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Ein nostalgischer Adventskalender

Zu Beginn des Monat hatte ich den folgenden Blogeintrag geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht, da ich noch nicht wusste, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird:

Früher gab es in unserer Schulbetreuung im Dezember einen Adventskalender. Dann wurden es immer mehr Kinder, die zur Gruppe gehören, es gab immer mehr Fluktuation und dieses Jahr hatte dann niemand mehr einen Adventskalender geplant. Etwas zu verteilen hat nicht mehr gut funktioniert.

Ich selbst habe zwei Kalender. Einen mit Schokolade und einen nostalgischen. Der ist wie früher in meiner Kindheit. Als Motiv einen weihnachtlich geschmückten Spielzeugladen und hinter den Türchen kleine Bilder. Die Idee, den dieses Jahr zu benutzen, hatte ich in einem Kiosk, in dem die Verkäuferin für den Laden gerade einen Werbeadventskalender auspackte. Ich hatte vor einigen Jahren in einem Mülleimer mehrere dieser nostalgischen Adventskalender gefunden, original verpackt, keine Ahnung wie sie dort gelandete waren.

Jetzt hängt einer dieser Kalender in der Betreuung am Fenster und ich bin sehr überrascht über die Wirkung. Es war eine spontane Idee und ich hatte mir gar nichts weiter dabei gedacht, außer dass es dabei ja keinen Ärger darüber geben kann, wenn ein Kind etwas bekommt und die anderen nicht.

Ich hätte nie gedacht, dass heutigen Kindern eine so altertümliche Form Freude machen könnte. Aber es ist so. Und der Umgang damit ist zudem sehr friedlich. Irgendein Kind oder mehrere Kinder suchen das tägliche Türchen, es wird geöffnet und gestern hörte ich ein Kind (1.Klasse) sagen. „Oh ist das ein schöner Stern!“ Irgendwann im Lauf des Tages saß ein anderes Kind eine ganze Weile davor und schaute sich den Kalender genauer an. Hinter dem Kalender kann man durch das Fenster den kleinen Schulgarten sehen.

Ein Junge kam sogar auf die Idee selber einen solchen Kalender machen zu wollen. Mit meiner Beratung und Unterstützung konnte er das Projekt am gleichen Tag abschließen. Hat zwar nicht alles optimal funktioniert, die Idee wurde aber auch von anderen Kindern überlegt.

Inzwischen ist die Warte-Zeit bis Weihnachten fast um und ich bin mit der Lösung immer noch sehr zufrieden. Es gab wegen dem Kalender keinen Ärger, keinen Stress und er ist eine sinnvolle Bereicherung. Er hat seine Count-down-Funktion bisher gut, unkompliziert und ohne großen Aufwand erfüllt.

Zwischendurch war ich mit einem Kind konfrontiert, das einige Tage hintereinander mit den Spielzeugen aus seinem häuslichen Kalender in der Betreuung erschien. Es handelte sich dabei vor allem um Plastikgegenstände, die zusammen ein Thema ergaben. Ich stellte mir vor, wie der Stapel von Tag zu Tag wächst, wie sich Kisten im Verlauf der Jahre füllen und wusste: nein, so etwas will ich nicht mehr. Genauso wenig wie eine Fixierung auf Süßes und Schokolade.

Ich habe momentan ein großes Problem mit einer gesellschaftlichen Ausrichtung an Überfülle und permanentem Wachstum bei gleichzeitigem weltweitem Verbrauch von nicht erneuerbaren Rohstoffen, Artensterben und dem Verschwinden von mehr und mehr traditionellen Lebens- und Wirtschaftsformen bei einer zunehmenden weltweiten Ausrichtung auf den übermäßig verschwenderischen Lebensstil der führenden Wirtschaftsnationen. Eine kürzlich gefundene Sendung von arte auf YouTube trifft diese Problematik sehr gut.

