinder verstärkt einbeziehen kann. Das gezielt geförderte Lehren durch Lernende ist hier wegen dem jungen Alter der Kinder etwas schwierig. Allerdings hat die Beschäftigung mit LdL auch hier wie bereits die Begegnung mit anderen Lehrkonzepten zuvor weiter gefördert, dass ich die Kinder verstärkt als Teilhabende und nicht nur als Zuhörende einbeziehe. In einer Einrichtung ist so zusätzlich zum Vorlesen ein Büchererkunden des sich inzwischen vergrößernden Buchbestandes entstanden, ausgerichtet an den Erkundungsinteressen der anwesenden Kinder. In diesem Rahmen werden Bücher von Kindern auch gemeinsam betrachtet und entdeckte Lerninhalte geteilt, etwas das zuvor von meiner Seite als Vorlesepatin zur Förderung von Interesse an Büchern wenig Beachtung gefunden hatte.

Insgesamt kann ich  sagen, dass ich das mir momentan Mögliche versuche um einen gewissen Eindruck von der Anwendung zu bekommen, auch wenn mein Rahmen doch nur sehr klein ist. Aber besser ein bisschen als gar nichts.

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LdL und die Jigsaw Methode

Vor einer Weile habe ich mich einmal mit kulturellen und Bildungsveranstaltungen beschäftigt bei denen es einen Vortragenden gibt und am Ende vor allem Klatschen und höchstens die Gelegenheit zum Nachfragen. Weil ich so etwas inzwischen unbefriedigend finde, habe ich einmal genauer hingeschaut und mir ist dabei aufgefallen, dass diese Veranstaltungen nicht auf Partizipation ausgerichtet sind. Im Publikum kann ein Experte oder eine erfahrene Person sitzen und niemand erfährt etwas davon und von deren Fähigkeiten. Konfrontiert mit Strukturen bei denen immer wieder die Gleichen die Positionen vorne einnehmen, stellt sich bei mir Langeweile ein. Ich möchte andere Stimmen hören, ich möchte Vielfalt erleben, ich möchte selber einen Beitrag leisten und meine eigenen Kenntnisse mit denen anderer austauschen und mehr über die Menschen erfahren, die mit mir teilnehmen.

Inzwischen habe ich gelernt, dass ich partizipatorische Strukturen suche. LdL hat sich zu meiner Überraschung als so etwas herausgestellt. Ich hatte dabei ursprünglich nur die stärkere Aktivierung aller im Kopf, die ein nachhaltigeres Lernen ermöglicht, aber ein LdL das Raum für die spezifischen Interessen im Themenrahmen und die spezifische Umsetzung der Darstellung und Vermittlung für alle einzeln bietet, gibt gleichzeitig auch Raum für eine andere Wahrnehmung der Anwesenden.

Auch hier stellt sich die Machtfrage. Existieren andere als partizipatorische Strukturen, weil die Verantwortlichen aus ihrer Position einen Gewinn für sich und ihr Selbstwertgefühl ziehen und partizipatorische Strukturen für die einen zwar Teilhabe, für die anderen aber Machtverlust bedeuten? Mal abgesehen davon, dass Wissen nicht mehr als exklusiv präsentiert werden kann, wenn sichtbar wird, dass alle über Wissen verfügen? Oder sind es einfach nur Gewohnheiten und ein Mangel an Vorstellungsmöglichkeiten möglicherweise auf beiden Seiten?

Zufällig stolpere ich dann auch noch über die Jigsaw-Methode bei der LdL als mögliche Methode erwähnt wird. Hierbei bearbeiten Gruppen gemeinsam ein Thema in der Form, dass alle in der Gruppe aufeinander angewiesen sind. Diese Methode wurde bezeichnenderweise mit dem Hintergrund sozialpsychologischer Untersuchungen dafür entwickelt, um Probleme zwischen Schülern unterschiedlicher Herkunft zu verringern. Als Effekte der Anwendung werden Erhöhung des Selbstbewusstseins, Abbau von Vorurteilen, Übernahme von Verantwortung oder kooperatives Lernen genannt.

