Bildungsmäuschen

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Haltungen zu Emotionen

Manchmal reicht der Inhalt eines einzigen Gesprächs mit der passenden Person in der geeigneten Runde um viele neue Fragen aufzuwerfen und dem Denken eine andere Richtung zu geben.

Ich bin dabei auf die Philosophie gekommen aber eigentlich passt mir das momentan alles gar nicht. Erneut ist ein Zeitpunkt im Semester, in dem sich gehäufter die Stimmen derjenigen zu Wort melden, die inzwischen an ihrer BA schreiben. Inzwischen geschieht es das dritte Mal seitdem ich mich selbst damit beschäftige, und ich würde doch auch so gerne fertig werden. Mir geht dazu zwar der Satz im Kopf herum, dass man das Gras nicht dadurch zum Wachsen bringen kann, dass man daran zieht, trotzdem bleibe ich unzufrieden damit, dass ich mich schon wieder veranlasst sehe weiterzudenken.

Also die Philosophie. Mental und emotional konstruieren wir unsere Sicht der Welt. Da stellt sich die Frage danach wie unsere Einsichten und Ideale aussehen. Und welche Einsichten und Ideale wir teilen und welche Einsichten und Ideale wir lernen und lehren wollen.

Emotionen sind etwas durchaus mächtiges und die Menschheit beschäftigt sich schon sehr lange mit ihnen. Damit was von ihnen zu halten ist, welche Probleme sie schaffen und wobei sie helfen und wie man am besten mit ihnen verfährt. Individuell und in der Gemeinschaft.

Um Emotionen zu erklären muss man nun etwas für mich sehr merkwürdiges tun. Es ist notwendig nicht nur die Emotionen selbst zu sehen, sondern nach der dahinter stehenden Haltung und Einstellung zu Emotionen an sich zu fragen und diese einzubeziehen. Also danach wie sie von Menschen gedeutet und verstanden werden. Was für ein Menschenbild ist vorhanden und in welcher Position stehen Emotionen darin. Denn wie sich Emotionen ausdrücken und welche Emotionen sich wann ausdrücken, wie sie eingeschätzt werden und wie mit ihnen verfahren wird ist vom kulturellen Kontext und der individuellen, gesellschaftlich vermittelten Haltung zu ihnen abhängig. Emotionen stehen nicht losgelöst im Raum herum, daher können sie auch nicht losgelöst untersucht werden. Emotionen sind nicht ideologiefrei.

Es mag manchmal erscheinen als gäbe es keine Gründe für auftretende Emotionen, dann bleibt aber weiterhin die Art vorhanden wie mit ihnen umgegangen wird, wie sie eingeschätzt, bewertet und benannt werden, wie auf sie reagiert wird.

Hinter all dem steht was Gesellschaften, Gruppen und Individuen zu Emotionen denken und wie sie diese einschätzen, deuten und verstehen.

Genau das findet sich dann auch in Bildungskontexten. Es muss nicht bewusst gemacht und aufgedeckt werden um zu wirken. Und manchmal verursacht es Verwirrung und Missverstehen ohne dass erkennbar wird, dass unterschiedliche Haltungen zu Emotionen der Grund dafür sind. Gerade wenn Menschen aus unterschiedlichen Gruppen miteinander zu tun haben.

Ich denke bei meinen Überlegungen an ganz konkrete Vorkommnisse für die ich Erklärungen suche. Ich fühle mich dabei wie eine Jägerin, die ihre Beute umkreist und manchmal denkt, sie hat sie jetzt gepackt und dann ist sie doch wieder entwischt und es sind nur ein paar Haare zurückgeblieben. Doch so langsam lerne ich die Beute besser kennen und komme ihr schon näher.

Die Welt wird uns auch über unsere Emotionen vermittelt, diese Emotionen sind aber nicht wahr so wie sie sind, sondern sie werden interpretiert.

Es ist auch ein Grund dafür, warum sie weder gehypt noch verdammt werden sollten. Hypen überschätzt ihre Möglichkeiten, verdammen unterschätzt ihre Macht.

Welchen Idealen folgen die Menschen in diesem Land? Christentum, Aufklärung, Nationalsozialismus, Neoliberalismus fallen mir als große Einflussfaktoren ein. Daneben gibt es vieles andere, auch für einzelne Gruppen charakteristisches. Was für Haltungen haben wir zu Emotionen? Was für Haltungen haben sich woraus entwickelt, was für unterschiedliche Haltungen treffen aufeinander und verstehen sich vielleicht gar nicht, weil überhaupt nicht klar ist, dass unterschiedliche Einschätzungen von Emotionen an sich vorhanden sind.

