Bildungsmäuschen

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Nachtrag zum Pythonkurs auf HPI

Heute bekam ich die Benachrichtigung, dass ich mein Zeugnis für die Teilnahme am Kurs herunterladen kann, und nehme das als Anlass noch letzte Bemerkungen nachzuschicken.

Es wurde in der Zwischenzeit eine unsortierte Sammlung von Links der Teilnehmer zu weitergehenden Informationen oder interessanten Seiten zur Verfügung gestellt. Eine sehr gute Sache, allerdings wäre es sinnvoll wenn jemand diese Liste sortieren könnte und auch sichtbar macht, welche Links sehr veraltete Materialien enthalten. Es könnte gerade Anfängern die Suche erleichtern, denn diese Liste ist ausgesprochen lang und weitgehend unkommentiert. Auch an einer solchen Stelle kann sich eine Gelegenheit für interessierte Freiwillige finden, die über einen Informationsvorsprung oder Wissensvorsprung verfügen. 🙂

Im Nachhinein bedauere ich meine Aufregung über den Kurs und meine kritischen Äußerungen nicht. Ich bin nach wie vor der Ansicht dass man gerade für Anfänger in diesem Bereich die Hürden klein halten sollte. Ohne auf Details eingehen zu können, kann ich rückblickend auf meine Programmierkurse sagen, dass ich in den englischsprachigen Kursen mehr Zusatzinformationen bekommen habe und die Aufgaben meist auch leichter nachvollziehen konnte. Allerdings waren diese Kurse auch alle länger. Ich habe im Vergleich auch entdeckt, dass einiger meiner Probleme nicht auf die Sprache zurückzuführen sind (Englisch statt Deutsch), sondern auf die Art der Vermittlung, bei der ich wiederum in allen Kursen Gemeinsamkeiten ausmachen konnte.

Sehr gut gefallen hat mir die Verwendung der Turtle-Grafik. Sie ähnelt sehr den Möglichkeiten sehr direkt sehen zu können was man tut, auch wenn man etwas ändert. Etwas das mich bei der grafischen Ausrichtung der Programmiersprache Processing schon begeistert hat.

Der Kurs steht inzwischen self-paced zur Verfügung, es ist keine Fortsetzung geplant, aber eine Neuauflage zum Ende des Jahres in der „ferienfreien“ Zeit, ein Begriff unter dem ich mir nichts konkretes vorstellen kann und der mich erneut an die Problematik der zum Teil nur schwer nachvollziehbaren Beschreibungen der Programmieraufgaben erinnert. Ich habe den Eindruck, dass es hier unter Fachleuten Sprachgepflogenheiten gibt, die Anfängern den Einstieg nicht erleichtern.

Selbstverständlich gebührt den Anbietenden großer Dank und Respekt für ihre Arbeitsleistung, aber Verbesserungen sind eben möglich. Wenn ich auf meine Erfahrungen zurückblicke, so gehe ich aber davon aus dass Anregungen aufgenommen werden und vielleicht werden auch diejenigen Erwähnung finden, die durch ihre Teilnahme Anregungen geliefert haben. Und vielleicht werde ich für die Zukunft einmal andere Möglichkeiten überlegen, als nur auf meinem Blog vor mich hin zu reflektieren. Das ist aber ein neues Thema.

Ich freue mich auf gute Programmierkurse für Einsteiger in der Zukunft!

Ende des Pythoneinführungskurses für Schüler bei HPI

Ich habe jetzt die letzte ausstehende Aufgabe gelöst und damit auf meiner Fortschrittsseite 100% bei allen Rubriken erreicht. Zum Schluss hatte ich noch ein für mich positives Erlebnis, da ich die letzte Aufgabe mit einer Methode lösen konnte, die in einem Kurs zur Spieleprogrammierung mit Python vorgeführt wurde. Es sollte ein einfaches Zahlenrateprogramm erstellt werden, in dem ich mich aber verrannt hatte. Die Lösung bestand darin in einer Mischung aus Pythonschreibweise, mathematischer Darstellung und ganz normalen Worten systematisch aufzuschreiben was ich tue, wenn ich selber auf ein Zahlenratespiel antworte. Dann musste ich die erkannte Struktur nur noch in Code umschreiben und das Programm funktionierte wie gewünscht. Einer der Punkte an denen ich gemerkt habe, was für interessante Dinge ich in meinen bisherigen Programmierkursen gelernt hatte!

Allerdings wurde es vom Bewertungssystem als falsch zurückgewiesen, da ich zwei Kennzahlen untereinander ausgetauscht hatte. Dieses Mal reagierte ich mit Gleichgültigkeit darauf, passte meinen Code an die geforderte Form an, kreuzte alle Zeile aus über den gemeckert werden würde und erhielt meine Punkte.

Ich weiß nicht wohin mich mein Weg der Programmiererfahrungen geführt hätte, hätte ich als erstes diesen Kurs belegt um Programmierung kennenzulernen.  Auf der Basis meines bisherigen Hintergrundes würde ich ihn nicht für einsame Selbstlerner ohne Vorkenntnisse empfehlen. Persönlich habe ich durch den Kurs das Bedürfnis nach einem gut gestalteten Lehrbuch mit Beispielen und Register zum Nachschlagen bei Bedarf entwickelt, aber für Einsteiger wünsche ich mir einfach bessere Kurse. Und damit meine ich umfassendere Erläuterungen, mehr Beispiele, mehr Erläuterung von Funktionsweisen, mehr Anpassung an die Vorstellungswelten von denjenigen, die vorher gar nichts wissen, mehr kleinschrittige Übungsaufgaben mit Lösungen, mehr Anregung zum Ausprobieren und Teilen, unterschiedliche Vermittlungsmethoden.

