Bildungsmäuschen

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Emotionen im weiten Land der Bildung

Heute morgen habe ich vor Freude innerlich und äußerlich gezappelt. Ich konnte im weiten Land der Bildung überall die Emotionen winken sehen. Ich habe dabei das Land als tatsächliche Landschaft visualisiert, in der die Emotionen in bunten Farben an unterschiedlichsten Positionen, in unterschiedlichsten Feldern und auf unterschiedlichen Hierarchiestufen vorhanden sind. Dieses Bild ist die Repräsentation meiner momentanen Wahrnehmung. Es ist eine Frage der Perspektive, der Blickrichtung, der Betonung. Konzentriere ich mich auf Kognition, sehe ich überall die Kognition, konzentriere ich mich auf Rassismus, sehe ich überall den Rassismus, konzentriere ich mich auf Frauen, sehe ich überall die Position der Frauen. Kombinationen sind möglich.

Es ist ein altbekanntes Prinzip und es ist legitim. Erst so fallen Feinheiten auf und Wirkungszusammenhänge. Eine Kommilitonin möchte ein Konzept zur interkulturellen Kompetenz für ehrenamtliche bzw. professionelle Flüchtlingshelfer in Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge entwickeln und ich denke sofort, dazu gehört doch auch die Achtsamkeit den Emotionen gegenüber und ihre Reflexion, Achtsamkeit für die Art wie man mit den eigenen Emotionen und denen anderer umgeht, wie man sich und andere nicht überlastet, sondern entlastet, aber auch die Beobachtung von vorhandenen Bewertungen, die in Form von Emotionen sichtbar werden. Dazu gehören auch rassistische und deterministische Vorstellungen, die oft nicht bewusst sind. Ich habe keine Ahnung wie man das sinnvoll in einem Konzept unterbringt, es gehört aber dazu. Sich dessen bewusst zu sein, öffnet den Weg dafür Emotionen in Bildungskontexten gezielter berücksichtigen zu können. Man muss allerdings auch einen Wert darin sehen.

Ich überlege wie ich das in Unterrichts-, Betreuungs- und Angebotsgestaltung handhabe. In der Vorbereitung beziehe ich die möglichen Emotionen der Kinder, meine eigenen und die anderer Beteiligter mit ein. Ich mache das durch Visualisierung der erwarteten Situation. Während der Durchführung beobachte ich Emotionen, als Ausdruck am Körper, als Empfindung im Körper, reagiere auf sie, wirke auf sie ein, versuche ungünstige spontane Reaktionen zu dämpfen, Emotionen zu lenken. Sowohl bei den Kindern als auch bei mir selbst als auch bei anwesenden Erwachsenen. Ich verbringe anschließend Zeit mit Reflexion, erinnere mich, versuche Zusammenhänge zu erkennen, Abläufe, wo es anfing und warum es sich in einer bestimmten Weise entwickelt hat. Entwickele bei Bedarf alternative Vorstellungen für das nächste Mal. Was muss ich vermeiden damit bestimmte Emotionen auftreten, was muss ich tun um andere zu fördern. Bei mir selbst und bei den anderen.

Als selbst Lernende kann ich ebenfalls meine Emotionen beobachten. Welche Emotionen bewegen mich wann zum Lernen, welche sind hinderlich? Die Freiheit der selbstbestimmten Lernerin wird von Emotionen getragen. Die Auswahl dessen was ich lerne, der Menschen, deren Äußerungen ich auch im Netz bevorzuge. Die Inhalte, die sich stärker und schwächer einprägen. Ich stelle Beziehungen zu Menschen her, die ich niemals unmittelbar sehen werde, die durchaus emotionale Komponenten haben. Was der will, will ich auch. Was die schreibt, stößt mich ab. Wenn ich das tue, werde ich nicht mehr gemocht. Ich kann versuchen solche Einflüsse vorüberziehen zu lassen. Kann sie beobachten, kann im ersten Fall versuchen meine eigentlichen Interessen herauszufinden, die Emotionen zu identifizieren und mich daran zu orientieren, die mir einen geeigneten Weg durch die Fülle der Möglichkeiten weisen. Kann im zweiten Fall abwarten, genauer hinsehen, anderes entdecken, offen bleiben, mich nicht schnell festlegen. Ich kann aber auch mein eigenes Scheitern beobachten, meine Ängste und Unsicherheiten, meine Verstimmtheit, mein unnötiges Zögern, Neid und Gier. Kann beobachten, dass meine Wut nicht destruktiv ist, nur heftig und ein starker Motivator.