Es ist Adventszeit und ich komme nicht umhin mich zu fragen was für mich in dem ganzen Rummel in Hinblick auf Weihnachten einen Sinn ergibt. Adventskerzen sind wunderbar. Jede Woche wird es ein wenig heller. Ein Count-down ist auch gut. Wunderbar zu sehen wie die Tage vergehen und die Zeit bis zum Ereignis abnimmt. Aber ein Geschenk muss nicht dabei sein. Jahresabschlussfeiern sind ebenfalls gut, genauso wie kleine Geschenke als Dank für das vergangene Jahr. Und dann kommt – was?

Was ist das Besondere an Weihnachten in einer Gesellschaft des Überflusses? Noch mehr materielle Dinge? Oder eher etwas anderes? Meine momentane Antwort ist Zeit zum Nachdenken und Kommunizieren in einer angenehmen, entspannten Umgebung. In gewisser Weise wird das von den Begriffe Liebe und Frieden getroffen. Im ersten Weltkrieg gab es Soldaten, die Weihnachten Waffenruhe hielten und sich gegenseitig besuchten. In unseren Breiten ist es außerdem Weihnachten kalt und dunkel. Wärme ist da gut und Licht und ein sicherer Ort. Etwas Besonderes zum Essen benötige ich allerdings nicht, so gut genährt wie ich jeden Tag werde.

Eben gerade habe ich einen riesigen Packen Werbung für Weihnachtseinkäufe aus dem Briefkasten gefischt. Das erste Mal brennen vier Kerzen am Adventskranz und vor meinem Fenster färbt der Sonnenaufgang erst den Horizont und dann einen Teil des Himmels immer intensiver gelb-orange-rot. Eine Krähe sitzt auf einer Lärchenspitze und wendet den Kopf hin und her. Es ist Sonntag und noch sehr still.

Ich muss mich damit auseinandersetzen wie ich Weihnachten haben möchte, darum komme ich nicht herum.

Zwischen den Feldsträucher hängt noch morgendlicher Dunst und verzaubert die Hügel. In den Appalachen wurden bisher mehr als 500 Berggipfel für den Bergbau abgetragen. Das ist nicht fern, das ist ganz dicht, direkt vor meiner Haustüre, denn es ist die gleiche Erde.

Ich muss mich damit auseinandersetzen wie ich Weihnachten haben will. Containerladungen voller Güter werden über tausende von Kilometern heran geschifft, um sie denen zu verkaufen, die sie sich leisten können. Angebote über Angebote drängen sich über vielfältige Kanäle den potentiellen Kunden auf, um zum Jahresende die Umsätze noch einmal zu erhöhen.

Ich denke, mir ist sehr nach Konsumverzicht.

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Wie fühlt sich Diskriminierung an?

Eigentlich dachte ich, ich könne jetzt gemächlich mein Studium zu Ende bringen, doch dann beginne ich nach der Bedeutung des Titels der noch ausstehenden Präsenzveranstaltung zu fragen und lese mir in diesem Zusammenhang in der Wikipedia die Beschreibung von Diskriminierung durch

„Diskriminierung bezeichnet eine gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen.“ (Wikipedia)

und verfalle auf die Idee zu fragen, wie sich Diskriminierung eigentlich anfühlt. Was geschieht auf der Ebene der Emotionen und Gefühle, wenn eine Person als Mitglied einer spezifischen Gruppe benachteiligt oder herabgewürdigt wird und welche Konsequenzen hat das für ihr Handeln?

Ich hatte erwartet, dass ich das einfach beantworten könne, es ist aber nicht so. Die Frage verfolgt mich einen Tag lang wie ein Kōan. Im Netz kann ich sehr einfach eine Definition für Diskriminierung finden, die Frage was in einer Person geschieht, die diskriminiert wird oder diskriminiert, erfordert aber etwas mehr Aufwand.

„Diskriminierung entsteht in der Perspektive des Opfers. Täter sehen ihr eigenes Verhalten den Opfern gegenüber häufig selber nicht als diskriminierend.“ (Hansen, 2009, S.156)

Es ist Vorweihnachtszeit und die Güterwelt schüttet ihre Angebote über die Konsumenten aus. Dazwischen blitzen die Bilder Benachteiligter auf und die bettelnden Augen der Werbekinder der Spendenorganisationen.