Gut finde ich, dass die für die Übungsaufgaben erstellten Programme als zip-Dateien heruntergeladen, gespeichert und und mit Python geöffnet werden können. Gut finde ich die Videos. Gut finde ich es auch die Turtle-Grafik kennen gelernt zu haben. Alles kann weiterhin genutzt werden, aber es bedeutet für den einsamen Selbstlerner vor allem sich selbst zu unterrichten. Während der Zeit des laufenden MOOCs teilzunehmen bedeutet eine Bescheinigung erhalten zu können und auf Fragen möglicherweise schneller eine Antwort zu bekommen. Aber auch Fragen muss man erst einmal richtig formulieren können. Ansonsten muss man eben sehen wie man selbst zurecht kommt.

Meine Motivation mich mit Programmiersprachen weiter zu beschäftigen wurde gestärkt, allerdings eher weil ich den Kurs unzureichend fand. Ich fühle mich mehr alleingelassen als zuvor und der entstandene Eindruck ist, dass es allein bei mir liegt durch intensive Beschäftigung herauszufinden was ich wissen will, als dass irgendjemand daran interessiert ist mir Programmierung zu vermitteln, weil das als wichtiges Kulturgut für alle begriffen wird.

Gespannt bin ich jetzt noch darauf, wie die erstellten Zeugnisse aussehen werden und ob ich mir die Zeit nehme weiter zu üben. Und da war doch auch noch meine Faszination für die Computersprache Processing und die beiden Bücher mit Beispielen zur Erstellung von Computergenerierter Kunst, die auf meinen Stapeln warten…

Einführung in die Programmierung mit Python bei HPI, Ende der dritten Woche

Mein gesamter Arbeitsaufwand für den Kurs betrug diese Woche etwa 12 Stunden und ich habe am Ende auf der Fortschrittsanzeige überall 100% erreicht. Ich bin allerdings frustriert.

Einerseits ist mir zu viel unklar geblieben, zu häufig musste ich bei der Lösung der Aufgaben auf Ausprobieren und Unterstützung der Foren setzen, bei der letzten Aufgabe sogar meinen Telefonjoker einsetzen, um meinem Fehler auf die Spur zu kommen, statt dass ich zu einer ausreichenden Grundlage von Einsicht und Verständnis gekommen war. Vor allem aber bin ich vom Kursdesign enttäuscht. Für mich selbst ist es jetzt klar, dass die Verständnisprobleme nichts mit der verwendeten natürlichen Sprache zu tun haben. Gleich ob Englisch oder Deutsch, die Probleme auf die ich in Programmierkursen getroffen bin sind zu ähnlich.

Bei den Foreneinträgen fand sich der Beitrag einer Person, die sich als Schüler der achten Klasse bezeichnete und genau das was ich auch dachte formulierte. Der Schwierigkeitsgrad des Kurses steigt von der zweiten Woche zur dritten und dort von der ersten Übungsaufgabe zur zweiten zu schnell an. Das Material der Lectures reicht für einen sanften Anschluss nicht aus und Anfängern wird der Weg nicht leicht gemacht. Dieser Schüler äußerte, dass ihn der Kurs bei hoher Anfangsmotivation demotiviert hat. Er hat Programmieren nicht als eine erfreuliche Tätigkeit erfahren, die er gerne fortsetzen möchte.

Und das ist der Punkt an dem mich der Kurs vor allem frustriert. Ich möchte für Programmieren keine Kurse, die Anfänger nachhaltig abschrecken, ich möchte Kurse, die Anfänger motivieren und ihnen den Weg erleichtern.

Ich vermute die Problematik dahinter, dass sich die Unterrichtenden nicht in die Lage der Anfänger hineinversetzen können. Was für sie klar erkennbar ist, bleibt Anfängern ein Rätsel. Hätte ich kein Vorwissen gehabt, ich hätte die Gesamtheit der Übungsaufgaben nicht in einem vertretbaren Zeitrahmen lösen könne. Auch wenn die Lösungen, einmal gefunden, dann letztlich sehr simpel wirkten. Gut, für ein Bestehen des Kurses ist es nicht notwendig alle Aufgaben zu machen. Einen bestimmten Anteil zu schaffen reicht. Eine Quelle für Frustration kann das dennoch sein.

Ich kann mir den Kurs in Zusammenhang mit Präsenzunterricht vorstellen. Begleitet von einem Lehrer oder Tutor, aufgepolstert mit zusätzlichen Informationen und Übungen die Zwischenschritte darstellen, mit der Möglichkeit sich Aufgabenstellungen anders erläutern zu lassen, just-in-time Informationen, wenn sie benötigt werden. Möglichkeiten, die auch an Präsenzunis zu finden sind. Die Personen, die allein online lernen, bleiben benachteiligt. Ich muss an den Matthäus-Effekt denken. Ja, wir können teilhaben, besser als gar nichts, aber diejenigen, die bereits mit der wenigsten Unterstützung im Rücken starten, bleiben diejenigen, die bei ihren Problemen auch die wenigste Unterstützung haben.

Bei meinen ersten Kursen hat die Begeisterung darüber überhaupt Zugang zu Unterricht und Informationen zu haben überwogen. Inzwischen stelle ich aber andere Fragen. Die Forenbeiträge waren ähnlich schwer verständlich wie bei englischsprachigen Kursen. Manche Teilnehmer können gut erläutern, viele aber eben nicht. Viele Beiträge beziehen sich auch auf andere Probleme als bei einem selbst auftreten, Lösungsansätze sind sehr unterschiedlich und können häufig kaum verglichen werden. Bei den englischsprachigen Kursen wurde funktionierender Code sehr schnell gelöscht, bei diesem Kurs sind die Regeln entweder weniger streng oder die Foren geringer überwacht. Aber auch eingestellter funktionierender Code muss nicht bei den eigenen Überlegungen weiterhelfen und erfordert häufig schon beträchtliches Vorwissen.