Ich bin ausgesprochen zufrieden mit meinen Überlegungen und Recherchen. Ein weites Land, das ich schon lange kenne und trotzdem ganz neu erlebe, weil ich mich auf diesen speziellen Aspekt konzentriere. Es wuselt nicht mehr irgendwo herum, wirkt und arbeitet ohne dass ich damit arbeiten kann. Wenn ich beobachten, verstehen und einordnen kann was geschieht, kann ich darüber sprechen, kann dazu denken, kann dazu planen, kann dazu Ideen sammeln. Wenn ich Emotionen als Beobachtungsgegenstand ernst nehmen kann, kann ich ihre Auswirkungen anderen gegenüber besser zum Thema machen. Nicht emotional verstrickt, sondern sachlich, bewusst, greifbar, mit einer Distanz zum unmittelbaren Erleben, ohne dadurch aber die Emotionen unterdrücken oder auch vor mir selbst verbergen zu müssen.

Von Gabriele Zienterra (2015, S.190), Expertin für Rhetorik und Kommunikation, habe ich den Begriff Dissonanz gelernt. Nicht in den eigenen Emotionen aufgehen, sondern sie aus der Distanz betrachten. Für sie besteht die Kunst im Wechsel zwischen der erlebten und der beobachteten Gefühlswelt. Das Erleben mit dem Verstehen über die bewusste Achtsamkeit verbinden, dabei einen authentischen und spontanen Ausdruck von Emotionen ermöglichen, die Artikulationsfähigkeit erhöhen, Emotionen aber keinesfalls an anderen auslassen, sondern auf deren Emotionen achten.

Emotionen dürfen sichtbar gemacht werden, denn sie sind sowieso da und werden durch verschiedene Zeichen wahrgenommen, wie im EASI-Modell von Van Kleef beschrieben. Gestik, Mimik, Körperhaltung, Tonfall, Wortwahl geben Hinweise, die unter Einfluss der Art der Informationsverarbeitung und Faktoren der sozialen Beziehung auf die parallel zueinander auftretenden Affekten des Beobachters und seine Schlussfolgerungen das darauf folgende Verhalten bestimmen. Watzlawick formuliert: „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“ [1] Watzlawick redet nicht von Emotionen, doch im Sinne des EASI-Modells umfasst seine Beschreibung auch den Ausdruck von Emotionen. Gabriele Zinterra empfiehlt in diesem Zusammenhang allerdings, nicht der eigenen Interpretation vertrauen, sondern beim Gegenüber nachhaken.

Das ganze Verstecken und Unterdrücken könnten wir uns vielleicht schenken. Wären da nicht Machtverhältnisse und Abhängigkeiten, Gepflogenheiten und Ideale, eine Vergangenheit (und Gegenwart) christlicher Moralvorstellung nach der bestimmte Emotionen, da sündhaft, gar nicht auftreten dürfen, Intrigen zur Durchsetzung von Interessen, eine Vergangenheit der Abwertung der Sichtbarkeit von Emotionen, Ängste vor und Abwehr von ganzen Kategorien von Emotionen (die negativen 😉 )…

Nun gut, wir können es uns nicht schenken, aber ausprobieren wo wir es reduzieren können. In Therapien werden Erkenntnisse durch die Aufdeckung und Bewusstwerdung von Emotionen gewonnen. Das sind wirkungsvolle Methoden, die zu Heilungsprozessen führen können. Bildung ist nun keine Therapie, aber wahrscheinlich hat die gelernte Art des Umgangs mit Emotionen beträchtliche Auswirkungen auf das Wohlergehen von Menschen, von Institutionen und von Gesellschaften an sich.