„Die Erfahrungen von sozialer Diskriminierung gehen an den Diskriminierten nicht spurlos vorbei. Sie können stressig und verletzend für Mitglieder von statusniedrigen Gruppen sein.“ (Hansen, 2009, S.156)

In meiner Gesellschaft ist es kaum möglich Weihnachten zu entkommen. In irgendeiner Form muss man damit umgehen. Die Themen Konsum, Armut, Moral sowie gesellschaftliche Positionierung haben dabei durchaus eine enge Verbindung zu Weihnachten. Es gibt ziemlich viele Geschichten dazu, dass Benachteiligten an Weihnachten etwas Besonderes geschieht oder dass schlechte Menschen zu Einsicht kommen. Es gibt dahingehende Vorstellungen, dass Weihnachten jeder das Recht auf ein wenig Freude hat. Süßer Balsam mit unterschiedlichen Funktionen. Dieses Jahr nehme ich plötzlich eine anderen Perspektive der Betrachtung ein als sonst.

Aber erst einmal zurück zu meinem Kōan. In einer Situation, in der ich mich nicht aktuell diskriminiert fühle, entsteht kein Bild vor meinen Augen wie sich Diskriminierung anfühlt und welche Emotionen damit verbunden sind. Erst als ich einen Text zu lesen beginne, der mir eine Vorstruktur liefert, erhalte ich ein Bild.

Immer und immer wieder bin ich damit konfrontiert, dass ich auf der einen Ebene denke und auf der anderen fühle. Aaron Ben-Ze’ev (2009) schlägt vor den Unterschied durch die Existenz zweier unterschiedlicher mentaler Modi, eines intellektuellen und eines emotionalen, mit unterschiedlicher Logik zu erklären. Für mich liefert diese Vorstellung eine Erklärung dafür, warum ich durch die sprachlich formulierte Frage, wie sich Diskriminierung anfühlt, nicht auf der Ebene der Emotionen lande. Ich erhalte nur Informationen dazu, was ich über Diskriminierung denke.

Erreichen kann mich allerdings der Text von Nina Hansen (2009), denn sie liefert meinen Gedanken eine strukturierte Grundlage, für deren Überprüfung ich dann spezifische Erinnerungen verwende. Auf Emotionen bezogen führt Hansen vor allem Unsicherheit, Depression, Angst vor Zurückweisung und Wut an. Für Unsicherheit und Depression wäre es notwendig noch genauer die spezifischen Emotionen zu bestimmen. Die Nennung der Namen der Emotionen ermöglicht es mir, sie in meiner Erinnerung an Situationen zu identifizieren. Wie hat sich diese Unsicherheit angefühlt, welche Gedanken und Einschätzungen hat die Depression gefördert, wann tritt die Angst auf, wann richtet sich die Wut gegen mich selbst und wann gegen andere?

Ich erhalte ein wesentlich differenzierteres Bild davon was im Augenblick der Erfahrung der Diskriminierung vor sich geht als zuvor. In ihren Schlussfolgerungen empfiehlt Hansen die Analyse von Situationen als Unterstützung, um soziale Diskriminierung erkennen zu lernen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass ihr Ansatz davon ausgeht, dass soziale Diskriminierung häufig uneindeutig ist. Einerseits sehen die Täter die diskriminierenden Aspekte des eigenen Verhalten oft nicht, andererseits werden heute wegen egalitärer Überzeugungen und gesellschaftlichem Druck weniger offensichtliche, dafür mehr ambivalente, subtile, unbewusste und automatische Formen der Diskriminierung verwendet (Hansen, 2009). Neben der sozialen Diskriminierung existieren außerdem noch weitere Formen von Diskriminierung wie individuelle, institutionelle, strukturelle, symbolische oder sprachliche. Eine genauere Analyse kann dabei helfen die verschiedenen Einflussfaktoren zu erkennen, die eigenen Reaktionsformen zu verstehen, vor allem aber die Verantwortung der Täter zu erkennen.

