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Kurzer Zwischenstopp: Feedback-Tool

Durch den MOOC Teaching for Learning 7, der dieses Mal von Professor Stephen Dinham von der Universität Melbourne geleitet wird, hatte ich heute Zugang zu einem Feedback-Tool für australische Lehrer. Dies besteht aus einem Fragebogen, der wichtige Elemente nationaler Standards Australiens abfragt, um die Qualität der eigenen Lehre zu beurteilen.

Zuerst habe ich gezögert, da ich nicht zum passenden Personenkreis gehöre, dann konnte ich dem Reiz der Testmöglichkeit, die uns hier geboten wird, nicht widerstehen. Ich verfüge jetzt über ein Pdf, das mir meine Stärken und Schwächen in den Bereichen professionelles Wissen, professionelle Praxis und professionelles Engagement nach australischen Lehrerstandards angibt und das dazu gedacht ist Stärken gezielt einzusetzen und an Schwächen zu arbeiten. Eine der nicht bewerteten Aufgaben im MOOC besteht nun darin auf der Basis der Ergebnisse, des MOOCs und der eigenen Einschätzung einen Drei-Jahres-Plan für die persönliche professionelle Weiterentwicklung zu entwerfen.

Ohne das jetzt bis ins Detail bewerten zu können, fasziniert mich diese Idee und ihre Umsetzung. Stärken und Schwächen werden nebeneinander aufgeführt, als klare Auskunft dass da bereits viel vorhanden ist und es etwas gibt, das verbessert werden kann. Genau so etwas fehlt mir bei meiner beruflichen Tätigkeit. Dort bin ich immer wieder damit konfrontiert worden, dass ich Zustimmung oder Ablehnung zu spüren bekomme aber keine genaueren Auskünfte erhalte. Manches Mal taucht die Vorstellung im Kopf auf, dass ich Hellsehen können müsste um zu begreifen, warum ich Zustimmung oder Ablehnung für das was ich tue erfahre.

Faszinierend finde ich auch die Ausrichtung auf ein Feedback zur Verbesserung innerhalb einer kooperativ arbeitenden Gruppe. Die Zielsetzung ist dabei ein besseres Lernen der Schüler zu erreichen. Wenn ich im Gegensatz dazu an die mangelhaften Systeme denke über die wir Betreuungskräfte in den schulischen Bereich eingebunden bzw. eben nicht eingebunden sind, dann macht mich das erneut wütend. Eigentlich möchte ich gute und sinnvolle Arbeit leisten und ich möchte darin auch unterstützt und gefördert werden und bin bereit das auch für andere zu leisten. Was ich bekomme sind aber nur versteckte Vorhaltungen,  nicht erläuterte Anweisungen, ständige Veränderungen in der Organisation und der Einsatz von noch mehr unausgebildeten Hilfskräften, die sich aus Unkenntnis oder Abhängigkeit nicht zu der Situation äußern können, statt einer erkennbaren Linie und Stoßrichtung für eine stabile Verbesserung der Situation und eine sinnvolle Verwendung und Schaffung von Ressourcen. Auf Machtspiele und Führungsstrukturen will ich dabei noch nicht einmal eingehen.

Es ist die hinter dem Feedbacksystem stehende Haltung, die mich fasziniert. Niemand soll zurückgelassen werden, kein  Schüler und auch kein Lehrer. Jede/r kann sich weiter entwickeln. Unterstützung durch andere und Partizipation stehen allen zu. Ich hätte so etwas aber auch gerne für Betreuende und vor allem mehr Respekt für diese Art der Arbeit. Geht es um das Lernen und das Wohlergehen der Schüler, so ist es von großer Wichtigkeit, dass auch die sie Betreuenden eine angemessene Einbindung, Teilhabe und Förderung an Schulen erfahren. Ich bin es inzwischen mehr und mehr leid zu beobachten wie sich ein Ring von Helfenden mit geringem Prestige um einen Kern an Lehrern etabliert, die dabei von einer tatsächlichen Teilhabe ausgeschlossen bleiben, dabei aber die Lücken aufzufüllen haben, die von Lehrern aus Kosten- oder organisatorischen Gründen nicht geschlossen werden.

Wenn ich sehe was sich Menschen alles ausdenken können und was an positiven Ideen möglich ist, dann kommen mir angesichts dessen was ich in den letzten Jahren erfahren habe erneut die Tränen.