Kurz, der Verweis bei Unklarheiten die Foren zu nutzen greift in meinen Augen zu kurz, auch wenn ich diese Woche froh war das Material erst am Ende des Zeitraums bearbeitet zu haben, als sich schon viele Beiträge zum Nachlesen in den Foren fanden. Die Ansätze und Probleme der anderen haben mir geholfen in die richtige Richtung zu denken. Aber letztlich ergibt sich diese Notwendigkeit erst aus der Art des Kursdesigns.

Ich hätte mir mehr überleitende Übungsaufgaben gewünscht. Bei einem Spieleprogrammierkurs an dem ich teilgenommen habe, gab es dafür beispielsweise einen optionalen Bereich. Oder ein Wiki zum erweiternden Nachlesen, abgestimmt auf den Kurs. Und diese Woche eine Ausdehnung des Materials über einen längeren Zeitraum. Der Arbeitsaufwand ist von Woche zu Woche gestiegen. Für jeden, der den Kurs in einen schon vollen Zeitplan packen will, ein Problem. Also auch für vielbeschäftigte Schüler. Ich persönlich hatte diese Woche nicht mit dem Zeitaufwand gerechnet, der dann notwendig wurde, und letztlich habe ich meinen ganzen Sonntag mit dem Kurs verbracht. Bei meiner Lebensführung konnte ich anderes dafür zwar liegen lassen, so flexibel ist aber nicht jeder und jede. Die Aufgaben sind in der Zeit zwischen Montag 8.00 Uhr und dem nächsten Montag 22.00 Uhr zu lösen, also ein relativ enger Rahmen. Wird es in einer Woche eng mit der frei verfügbaren Zeit, kann eine fristgerechte Einsendung zum Problem werden. Auch wenn es nicht notwendig ist alle Aufgaben einzusenden, bleibt dennoch das Gefühl es nicht geschafft zu haben, nicht genug gelernt zu haben.

Es gibt Schwierigkeiten, die helfen beim Lernen. Hier finden sich Schwierigkeiten, die es erschweren, und das Potential von Demotivation haben. So sollte E-Learning nicht sein. Das ist weder für das Format noch für den Inhalt förderlich. Und es ist auch nicht förderlich für eine Demokratisierung des Zugangs zu Wissen.

Für mich persönlich ist es das zweite Mal, dass ich Personen mit geringen Kenntnissen von MOOCs einen Kurs empfohlen habe und diese Empfehlung im Nachhinein bedauere. Ich befürchte sie sind jetzt so abgeschreckt, dass sie dieses Format nicht so schnell wieder testen werden. Dadurch wiederum werde ich vorsichtiger mit meinen Empfehlungen. Außerdem werde ich erneut erinnert, in einer welch einer benachteiligten Situation sich Personen befinden, die sich ihre Bildungsmöglichkeiten selbst zusammenstückeln müssen. Am Ende dieser Woche bleibe ich mit einem schalen Gefühl zurück.

Programmieren mit Python bei HPI, 2.Woche

Für die zweite Woche muss ich meine Meinung zum Kurs abändern bzw. erweitern. Einige Aufgaben haben mich inzwischen vor Probleme gestellt. Dafür scheint aber ein Phänomen verantwortlich, das mir schon bei vorigen Onlinekursen bzw. MOOCs zu dem Thema Programmieren aufgefallen ist. Nicht selten werden einfache Dinge ausführlich erklärt, dann aber darauf aufbauend komplizierte Aufgaben gestellt (oder vielleicht auch nur komplizierte Verbalisierungen gewählt). In zwei von 12 Fällen bin ich auf solche Aufgaben gestoßen, die ich nach deren Angaben und nur auf der Basis des vermittelten Stoffes auf den geforderten Lösungswegen nicht bewältigen konnte. In diesen beiden Fällen hat mir auch die bereits in den Foren vorhandene Kommunikation nicht weiter geholfen.

Die Erläuterungen und Vorführungen von Prof. Martin von Löwis in den Videos sind übersichtlich und gut nachvollziehbar, allerdings erscheinen sie mir sehr darauf konzentriert vorzuführen wie Programme geschrieben werden, ohne allzu sehr auf grundlegende Prinzipien und Hintergründe einzugehen. Ich meine mich aus meinen vorherigen Kursen an mehr Grundlagenwissen zu erinnern. Allerdings kann ich mich da auch täuschen und das Gesamtwissen das ich mir insgesamt inzwischen erworben habe mit dem Unterricht einzelner Kurse verwechseln.

Es gibt also für mich zwei Auffälligkeiten. Einerseits der Brückenschlag zwischen unterrichtetem Stoff und Aufgabenanforderungen, andererseits ein Mangel an Kontext bei einer starke Ausrichtung auf Vorführung von Anwendung. Beides steht in einem Zusammenhang. Wenn ich nach für mich geeigneten Verbesserungsmöglichkeiten frage denke ich, ein besseres Verstehen der Prinzipien der Programmierung könnte helfen oder aber noch mehr Beispielaufgaben. Also entweder mehr Theorie oder mehr Praxis. Ich selbst würde ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Denkweise bevorzugen, um auf dieser Basis an Aufgaben herangehen zu können, statt über Beispiele einen Überblick über Lösungsstrategien zu gewinnen. Die hier beschriebene Problematik könnte auch dafür in Frage kommen, warum es manchen Personen sehr schwer zu fallen scheint Programmieren erlernen zu können.

Zu den Teilnehmern lässt sich am Rand sagen, dass es Schülerstimmen gibt die davon berichten zu dem Kurs gezwungen zu sein oder den Kurs empfohlen bekommen zu haben. In einem Fall sollte eine Klasse freiwillig teilnehmen und ein einzelner Schüler hatte den Eindruck, er sei der Einzigen aus der Klasse der das auch tat. Bei den Älteren scheinen solche Anmerkungen nicht vorzukommen. Hier ist vor allem Interesse und Freiwilligkeit auszumachen. Das könnte allerdings durchaus anders aussehen, wenn auch Erwachsene in der Situation wären zu dem Kurs trotz nicht oder gering vorhandenem Interesse verdonnert zu werden. MOOCs sind letztlich ein weites Feld von Erscheinungen und Problematiken und nur manches wird gelegentlich sichtbar.