Interessant ist es in dem Zusammenhang, dass Hansen davon ausgeht, dass die Opfer klare Fakten benötigen, wenn sie Vorgänge öffentlich machen wollen, da sie sich ansonsten dem Risiko aussetzen als Querulanten abgewertet und abgewehrt  zu werden. Eine einfachere Form der Unterstützung kann daher in Gesprächen mit anderen Betroffenen bestehen, eine Methode, die u.a. in Selbsthilfegruppen Verwendung findet. Dadurch kann die Angst vor Zurückweisung vermindert und die soziale Identifikation gefördert werden.  Ebenso kann dadurch die Wut auf sich selbst verringert und in geeigneter Bahnen gelenkt werden, wie in die Wut auf die Täter oder den Wunsch die Situation ändern zu wollen.

Für Arbeits- und Bildungskontexte ist es nach ihren Schlussfolgerungen dabei interessant das Umfeld so zu gestalten, dass stigmatisierte Gruppen nicht an ihr Stigma erinnert werden.

Für mich von besonderem Interesse ist im Zusammenhang mit Diskriminierungserfahrungen der Unterschied zwischen öffentlichem und persönlichem Selbstwert. Hansen verweist auf Untersuchungen, nach denen Stigmatisierung und niedrige Stellung in der Gesellschaft entgegen vieler Annahmen keinen niedrigen Selbstwert zur Folge haben. Das führt zu der Annahme, dass die Erfahrung von Diskriminierung zwar den öffentlichen Selbstwert mindert, aber noch lange nicht den persönlichen. Damit wird für mich das scheinbar paradoxe parallele Auftreten von hohem und niedrigem Selbstwert gleichzeitig sehr gut erklärbar.

Insgesamt hat sich meine Fragestellung danach, wie sich Diskriminierung denn nun anfühlt, als ausgesprochen fruchtbar erwiesen. Es sind häufig vor allem die Emotionen, die Diskriminierung so unangenehm machen. Diskriminierung wird häufig zuerst auf der Basis auftretender Emotionen gefühlt, die als schnelle Reaktion auf Einschätzungen von Situationen auftreten, und danach erst bewusst als Diskriminierung gedacht werden. Die Aufgabe des Denkens ist dabei auch, die Emotionen in Richtung eines positiven Erlebens zu verändern und der Wiederholung von negativ eingestuften Emotionen entgegen zu wirken. Es kann davon ausgegangen werden, dass die verfügbaren Informationen über Bedeutung und Stellenwert der Emotionen dafür bedeutsam sind.

Laut Hansen enthält die Wahrnehmung sozialer Diskriminierung dabei eine entlastende Komponente: man hat es nicht selbst verursacht. Dieser gegenüber steht allerdings eine belastende Komponente: man ist unveränderlich Teil einer gesellschaftlich diskriminierten Gruppe. Je stärker man sich mit dieser Gruppenzugehörigkeit identifiziert, um so weniger wütend werden aber die Opfer anscheinend auf sich selbst, dafür um so wütender auf die Täter, wenn die Diskriminierung als illegitim eingeschätzt wird.

Ein weiterer interessanter Punkt bezieht sich auf die Angst, die durch Diskriminierungserfahrungen entsteht. Je mehr sie auftreten, um so mehr werden sie auch für die Zukunft erwartet. Die Angst davor beeinflusst wiederum das Verhalten in zukünftigen Situationen. Da ängstliche Personen in der Regel mehr Schwierigkeiten haben, kommt es zu Leistungsminderungen. Innerhalb von Bildungskontexten hat das Auswirkungen auf Noten, Leistungen sowie den Umgang mit anderen und Institutionen.

Zurück zu Weihnachten. Mit einem besseren Überblick auch darüber was die Emotionen so betreiben, ist es einfacher zu widerstehen. Das erläutere ich jetzt nicht genauer. Nur so viel: es gibt noch viele andere Texte und eine Umbewertung durch Änderung von Einstellung, Perspektive oder Sichtweise hat einen Einfluss auf die bewertenden Emotionen.