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Einflussfaktoren auf Lernerverhalten

Zu dem womit ich momentan beschäftigt bin, fällt mir der Begriff Erstellung einer kognitiven Karte ein. Es ist der Versuch einen Überblick über das Gebiet des Lernens und Lehrens zu gewinnen. Auch wenn ich schon eine ganze Weile darin unterwegs bin, sehe ich mich vor allem mit einem ausgedehnten Gestrüpp konfrontiert, und ich befinde mich nicht an einer erhöhten Stelle von der aus ich einen guten Überblick gewinnen kann, sondern ich bin mittendrin. Also ergreife ich das was in meiner Nähe vorbeizieht, das worauf ich stoße oder was mir einen kurzen Blick ermöglicht und versuche es ein wenig zu verstehen. Die Karte in meinem Kopf ist sehr grob. Momentan ermöglicht sie mir zwischen Lerner und Lehrer zu unterscheiden, wobei Lehrer und Lerner in einem Einflussverhältnis zueinander stehen.

Auf den Raum als Lehrer bin ich schon gestoßen und kann ihn bereits in mein Denken einbeziehen. Etwas anderes huscht jedoch momentan an mir vorbei, das ich noch kaum genauer betrachtet habe. Es bezieht sich darauf wie sich das Verhaltens des Lehrers dem Lerner gegenüber auf das Lernverhalten des Lerners auswirkt. Gestern wurde ich an den Pygmalion-Effekt aus der Sozialpsychologie erinnert, dabei geht es um die Erzeugung von Unterschieden bei Individuen, was mich jetzt aber beschäftigt ist etwas, das sich auf ganze Gruppen auswirkt. Die Art wie Unterricht innerhalb von Institutionen gestaltet wird, führt zu ganz bestimmten Verhaltensformen bei Schülern und prägt deren Lernverhalten. Das ist zum Teil gewünscht und beabsichtigt, zum Teil die Umsetzung überkommener Vorstellungen und zum Teil hat es durchaus negative Konsequenzen für das Lernverhalten des Lerners.

Wie geschrieben, ich befinde mich mitten im Gestrüpp. Lehrer ermutigen, lenken und behindern, sie tun das bewusst und unbewusst, sie tun es im Wissen um  Konsequenzen, können aber nicht immer die langfristigen Folgen erfassen oder alle Konsequenzen sehen. Das sind Vorgänge, die ich als Einflussfaktoren erfassen möchte.

Als Lernende bin ich von meinen vergangenen Lernerfahrungen geprägt, und dabei auch von dem was meine Lehrer gefördert und behindert haben und wie ich darauf reagiert habe. In dieser Reaktion sind meine individuellen Reaktionsmuster enthalten, aber auch typische Muster, die ich mit anderen in den gleichen Systemen oder innerhalb des selben historischen Zeitraums teile.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer mein Zusammenleben mit ehemaligen Schülern der Laborschule in Bielefeld Ende der 70er und deren andere Herangehensweise an die Welt ein, die ich erst im Lauf der Zeit als Ergebnis ihrer ganz anderen schulischen Prägung verstehen konnte. Dort sollten Schüler sich anders entwickeln als an anderen Schulen, und das wurde auch erreicht. Der Hauptunterschied bestand zum damaligen Zeitpunkt darin, dass diese ehemaligen Schüler alle viel besser als ich ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen einschätzen konnten und auf dieser Basis in der Lage waren, wesentlich reflektiertere Alltags- und Lebensentscheidungen zu treffen wie ich. Sie waren auch selbstbewusster was ihre Stellung in der Gesellschaft betraf. In gewisser Weise standen sie mit den Füßen mehr auf dem Boden, während sie gleichzeitig besser in der Lage waren nach den Sternen zu greifen. Im Zusammenleben wurden diese Unterschiede deutlich sichtbar.

Doch nun von alten Erinnerungen zu aktuellen Problemen. Schüler lernen Schüler zu sein wie Lehrer sie sich wünschen. Gut, das scheint inzwischen in vielen Fällen nicht mehr zu geschehen, aber diesen Bereich will ich dieses Mal beiseite lassen. Schüler erfahren eine Prägung ihres Lernverhaltens durch die Schule. Ich kenne jemanden der würde jetzt sagen, das ist doch banal. Stimmt, aber gerade deshalb ist es wichtig. Lehrende unterstützen Gewohnheitsbildung. Sie unterstützen die Fortführung von Traditionen. Sie bauen eine Basis für Zukünftiges – und das kann förderlich oder behindernd, manches Mal sogar verhindernd sein.