Mein Zeitaufwand lag dieses Mal bei dreieinhalb gemütlichen Stunden, allerdings wäre es sehr empfehlenswert weiter zu üben und auch noch die geforderten Lösungswege zu den beiden Aufgaben finden. Ich habe sie zwar gelöst, aber in einem Fall nur unter Zuhilfenahme von Kenntnissen, die noch nicht Unterrichtsstoff waren, in dem anderen Fall konnte ich nur einen der beiden angegebenen Lösungswege nachvollziehen.

Python, HPI und Einführung in Computerprogrammierung

Dieser Blog hat sich als Dokumentations- und Reflexionsinstrument zu meinen Lernaktivitäten bewährt. Daraus hat sich meine momentane Motivation entwickelt über aktuelle Aktivitäten zu berichten.

Am Montag, dem 22.Sept. startete auf der HPI-Plattform ein Kurs für Programmieranfänger, gedacht vor allem für Kinder und Jugendliche, aber so gestaltet, dass er auch für ältere Anfänger geeignet ist. Kennt man sich auf der HPI-Plattform noch nicht aus, kann es etwas Zeit erfordern sich zu orientieren. Dann findet man aber einen systematischen Aufbau vor. Zwei Videos zur Einführung erklären ruhig und sachlich Aufbau und Absicht, nach ein wenig Suchen und ggf. der Hilfe der Foren findet man dann das Material zur ersten Woche. Der Kurs ist kurz, vier Wochen, eine reine Einführung eben, und vom zeitlichen Aufwand her so gestaltet, dass er auch von vielbeschäftigten Schüler nebenher absolviert werden kann. Den Arbeitsaufwand möchte ich dabei nicht schätzen, da er auch von Vorkenntnissen Und Intensivierungsinteressen abhängig ist.

Mathematische Grundkenntnisse sind notwendig, genauso wie ein mathematisches Verständnis. Die ganze Informatik hat sich als ein Teilbereich der Mathematik entwickelt. Und Programmierung wiederum gehört zum Bereich der Informatik. Programmierung ist aber auch eine Kunstform, erfordert es systematische Sprachen zu erlernen mit deren Hilfe mit dem Computer kommuniziert werden kann, sie erfordert Kreativität in der Verwendung, stellt intellektuelle Anforderungen und kann ganz einfach Spaß machen. Ich bin begeistert davon, dass englische Kinder nun die Möglichkeit haben von ihrem fünften Lebensjahr an in der Schule dort hinein zu wachsen. Als weitere Ergänzung noch ein kurzer Zeitungsartikel.

Die erste Woche bei HPI besteht aus vier Blöcken, die sich gut trennen und einzeln bearbeiten lassen (wenn man nicht so viel Zeit an einem Stück hat). Zuerst steht immer ein Lehrvideo zur Verfügung, in dem erklärt und vorgeführt wird. Dauer in der ersten Wochen zwischen etwa 4 und etwa 12 Minuten je nach behandelten Thematiken. Die Videos stehen auf der Plattform zur Verfügung, können aber auch in zwei Qualitäten heruntergeladen werden. Direkt unterhalb der Videos findet sich der Bereich Fragen und Diskussion. Die Videos selbst sind in zwei Bereiche eingeteilt. Links oben in der Ecke klein das Bild des erläuternden Professors Martin von Löwis, der Hauptbildschirm stellt die Präsentationsfläche für PPP, Python im Webbrowser und anderes dar. Alles wirkt sehr weiß und freundlich.

Die Videos behandeln in Blöcken wichtige Bereiche der Programmiersprache Python. In der ersten Woche u.a. Variablen, Module und Strings. Da ich bisher nur Unterricht zum Programmieren in englischer Sprache hatte, finde ich es sehr interessant einmal einen deutschen Sprachgebrauch zu hören. Nach jedem Video gibt es vier Verständnisfragen zum Inhalt, die nicht in die Endbewertung einfließen, für die es aber ein unmittelbares Feedback gibt. Anschließend müssen jeweils drei Programmieraufgaben gelöst werden. Diese waren in der ersten Woche vor allem Rechenaufgaben, aber auch Aufgaben zur Darstellung von Text. Möglich ist das direkt im Browser. Die Aufgaben müssen für eine Endbewertung im Verlauf der Woche bearbeitet und eingesandt werden.

Der Kurs basiert auf Python 3.4, Python selbst muss aber nicht auf dem eigenen Rechner installiert werden. Bei der angebotenen Webanwendung von Python steht der Bereich der Eingabekonsole als auch das Ausgabefeld zur Verfügung. Das geschriebene Programm kann also ganz normal auf Funktionsfähigkeit überprüft werden, bevor es eingesandt wird.

Dabei stellt sich jedoch heraus, dass ein funktionierendes Programm mit dem richtigen mathematischen Ergebnis noch lange nicht als richtig akzeptiert wird. Wie es mir schon bei anderem Unterricht in Programmierung ergangen ist, Anweisungen müssen genau gelesen werden, die Darstellungsform des Programms muss exakt den Angaben entsprechen. Mathematische Berechnungen erhalten eine andere Darstellungsform als gewohnt. Geht es darum zu üben Variablen zu verwenden, wird als richtige Lösung nur akzeptiert, wenn diese auch Verwendung gefunden haben. Andere Lösungswege bekommen ein Feedback als fehlerhaft. In den Foren finden sich Belege, dass auch andere dabei auf Probleme getroffen sind.