Ich bin wütend und diese Wut gilt als authentisch und ich kann das auch unmittelbar ausdrücken. Dafür wie es ausgedrückt werden darf oder soll, gibt es unterschiedliche gesellschaftliche Konventionen.

Ich darf nicht wütend werden, denn wenn ich das tue bin ich gescheitert, weil ich den anzustrebenden Gleichmut nicht erreicht oder verlassen habe. Kann mit Scham verbunden sein.

Ich darf wütend sein, aber niemand soll das merken, da ich das verbergen will oder muss. Dafür kommen unterschiedliche Gründe in Frage wie Machtstrukturen, Scham, strategische Überlegungen, Ideale der Emotionskontrolle aber auch betrügerische Absichten.

Folge deinem Herzen. Entscheide nach Gefühl. Der Verstand muss die Emotionen kontrollieren und in Schach halten. Es gibt viele Sprüche, die Haltungen zu Emotionen ausdrücken. Die dominierende Haltung, die einzelne Menschen haben, finde ich sehr schwer erkennbar, vor allem wenn sie von meiner eigenen abweicht.

Betroffenheit, Scham, Trauer, Angst, Freude, Lust – ja es gibt durchaus emotionale Ansteckung, aber Menschen können auf die gleiche Situation erst einmal mit sehr unterschiedlichen Emotionen reagieren. Nicht nur aus individuellen Erfahrungen sondern auch auf Grund ihrer Einstellung zu Emotionen.

Es geht um die Philosophie. Um das Menschenbild. Um das was unter Bildung verstanden wird. Und welche Rolle den Emotionen dabei zukommt. Ob Christentum, Aufklärung, Nationalsozialismus oder Neoliberalismus, jede dieser Ideologien hat eine andere Haltung zu den Emotionen. Jede hat auch eine andere Haltung zur Bildung. In der „Produktbeschreibung“ wird das aber nicht explizit aufgeführt, in meinen Augen weil wir wenig darauf ausgerichtet sind nach den jeweils vorhandenen Vorstellungen von dem was Emotionen sind direkt zu fragen.

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Emotionen: Komplexitätsreduktion, Persönlichkeitsentwicklung

In den letzten Tage ist mir der Begriff Komplexitätsreduktion mehrfach ins Auge gestochen. Zuletzt gestern Abend bei Scobel, nachdem ich mir am Nachmittag bereits ein Zitat aus Lohhausen von Dörner et al. (1983, S.25) notiert hatte.

„Eine Möglichkeit der (scheinbaren) Komplexitätsverminderung ist die <<Eliminierung>> anderer Auffassungen als der eigenen durch physischen und psychischen Terror. Eine andere Möglichkeit dazu ist die Reduktion aller Phänomene auf einen Punkt und eine dritte ist die dogmatische Rechthaberei, die ebenfalls davon <<befreit>>, mit unbekannter Komplexität agieren zu müssen.“

Nun bezieht sich das Zitat auf einen vorher beschriebenen Kontext, der noch dem abweicht an den ich beim Notieren dachte und bei Scobel lag ebenfalls ein anderer Zusammenhang vor. Das erste Mal bewusst wahrgenommen hatte ich den Begriff  wiederum im Zusammenhang mit LdL und Unterricht (von Jean-Pol Martin kam auch der Hinweis auf Lohhausen). Der Begriff Komplexitätsreduktion steht dabei im Zusammenhang mit einem Vorstellungsbereich, der sich auf unterschiedliche Kontexte anwenden lässt, und verkörpert ein Prinzip. Neben weiteren Möglichkeiten kann ich ihn momentan sowohl für die Themenfindung meiner Bachelorarbeit als auch für das Thema Emotionen generell sehr gut verwenden, und zwar im Sinne der Reduktion von Phänomenen auf handhabbare Zusammenfassungen.

An anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, dass ich gerne eine klare, übersichtliche Antwort zu dem hätte was Emotionen sind und wie sie funktionieren, und ich hätte diese Antwort auch gerne zum ganzen Themengebiet der Emotionen. Im Zusammenhang mit Komplexitätsreduktion scheine ich dabei letztlich nur einem Bedürfnis zu folgen, das durch die menschliche Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmöglichkeit verursacht wird. Da Emotionen Menschen fortwährend begleiten, ergibt sich daraus auf der einen Seite ein gewaltiger Beobachtungsraum und auf der anderen Seite scheint es momentan nur begrenzte Vorstrukturierung der vorhandenen wissenschaftlichen und weiteren Kenntnisse zu Emotionen zu geben, was anscheinend auch in einem Zusammenhang damit steht, dass Emotionen lange Zeit nur eine geringe Beachtung in den Wissenschaften fanden.

Ich hätte nun gerne einen zufriedenstellenden Überblick, eine Reduktion der Komplexität auf anwendbare Strukturen für den Bildungsbereich, merke aber, dass mir das nicht gelingt. Zu Beginn meiner Recherche, im Buch zu Emotionspsychologie, wurde ich bereits auf diesen Zustand hingewiesen als es um eine allen gemeinsame Definition dafür ging was Emotionen sind. Es werden einzelne Teilbereiche untersucht, dafür lässt sich eine Überschaubarkeit erzielen, aber eine allgemeine Theorie für Emotionen, auf die sich eine Mehrheit geeinigt hätte, steht letztlich noch aus. Ich kann durch meine eigenen Erfahrungen nun besser nachvollziehen warum das so ist und dass ich mit diesem Zustand jetzt eben zurecht kommen muss. Es ist unbefriedigend, aber deshalb vor dem ganzen Thema wegzurennen stellt letztlich keine Möglichkeit mehr dar. Dazu habe ich mich bereits viel zu lange und zu intensiv damit beschäftigt und halte eine Auseinandersetzung mit Emotionen, vor allem wissenschaftlicher Art, sowie die Untersuchungen unterschiedlichster Erscheinungen im Bildungsbereich aus dieser Blickrichtung inzwischen für sinnvoll und weiterführend.

Da ich es mit komplexen Zusammenhängen bei für mich unzureichender Vorstrukturierung zu tun habe, hilft mir das Wissen weiter, dass Komplexitätsreduktion von anderen bereits thematisiert wurde. Wenn ich meine Probleme nicht nur als individuelle Probleme begreifen kann, entlastet es mich davon etwas leisten zu müssen, das meine Möglichkeiten zu überschreiten scheint. Es wird akzeptabler für einen Teilbereich unzureichendes Wissen zu produzieren, dass sich dabei dadurch legitimiert, dass es sich seiner Bedingtheit und Grenzen bewusst bleibt.

Damit komme ich zum zweiten Punkt, der Persönlichkeitsentwicklung. Mein letzter Stand war, dass die Bewertung, die Emotionen generell in der Gesellschaft, bzw. in Teilbereichen der Gesellschaft erhalten, eine Rolle dabei spielt wie dann im Bildungsbereich mit ihnen verfahren wird. Aufgefallen ist mir dabei der Unterschied in der Ausrichtung von Bildungszielen. Einerseits gibt es eine Ausrichtung, die auf die Entwicklung der Person als umfassendes Individuum abzielt, wobei die Entwicklung emotionaler als auch sozialer Kompetenzen als bedeutsam betrachtet werden sollte (Emotionen treten vor allem in sozialen Beziehungssystemen auf), andererseits existieren Bereiche, in denen der Erwerbs fachlicher Kenntnisse betont wird, für die ein Bild vom Individuum als letztlich voll entwickelt zugrunde gelegt wird. Liegt diese Entwicklung dann nicht angemessen vor, kann das als Verweis auf einen externen Nachbesserungsbedarf verstanden werden, bzw. bei der Unmöglichkeit davon auf eine mangelhafte Eignung zurückgeführt werden.

In letzter Konsequenz scheint das zu bedeuten, dass das zugrundeliegende Bild vom Menschen in der Gesellschaft wegweisend ist wie mit Menschen in Bildungskontexten verfahren wird. Eine Änderung der Wahrnehmung der Bedeutung von Emotionen kann daher eine andere Praxis nahelegen, wofür sich durchaus Belege finden lassen. Interessant ist dabei wie weit sich auf diesem Weg auch andere wichtige Ziele erreicht werden können.