Ich habe natürlich auch aktuelle Problematiken im Kopf und wähle dazu ein Beispiel aus dem Kurs Teaching for Learning 7. Dort tauchte Anfang letzter Woche das Problem auf, dass die Abgabezeiten für die Aufgaben sehr ungünstig gestaltet waren. Darauf wurde von Teilnehmenden rechtzeitig hingewiesen, aber die zuständige TA konnte keine Änderung erreichen. Am Ende der Woche als etliche Lernende dadurch Probleme hatten kam der Hinweis, dass in einem anderen Kurs der engagierte Lehrende sich in einem ähnlichen Fall so lange bemüht hatte, bis die Abgabefristen geändert wurden. Inzwischen gab es mindestens zwei Fälle wo Personen noch versuchten erfolglos ihre verspäteten Essays einzureichen. Die Haltung der anderen dazu schwankte von Pech gehabt, so sind die Regeln, bis zum Hinweis auf die bestandene Problematik der geballten Anforderungen innerhalb der vierten Woche und dass ein engagierter Unterrichtender sicherlich etwas für seine Studierenden erreicht hätte.

Was ist jetzt das Beispiel? Habe ich Erfolg und finde Anerkennung mit sinnvollen Vorschlägen oder sehe ich das bei anderen, werde ich sie auch zukünftig machen oder den Erfolg der anderen als Vorbild nehmen. Erfahre ich mich als erfolglos oder bin ich mit einem verhindernden System konfrontiert, werde ich wahrscheinlich irgendwann aufgeben und mich darauf einstellen. Ich will jetzt nicht weiter ausführen wie Lernende auf diese Weise sogar mundtot gemacht werden können. Aber Erfahrungen die Schüler mit Lehrenden machen, prägen ihren Umgang mit Lernerfahrungen. Ein Schüler, der keine Unterstützung erfährt, wird das entsprechende Verhalten eher nicht mehr anwenden. Er wird seine Lernangelegenheiten für sich anders regeln.

Banal? Ja, aber wichtig. Machen sich Schüler Gedanken, machen sie Vorschläge, haben aber den Eindruck damit nichts bewirken zu können, fühlen sie sich sogar ignoriert oder abgewiesen, sehen sie wie das mit anderen geschieht, so werden sie dieses Verhalten in Zukunft eher weniger anwenden. Und die Lehrenden werden sich auf ein entsprechendes Verhalten einstellen. Und das ist nur ein Beispiel für einen begrenzten Vorgang. Das Prinzip lässt sich durchaus generalisieren. Und aus typischen Vorgängen entstehen dabei typische Verhaltensweisen, die dann möglicherweise nicht mehr auf ihren Ursprung hinterfragt werden.

Es ist mir nicht gut gelungen das Problem zu erfassen, geschweige denn es zu abstrahieren. Aber ein Anfang ist gemacht und ich werden diesen Aspekt weiter im Auge behalten. Ziel dabei ist es meine eigenen Reaktionsmuster besser zu verstehen. Anlass war die Konfrontation mit den Unterschieden in den Reaktionsmustern anderer Lernender auf  die Vorgehensweisen von Lehrenden.

Sag bloß nicht dass es einfach ist

So, jetzt wurde ich kalt erwischt! Zu Beginn meiner Teilnahme an englischsprachigen Kursen mit der Aufgabe ein Essay anzufertigen war ich nur stolz, wenn ich das mit einer passablen Punktzahl geschafft hatte. Aber die Ansprüche steigen nun einmal mit dem eigenen Wachstum und der Ausweitung von Kenntnissen.

Mein erstes Essay beim Kurs Teaching for Learning 7 war ein Wagnis, weil ich dort im zweiten Teil der Fragestellung sehr soziologisch-bildungswissenschaftlich argumentiert hatte, was nicht der Argumentationsstruktur des Kurses entsprach. Von zwei der drei bewertenden Peers habe ich Feedback bekommen. In dem einen Fall wurde ohne weitere Begründung ein Text ohne Zwischenfragen bevorzugt, was für mich nicht weiter hilfreich war, da ich die von mir gewählte Form angemessen finde. Das zweite Feedback hatte es aber in sich. Meine beiden bildungswissenschaftlich-soziologischen Argumente wurden  ausdrücklich erwähnt und als wertvoll für eine Beachtung bewertet, dafür bekam ich nachgewiesen, dass ich den ersten Teil der Frage nicht wirklich beantwortet hatte.