Referenzen:

Ben-Ze’ev, A. (2013). Die Logik der Gefühle. Kritik der emotionalen Intelligenz (2. Aufl.). Frankfurt: Suhrkamp.

Hansen, N.(2009). Die Verarbeitung von Diskriminierung. In: Beelmann, A. & Jonas, K.J. (Hrsg.). Diskriminierung und Toleranz. Psychologische Grundlagen und Anwendungsperspektiven. Wiesbaden: Springer VS .

Weihnachtliches Basteln

Dieser Beitrag beschreibt eines meiner diesjährigen kleinen Bastelangebote in der Grundschulbetreuung für Kinder der ersten und zweiten Klasse, da ich damit ausgesprochen zufrieden war.

DSCI0859Die Idee stammt aus einer Kita, wo entsprechende Figuren mit gehäkelter Mütze zur Unterstützung der Gruppenarbeit vor Weihnachten zum Verkauf angeboten wurden. Da sämtliches Material ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stand, entwickelte sich allerdings mit etwas Skepsis auf den Schwierigkeitsgrad bezogen die Idee, diese Figur möglichst selbstständig von den Erst- und Zweitklässlern nacharbeiten zu lassen.

Im Rahmen der Betreuung ist die Teilnahme im Gegensatz zu der Kita nicht für alle Kinder verpflichtend. Es war jedoch genug Material vorhanden, so dass alle Kinder hätten teilnehmen können. Die Teilnahme war allerdings nicht nur vom Interesse abhängig, sondern auch ob das jeweilige Kind während der Arbeitszeit der unterstützenden Betreuerin in der Betreuung anwesend war. Über das Material konnte nicht frei verfügt werden und seine Nutzung über das Bastelangebot hinaus wurde vermieden.

Erstaunlicherweise waren relativ viele Kinder interessiert und es entstand im ersten Anlauf unvorbereitet ein Gruppenangebot bei dem später hinzukommende Kinder auf die zweite Runde warten mussten. Für den Zusammenbau wurde kein Heißkleber sondern Bastelkleber verwendet, was zu Problemen bei einigen Kindern führte, da sie erwarteten, dass alles was sie anklebten sofort halten würde. Insgesamt waren die emotionalen Zustände von Gier, Neid und Frustration das Auffälligste bei dieser Aktivität. Kinder versuchten mehr Material als sie benötigten für sich allen zu sichern, begannen mit dem Zusammenbau bevor Erklärungen erfolgt waren, hörten nicht zu und äußerten sich frustriert, wenn sie nicht sofort Hilfe bekamen. Das Fertigstellen selbst zog sich dann etwas hin, da die Kinder einzeln angesprochen werden mussten und nicht alle Kinder immer anwesend waren.

Zum Erstaunen der Betreuenden dauerte es allerdings nicht sehr lange die Figuren herzustellen. Sie hatte mit Absicht vorher nicht selbst versucht die Figur nachzuarbeiten, weil sie wissen wollte wie weit diese Aktivität in ihrer reinen Arbeitszeit ohne vorherige Vorbereitung umsetzbar wäre. Daher fehlten an diesem Tag für die Figuren Gesichter und Mützen, da in der Betreuung weder ein geeigneter Stift für die Gesichter noch geeignetes Material für die Mützen vorhanden war. Bei weiteren Durchführungen war es dann möglich die Figuren im Rahmen einer halben Stunde so anzufertigen, dass sie nur noch einige Stunden Trockenzeit benötigten. Dafür wurde jede einzelne Figur auf eine stabile Papierunterlage mit Namen gestellt, um sie transportieren und später wieder zuordnen zu können.