Umlernen ist ein Bestandteil der Bildung Erwachsener…

Referenz:

Zienterra, G. (2015). Stop Cheap Speak. Wie wir wertvoller kommunizieren. München: Knaur.

[1] Zitat abgerufen unter: http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

Erneute Verwirrung

Das Thema Emotionen macht mich noch wahnsinnig. Der Umgang mit Emotionen, den ich wahrnehme, erscheint mir wie ein komplett inkonsistentes Kuddelmuddel. Ich erwarte, dass der Umgang mit Emotionen logisch ist, doch er ist es nicht.

Es geht dabei jetzt nicht um die Problematik der anderen Art von Logik denen Emotionen im Gegensatz zu Ratio folgen, wie nachvollziehbar von Aaron Ben-Ze’ev (2013) ausgeführt. Es geht um die Logik des Umgangs mit und der Einschätzung von ihnen und das ist verdammt noch mal kein Problem der Emotionen. Emotionen wird da etwas angehängt und zugeordnet, was mit ihnen an sich nichts zu tun hat. Und damit werden sie für etwas verantwortlich gemacht, für das sie gar nicht verantwortlich sein können. Und im Rahmen der momentanen Auseinandersetzung mit der Zunahme von Flüchtlingen in der EU wird ihnen eine Indikatorfunktion zugeordnet, die sie nicht haben können.

Es ist so als würde die Sprache, die von den Emotionen gesprochen wird, falsch verstanden. Emotionen sind flüchtige, kurzlebige Erscheinungen, die nach Ben-Ze’ev auftreten wenn sich Zustände ändern. Sind sie sehr stark, drängeln sie sich in der Wahrnehmung nach vorne und haben dadurch einen Aufforderungscharakter. Sie erzwingen eine Reaktion.

Geht es nun nicht um spontane Reaktionen (ich bekomme einen Schreck und renne automatisch weg), so ist da eine Entscheiderin oder ein Entscheider, der oder die durchaus bestimmen kann was jetzt geschieht. Was mache ich mit der Emotion? (Oder dem Bündel von Emotionen.) Was sagt sie mir überhaupt? Emotionen sind nichts Losgelöstes, sie stehen in einem Zusammenhang mit unseren Einschätzungen und Bewertungen und diese stehen durch unsere unausweichlich soziale Formung auf dem Weg über Sozialisation, Erziehung und Bildung im Zusammenhang mit der Geschichte unserer Gesellschaften, unserer Gruppen und unserer individuellen Geschichte.

Wie ernst kann man sie also nehmen? Und wie sehr muss man sie hinterfragen? Im Netz wuselt momentan ein Satz, der eine momentan wahrgenommene emotionale Situation in der politischen Öffentlichkeit mit der emotionalen Situation vor der Machtübernahme der Nazis vergleicht. Die Nazis haben mit Erfolg versucht die freie Reflexion einzuschränken und Emotionen in die Richtung der Unterstützung, also der positiven Bewertung ihres Weltbildes zu lenken und haben dabei eine Generation von Soldaten herangezüchtet, die bereit waren bis zum Sieg des Stärkeren (und Untergang des Schwächeren) zu kämpfen. Emotionen haben dabei eine Rolle gespielt, aber vor allem war es das was den Menschen zum Teil sehr nachhaltig in die Köpfe gesetzt worden war. Und was dann mit Emotionen zu seiner Unterstützung verbunden wurde.

Was ist also von den Emotionen zu halten?