Ich habe nun leider wenige Kenntnisse dazu welche Methoden an Schulen inzwischen gebräuchlich sind, bin aber in anderen Zusammenhängen in der Regel nicht mit partizipatorischen Lernstrukturen konfrontiert. Dominierend ist der Macher oder die Macherin, die den Teilnehmern Rollen zuweist, in denen sie auf die Anbietenden konzentriert bleiben. Lässt diese Konzentration nach und die Teilnehmenden sind allein aufeinander angewiesen, bricht der Lernfluss häufig zusammen. Lernen findet nur unter Anleitung statt und wird kaum selbstständig fortgeführt.

 

Warum mache ich mir nun die Mühe mich mit diesen Themen auseinanderzusetzen? Weil es wichtig ist, dass Menschen sich gegenseitig in ihrer Vielfalt wahrnehmen. Weil Statistentum langweilig ist. Weil jeder Mensch ein kompetentes Wesen ist. Weil wir mehr gegenseitigen Respekt brauchen. Weil es wichtig ist, dass wir die Gelegenheit haben die anderen um uns herum als individuelle Personen kennen zu lernen. Weil jede/r einzelnen sich weiter entwickeln können soll, damit sich die Gesellschaft so weiter entwickelt, dass sie möglichst für alle ein glücklicher Ort werden kann. Noch ganz schön unausgegoren! Wichtig ist dabei die Annahme, dass Strukturen nicht so bleiben sollten wie sie sind und auch nicht müssen, nur weil sie gewohnt sind. Wohin soll die Reise aber gehen und mit welchen Fahrzeugen?

Was für eine Gesellschaft wollen wir und was für Menschen sollen darin leben? Wollen wir Hierarchien und Unterordnung ohne Einflussnahme? Wollen wir Ausgrenzung und Segregation? Wollen wir Partizipation lernen und gegenseitigen Respekt? Wollen wir Teilhabe und Ideen von vielen? Was wollen wir und was sind dann die geeigneten Mittel um den Weg zu beschreiten um das zu erreichen?

Lernen durch Lehren

Sehr sehr interessant gestaltet sich der MOOC zu Lernen durch Lehren zu dem die erste Wochenaufgabe eine Visualisierung war. Auch ich habe eine erstellt auf die ich stolz bin.

Lehrerseminar

Der MOOC scheint das Potential zu haben etwas ganz Besonderes zu werden – und ich befinde mich momentan in einer Situation wo ich das Gefühl habe einfach nicht genug Zeit für eine einigermaßen geordnete Teilnahme habe, denn wieder einmal arbeite ich an letztlich zu viel gleichzeitig, das aber alles auch zu bestimmten Fristen fertig werden muss, damit ich erreichen kann, was ich damit anstrebe. Zusätzlich denke ich, dass cMOOCs für eine geordnete Teilnahme sowieso nur schlecht geeignet sind, denn alles verteilt sich irgendwo, entsteht und taucht während des Prozesses auf und muss entdeckt und hervorgezogen werden. Ich fische daher mal hier mal da so zwischendurch und beschränke mich auf das Bild das dabei nebenher entsteht.

Die Wochenaufgabe der Visualisierungen ist dafür sehr hilfreich. Bilder prägen sich bei mir besser ein und werden auch schneller erfasst und langsam entstehen immer mehr Beiträge, die unterschiedliche Blicke auf LdL in visualisierter Form ermöglichen. Ich habe sogar eine weitere Skizze angefertigt, die ich dann abgefilmt habe, weil ich sie einfach nicht erkennbar auf ein Foto packen konnte. Etwas schrottig für eine Präsentation aber als reine Vermittlung geeignet. (Bleibt auch nur vorübergehend online!)

Hier noch ein Link zu Material von Jean-Paul Martin.