Weihnachtsbasteln2Für die Figuren selbst war Watte auf einer Fensterbank ausgelegt worden. Die Kinder durften für ihre fertigen Figuren einen Platz darauf suchen und wurden informiert, dass die Figuren zwei Wochen als Weihnachtsdekoration dienen sollten, um dann im Verlauf der letzten Woche verpackt zu werden. Einigen Kindern fiel es schwer das zu akzeptieren, da sie ihre Figuren gerne sofort mitgenommen hätten. Auf diese Weise entstand allerdings am Fenster nebenher eine dekorative winterliche Landschaft. Die Hauptbetreuerin unterstütze die Idee, indem sie mit Kindern noch passende Sterne für das Fenster bastelte.

Da das Wetter sehr feucht war und es dadurch nur selten möglich war nach DSCI0863draußen zu gehen, wurde noch eine einfache Tannenschablone erstellt und es konnten damit Bäume ausgeschnitten werden, die von den Kindern eigenständig dekoriert werden konnten. Dabei wurde Glitzerkleber bevorzugt, was sich als sehr ungünstig herausstellte,

  • da er verhinderte dass andere Dekorationsformen ausprobiert wurden,
  • da es Probleme mit Kleber auf Tisch und Ärmeln gab,
  • da das Papier davon weich wurde und die Bäume umkippten,
  • da die Kinder damit überdekorierten,
  • da immer nur ein Kind eine Farbe benutzen konnte,
  • da die Bäume erst länger trocknen mussten,
  • da es Streit und Frustration gab.

DSCI0861Kurz: Glitzerkleber sollte im Kontext einer selbstständig arbeitenden Kindergruppe dieses Alters vermieden werden. Außerdem ist er vergleichsweise teuer. Als es keinen Glitzerkleber mehr gab, wurde der Dekorationsprozess wesentlich entspannter.

Zum Abschluss wurden in der letzten Woche die Figuren und auf Wunsch die Weihnachtsbäume verpackt. Es wurde versucht, dass die meisten Kinder das selbstständig taten. Sie hatten dazu eine weiße Pappe passend zuzuschneiden, mit ihrem Namen zu versehen, dünn mit Watte zu belegen, die Figur daraufzustellen und mit Hilfe der Betreuerin durchsichtige Folie mit einem Dekoband und Tesafilm darum herum zu befestigen. Die Figuren konnten dann zu einem beliebigen Zeitpunkt vor Weihnachten mitgenommen werden, was auch in allen Fällen klappte.

DSCI0849Als Fazit lässt sich sagen, dass hier mit sehr geringem Zeitaufwand eine Aktivität angeboten wurde, die vielfältigen Nutzen hatte und sich in der Form gerade für Betreuerinnen mit wenig Zeit und zur Verfügung stehendem Geld sehr gut eignet. Es war keine Vorbereitungszeit zwingend notwendig außer der Zusammenstellung der benötigten Materialien. Diese waren hier komplett vorhanden, ansonsten ist ihr Anschaffung günstig. Benötigt werden Tannenzapfen, Holzwäscheklammern, Styroporkugeln, Acrylfarbe für die Köpfe, ein schwarzer Fineliner, Krepppapier in Streifen, Wolle, eventuell Filzwolle für die Haare, Holzspieße, Chenilledraht, Bastelkleber.

Insgesamt wurden Bastelangebot, Dekoration, Weihnachtsgeschenk und das Üben von Verpacken kombiniert, gleichzeitig waren Arbeitsaufwand und Kosten gering, was zu einem Gefühl von Zufriedenheit und Effektivität sehr betrugt. Die verpackten Figuren selbst wurden als sehr attraktive Weihnachtsgeschenke empfunden und waren mindestens genauso interessant und ästhetisch wie das von einer Erwachsenen hergestellte Modell. Zur Nachahmung empfehlenswert.