Meine bisherigen Kenntnisse lassen die ersten Videos und Aufgaben langweilig erscheinen, aber schon beim dritten Video hat es mich wieder gepackt und die Begeisterung fürs Programmieren ist erneut spürbar. Ich kann für alle Aufgaben die Lösungen finden, werde wie in der Vergangeheit damit konfrontiert, dass Schreibfehler und mathematische Denkfehler nicht akzeptiert werden, also Disziplin angesagt ist, und ich auch einer etwas anderen Logik folgen muss als gewohnt. Den letzten Teil der Woche, die Präsentation und Erläuterung der verwendeten Turtle-Grafik, hebe ich mir für den nächsten Tag auf. Damit kenne ich mich noch nicht aus und rechne mit einem größeren Zeitbedarf.

Neben dem Bereich Kursinhalte, in dem sich die Videos, Tests und Aufgaben befinden, gibt es die Rubriken Diskussion, Fortschritt, Neuigkeiten, Lerngruppen, Kursdetails. Die Diskussionsforen sind nach vier Tagen bei inzwischen 6036 Teilnehmern (schicker Zähler, der sich fortdauernd aktualisiert, bei den Kursdetails zu finden) übervoll. Allerdings wird hier alles aufgelistet, auch das was sich in übersichtlicherer Form unterhalb der Videos an Beiträgen und Anfragen befindet. Die Rubrik Fortschritt liefert statistische Angaben zu den eigenen Leistungen. Sehr übersichtlich, nicht gamifiziert, für mich in dieser Form ansprechend und motivierend. Auf mich hat es die Wirkung, die eine direkte Gamifizierung anstrebt, die ich aber häufig als deplatziert empfinde: Ich möchte meine Anzeigeleisten voll bekommen und alle orangenen Felder in grüne verwandeln.

Die Rubrik Neuigkeiten ist gegen die Diskussionsseite sehr leer, interessant wird es wieder bei den Lerngruppen mit den zum Teil kryptischen Namen. Auf den ersten Blick scheint die Mehrzahl geschlossen. Es finden sich aber genug offene und eine Neugründung scheint auch unproblematisch. Ich habe keine Lerngruppe, würde aber gerne mit Menschen, mit denen ich auch sonst zu tun habe, eine gründen. Diejenigen scheinen aber momentan keine Zeit für einen solchen Kurs zu haben. Wahllos klicke ich mich durch die Teilnehmerangaben der offenen Gruppen, ohne jedoch irgendeinen Hinweis zu haben, welcher Gruppe ich mich denn anschließen könnte.

Meine ersten Eindrücke des Kurses sind durchaus positiv, er scheint einen schnellen, kompakten Einstieg in die Programmierung bieten zu können. Allerdings kann ich nicht einschätzen, wie diese Einführung auf reine Anfänger wirkt. Ich habe in meinem Rücken drei abgeschlossene Courserakurse, die ich intensiv bearbeitet habe, und einige Erfahrungen mit Kursen bei Codeacademy, habe meine erworbenen Kenntnisse allerdings in der Zwischenzeit kaum angewendet und bin daher nicht sonderlich geübt. Allerdings merke ich immer wieder, dass ich inzwischen über ein anschlussfähiges Grundwissen verfügen, das auch durch diesen Kurs ergänzt wird. Momentan vor allem dadurch, dass ich deutsche Bezeichnungen erlerne.

Fazit: Wer Interesse an Programmierung hat und die deutsche Sprache spricht, scheint hier gut aufgehoben, um einen ersten Einblick zu bekommen. Er eignet sich auch, um einen Eindruck davon zu erhalten, warum Computerprogrammierung ein Teil des allgemeinen Unterrichts sein sollte. Das Alter der Teilnehmer scheint mir dabei unerheblich. Gewissermaßen ist der Kurs altersneutral gehalten und entspricht damit seiner Ankündigung auch für andere Anfänger als Schüler geeignet zu sein. Eine Verwendung im Zusammenhang mit Unterricht an Schulen oder an anderen Orten ist ebenfalls möglich. Über die Zeitdauer des MOOC hinaus wird er auch selfpaced seine Aufgabe erfüllen können.

Daher an dieser Stelle also schon einmal ein Dank für die Zurverfügungstellung, auch wenn der Kurs gerade erst gestartet ist!

Python und – Rassismus im Whileloop

Neue Wissensbereiche können neue Vorstellungsbilder für das Denken zur Verfügung stellen. Momentan bin ich dabei einen Kurs für die Programmierung mit Python zu wiederholen, der zur Erhöhung der Motivation und für besseres Teilen und Überprüfen von Code die Programmierung von Spielen in einer browserbasierten Programmierumgebung einsetzt. Er ist momentan der einzige MOOC in dem ich noch mit dem Ziel einer Teilnahmebescheinigung arbeite und das vor allem aus folgenden Gründen: 

  • weil ich beim ersten Mal dort viel Zeit hineingesteckt habe, einfach weil dieser Kurs für Anfänger extrem, wirklich extrem zeitaufwändig ist, 
  • weil es mir wichtig ist wenigstens etwas Programmieren zu erlernen, 
  • weil ich beim ersten Mal die Minimalanforderungen für eine erfolgreiche Teilnahme erfüllt hätte, wenn ich nicht einmal einen Einsendefehler gemacht hätte
  • und weil mich das gemeinsame Arbeiten und die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer an diesem MOOC damals so beeindruckt hat, dass ich dachte: da würde ich gerne zugehören! Wenn ich doch auch schon diese Fähigkeiten hätte und dann Anfängern weiterhelfen könnte. 

Inzwischen verstehe ich meistens den Code der anderen und kann Fehler finden und auf Verbesserungsmöglichkeiten hinweisen. Das macht glücklich. Und wenn dann sogar ein Feedback dazu erfolgt, dass der Hinweis auch geholfen hat, dann weiß ich: ich habe einen Teil von dem gelernt habe, was ich mir gewünscht habe. Und wenn ich dann noch ein Lob für mein Spieldesign bekomme (das ich selber sehr ästhetisch finde), dann ist das kleine Kind in mir rundum glücklich. Außerdem verfliegt beim Programmieren die Zeit. Ich denke, es ist der von Csikszentmihalyi beschriebene Flow in den ich gerate, der mich Stunden an einer Logik grübeln lässt, die meinem Gehirn noch schwer fällt.