Das war so unerwartet, dass es mich zu diesem Blogeintrag getrieben hat. Es ist nicht das erste Mal dass ich mit einem Essay sehr zufrieden war, die Peers das aber anders sahen und auch eine Begründung lieferten. Der umgekehrte Fall ist allerdings ebenfalls schon eingetreten. Essays, die ich selbst nicht mochte, bekamen eine gute Bewertung. Ich habe den Eindruck je internationaler Kurse sind, umso stärker differieren die Vorstellungen der Teilnehmenden.

Nun sitze ich also da und fühle mich sehr merkwürdig. Der Teil von dem ich dachte dass er genau dem Gewünschten entsprochen hat ist mangelhaft, und das ist mir noch nicht einmal aufgefallen. Und die Gedanken, die ich für mich selbst inspirierend waren bei denen ich aber Angst hatte dafür Ablehnung zu erfahren, waren von Interesse! Ich fühle mich relativ hilflos verwirrt.

Gut, ich habe genug Punkte: 20 von 30 möglichen. Aber darum geht es jetzt gar nicht. Es geht um den großen Anteil von Spekulativem auf dem meine Annahmen beruhen. Mit dem Feedback des einen Peers wird es mir bewusst. Annahmen was gewünscht ist und Annahmen was nicht gewünscht ist. Wie ich mein eigenes Werk in einen Vorstellungsrahmen eingeordnet habe und völlig daneben lag. Die Art wie der eine Peer formuliert hat, macht ihn für mich selbst glaubwürdig. Er hat einen Fehler entdeckt, der mir selbst nicht aufgefallen ist, und er konnte die Bedeutung der vorgebrachten Argumente erkennen. Und das geschieht in einem kostenfreien Online-Kurs auf einer international genutzten Plattform, aber nicht an meiner Uni.

Da sitze ich nun und frage, was das zu bedeuten hat. Irgendwie ist gerade etwas in meinem Weltbild durcheinander gerutscht. Hier bekomme ich ein hilfreiches Feedback. An meiner Uni wurschtele ich alleine, schreibe eine Hausarbeit, bekomme sie bewertet – und das war es dann mit dem Modul. Alles weitere liegt allein bei mir.

Irgendetwas stimmt dabei nicht. Erneut wünsche ich mir meine Unimodule mehr wie MOOCs. Oder vielleicht eine Mischung, denn intensiv an einer Hausarbeit zu schreiben hat sehr viele gute Aspekte. Eine gute Mischung aus Struktur und Offenheit, mit genug Gelegenheiten für einen Austausch mit anderen Studierenden, und mehr Wahrnehmungsmöglichkeiten von dem was sie tun, und zusätzliche kleinschrittige Aufgaben. So etwas wie auch bei den LdL-MOOCs geschieht. Der Rahmen eines Ablaufs, der aber asynchron zur Verfügung steht, mit begleitenden Aufgaben, die Vergleich und Austausch ermöglichen und zu Sammlungen und weitergehendem Nachforschen inspirieren, zur Kommunikation und zum Teilen. Zum Schluss stellt das Ganze dann meinetwegen die Basis für eine größere Abschlussaufgabe dar. So langsam formen sich für mich Bilder von Möglichkeiten, die für mich lernfördernd sind.

Zu Beginn der fünften Woche WS 2014/15

Noch einmal zur Erinnerung: Es ist nicht die tatsächliche sondern die gefühlt fünfte Woche. Nach außen lebe ich ein sehr gleichförmiges, unspannendes Leben und genau das ist auch der Rahmen, den ich zur Zeit brauche. Nachdem an meinem Arbeitsplatz die herbstliche Zählung des Bedarfs mit vorerst positivem Eindruck beendet wurde, ist meine Sicherheit gestiegen, dass mir genau dieser Rahmen auch noch eine Weile zur Verfügung stehen wird. Diese relative Gleichförmigkeit wiederum ist eine Grundlage dafür, dass ich in Ruhe vielen Gedanken nachhängen kann und dadurch einen Bedarf habe diesen Blog zu füttern.