Zur Zeit nehme ich an einem MOOC teil, in dem Richard Boyatzis unterrichtet. Er bezieht sich im zweiten Video der dritten Woche auf die Erfolge des SEL (social and emotional learning) Programms, das unter anderem durch die systematische Einbeziehung von Emotionen in alle Unterrichtsdisziplinen einen großen Einfluss auf das prosoziale Verhalten zu haben scheint, und das nebenbei zu einer Verbesserung der Gesamtergebnisse in allen Fächern führte. Von ihm wird dabei auch für standardisierte Tests eine Verbesserung um 39% erwähnt. Er formuliert, dass durch die Verbesserung des Umgangs mit den eigenen Emotionen und denen der anderen der „Krach im Kopf“ reduziert wurde. Ein von ihm beispielhafte angeführte Methode verwendet Stoplights während des Unterrichts nach folgender Zuordnung:

  • Rot: Was fühlst du gerade? Kannst du es benennen?
  • Gelb: Was bedeutet das was du fühlst? Was willst du tun, wenn du dich so fühlst?
  • Grün: Was solltest du als nächstes tun, damit du dadurch für dich selbst und andere hilfreich handelst?

Bei einer Umsetzung als Ampel bin ich unschlüssig was ich davon halten soll, Unterricht gezielt an geeigneten Stellen zu unterbrechen und die Achtsamkeit in verschiedenen Ausprägungen dabei auf Emotionen zu lenken, fasziniert mich allerdings sehr. Ich werde in der nächsten Zeit versuchen genaueres zu diesem Programm herauszufinden. Auch im International Handbook of Emotions in Education findet sich dazu ein Kapitel, das ich allerdings bisher noch nicht gelesen habe. Die hier benutzte Implementierung von Emotionen ist anscheinend möglich ohne die gesamte Ausrichtung des Unterrichts zu ändern und die Leistungsorientierung des schulischen Systems scheint dabei auch in der gewohnten Form erhalten zu bleiben.

Referenzen:

Dörner, D. , Kreuzig, H.W., Reither, F. & Stäudel, T. (Hrsg.) (1983). Lohhausen. Vom Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität. Bern: Huber.

Pekrun, R. & Linnenbrink-Garcia, L. (Hrsg.). International Handbook of Emotions in Education.  New York: Routledge.

Auf der Spur des Lernens mit Hilfe der Teaching for Learning Kurse

Mein erster Kurs der achteiligen Reihe war der dritte und ich hatte ihn belegt, weil er Lernen und Lernende  als Thema hatte und ich hoffte, dadurch mehr Verständnis vom Lernen zu bekommen. Dass ich mich dabei in einem Kurs befand, der auf praktizierende Schullehrer mit und ohne Ausbildung vor allem aus dem Raum des Commonwealth zugeschnitten war, habe ich einerseits in Kauf genommen, andererseits habe ich die Vielfalt der Herkunft der Dozenten und Beispiele genossen.

Der Kurs war von seinem Inhalt und seiner Gestaltung her dann für mich so interessant, dass ich im Lauf der Zeit alle weiteren Kurse belegt und erfolgreich nach den vorgegebenen Kriterien abgeschlossen habe. Momentan bearbeite ich den letzten, und bin inzwischen seit über einem Jahr mit der Reihe beschäftigt. Gerade die beiden letzten Kurse hatten Themen, die mich zu Beginn nicht interessierten (Being a Professional, Developing Relationships), sie erwiesen sich aber dann als die mit den interessantesten Themen. Gerade der jetzt laufende Kurs hat es geschafft meine kognitive Karte vom Lernen unter einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Natürlich hat das nicht der Kurs allein bewirkt, viele Einflüsse haben in den letzten Jahren auf mich eingewirkt, aber er hat die Beziehung zum Lernen thematisiert und mir Belege dafür geliefert, dass ein positives Verhältnis zum Lernen das Entscheidende ist, was im Feld des Lernens zu erreichen ist.

Für mich kam diese Erkenntnis während ich Assessment1-T8 für den Kurs schrieb, bei dem ich noch einmal die Themen der ersten zwei Wochen knapp zusammenfasste. Das war nicht die gewünschte Lösung gewesen, das musste ich nach über 700 Worten feststellen (mehr sollten es nicht sein), als ich keinen Platz mehr dafür hatte zu schreiben, welche Aktivitäten ich selbst einsetze, um im Klassenraum wirksame  Beziehungen für produktives Lernen bei Schülern zu nutzen. Ich wollte mich dafür an der Praktikumsbearbeitung von Modul 3B aus dem Fernstudium ausrichten und die Beschäftigung damit auch mit dem MOOC verbinden.