Ich denke, ich möchte an dieser Stelle noch ein wenig weiter schwärmen. Das Rassismusthema muss noch etwas warten. Programmieren hat einen hochästhetischen Aspekt für mich. Ich liebe übersichtlichen, sauber strukturierten, einfach lesbaren, gut deklarierten Code. Ich mag es minimalistisch und ich gewinne eine hohe Motivation aus der ästhetischen Gestaltung des Endprodukts. Mich motiviert herauszufinden wie ich Musterreihen programmieren kann dazu, mich mit Mathematik und Logik zu befassen. Ich habe gejubelt, als durch kleine Streifen Code alle meine Kartenrückseiten das gleiche Muster zeigten und ich die Verwendung von Loops über die Anweisungen hinaus verstanden hatte.

 

Und mit den Loops bin ich wieder bei meinem eigentlichen Thema. Auf Rassismus bezogen befinde ich mich in einem While-Loop, der das System zwar nicht komplett blockiert, aber verlangsamt, weil er mit seinen Berechnungen einfach nicht zu einem Ende kommt. Ich habe das Programm aber gestartet (oder besser: es wurde durch die Fernuni gestartet) und jetzt kann ich es nicht mehr abbrechen. Manchmal wirkt es als sei es jetzt durchgerattert, dann merke ich aber, dass es eigentlich immer noch läuft und ich immer noch kein Ergebnis habe. Gerade als ich dachte, alles hat sich bereits in Luft aufgelöst, komme ich ins Gespräch mit einem Rollstuhlfahrer, der mich überholen konnte, weil ich zur Seite gegangen war. In einem meiner MOOCs habe ich nämlich kürzlich gelernt, dass Rollstühle keine Behinderung darstellen, sondern Rollstühle stehen für Mobilität. Während er an mir vorbeifuhr, musste ich ihm das erzählen. So etwas schaffe ich mit links, denn solange es mir gut geht muss ich anscheinend unentwegt an passender Stelle meine neusten Erkenntnisse mitteilen.

Aber zurück zu dem Rollstuhlfahrer und Rassismus. Wir haben so lange und über derart interessante Dinge geredet, dass ich bereit war einen teuren Strafzettel für Überschreitung der Parkzeit zu zahlen. (Das ist für mich ein sehr hohes Qualitätsmerkmal). Denn genau dieser Mann hat mich zur Brisanz und Bedeutung meines Themas zurückgeführt. 

 

Ich versuche es jetzt einmal mit der Beschreibung von Strukturen. Da ist eine Person, die hat ein Interesse an Verbesserungen in ihrer Umgebung, für sich selbst, aber auch für andere. Sie ist kompetent, hat fachliche Erfahrungen, die sie anderen zur Verfügung stellen möchte, und nun versucht sie sich zu engagieren. Doch sie merkt, ihr Engagement ist von Seiten derjenigen die über Machtressourcen verfügen unerwünscht. Und die Person merkt, da sind Beziehungsgeflechte, da wird gebremst, blockiert und verschleiert, da wird aber auch der Allgemeinheit durch dieses Vorgehen ein Schaden zugefügt.

Alles soweit gut nachvollziehbar. Jetzt kommt der Punkt, der mich interessiert. Um die Person wirkungsvoll fern zu halten, werden ihr gegenüber verletzende Zuschreibungen verwendet, die ihren Ursprung in rassistischen Vorstellungen haben. Kriterien abwertender Differenz sind hier: Körperlich behindert, alt, unterbeschäftigt. Führt zu der Zuschreibung von geistiger Beeinträchtigung, ein anderes Differenzierungsmerkmal mit negativer Konnotation. Geistig beeinträchtigt = inkompetent, unfähig zur Beurteilung, ungeeignet für führende Positionen oder Positionen mit Einfluss. Die Vorstellung von überlegener Intelligenz gemessen durch den IQ als Kriterium für einen Führungsanspruch entspricht Argumentationsmustern des neuen Rassismus z.B. eines Herrn Rushton. 

Und die verletzende, ausgrenzende Botschaft kommt an, weil die Bedeutung der Zuschreibungen akzeptiert wird, wenn in den Köpfen der betroffenen Menschen rassistische Vorstellungen als Welterklärung verankert sind. Das gilt nicht nur für die Täter sondern genauso für die Opfer. Dieser Mann im Rollstuhl, der zum Opfer gemacht wurde, wird genauso an passender Stelle andere zum Opfer machen und genauso logisch-irrational argumentieren. Er wird im passenden Moment mein Feind sein, nicht weil er eine böse Absicht hegt, sondern weil er Welterklärungsbilder mit sich herumträgt, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart transportiert wurden und im gesellschaftlichen Leben immer wieder genährt werden. Es sei denn wir sind vorher Freunde geworden und die Ebene der persönlichen Bekanntschaft ermöglicht ein individuelleres Verstehen. Und auch ich werde, wenn ich nicht aufpasse, diesen Argumentationsmustern aufsitzen, als Opfer und als Täterin. Wenn das möglicherweise auch nur in meiner Art des Denkens geschieht. Allerdings bleibt auch Denken allein nicht ohne Folgen.

 

Ich übe die Welt anders zu betrachten. Es geht! Es geht, indem die Kategorien durchdrungen werden und der Blick auf das Gemeinsame als Mensch gelenkt wird. Auf ganz essentielle Dinge wie Geburt und Tod, Hunger und Durst, Freude und Schmerz. Dinge von denen ich weiß, dass jeder sie im Verlauf seines Lebens erfährt. Vor meinem Auge tauchen auf einmal die Lösungsversuche der Nazis und der Sowjets im letzten Jahrhundert auf. Auflösung der Differenz durch Vereinheitlichung. Der Mensch und die Kultur als Massenprodukt für Gleichheit. Ausmerzung der Abweichungen. Rassistische Vorstellungen sind auch ein Erbe dieser Weltbetrachtungen.