Weihnachten 2013 – die Zweite

Während draußen ein Sturm an den Zweigen rüttelt und Unruhe verbreitet, ist mein innerer Sturm zur Ruhe gekommen. In Bilder übertragen wurde ein Turm zu Babel ähnliches Gebäude in alle seine Ziegeln zerlegt, hat sich aber nicht zu einem neuen Gebäude geformt wie ich zuerst angenommen hatte, sondern alle Ziegeln haben sich in geordneten Reihen auf den Boden gelegt. Eine weite Landschaft war damit bedeckt, was ich sehr angenehm fand, denn alles war offen und frei und ich stand auf einem befestigten Boden. Allerdings war der natürliche Untergrund dadurch abgedeckt und ich hatte Angst um die Fruchtbarkeit der Erde. Deshalb habe ich die Ziegeln sich zerkrümeln lassen und die Krümel dazu gebracht, dass sie langsam im Boden einsickern. Anschließend habe ich begonnen Formen aus dem Boden zu ziehen, die an afrikanische Termitenhügel erinnern. Organische Formen mit vielen bewohnbaren Kammern gewachsen aus dem Untergrund auf dem sie stehen.

Vor vielen Jahren habe ich durch eine Kunsttherapeutin gelernt, dass ich hervorragend mit inneren Bildern arbeiten kann, um zu oft überraschenden Erkenntnisse über innere Vorgänge und darüber zu stimmigen Lösungen für geistige Probleme zu kommen. In einer schwierigen Lebenssituation konnte ich mich dadurch, dass ich meine eigenen inneren Bilder visualisiert und dann gezeichnet oder gemalt, betrachtet und interpretiert habe, nach und nach selber stabilisieren. Anschließend habe ich in Ausstellungen, Vorträgen und an Infoständen in dem starken Wunsch zu teilen meine Erfahrungen weitergegeben. Selbsthilfe mit Bildern zu unterrichten interessierte mich damals allerdings nicht, zumal die Selbsthilfe für mich persönlich nicht mehr interessant war, als sie ihren Zweck erfüllt hatte. Ich habe lieber weiter erzählende Bilder hergestellt und künstlerische Techniken an Kinder vermittelt. Auch am Aufschreiben und Zusammenfassen des Erfahrenen für andere war ich nicht interessiert. Selbsthilfe zu unterrichten erschien mir in sich selbst nicht schlüssig.

Doch mit dem Hintergrund des BiWi-Studiums betrachte ich jetzt alle Erfahrungen von Lernen und Lehren neu. Das dekonstruierte Gebäude meiner Visualisierung ist gewissermaßen meine bisherige Vorstellung basierend auf dem was mir durch meine Umgebung vermittelt wurde. Wissenschaft beinhaltet einen Anteil alles zu hinterfragen, anzuzweifeln und nichts als gegeben hinzunehmen. Auf dem freigeräumten Areal meiner Vorstellung ist jetzt Platz für neue Gebäude, die ich aus einem Boden herauswachsen lasse, der aus dem natürlich vorhandenen Material und den aufgelösten Strukturen besteht. An den Formen, die ich dabei entwickele, erkenne ich, dass es mir nicht möglich ist meine Herkunft zu leugnen. Doch die Welt ist groß und es gibt viele Herkünfte. Und vermittelt über das BiWi-Studium habe ich gelernt, dass Menschen ihr Potential am Besten entfalten können, wenn sie in Verbindung zu ihrer Herkunft, ihrer Sprache und ihren Vorstellungsbildern bleiben. Allerdings müssen sie diese auch selber respektieren und schätzen und sich in der Begegnung mit anderen nicht in eine Position der Minderwertigkeit bringen lassen.

Heute ist Heiligabend. Die Feier zur Geburt Jesus, den man heutzutage durchaus als einen gesellschaftlichen Looser bezeichnen kann. Meine Gedanken wandern aber auch zu Siddharta Gautama, zu Mahatma Gandhi und aktuell zu Nelson Mandela. Sie alle kann man als Lehrer betrachten, die Menschen etwas darüber gelehrt haben, wie sie in einer besseren Weise zusammenleben können. Und in meiner Vorstellung finden alle diese Menschen Platz in einem der neu gewachsenen Termitenhäuser auf meinem Gelände der Verbindung von Bildung, Gesellschaft und Einzelwesen. Und so wandern meine Gedanken am Ende des Beitrags zu Lehrern der Menschheit, die versucht haben, die Verbesserung menschlichen Miteinanders zu inspirieren. Gut dass es diese Inspiration gibt!

Frohe Weihnachten!