Momentan sind es verschiedenste Punkte, die mir durch den Kopf gehen und ich werde versuchen die wichtigsten hier kurz zu sammeln.

Lernmaterial für Selbstlerner: Als mein Blick heute Nacht aus dem Fenster fiel, leuchtete mir das Sternbild des Orion direkt entgegen. Ich hatte schon lange keinen so klaren Himmel mehr von meinem Fenster aus gesehen und musste erst einmal in die Stille der Nacht hinaustreten, um noch mehr davon zu genießen. Es war mir wieder eingefallen. Als Kind und Jugendliche hatte mich der Himmel mit seinen damals noch besser sichtbaren Sternen sehr fasziniert und irgendwann hatte ich in einer Zeitschrift eine Beilage gefunden, auf der Sternbilder abgebildet und erklärt wurden. Damit habe ich eine Weile nicht sehr effektiv Sternbilder gelernt. Heute kann ich mir vorstellen dass es dafür eine App gibt, die vielleicht viel hilfreicher funktioniert, bei Bedarf immer zur Hand ist und möglichst auch noch so gestaltet ist, dass sie zum unmittelbaren Suchen von Sternbildern anregt, zum Lernen der Namen und das möglichst auch noch geteilt mit anderen, nicht so wie bei mir wo es sonst niemanden gab, der sich für Sternbilder zu interessieren schien.

Eine weitere Erinnerung tauchte dann noch auf. Die an ein Selbstlernbuch über Mengenlehre, das diejenigen über die Schule kostenfrei bekommen hatten, die darin noch nicht unterrichtet worden waren als Mengenlehre in den Lehrplan aufgenommen wurde.  Dieses Buch war die interessanteste Selbstlernerfahrung meines Lebens, und ich habe es heute noch irgendwo. Es konnte von vorne und hinten bearbeitet werden, denn es gab immer kleinschrittige Erläuterungen mit Beispielen und Aufgaben, deren Lösungen auf der folgenden Seite waren. Daher war das Buch in oben und unten unterteilt und oben war von vorne und unten von hinten zu bearbeiten. Das war zu Beginn der 70er sehr innovativ und faszinierend und ich habe mit diesem Buch dauerhaft in sehr kurzer Zeit Mengenlehre begriffen. Dieses Buch wurde für mich zu einem Maßstab was möglich ist.

Als ich vorgestern in der städtischen Bücherei war, fiel mir auf, wie sehr das Angebot an Lernliteratur für Kinder in den letzten Jahren erweitert wurde. Ich hatte diesen Bereich schon eine Weile nicht mehr besucht und konnte auch hier die Auswirkungen einer stärkeren Bildungsorientierung sehen. Nach kurzem Blättern in einigen Büchern war ich allerdings enttäuscht. Bunt, unübersichtlich und wenig motivierend lenkten sie meine Gedanken mehr in die Richtung des Bildungswahns. Hauptsache viel, ganz gleich wie. Aber so funktioniert das nicht. Das Thema Selbstlernmaterialien rückte allerdings auch dadurch erneut in mein Blickfeld. Das ist eine neue Erscheinung und passt letztlich zu der Richtung in die sich mein Studium inzwischen bewegt.

Es geht vor allem ums Lernen und den Lernenden. Der Pythoneinführungskurs bei HPI ist mit einer Menge Kritikpunkten abgeschlossen. Ich habe meine Kenntnisse aufgefrischt, alles bearbeitet und gelöst, bin aber von der Form der Vermittlung nicht überzeugt. Ich hatte die Erwartung einen Kurs zu finden, den ich jedem Anfänger empfehlen kann, wurde darin aber enttäuscht. Klar, es ist viel besser als nichts, keine Frage, und das Engagement der Anbieter verdient Anerkennung und Respekt, ich wünsche mir trotzdem eine andere Form. Und ich denke dabei an mein Mengenlehrebuch und die kleinen Schritte und die genauen, gut nachvollziehbaren Erläuterungen, die es mir leicht gemacht haben mir das Thema allein zu erarbeiten und zu verstehen.