 

Der Mann im Rollstuhl hat mich erneut motiviert dran zu bleiben. Fernhalten durch die Zuweisung zu einer Gruppe oder Gruppen, die bereits in der Vergangenheit von den denjenigen mit Definitionsmacht als minderwertig etikettiert wurden, benutzt von ihren Nachfahren, um über die Zuschreibung zu Unterschieden, die in der kollektiven Vorstellung eine Abwertung beinhalten, Privilegien zu wahren.

Ich bin alt, ich sitze im Rollstuhl – na und? Was wollt ihr, was erzählt ihr für einen Scheiß? Wofür ist das eine Kriterium? Es ist die Macht der verinnerlichten Vorstellungsbilder, das Annehmen der Zuweisung. Schäuble sitzt doch auch im Rollstuhl und macht einen kompetenten Job, hat er gesagt. Was wollen die? Er kämpft. Er sucht sich Halt und Neuorientierung gegen die Schatten der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die noch in vielen Köpfen nistet. Macht eure Augen auf und schaut euch um. Die Welt war schon immer vielfältig. Sich auf rassistische Gedanken einzulassen verschleiern nur den Blick auf die tatsächlichen Bedingungen in denen wir leben. 

 

Daher ist die Beschäftigung mit Rassismus für mich so wichtig. Ich habe dem Mann gesagt, das ist Rassismus, das sind rassistische Vorstellungen mit denen er konfrontiert ist. Es ist nicht allein so etwas wie Farbe. Es ist eine Weltordnung, eine Zuordnung, die bereits von vornherein dafür sorgt große Gruppen von Menschen fern oder unten zu halten, damit die Konkurrenz für die Verteilenden geringer wird. Indem man Gründe sucht, die in unveränderlichen als Defizite etikettierten ausgewählten Charakteristika einer Person begründet liegen. Es ist die Weltordnung von Menschen, die ein gegliedertes Schulsystem und gestufte Ausbildungswege errichtet haben, weil dadurch hierarchische Differenzierung zu ihrem eigenen Nutzen aufrecht erhalten blieb. Negative Differenzierung inkorporiert in den Opfern. Gedankenbilder erzeugt, um Zustimmung zum im Unbewussten bereits etablierten Bewertungssystem von Ungleichheit zu bewirken. 

Was mich daran speziell interessiert sind die verinnerlichten Vorstellungsbilder. Wie sie im Alltag erkannt werden können, wie ihnen Widerstand entgegen gesetzt werden kann, wie sie ihre Wirkkraft verlieren. Wie die Abgewerteten zu ihrem eigenen Wert finden können. Damit ihre Chancen steigen ihr volles Potential zu entfalten. Ich möchte, dass ein solcher Mann im Rollstuhl sich in Klarheit zur Wehr setzen kann, die ihm entgegen geworfenen Zuweisung abschmettern kann, ohne dass sie ihn erreicht. Ich möchte, dass er sich auf seine Verbesserungsvorschläge konzentrieren kann, dass er positive Erfahrungen der Zusammenarbeit mit anderen Menschen macht. Ich möchte dass er dazu beitragen kann unsere Welt besser zu gestalten.

Und ich möchte nicht dass er aufgibt und fortzieht. 

Studium, MOOCs, Programmieren, Kunst und Teilen

Wenn sich verschiedene starke Interessen plötzlich zu einer Einheit fügen, kann das Ergebnis reine Beglückung sein.

Das Studium der Bildungswissenschaft führte zur Entdeckung der MOOCs, die MOOCs eröffneten neue interessengelenkte Lernoptionen und ermöglichten auch einen ersten Einstieg in die Kunst der Computerprogrammierung. Die Grundlagen der Computerprogrammierung kombiniert mit dem schon vorher vorhandenen Interesse an der Produktion von Bildern führten in einen Einführungskurs der Programmiersprache Processing.

Und das Besondere dieser Sprache ist, dass sie von Beginn an darauf ausgerichtet ist Bilder zu erzeugen. Nicht über ein visuell zu benutzendes Zeichenprogramm sondern in Processing wird Code geschrieben und dieser Code gibt dem Rechner über den Compiler, der die benutzte Programmiersprache in eine vom Rechner verständliche Maschinensprache übersetzt, die Anweisungen für eine grafische Darstellung. Fast jeder Schritt kann sich in seinem Effekt sofort angeschaut werden. Das macht Programmieren zu einer visuellen Reise. Und das ist für mein Gehirn, das offensichtlich sehr gerne mit Bildern denkt, die reinste Freude. Und es signalisiert mir: mehr davon, mehr, das ist toll! (Es gibt da auch Theorien über Botenstoffe, Endorphine und ähnliches, da kenne ich mich aber leider gar nicht aus, und überlasse es auch gerne anderen.)