Emotionen und wie mit ihnen umgegangen wird, sind Ausdruck dessen was in den Köpfen vor sich geht oder einmal vor sich gegangen ist und als Emotion erinnert wird. Wenn man die Emotionen beobachtet, darf man nicht vernachlässigen zu beobachten was an anderen Orten im Innenleben der Menschen vor sich geht. Ohne das sind Emotionen gar nichts. Gilt umgekehrt allerdings ebenfalls. Dort im Inneren wird entschieden wie mit den Emotionen verfahren werden soll. Genau darum geht es bei der Mündigkeit. Darum sinnvolle Entscheidungen treffen zu können wie man mit etwas umgeht. Ob man die Angst und die Wut und den Hass zulassen und verstärken will, ob man Wut oder Hass gegen sich selbst oder andere richten möchte oder ob man ganz andere Wege suchen und beschreiten möchte.

Die Aufklärung hat die Möglichkeiten des Verstandes betont. Emotionen sind flüchtige, kurzzeitige, sich manchmal sehr stark bemerkbar machende Erscheinungen mit Aufforderungscharakter. Darin sind sie gut. Sie können etwas anstoßen und in Gang bringen und immer wieder genährt können sie es auch am Laufen halten. Sie können wunderbare Helfer, Unterstützer und Lebenserfüller sein. Emotionen sind aber auf den Entscheider oder die Entscheiderin angewiesen. (Und leider hat hier ein hierarchisches Denken sehr viel Schaden in Bezug auf die Einschätzung von Emotionen angerichtet.) Nicht dass diese Person nun frei in ihren Entscheidungen sei, so einfach ist es leider nicht. Darum geht es an dieser Stelle aber auch nicht, sondern um die Einschätzung dessen was Emotionen sind und was sie eben auch nicht sind (und auch warum hierarchische Ordnungssysteme Probleme verursachen).

Weil wir wütend sind oder Angst haben oder sonst eine Emotionen auftritt, wegen dieser Emotion an sich haben wir das Recht etwas ganz bestimmtes zu tun. Auch mir selbst oder einem anderen zu schaden. Das ist für mich keine logische Begründung. So handeln Kinder bevor sie etwas anderes gelernt haben. Emotionen drängen zwar zum Handeln, aber außer bei dem was als Handeln im Affekt bezeichnet wird und eine schnelle, spontane, kaum zu beeinflussende Reaktion darstellt, gibt es eine Beobachterin oder einen Beobachter, der oder die Entscheidungen trifft. Nicht die Emotionen und das was sie sind stellt ein Problem dar, sondern das was mit ihnen gemacht wird, wie mit ihnen umgegangen wird, wie sie eingeschätzt werden. Einstellung und Haltung, Ideologie, Umgang damit. Das ist es was beobachtet werden sollte. Nicht so sehr die Emotionen an sich (auch wenn man die kennen und benennen können sollte).

Angst, Freude, Trauer, Wut begleiten die Menschheit als Erscheinungen in einer Konstante durch ihre Geschichte. Was von ihnen zu halten ist und wie mit ihnen verfahren werden sollte, das ist es was sich immer wieder geändert hat und immer wieder ändert und nicht an allen Orten und in allen Zeiten gleich ist.

Und genau das ist ein Thema für Sozialisation, Erziehung und Bildung. Was um alles in der Welt lernen und lehren wir über Emotionen. Darüber wie wir sie sehen, was wir ihnen für eine Bedeutung geben, implizit und explizit, wie wir mit ihnen umgehen, wie wir mit ihnen umgehen wollen, wie wir sie nutzen, benutzen, ausnutzen, manipulieren, ignorieren, abschwächen, verstärken. Und wie weit wir über unser Handeln und unser Denken in Bezug auf Emotionen reflektieren.

Nicht die Emotionen an sich sind das Problem… sondern wie wir damit umgehen.

Referenzen:

Ben-Ze’ev, A. (2013). Die Logik der Gefühle. Kritik der emotionalen Intelligenz (2. Aufl.). Frankfurt: Suhrkamp.