So hieß es also noch einmal fluchend von vorne zu beginnen, da ich die Arbeit eines ganzen Vormittags nicht zum Erreichen der Punkte für das Essay verwenden konnte. Die Mühe hatte allerdings unerwartete Früchte getragen. Während des Schreibens war mir aufgefallen, dass der Inhalt der ganzen zwei Wochen auf eine Aussage hinauslief. Für ein erfolgreiches Lernen ist ein positives Verhältnis zum Lernen notwendig. Lernen muss als etwas Erfreuliches wahrgenommen werden, das einen Prozess bedeutet, der in eine bessere Zukunft führt. Und das ist die Haltung, die auch die Lehrende zu vermitteln hat. Lernen soll Spaß machen und Freude bereiten. Nicht die Art von Spaß, die mit Vorstellungen von Einfachheit und Leichtigkeit verknüpft ist, sondern Freude an Ausdehnung und Gelingen, an Veränderung und Verbesserung, an Erkenntnis und Verstehen, verbunden mit einer Freiwilligkeit des Bemühens.

Ich merke, dass es mir noch schwer fällt anderen zu vermitteln was ich meine. Zu oft wird bei Spaß und Freude an geringe Anforderungen gedacht und Schüler nur tun zu lassen was sie wollen ohne Stress und Druck. Das ist aber nicht gemeint. Sondern es ist die Ausrichtung auf die Entwicklung einer inneren Haltung, die das Schwere und Anstrengende freudig annimmt, da sie eine Notwendigkeit zur Zielerreichung sind. Es ist Begeisterung für den Prozess, Erkennen von Sinn, Zuversicht in die Möglichkeit des Erfolgs und Befriedigung durch die Handlung, die Schritt für Schritt vorwärts führt und das erreichbar werden lässt, was zu Beginn noch weit entfernt lag.

Natürlich hat hier die Beschäftigung mit dem ARCS-Modell von Keller mitgemischt (Aufmerksamkeit, Bedeutsamkeit, Erfolgszuversicht, Zufriedenheit), aber letztlich ist es in der Gesamtheit nur ein Verstehen davon, wovon  ich intuitiv bereits ausgegangen bin. Jetzt kann ich es aber in den Bereich des Ernstes versetzen. Ich kann Spaß ernst nehmen und kann sagen, wenn wir die Freude am Lernen vergessen, wenn wir sie nicht ernst nehmen, wenn wir denken, das harte schwere erzwungene leidvolle Lernen unter Stöhnen würde mehr Erfolg bringen, so irren wir uns. Lernen muss glücklich machen. Auch Jean-Pol Martin geht davon aus. Und auch wenn ich Carl Rogers Maslow, den Jean-Pol Martin für sein Menschenbild verwendet, anscheinend vorziehe, so befinden sich doch beide im gleichen Raum der humanistischen Psychologie.

Ich habe für mich meine Orientierung für Lernen und Lehren gefunden.

Lernen ist ein Prozess der stetigen Veränderung, der mit Freude verbunden sein soll.

Darauf kann ich alles andere aufbauen. Das kann ich als Maßstab und Richtschnur verwenden. Und es gilt auch für die Pflicht, nicht nur für das freiwillige, zusätzliche Lernen. Für mich fühlt es sich stimmig an. Das Interesse aus dem ich einmal diese Kursreihe begonnen habe, die Fragen, die ich hatte, sind zu einem Ende gekommen. Die Kursreihe ist noch nicht zu Ende und mir selbst verpflichtet möchte ich sie auch mit Erfolg abschließen, es fühlt sich aber an, als habe sie jetzt ihren Zweck erfüllt. Alles was noch kommt ist zusätzlich, könnte von heute auf morgen beendet werden, nur die letzte Pflicht würde dann noch ausstehen.

Ich bin gespannt was für Auswirkungen mein neues Verständnis haben wird. Wie es sich auf meine Betrachtung des Bildungsbereichs auswirken wird. Denn die Vorstellung, dass Lernen ein positiver, erfreulicher Prozess sein soll, führt mich zu einer sehr eindeutigen Herangehensweise an den Vorgang des Lernens, den ich für mich selbst und andere entsprechend zu gestalten gedenke.