Eine weitere persönliche Verbindung besteht darin, dass Zeichnen und Gestalten seit Beginn des Studiums sehr wenig Zeit zugeteilt bekamen, mit Processing treten sie wieder stärker auf die Bühne. Das Erlernen einer neuen begeisternden Technik unterstützt erneut die Motivation zur Erstellung von Bilder.Fleeseed_Woven

Was jetzt noch fehlt ist der Aspekt Teilen. In vielen MOOCs wird sehr gerne geteilt und in MOOCs in denen die Teilnehmer Produkte anfertigen, die sie begeistern, sind es die Produkte, die sie teilen. In diesem MOOC sind es Bilder und Code. Es gab bisher zwei Assessments und schon sehr schnell nach der Bekanntgabe des ersten, gab es den Vorschlag die Ergebnisse in einem Forum zu teilen. Und genau das ist es wofür sich ein MOOC eignet. Die Fülle von unterschiedlichen Produkten zu erleben, die erstellt werden während man gerade selbst erstellt. Die Möglichkeit unmittelbar Anregungen aufzunehmen und Anregungen weiter zu geben, die Möglichkeit untereinander zu fragen, die Möglichkeit fremden zur Verfügung gestellten Code zu benutzen, um ihn abzuändern und in eigene Ideen einzubauen. Um diese Ideen dann wiederum zur Verfügung zu stellen, so dass der Prozess weiter gehen kann. Das Gefühl Teil einer kreativen Gruppe zu sein, die sich gegenseitig anfeuert. Die Möglichkeiten sichtbar macht, die eine einzelne allein nie so schnell hätte zusammentragen können.

In dieser Form gemeinsam zu lernen ist wie ich mir positive Zusammenarbeit in einer Gesellschaft vorstelle. Jeder Einzelne ist Teil eines Ganzen. Alles Wissen über das wir verfügen, alle Fähigkeiten die wir haben, sind immer eingebettet in die Gesamtheit menschlicher Gesellschaft. Niemand von uns ist allein das was sie ist, sondern immer ein Produkt des Zusammenseins mit anderen. Und alle gemeinsam sind wir nur das was wir sind, weil andere vor uns da waren. Und unsere Kinder, eigene und fremde, formen die Gesellschaft der Zukunft auf der Basis dessen, was wir in der Jetztzeit mehr oder weniger gemeinsam gestaltet haben.

Woven-codeMOOCs lehren mich wie unsinnig es ist in Hierarchien zu denken, sondern wie viel besser in gemeinsamen Interessen. Jede einzelne, die einen Beitrag liefert, ein Bild, Code, Informationen, Anregungen, Äußerungen von Gefallen, trägt etwas zur gemeinsamen Verfügbarkeit und Nutzung bei.

Bei mir bleibt das gemeinsame Lernen in der virtuellen Welt auch nicht ohne Folgen für den Alltag. Was im MOOC gemeinsam möglich war, wird zu einem Vorbild für das reale Leben. Wenn ich denke, dass ich etwas weiß, was ein anderer nicht weiß, warum soll ich es nicht sagen, ganz gleich wo ich ansonsten in der gesellschaftlichen Hierarchie stehe. Ich habe im MOOC erfahren, dass ich anderen Anregungen geben kann, dass andere meine Anregungen aufnehmen, habe erfahren, dass meine Beiträge kleine Steinchen im gesamten Bild sind und das Gesamtbild erst aus den Beiträgen aller entsteht. Da ist nicht nur fachliches sondern auch soziales Lernen geschehen.

„Soziales Lernen kann alles Lernen umfassen, das als Ergebnis sozialer Interaktionen auftritt oder in irgendeiner Weise mit sozialer Interaktion verbunden ist (Salomon & Perkins, 1998).“[1]

Erkenntnisse zum Schluß: Eigentlich sollte ich den Titel jetzt abändern und aus Teilen soziales Lernen machen, doch es gehört zu diesem Blog dazu, dass er Prozesscharakter hat. Das ist eine seiner Hauptfunktionen. Genau darin ist er gut und liefert mir einen großen Teil meiner ungebrochenen Schreibmotivation. Im Schreiben zur Kommunikation mit einem unsichtbaren Zweiten, der Öffentlichkeit, verbinde ich meine eigenen Konstruktionen mit von mir vorgestellten öffentlichen Konstruktionen. Konstruktion der eigenen Realität geschieht in der Kommunikation. Unsere eigene Realität gehört uns, sie wird aber nicht von uns hergestellt, sondern in der Kommunikation erzeugt (Berger & Luckmann, 1966)[2]. Realität entsteht in einem Prozess innerhalb von Gemeinsamkeit.

Genau das ermöglicht mir dieser Blog.  Während des Schreibens in der Kommunikation mit dem vorgestellten Zweiten (und Dritten und Vierten) entstehen neue Zusammenhänge und Vorstellungen. Was ich zu Beginn des Schreibens weiß, ist nicht das was meine Vorstellungen am Ende sind. Und auch wenn ich während des Prozesse allein bin, ist er Kommunikation in einem gesellschaftlichen Rahmen.

JahrestagDas Teilen der unmittelbar sichtbaren Produkte bleibt nicht auch auf den MOOC beschränkt, sondern manifestiert sich im Fall des Kurses zu Processing in der Form von Geschenken an Bekannte (siehe links), einem neuen Header auf Facebook, oder einem selbsterstellten Moodlegravatar. Aus anderen MOOCs heraus entstehen wiederum andere Formen geteilter Produkte.

Zusätzlich ist durch die Handlung des Teilens weiterhin das Wissen entstanden, dass eine Tür aufgegangen ist, die noch viel mehr Möglichkeiten bereit hält, dass es im Netz Anregungen, Unterstützung, Lernprogramme und Möglichkeiten  der Anwendung gibt,  dass Teilen Freude macht, Fülle ermöglicht und außerdem das Selbstwertgefühl heben kann.

Lernen im Netz. Lernen im MOOC. Nicht nur fachliches, auch soziales Lernen geschieht hier. Allerdings nicht nur in der von mir hier beschriebenen durchaus positiven Form. Weiter auf andere Aspekte einzugehen sprengt jedoch jetzt den Rahmen, soll aber nicht unerwähnt bleiben.

Referenzen:

[1]in Lefrançoise, G.R. (2006). Psychologie des Lernens, 4.Auflage. Heidelberg: Springer Medizin Verlag. Seite 310

[2]Berger, P. L. and T. Luckmann (1966). The Social Construction of Reality: A Treatise in the Sociology of Knowledge. Garden City, NY: Anchor Books.

And to extend the information:

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