Das Wochenpensum des Teaching for Learning Kurses habe ich inzwischen auch geschafft, obwohl es diese Woche sehr geballt war. Es mussten einerseits das normale Wochenpensum mit Quiz, als auch die Evaluierung von drei Peerbeiträgen, als auch das Schreiben des zweiten Essays innerhalb einer guten Woche erledigt werden, da im Kurs eine ungünstige Verteilung der Abgabetermine implementiert worden war, die sich von den Betreuenden nicht mehr ändern ließ. Das Thema des Kurses hatte auf mich zuerst wenig attraktiv gewirkt, ging es doch darum was es bedeutet als Lehrer professionell zu arbeiten. Der Kurs stellte sich jedoch in der zweiten Woche für mich als genauso interessant heraus wie die mehr auf Lernen und Unterricht ausgerichteten Teile der Reihe.

Für das zweite Essay standen dabei zwei attraktive Themen zur Auswahl, und ich hätte schon gerne zu beiden etwas geschrieben, habe mich dann aber dafür entschieden mich mit der Fürsorgepflicht, statt mit meiner eigenen Lernphilosophie zu beschäftigen. Ich hatte im September nach vielen Jahren Betreuungstätigkeit endlich einmal die Möglichkeit an einer Fortbildung zu rechtlichen Aspekten der Betreuung teilzunehmen, und das dabei vermittelte Wissen konnte ich mit dem behandelten Stoff des Kurses verknüpfen. So wurde es dieses Mal keine theoretische Arbeit wie beim letzten Mal, sondern mehr eine Reflexion meiner eigenen Situation im Geflecht Schule; eine Lösung der Aufgabe die durchaus der Intention der Veranstalter entspricht und für mich gleichzeitig einen sehr praktischen Nutzen hatte. Und ich konnte Fortbildung, MOOC und berufliche Erfahrung und Handeln sinnvoll verknüpfen. Ich hatte zwar schon zuvor überlegt das Stichwortprotokoll der Veranstaltung noch einmal in eine formale Form zu bringen, es war aber bei der Absicht geblieben, da es keinen äußeren Anlass gab. Den hat nun in einer etwas abgewandelten Form der MOOC geliefert.

Damit ist nach den vier Wochen der eine Kurs beendet und für den anderen bleibt noch das Material der letzten beiden Wochen einschließlich der Evaluierung des zweiten Essays, was aber durch die Einstellung zu Wochenbeginn bis zum nächsten Montag bearbeitet sein kann. Dieses Ziel habe ich mir gesetzt, damit noch einige Wochen frei bleiben bis der letzte Kurs der Reihe startet, die dann nach mehr als einem Jahr vor Weihnachten beendet sein wird.

Die Themen des letzten Semesters verblassen dabei, denn auch im FernUni Bereich ist diese Mal alles auf Lernen und Lehren ausgerichtet. So entsteht momentan ein sich gegenseitig stützender Gesamtkomplex, der meine Gedanken in Richtung einer Auseinandersetzung mit Lernen und Lehren bündelt. Auf die FernUni bezogen schwanke ich in der Planung dabei noch immer zwischen: „Immer mit der Ruhe. Es dauert so lange wie es dauert.“ und „Ich will jetzt langsam mal fertig werden!“ Die Situation bleibt schlecht überschaubar, ich will an dieser Stelle aber nicht weiter darauf eingehen. Ich habe die Situation für mich erst einmal dadurch gelöst dass ich beobachte, ab und an einen Kommentar abgeben und mich ansonsten auf die Bearbeitung der für mich ziemlich interessanten Studienbriefe konzentriere. Inzwischen verdichtet sich meine Tendenz wegen der Zeitknappheit kein neues Praktikum zu machen, sondern etwas bereits absolviertes reflektierend zu bearbeiten, wenn ich dafür Bestätigung und Anerkennung bekomme, zumal ich momentan auch nur alte Ideen verwirklichen könnte, während ich aber eigentlich nach neuen suche. Die sind aber noch nicht da.

Meine Problematiken mit der FernUni beobachte ich momentan allerdings aus einer ganz neuen Perspektive, Schlussfolgerungen stehen jedoch noch aus.

Damit starte ich in die neue Woche. Wichtig wird es dieses Mal einen Aspekt zu berücksichtigen, der sonst nicht notwendig ist. Ich muss daran denken mir jeden Tag gezielt eine längere Zeitspanne für Bewegung zu reservieren. Schulferienzeit verleitet mich seit einer Weile sehr dazu diesen Aspekt zu vernachlässigen, mit ausgesprochen negativen Konsequenzen!