Perspektivenwechsel

Heute ist der neunte Tag der #Bildungsweihnachten. Meine Wäscheleine mit Tagessprüchen wird voller und voller, präsenter und präsenter und lässt sich nicht mehr übersehen. Meine Achtsamkeit ist insgesamt stark auf das Thema Bildung ausgerichtet, was ich zu einem Teil als anstrengend empfinde, zum größeren Teil aber als interessant. Ich verkrieche mich zur Zeit sehr viel an einem angenehmen, gemütlichen Platz und widme mich meinen auftauchenden Gedanken. Irgendwann schlafe ich in der Regel dabei ein. Was währenddessen vor sich geht, lässt sich in vielen Teilen als ein Perspektivenwechsel beschreiben.

Ich hatte vor meinem Studium eine bestimmte Haltung zu Bildung, Lernen, Arbeit, Freizeit und Leben, dann habe ich mich in das Studium begeben und aufgenommen, wiedergegeben, aufgenommen, wiedergegeben und ab und an dazwischen reflektiert. Zu dieser Zeit war ich mittendrin. Momentan trete ich ein wenig dort heraus und schaue auf das große Ganze und stelle dabei fest, dass ich meine Sichtweise verändere.

Ich kann den Bereich Bildung nicht mehr wie zuvor betrachten. Ich kann ihn aber auch nicht so betrachten wie ich ihn im Lauf meines Studiums präsentiert bekommen habe. Während des Studiums habe ich parallel gelernt, dass alle Betrachtungsweisen immer nur Möglichkeiten darstellen. Daher ist es vollkommen in Ordnung wenn ich alles was ich im Lauf der Zeit aufgenommen habe in einen Gesamtzusammenhang bringe, der für mich einen Sinn ergibt, auch wenn diese Betrachtung von dem abweicht was ich bisher kennengelernt habe.

Ich begreife, warum die Ermöglichung von Bildung eine Verpflichtung der Gesellschaft allen ihren Mitgliedern gegenüber sein muss. Dass dies keine Frage von Alter oder ökonomischer Nützlichkeit sein kann. Dass der Begriff lebenslanges Lernen zu ungünstigen Vorstellungen führt, denn ein menschliches Leben baut sowieso auf Lernen auf, das über den ganzen Prozess der Existenz verläuft. Ich begreife es, weil ich es im Leben wie ich es erfahre sehen kann und weil es sich aus der Logik der Verarbeitung verschiedenster Informationen ergibt. Nicht weil mir das jemand so erläutert hat, sondern weil mich meine Gedankenwege und ihre Überprüfung zu diesen Schlussfolgerungen führen.

Verändert wird die Perspektive weiterhin durch die Veränderung des Stellenwerts und der Bedeutung die Gefühle und Emotionen für mich gewonnen haben.

Ich habe nun das Bedürfnis noch einmal zurückzugehen und alle meine Studienmaterialien aus dieser anderen Perspektive zu betrachten. Da das im Detail unmöglich erscheint, versuche ich es mit einem großen Überblick.

Ich habe viel Verarbeitungsbedarf und in vielen Teilen immer noch recht unvollständiges Wissen, auch wenn es schon deutlich umfangreicher geworden ist als noch vor einem Jahr.

Es ist bedauerlich, dass ich die Fülle von Gedanken, Vorstellungen und Themen, die ich in meinem Kopf bewege, nicht abbilden kann. Ich muss mich mit einem Anhauch zufrieden geben. Ich kann aber den Prozess an sich beschreiben und halte ihn für extrem wichtig für Lern- und Verarbeitungsprozesse, während ich gleichzeitig den Eindruck habe, dass er viel zu wenig Beachtung und Erwähnung findet, da er zu wenig als Aktivität wahrgenommen wird. Während ich äußerlich nichts zu tun scheine, befinde ich mich in einem derart aktiven Prozess, dass es mir zeitweise kaum möglich ist etwas anderes zu tun. Ich sage dann, ich bin müde und lege mich hin, aber eigentlich will ich nur in Ruhe nachdenken und meinen Gedanken zuschauen. Ich habe ein Rechtfertigungsproblem, auch vor mir selbst. Denn das Ideal ist der aktive, handelnde Mensch. Bücher lesen und Schreiben geht da gerade noch, aber herumliegen und scheinbar gar nichts tun…

Ich bin immer wieder erstaunt was sich im Leben alles beobachten lässt, wenn ich genauer hinschaue. Und wie viel Erkenntnisgewinn sich aus selbstverständlich erscheinenden Details ergeben kann. Und das Projekt #Bildungsweihnachten lässt mich unerwartet feststellen, dass ich einen beträchtlichen grundsätzlichen Klärungsbedarf meiner Haltung zum Thema Bildung habe.

Praktikum bei 3B

Inzwischen zähle ich die verstrichene Zeit des Semesters nur noch nach der Zeit an der FernUni, denn heute wird auch der zweite MOOC des ursprünglich gefühlten Semesterbeginn nach sechs Wochen sein offizielles Ende finden. Während ich mich mit dem Modul 3B beschäftige, wird es Stück für Stück in seinen Anforderungen klarer, bzw. kann ich es für mich logisch interpretieren.

Nach etwas mehr als vier Wochen damit bin ich mir ziemlich sicher, dass die Modulstruktur darauf aufbaut, dass Studierende für einen Zeitraum von drei Wochen, der in diesem Semester etwa im momentanen Zeitraum bis etwa Mitte Dezember liegt, ein dreiwöchiges Praktikum an einer Bildungseinrichtung absolvieren, dieses dabei den Wochenstundenumfang einer Vollzeitstelle hat und ermöglicht in diesem Rahmen eigenständig eine Bildungsmaßnahme zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Die Teilzeitstudierenden will ich an dieser Stelle vernachlässigen. Zur Verfügung stehen die bisherigen Kenntnisse des Studiums, die Studienbriefe des Moduls, die bis zu diesem Zeitpunkt durchgelesen oder zumindest gesichtet sein können, die Informationen in Moodle und die Begleitung durch die Praktikumsstelle. Für die Bildungsmaßnahme selbst sind die notwendigen und an der Praktikumsstelle nicht verfügbare Zusatzinformationen zeitnah zu beschaffen.

Schwierig wird es dann, wenn sich für den fraglichen Zeitraum keine Praktikumsstelle mit ausreichendem Zeitumfang finden lässt, gleich ob es am Stellenangebot oder der verfügbaren Zeit der häufig arbeitenden Studierenden liegt. Darauf wird Rücksicht genommen, auch deshalb sind die Arten von Praktika, die von den Studierenden bearbeitet werden, sehr vielfältig. Das bezieht sich auf die Art der Bildungseinrichtung, den Umfang und die erforderlichen Vorkenntnisse für die Bildungsmaßnahme, den Zeitraum über den sie sich ziehen kann und die Art der Bildungsmaßnahme. Die Verschiedenheit der seit einigen Wochen in Moodle angegebenen Themen der Praktika der Studierenden ist dafür ein guter Beleg.

Das Praktikum ist also eigentlich in den Zeitrahmen von 3B eingeschlossen. Da es aber in der Form nicht für alle durchführbar ist, werden andere Formen gewählt und anerkannt, die über diesen Zeitraum hinausreichen, also vorher beginnen oder schon abgeschlossen sind oder während des Semesters beginnen, aber aus Termingründen erst im Semester danach fertig bearbeitet werden können. Da ich nicht in der Lage wäre ein entsprechendes Praktikum im gewünschten Zeitraum zu absolvieren, bin ich auf eine dieser anderen Formen angewiesen.

Mit dem Blog zum Praktikum ist es ähnlich. Auf ihm soll in der ersten Woche des dreiwöchigen Praktikums die Planung, in der zweiten die Durchführung und in der dritten die Evaluation dokumentiert werden. Zusätzlich müssen andere Blogs besucht werden und die Arbeit der anderen kommentiert werden, wobei drei Kommentare ausreichend sind. Das wäre also die Normvorgabe. Alle die ihr Praktikum anders ableisten oder bereits abgeleistet haben sind Ausnahmen. Sie müssen für Blogschreiben und Kommentare eine individuell sinnvolle Lösung finden. Der Blog selbst kann vor der Zeitspanne in der das Praktikum idealtypisch liegen soll eingerichtet und ausprobiert werden.