Teaching for Learning 7 – Erste Woche

Im letzten Jahr bin ich durch mein Interesse an Lerntheorien auf eine Kursreihe angeboten als xMOOCs gestoßen, von der ich heute die erste Woche des siebten Teils beendet habe. Dieses Mal geht es darum was es bedeutet als Lehrer professionell zu sein.

Durch die Reihe habe ich einen Eindruck von der Vorstellungswelt und den Aufgaben von Lehrern an Schulen bekommen. Im Zusammenhang mit einem Studium der Bildungswissenschaft und seit vielen Jahren mit Schule konfrontiert eine sinnvolle Aktion. Gleichzeitig habe ich durch die Art der Zusammenstellung eine Menge über Vorstellungen aus dem Bereich des Commonwealth zu Schule erfahren, da jeder Kursteil in der Verantwortung von Lehrenden aus unterschiedlichen Commonwealthländern besteht. Die Kursreihe soll insgesamt drei Mal angeboten werden, dann ist sie beendet. Auf der Coursera-Platform gehört sie zu den „Specializations“, also Reihen, bei denen bei einer Bezahlung eine besondere, betreute Abschlussarbeit vorgesehen ist.

Nachdem zwischen Kurs 6 und Kurs 7 eine Sommerpause lag, merke ich nach dem Neustart, dass ich mir die Auseinandersetzung auf dieser Ebene nicht ausreicht. Der Kurs ist sehr anwendungsorientiert und war wohl ursprünglich konzipiert, um als Lehrer arbeitenden Menschen im Commonwealth, die aber über keine oder nur eine unzureichende pädagogische Vorbildung verfügen mit entsprechenden Informationen auszustatten und einen Austausch untereinander zu initiieren. Beim momentanen Kurs ist die Forenbeteiligung bisher gering, es lässt sich wenig Reaktion auf Aufforderung zum Austausch und zur Diskussion feststellen.

Die erste Woche geht darauf ein was eine Profession ausmacht, was für Erwartungen von Seiten der Gesellschaft an Lehrer gerichtet werden, welche Bedeutung der Lehrer für das Outcome der Schüler hat und versucht Selbstreflexion anzuregen durch die Frage nach den eigenen Gründen Lehrer zu werden. Dabei werden internationale Forschungsergebnisse dazu präsentiert, was Lehrer am meisten zufrieden und unzufrieden macht. Zusätzliche Texte stehen diese Woche nicht zur Verfügung, allerdings Links zu einigen Videos und Netzmaterialien.

Dieses Mal bin ich unterm Strich vom Angebot enttäuscht. Wirklich Neues findet sich für mich nicht und das präsentierte Lehrerbild, die Rollenvorstellung ist für mich beklemmend traditionell. Kritische Töne sind vorhanden, aber gering. Es wird davon ausgegangen, dass nach den Hattie-Studien die Qualität der Lehrer an Schulen den größten Unterschied für Schüler bedeutet. Also ist es logisch, dass hier ein dafür geeignet erscheinendes Lehrerbild entworfen wird. Allerdings finden sich für mich im Kurs keine ausreichenden Belege, warum gerade das Entworfene diese Funktion am besten übernehmen kann.

Betont wird die professionelle Ausbildung und professionelles Handeln, es werden Gründe für die Berufswahl angeschnitten, aber auch hier findet nur eine unzureichende Problematisierung statt. Wesentlich geringer jedenfalls als ich das in der letzten Zeit im deutschen Kontext erlebt habe. Die Studierenden werden auch mit Listen von Erwartungen an Lehrer konfrontiert, die aber nicht kommentiert, sondern der eigenen Bewertung überlassen werden. Eine davon führt bei mir zu massiven Beklemmungen. Im Diskussionsforum findet sich dazu allerdings nur ein Beitrag, der den Inhalt aber nur als eine Wiederholung von Selbstverständlichkeiten sieht und anzweifelt, dass es sinnvoll ist etwas so Selbstverständliches so ausführlich darzulegen. Ich empfinde die Vorgaben als zu idealistisch, zu festlegend, zu wenig Raum lassend und zu sehr als überlastenden Anforderungskatalog formuliert. Nach einem Tag Abwarten ob sich noch jemand anders sich dazu äußert, stelle ich mutig meine Bedenken ein.