Die Bildungsmaßnahme selbst muss keine großartige Sache sein, auch wenn viele sehr aufwändige Projekte anerkennen lassen. Wäre ich jetzt als begleitende Praktikantin in einer der Kindertagesstätten, in denen ich vorlese, und würde dort das was ich jetzt an einem Vormittag vorhabe in etwas erweiterter Form durchführen, so sollte das für die Anforderungen ausreichend sein. Planen tue ich im Rahmen eines Jahresthemas zu Essen und Ernährung in einer Vorschulgruppe indisches Kochen in der Form, dass ich sowohl Nahrungskunde, kulturelle und historische Einbettung als auch Lehre durch die Kinder selbst neben der praktischen Tätigkeit einbeziehen will. So wie ich es durchzuführen beabsichtige, wäre es als Praktikum aber wegen des geringen Zeitumfangs nicht geeignet, ebenso wenig wie eine Reihe von einzelnen solcher selbst gestalteter und durchgeführter Bildungsmaßnahmen.

Ich könnte nun für meinen Einzelfall nachfragen, ob es nicht doch akzeptiert werden könnte, da ich ja seit sehr vielen Jahren in dieser Tagesstätte regelmäßig vorlese, schon andere Angebote durchgeführt habe, mit der Einrichtung vertraut und dort eingebettet bin. Möglicherweise würde ich sogar einen positiven Bescheid bekommen. Inzwischen habe ich mich jedoch bereits für die Bearbeitung von bereits Zurückliegendem entschieden und entsprechende Schritte in die Gänge geleitet. Das kurzfristig zu ändern ist auch aus Zeitgründen nicht unproblematisch und Sicherheit für Erfolg habe ich ebenfalls nicht.

Mit diesen Überlegungen im Rücken relativiert sich auch die E-Learning Lastigkeit der Studienbriefe des Moduls. Einerseits habe ich inzwischen im Studienbrief zu Evaluation und Qualitätssicherung einen Text gefunden, der sich nur auf den schulischen Bereich bezieht und dabei auch keinen Bezug zum E-Learning hat. Außerdem ist es mir inzwischen klar, dass ich vor allem auf Selbststudium angewiesen bin. Mir wird nur noch minimal gelehrt und ich muss das was ich für meinen speziellen Bedarf benötige selbst zusammensuchen. Das gehört zu den Übungsmöglichkeit für den Bachelor dazu, worauf wir während des Studiums gelegentlich verwiesen werden. Ich könnte bei den Modulbetreuenden um Tipps nachfragen, aber vor allem habe ich alles einzusetzen was mir bisher von wo auch immer her zur Verfügung steht und was ich mir verfügbar machen kann. Nach den sehr vorgegebenen Modulen des Orientierungs- und Kernstudiums war das die für mich verwirrendste Erfahrung der letzten, der Profilphase: Fast mutterseelenallein dazustehen und jetzt einen eigenen Weg einschlagen zu müssen und natürlich auch zu dürfen (natürlich ausgerichtet auf die zu erbringenden Prüfungsleistungen).

Nach dieser grundsätzlichen Klärung, versuche ich weiter meinen individuellen Weg mit den vermuteten Vorstellungen des Lehrgebiets zu verknüpfen. Auch als Standard-Studierende wäre ich auf die Interpretationen von dem angewiesen, was ich durch Moodle und die Studienbriefe lesen kann, ich muss das nun aber zusätzlich noch mit einem Leben verbinden, das sicherlich nicht der vermuteten Nicht-Standard-Studierenden entspricht. Fazit? Noch unklar, weitere Auseinandersetzungen werden notwendig sein. Lernen? Nun, es lernt sich Unerwartetes. An Erkenntnissen genauso wie an Fähigkeiten.

Nachdenken

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