Dieses Mal habe ich alles sorgfältig und in Ruhe durchgelesen und mich mit den Anforderungen und dem Syllabus des Kurses im Vorfeld vertraut gemacht. Ich habe auch die Anfangsumfrage ausgefüllt und mir den letzten möglichen Termin für die Feedbackbefragung notiert. Ich bin auf alle vom Kurs an mich herangetragenen Anforderungen eingegangen und habe auch mein physisches Portfolio der Kursreihe wie empfohlen weiter gefüllt (e-portfolio wäre auch in Ordnung). Das Quiz wurde mit voller Punktzahl beim ersten Versuch ohne Nachschauen bestanden, d.h. von meiner Seite habe ich dieses Mal alles getan, wozu der Kurs angeregt hat. Arbeitsaufwand bisher ohne Blogdokumentation 6:15 Stunden, zusammenfassende Aufzeichnungen während der Videos inklusive. Das bedeutet 27 mit Bleistift schnell beschriebene Collegeblockseiten anhand derer ich die Inhalte der Kurse später rekapitulieren kann. Eigene ergänzende Anmerkungen und kleine angeregte Aufgaben sind inklusive.

Ich bin mit meiner Arbeitsweise inzwischen sehr zufrieden. Mitzuschreiben gerade bei englischsprachigen Videos hilft mir den Inhalt besser zu erfassen. Er rauscht weit weniger an mir vorbei. Auf die Aufzeichnungen selbst kann ich später zurückgreifen, auch wenn die Materialien nicht mehr im Netz zur Verfügung stehen. Für die Kurse sind immer zwei themenbezogene Essays erforderlich. Um dazu nachlesen zu können, haben sich die Aufzeichnungen auch als geeignet herausgestellt. Halte ich Ordnung, bekomme ich beim Durchblättern meiner handschriftlichen Seiten schnell wieder einen Überblick.

Allerdings, wie geschrieben, bringt der Inhalt dieses Mal nicht wirklich etwas Neues. Diese Darstellung des Lehrerberufs kann mich nicht vom Hocker reißen, sie ist einfach zu traditionell und zu wenig kritisch. Allerdings bestätigt sich dadurch meine Studienwahl. Bildungswissenschaft hat eine andere Ausrichtung als eine Lehrerausbildung und genau das begrüße ich. Ich bin sehr froh, dass ich zu kritischen Fragen angeregt werde, dass ich selbstverständliche Dinge in Frage stellen darf, dass ich keinen obskuren Rollenvorstellungen entsprechen muss, und dass ich nicht gesellschaftliche Anforderungen zu erfüllen habe, die anzuzweifeln nicht meine Aufgabe ist. Im Angesicht dieses Kurses erscheint mir die Freiheit, die ich bei meinem Studium habe, nur noch beglückend. Ich kann solche Rollenvorstellungen anwenden, aber ich muss es nicht. Ich kann sie hinterfragen, kann es wagen ganz anderer Konzepte zu entwickeln, wenn ich will.

Es kann natürlich sein, dass sich der Kursinhalt noch ganz anders entwickelt, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ich benutze das Ganze für einen Themenüberblick, das empfinde ich als für mich nützlich, und ich beabsichtige auch weiterhin die Reihe mit einer Bescheinigung erfolgreicher Teilnahme abzuschließen (es fehlt ja nicht mehr viel).

Insgesamt hat mir der Kurs geholfen besser zu verstehen, womit ich es beim schulischen Lernen zu tun habe, wie eine Sichtweise, die sich weltweit verbreitet hat, Lern- und Lehrvorstellungen prägt. Noch während keinem der Kurse der Reihe habe ich mich so sehr als Studierende der Bildungswissenschaft und damit als etwas anderes gefühlt. In gewisser Weise hilft mir diese Kursreihe stärker zu erkennen, was eigentlich Bildungswissenschaft im Vergleich zu einem vorbereitenden Studium für das Unterrichten an Schulen ausmacht.

Weiterhin wichtig für mich ist die bewusstere Herangehensweise an den MOOC und die gezielte Fortführung bewährter Strategien und ihre Beobachtung. Ich werde später die Unterlagen noch einmal rekapitulieren, auf eventuell offene Fragen Antworten suchen und damit die erste Woche beenden.

Die Textlänge, die inzwischen entstanden ist, entspricht übrigens inzwischen ziemlich genau der Maximallänge der erforderlichen Essays. Diese beträgt 700 bis 1000 Worte.